Elena Ferrante: Die neapolitanischen Romane

Ferrante

Elena Ferrantes neapolitanische Romane zu lesen, ist für mich wie Eintauchen. In eine warme Badewanne. In das Meer an einem heißen Tag. Oder mitunter auch an einem kalten. In ein Schlammbad. Es ist ein Eintauchen, das nicht immer angenehm ist, das einen seltsamen Sog hat. Ein Eintauchen in ein mir unbekanntes Neapel, in die Geschichte von Elena und Lila, in die Sprache, in die Gedanken. Ich wollte nicht mehr auftauchen, ich wollte immer weiterlesen. Gegen Ende des vierten Bandes hatte ich kurzzeitig Sorge, ob ein Auftauchen überhaupt noch möglich ist. Ohne Schaden für mich. So intensiv empfand ich das Lesen der Bücher, auch so verstörend.

Die Romane erzählen die Geschichte von Elena und Lila, die gemeinsam in ärmlichen Verhältnissen in Neapel aufwachsen. Die Schilderungen kleiner Alltagsszenen und großer Katastrophen, die sich im Laufe der Jahre ereignen (die Serie beginnt mit der Kindheit der Protagonistinnen in den Fünfzigerjahren und endet in der Gegenwart), werfen scheinbar im Vorbeigehen große Fragen auf: Weiterlesen

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Pensées: ein Ausflug zum Predilpass auf dem Weg des Friedens

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  1. Wir stehen schon um sieben Uhr auf. Gleich nach dem Anziehen packen wir unsere Rucksäcke und fahren zur Bäckerei. Alle dürfen sich ihr Lieblingsfrühstück aussuchen und dann geht es los.
  2. Wir fahren durch Tarvis und auf den Predilpass.
  3. Dort ist ein Aussichtsplatz mit Bank und während die Sonne so richtig aufgeht, essen wir unser Frühstück. Die Berge liegen noch leicht im Dunst. Es ist noch ein bisschen kühl, aber die Sonnenstrahlen wärmen gerade genug.
  4. Nach dem Frühstück fahren wir weiter zum Fort Predil. Dort leisteten österreichische Soldaten 1809 napoleonischen Soldaten Widerstand. Drei Tage lang. Dann brannte das Fort, die österreichischen Soldaten flohen, fast alle starben. Ein Heldendenkmal mit einem sterbenden Löwen erinnert daran.
  5. Die Sinnlosigkeit des Krieges wird deutlich. Drei Tage, fast alle tot. Was geschehen wäre, wenn die napoleonischen Truppen drei Tage früher weitergekommen wären, wird nicht gesagt. „Gefallen für Kaiser und Reich“ steht auf dem Gemeinschaftsgrab der Soldaten. Weiterlesen
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Pensées: Ein Ausflug nach Gradisca d’Isonzo und Cividale del Friuli

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  1. Erfrischt fahren wir weiter nach Gradisca d’Isonzo.
  2. Das ist ein hübsches Städtchen, aber sonntags scheint hier nicht viel los zu sein.
  3. Ein paar Menschen sitzen im Park im Schatten, einige in der Eisdiele. Die Straßen sind leer.
  4. Vor dem Park steht ein Schild, das allen Tieren den Zutritt auf die Wiese verbietet. Katharina fragt, ob das die Vögel überhaupt wissen können.
  5. Natürlich weiß sie, was das Schild bedeuten soll, aber ich fühle mich bestärkt, weil ich die Kinder immer auf sprachliche Unklarheiten aufmerksam mache, und sie diese jetzt selbst erkennen.
  6. Wir essen ein Eis. Dann gehen wir durch die Stadt. Das dauert aber nicht lange.
  7. Am Hauptplatz steht eine Säule mit dem Löwen von San Marco.
  8. Die Madonna in der Kirche trägt Ohrringe. Einer der Engel, die sie umgeben, hält einen Hammer, ein anderer eine Zange in der Hand.
  9. Langsam glaube ich, es gibt keine Symbolik, die nicht in irgendeiner katholischen Kirche auffindbar wäre. Weiterlesen
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Pensées: Ein Ausflug nach Duino

