Holz

img_7585

Ein unscheinbares Stück Holz, rau und matt, voller Splitter. Schön von der Farbe. Und dennoch: ein Stück Holz. Holz, aus dem man vielleicht ein Stück herausgesägt hat, um darauf zu sitzen, oder dessen Ast man abgebrochen und als Werkzeug benutzt hat.

Irgendjemand kam vor tausenden von Jahren auf die Idee, so lange an einem Stück Holz zu reiben und zu feilen, bis es spiegelglatt war, glänzte, angenehm in der Hand lag. Bis jede Faser wie ein feiner polierter Streifen zu sehen war.

Warum tat das jemand? Sah er oder sie polierte Steine im Fluss und merkte gleich, dass diese von Wasser und Sand geglättet wurden. Dass viele unscheinbare Dinge zu Schmuckstücken werden, wenn man sie lange genug poliert?

Wie kam man, damals in der Steinzeit, als alle vermutlich ständig damit beschäftigt waren, Nahrungsmittel zu beschaffen und sich vor wilden Tieren zu schützen, wie kam man darauf, ein Stück Holz, einen Stein, einen Knochen zu polieren und ihn sich als Schmuck umzuhängen? Oder sich vorher sogar noch ein Loch ins Ohr zu bohren und den Gegenstand hineinzustecken? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schmuckkolumne | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Pensées: Ein Ausflug um den Gardasee

cimg0864

  1. Am nächsten Tag planen wir, einmal um den See herumzufahren.
  2. Das Wetter ist leider nicht so schön, wie wir gehofft haben, aber immerhin ist es trocken.
  3. Zuerst fahren wir nach Sirmione. Dort gibt es eine Burg mit den Schwalbenschwanzzinnen der Ghibellinen. Und die Grotten des Catull.
  4. Von der Burg zu den Grotten kommen wir, indem wir dem See entlangspazieren und dann auf einen Hügel steigen. An einer Stelle riecht der See schwefelig, eine Frau sitzt in der Nähe eines mit Steinen eingefassten kleinen Beckens. An einer Stelle dampft es. Vorsichtig tauche ich einen Finger dort in den See. Das Wasser ist wirklich sehr heiß. Hier gibt es heiße Schwefelquellen.
  5. Die Grotten des Catull sind eigentlich die Reste einer riesigen römischen Villa. Die ist über 150m lang. Die Reste des Wandelganges sind deutlich zu erkennen, auch einige Räume. Ein Privathaus sei das gewesen. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Pensées | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

The fabric of spacetime

img_7343

Wie das Universum aussieht, wollte ich immer schon wissen. Ich war aber auch immer zu träge, mich damit auch nur oberflächlich zu befassen. Und ein bisschen Angst hatte ich auch. Angst, schon nach den ersten Seiten nichts verstehen zu können, mich ungebildet und dumm zu fühlen (und ja, ich glaube, die Angst vor der eigenen Dummheit ist nicht selten die Motivation, etwas NICHT zu lernen, nicht nur bei mir).

Aber kürzlich kaufte ich mir ein Buch, The elegant Universe, und begann darin zu lesen. Zuerst ging es um Menschen im Zug und andere auf der Rennbahn, um eine hypothetische Photonenuhr und einen Drehkreisel im Vergnügungspark. Alles, um die Relativität der Zeit und des Raumes einfach verständlich zu machen. Auch um eine Gummimembran, die durch eine schwere Kugel verformt wird. Ich konnte diese einfachen Modelle nachvollziehen. Aber wie sich das tatsächlich auf Raum und Zeit auswirkt, oder noch verstörender: auf Spacetime, das war mir nicht nachvollziehbar.

„The fabric of spacetime“ schreibt der Autor oft, man könne sie sich wie die Membran vorstellen, nur dreidimensional (oder 4, mit der Zeit?), also ganz anders.

Dann begann das Kapitel über Quantenmechanik, auch wieder mit einfachen Beispielen, die ich wieder nicht in Relation zu irgendetwas Relevantem bringen kann. Ich wurde recht verzagt und begann mir Sorgen zu machen, in Quarks zu zerfallen, wenn ich nicht in der Lage wäre, mir die in Atomen wirkenden Kräfte vorzustellen.

Aber langsam, langsam lese ich tapfer weiter, auch wenn ich mich klein fühle ob meiner Unwissenheit und ob der Wunder des Universums. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schmuckkolumne | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Pensées: Ein Ausflug zum Gardasee

cimg0842

  1. Zum Geburtstag meiner Mutter fahren wir zum Gardasee. Es ist Anfang April, ich habe ein bisschen Sorge, ob der Frühling wohl rechtzeitig kommen wird und hoffe insgeheim auf einige Stunden, in der die Morgennebel über dem See hängen und ich beobachten kann, wie sie sich wieder auflösen.
  2. Wir fahren über den Brenner. Zu Mittag sind wir in Magreid. Dort ist das Weingut von Alois Lageder, Paradeis nennt er es, und er hat auch wirklich die besten Weine Südtirols. Und einen sehr netten Garten. Das Wetter ist schön und zum ersten Mal im Jahr essen wir im Freien. Nudeln und sonnengetrocknete Tomaten.
  3. In der Weinhandlung arbeitet ein Mann, der ununterbrochen redet, mit mehreren KundInnen, mehrsprachig. Es ist lustig, ihm zuzusehen.
  4. Nur wenige Kilometer von hier liegt der Ort mit dem schönsten Namen: Weiterlesen
Veröffentlicht unter Pensées | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Mondsteine

img_7295

Mondgestein muss glänzen. Der Mond glänzt ja auch. Zumindest ist er geheimnisvoll. Und auf etwas Geheimnisvollen muss es geheimnisvoll glänzende Steine geben, sonst passt das ja nicht zusammen.

