Spitze

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Festliche Roben, feine Unterwäsche, Tischtücher, gebauschte Röcke, Handschuhe. Dort sind Spitzen zu finden.

Eine Großtante von mir häkelte tagein und tagaus spitzen, auf Vorhänge, auf Altartücher, auf Handtücher, sogar Spitzenbordüren auf Stofftaschentücher, obwohl die schon lange niemand verwendete. Und wer hätte denn gewagt, sich in diese feine Arbeit zu schnäuzen, oder auch nur einen Träne hineinzuvergießen?

Spitze kann gehäkelt, gestrickt, gestickt, geklöppelt werden. Lauter für mich geheimnisvolle und undurchschaubare Techniken (gehäkelt und gestrickt habe ich zwar schon viel, aber Löcher in der richtigen Reihenfolge habe ich nie geschafft). Vor allem das Klöppeln – zig Fäden, alle mit einem Holzstöckchen müssen in der richtigen Reihenfolge verschlungen werden. Aber im Grunde ist jede dieser Techniken nur die richtige Verschlingung und Verknotung von Fäden, die Ergebnisse deshalb für mich umso faszinierender. Weiterlesen

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Eclipse

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Das griechische Wort Ekleipsis (Eklipse) bedeutet Überlagerung, Verdeckung oder Auslöschung. Wenn sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt, löscht er so die Sonne aus. Das verleiht dem kleinen Mond eine ziemliche Macht, vielleicht galt deshalb früher eine Sonnenfinsternis als unheilsverkündendes Ereignis.

Ich empfinde Eklipse eher als Ergänzung, als Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, die zusammen etwas Neues ergeben. Auch lautmalerisch höre ich den Klick, mit dem sich zwei Dinge zusammenfinden. Eklipse klingt nicht bedrohlich. Aber Laute malen zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich, und Bedrohungen wurden immer schon aus dem Nichts erfunden, wenn das als opportun erschien. Weiterlesen

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Pensées: Ein Ausflug nach Trier

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  1. Auf dem Rückweg von Luxemburg fahren wir nach Trier.
  2. Trier ist ganz in der Nähe von Vianden, wir brauchen nicht besonders lange dorthin.
  3. Wir parken in der Nähe der Konstantin-Basilika, ein großer Klotz aus Backsteinen.  An deren Rückseite klebt ein zuckertörtchenrosa Palais mit weißer Stuckatur. Sehr Barock, sehr seltsam im Kontrast.
  4. Durch eine große Parkanlage kommen wir zu römischen Thermen. Ein einzelner Steinfuß steht vor dem Museumseingang. Jemand hat etwas Blaues auf ihn gesprüht.
  5. Ins Museum gehen wir nicht, sondern wir wollen weiter zum Amphitheater. Weiterlesen
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Ironworks

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In alten Burgen sieht man manchmal Schmieden, mit dem Ambos und dem Ofen, dem schweren Werkzeug und den Blasebälgen. Ich stelle mir dann den Schmied vor, immer als Hünen mit langem Haar (vielleicht ein Wikingerschmied?) und nacktem Oberkörper (hatte er wahrscheinlich nicht, um die Haut vor Verbrennung zu schützen), jeder Muskel definiert wie frisch aus dem Fitnessstudio (muskulös war er, aber Sixpack?).

Ich bin schon sehr geprägt von Abenteuer-  und Historienfilmen. Aber wie kann man wirklich wissen, wie der durchschnittliche Schmied (oder sonst irgendwas) vor hunderten Jahren aussah, ohne sich in historische Quellen zu vergraben? Und überhaupt setzt Fernsehen viel stärkere Bilder in den Kopf als historisch korrekte Beschreibungen in Büchern.

Jedenfalls schlägt mein Schmied im Schweiße seines Angesichts mit einem schweren Hammer auf sein Werkstück ein, bis es die Form hat, die er sich vorstellt. Die Oberfläche ist dann nicht ganz glatt, sie zeigt noch Spuren von seiner Arbeit, aber das Gerät ist benutzbar, sobald es abkühlt.  Weiterlesen

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Pensées: Ein Ausflug nach Luxemburg

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  1. Am nächsten Tag fahren wir nach Luxemburg. In die Stadt.
  2. In der Nähe der Parkgarage hat Lea Linster ein kleines Geschäft. Wir kaufen Madeleines. Ich erwarte mit beim Essen von Madeleines immer einen Proust-Moment. Der kommt natürlich nie. Jede hat ihre eigenen Proust-Momente, ganz unabhängig von Madeleines. Aber schmecken tun sie gut.
  3. Gestärkt gehen wir in Richtung Kasematten. Ich hatte vorher überhaupt keine Ahnung, was eine Kasematte sein könnte. Ich hätte eher an etwas zu Essen gedacht oder ein Sportgerät.
  4. Ja, ich habe peinliche Bildungslücken. Weiterlesen
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Holzblüten

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Schnitzen wollte ich als Kind gerne können. Das schien so aufregend. Das scharfe Messer, die Kunstfertigkeit, die Figuren, die man einem unscheinbaren Stück entlocken konnte.

Versucht habe ich es ja, heimlich im Sommer in Kärnten, weil meine Oma sicher nicht gerne gesehen hätte, wie ich mit einem scharfen Messer hantierte. Gefragt habe ich sicherheitshalber nicht.

Ich fing an mit einer Speerspitze. Ich nahm einen Zweig und spitzte ihn zu. Anfangs ging das auch noch gut aber kurz bevor ich mit meinem Erstlingswerk zufrieden gewesen wäre, nahm ich zu viel Schwung. Und die Spitze war weg.

Zu höherer Meisterschaft habe ich es nie gebracht. Wenn eine Speerspitze meine Fähigkeiten überstieg, würde es nachgerade an Hybris grenzen, wenn ich auch nur an ein Figürchen dachte. Und so gab ich die Schnitzkunst auf. Vielleicht auch um weiterträumen zu können, dass zu anderen Zeiten und in anderen Welten mir doch etwas gelingen könnte. Weiterlesen

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Sonnengöttin

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Die Sonne wurde von den verschiedensten Kulturen verehrt. Es gibt Sonnengötter und Sonnengöttinnen. Manche, wie Appollo oder Mithras, beherrschen die Sonne und ziehen sie über das Firmament. Andere, wie Inti (Inka) oder Amaterasu (Japan), sind die Sonne selbst. Malina (Inuit) wurde zur Sonne, nachdem sie vor ihrem Mondbruder, der sie vergewaltigte, fliehen musste.

Die Mythen erzählen von Gewalt, Intrigen und von Finsternis, wenn die Sonne erzürnt ist. Sie erzählen auch von den Aufgaben, Licht und Finsternis im Lot zu halten, um das Leben zu retten und den Tod abzuwehren.

Ich bin keine Anhängerin von Religionen, aber die Geschichten interessieren mich. Beim Verhältnis Sonne-Erde finde ich faszinierend, dass unser Leben überhaupt nur möglich ist, weil die Erde genau richtig weit entfernt von der Sonne ist, sich genau richtig schnell dreht, und ihre Achse im genau richtigen Winkel gekippt ist. Das alles ist notwendig, das alles ist aber noch kein Garant für die Entstehung des Lebens.

Ob das Universum so groß ist, dass all diese Zufälle hunderte Male oder tausende Male oder eben nur dieses eine einzige Mal zu Leben geführt haben, kann wohl niemand abschätzen. Weiterlesen

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