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  1. Von der Isonzomündung fahren wir weiter nach Duino.
  2. Ich habe diesen Ausflug zum Geburtstag geschenkt bekommen, zusammen mit den Duineser Elegien von Rilke. Zur Einstimmung.
  3. Und einstimmen wollte ich mich auch. Von Rilke kannte ich nur den Panther und Herbsttag und freute mich schon auf stimmungsvolle Gedichte.
  4. Ich verstand kein Wort.
  5. Also, die einzelnen Worte schon. Aber ab fünf aufeinanderfolgenden Worten stieg ich aus.
  6. Ich kam mir vor wie eine Analphabetin, die in den Fiebertraum eines Fremden geschleudert wurde.
  7. Aber jetzt fahren wir nach Duino, die Sonne scheint und nichts deutet darauf hin, dass irgendetwas so düster sein könnte wie bei Rilke.
  8. Das Schloss gehört der Familie Thurn und Taxis, die in Italien Torre e Tasso heißt. Es liegt auf einem Felsen am Rande des Karsts.
  9. Karst ist für mich so ein geheimnisvolles Wort, es klingt nach Kargheit und Rauheit. Und nach gutem Wein. Malvasier aus dem Carso ist mein Lieblingswein – klar, etwas herb, nichts Überflüssiges. Weiterlesen
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Silber und Gold reloaded

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Im zweiten Teil der Sommerserie Schmuckkolumne reloaded habe ich Silber und Gold aus 2011 noch einmal fotografiert.

Vom Wühlen und Suchen und Stöbern schrieb ich da, von Neukombinationen, Funden, neuen Bedeutungen.

Als ich klein war, hatte meine Oma den Dachboden noch nicht ausgebaut. Sie lagerte dort das Heu für die Ziegen und den ganzen alten Krempel, der ihr zum Wegwerfen doch zu schade war. Und ich konnte stundenlang dort sitzen, die alten Kommoden, die schon leicht morsch waren und muffig rochen, durchwühlen, und hier einen alten Schuh herauskramen, dort ein Kuvert mit einem Kinderfoto meiner Mutter, silbern glitzernde Handschuhe oder goldfarbene Knöpfe eines längst zerschlissenen Kostüms. Ich stelle mir dann vor, das wäre Schätze. Ich glaube nicht, dass ich Geschichten dazu erfand. Die Geschichten waren einfach da, während ich diese Dinge in der Hand hielt. Im Nachhinein kommt es mir zumindest so vor, als wären sie dagewesen. Sonst könnte ich mir auch nicht erklären, warum es damals für mich das Schönste war, auf einen alten Schuh zu stoßen. Weiterlesen

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Pensées: Ein Ausflug zur Isonzomündung

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  1. Von Kärnten aus machen wir einen Ausflug zur Isonzomündung. Weil wir danach noch nach Duino wollen, trage ich ein buntes Sommerkleid.
  2. Isola della Cona heißt der Naturpark. Dorthin gelangt man über einen einspurigen Weg mit Schildern, die uns Touristen wohl bestärken wollen, nicht aufzugeben.
  3. Das Besucherzentrum ist ein Holzhäuschen. An der Kasse ist niemand. Man muss aber Eintritt bezahlen, also warten wir. Und gehen aufs Klo. Und sehen uns alle Bücher und Souvenirs an, die hier verkauft werden. Und gehen schließlich das Museum.
  4. Dort gibt es Schaukästen mit den heimischen Tieren und Aquarien mit heimischen Fischen, Tafeln, die verschiedene Vogelarten beschreiben. 300 soll es hier geben.
  5. Als wir den Museumsraum verlassen, kommt tatsächlich jemand, bei dem wir die Eintrittskarten kaufen können.
  6. Der Weg ins Vogelbeobachtungsgebiet führt an Ställen mit weißen Camargue-Pferden vorbei. Katharina ist entzückt. Weiterlesen
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Gipsy Charms reloaded

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Über den Sommer möchte ich alte Schmuckkolumnen wieder ausgraben. Manche von ihnen wie das Sommerprogramm des Radios, einfach wiederholt, bestenfalls mit einer kurzen Erklärung.

Andere – wie diese – noch einmal neu gemacht, mit neuen Fotos.

Um zu sehen, wie ich mich verändert habe. Um zu sehen, ob der Schmuck anders wirkt, jetzt, seit ich gedehnte Ohrlöcher und einige Ohrpiercings mehr habe als damals. Um zu sehen, ob ich den Text geschrieben hätte als damals. Weiterlesen

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