Als Kind war mir diese Logik völlig in sich schlüssig. Alles andere hätte überhaupt keinen Sinn ergeben. Alles andere und besonders einfach mattgrau staubiges Gestein wäre eine bittere Enttäuschung gewesen.

Die kam dann natürlich auch, als ich mir Desillusionierung erlaubte, „Mondgestein“ nachzugoogeln, viele Jahre später, als ich es ohnehin besser wusste.

Zu Weihnachten bekam ich Ohrringe, die exakt so aussahen, wie ich mir Mondgestein vorstellte. Es war aber kein Mondgestein, sondern eine Druse.

Dieses Wort kannte ich nur als Bezeichnung für eine Gruppe von Manschen in Nordafrika und nicht in Zusammenhang mit einem Stein.

Ich schaute nach: Eine Druse ist ein Stein mit einer gleichmäßigen Kristallablagerung. Die Entstehung natürlicher Drusen ist auch faszinierend. Vulkanische Prozesse (was auch immer die sein mögen) lassen Hohlräume in Steinen entstehen (Lavablopse, die außen erhärten? Ich weiß es nicht). In diese Hohlräume sichert Wasser, weil der Stein porös ist. In dem Wasser sind Salze, die dann wieder auf wundersame Weise auskristallisieren, Schicht für Schicht, bis innerhalb des Steins regelmäßige Kristalle entstehen. Hackt man nun den unscheinbaren Stein auseinander, findet man ein Inneres aus Glitzer.

Und das ist doch mindestens so schön wir Mondgestein. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schmuckkolumne | Verschlagwortet mit , | 4 Kommentare

Pensées: Ein Ausflug nach Nancy

cimg0693

  1. Über das Wochenende fahren wir nach Nancy. Das ist die Hauptstadt Lothringens. Obwohl sie nur etwa 5 Stunden von mir zu Hause entfernt ist, war ich noch nie dort.
  2. Auf dem Weg dorthin fahren wir an der Habsburg vorbei. Eine Habsburg-Lothringen-Reise klingt sehr monarchistisch.
  3. Gedanken über den Tausch dieser Region gegen die Toskana drängen sich auf.
  4. Unser Hotel liegt gleich neben der Place Stanislas und einem großen Park. Vor dem Parkt gibt es Stände, an denen Eis und Limonade und Würstel und Waffeln und Süßigkeiten verkauft werden. An denen hätten wir die Kinder nicht vorbeigebracht. Aber wir sind diesmal alleine unterwegs.
  5. Die Place Stanislas sieht so aus, wie ich mir Dresden vorstelle – weiße Prunkbauten mit Goldblättern verziert, an den Ecken goldene Prunktore. Der Platz wurde im 18. Jahrhundert vom ehemaligen König von Polen, Stanislas, erbaut, nachdem dieser abdankte und als Kompensation Bar und Lothringen erhielt. In der Mitte des Platzes steht seine Statue. Weiterlesen
Veröffentlicht unter Pensées | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Jade

img_7260

Jade als seltsam milchig grüner Stein, geschnitzt in Figürchen. So kannte ich das. Ich erinnere mich nicht, ob die Arbeitegeberin meiner Mutter, so eine Figur zu Hause stehen hatte. Ich erinnere mich, dass ich bei Jade die Assoziation mit Gästeseife hatte. Ich erinnere mich nicht warum (aber Gästeseife war für mich damals auch etwas sehr Besonderes, weil sie eben nur von Gästen, keinesfalls aber von mir benutzt werden durfte).

Jade wird seit tausenden von Jahren zu Schmuck und zu Gebrauchsgegenständen geschnitzt. In China, in Mesoamerika, in Südostasien, in Ägypten, in Neuseeland. In manchen dieser Kulturen war Jade den Herrschenden vorbehalten. Gedehnte Ohrlöcher auch. In Mesoamerika trugen Angehörige der herrschenden Klassen große Plugs aus Jade. Manche dieser Schmuckstücke hatten in der Mitte ein Loch, in das ein Jadestift mit einer Kugel eingeführt werden konnte.

Die Toten im alten China, Ägypten und Neuseeland wurden mit Jadefigürchen begraben, um ihnen den Übergang ins Totenreich zu erleichtern oder damit ihr Geist in die Figur übergehen kann.

Schmuckstücke und Schmuckmaterialien entwickelten sich in vielen Kulturen im Lauf der Jahrtausende unabhängig voneinander und doch manchmal sehr ähnlich. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schmuckkolumne | Verschlagwortet mit , , | 6 Kommentare