Pensées: Ein Ausflug nach Besançon

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  1. Mein Mann und ich fahren über ein Wochenende nach Besançon. Ohne Kinder.
  2. Bisher waren wir noch nicht oft in Frankreich und es erstaunt mich jedes Mal, dass Frankreich ja gleich hinter Basel anfängt. Natürlich kenne ich die Europakarte. Es ist nur so ein Gefühl, das sich aus der Omnipräsenz des Österreichbezugs in Schulerziehung und Medien ergeben hat.
  3. Paris ist näher zu Vorarlberg als Wien. Besançon ist nur vier Stunden entfernt. Trotzdem kannte ich die Stadt nicht.
  4. Wir kommen zu Mittag an und schlendern erst einmal nur durch die Stadt.
  5. Die Häuser Besançon sind aus großen grau-gelben Steinblöcken gebaut. Das sieht sehr schön aus. Viele Häuser haben ebenerdige Wohnungen mit Fenstern direkt zur Straße hinaus. Ich erinnere mich, das auch in der Bretagne gesehen zu haben. Ich erinnere mich nicht, das in Österreich gesehen zu haben, dort sind zur Straße hinaus entweder Geschäfte oder Hauseingänge, oder die Fenster sind so erhöht, dass man nicht direkt hineinsehen kann. Weiterlesen
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Reflexion

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Reflexion. Spiegelung. Nachdenken.

Wenn ich etwas betrachte – ein Kunstwerk, eine Landschaft, einen Gegenstand – dann spiegelt sich immer etwas von mir darin. Meist nicht physisch, aber in den Details, die ich wahrnehme. Ich sehe, was mir auffällt. Und mir fällt auf, was ich suche, oder was ich gewohnt bin zu betrachten. Das Gesehene interpretiere ich in dem Kontext, in den ich es zu stellen gelernt habe. Das kann sich sehr stark von dem unterscheiden, das jemand anderes sieht und interpretiert.

Bei Kunstwerken fällt mir das besonders auf. Seit einiger Zeit mache ich ein Kunstprojekt „Selfie im Museum“ , bei dem ich mich selbst fotografiere, während ich mich in einem Kunstwerk spiegele.

Die Bilder sollen ein Symbol dafür sein, wie ich ein Kunstwerk verändere, indem ich es betrachte. Wie dieses Kunstwerk durch meine Betrachtung nie so sein kann, wie die KünstlerIn es sah und schuf. Wie genau diese Veränderung durch Interpretation das Wesen von Kunst ist.

Aber auch, wie meine spezielle Interpretation des Betrachteten, dieses verändert. Wie jede Interpretation ein Ereignis verändert. Wie ein Ereignis aber auch nur durch Interpretation beschrieben werden kann. Es daher DIE Wahrheit nicht geben kann sondern höchsten eine Näherung. Weiterlesen

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Pensées: Ein Ausflug nach Innsbruck

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  1. Die Sommerferien gehen zu Ende. Auf dem Weg von Kärnten nach Hause machen wir in Innsbruck halt. Genauer gesagt beim Tirolpanorama auf dem Bergisel.
  2. Hier im Park vor dem Museum essen wir auch unsere Mittagsjause. Mit schöner Aussicht über ganz Innsbruck. Leider ein bisschen wolkenverhangen.
  3. Im Museum kann man eine Karte für Museum, Panorama und Bergiselschanze kaufen. Das Gesamtpaket nehmen wir nicht. Nur die Geschichte, nicht den Sport.
  4. Im Eingangsbereich des Museums stehen neue Skulpturen der wichtigsten Protagonisten der dritten Schlacht am Bergisel vom 13. August 1809. Sie sehen aus wie billige Gipsabdrücke, wie upgegradete Gartenzwerge, sind aber ganz lustig als Einstimmung. Jede Figur hat einen kurzen Beitext.
  5. Über eine Rolltreppe kommen wir zum Panorama. Über dem Eingang hängen Nachbildungen der von den Tirolern benutzten Waffen: Gewehre, Pistolen, Sensen, Mistgabeln, Morgensterne.
  6. Das Panorama ist ein Rundbild aus 1896. Ich stehe auf einer Plattform, auf der ich herumgehen und das Bild betrachten kann. Der Audioguide erklärt, was ich sehe.
  7. Zuerst fällt mir die Landschaft auf – die Berge, die Gebäude, die Weite. Weiterlesen
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Pensèes: Ein Ausflug zur Soča

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  1. Nach dem Museum fahren wir zur Napoleonbrücke in Kobarid.
  2. Kurz vor Kobarid kommen wir zum höchsten Wasserfall Sloweniens , fahren sind aber am Parkplatz vorbei. Deshalb und weil der Wasserfall nur über einen Geröllweg in der prallen Sonne erreichbar war, steigen wir nicht aus.
  3. Bei der Napoleonbrücke steigen wir aber aus. In der Nähe des Parkplatzes ist ein Campingplatz mit einem freien Tisch.
  4. Ich weiß nicht, ob man dort einfach so essen darf. Wir packen unsere Jause aus und machen es trotzdem. Niemand erhebt Einspruch, es ist aber auch niemand da.
  5. Von der Napoleonbrücke aus sieht man die Soča. Türkisgrün. Ich habe diesen Fluss schon auf Fotos gesehen und immer angenommen, die Farbe sei gefotoshopped. Aber die ist wirklich so. Weiterlesen
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Askese reloaded

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„Askese“ schrieb ich damals https://karinkoller.wordpress.com/2012/12/05/askese/ , hauptsächlich weil ich diese Geschichte von Buddha hörte, aber auch weil mir ein schmuckloses Auftreten wie ein Fasten vorkam. Als würde ich im Büßergewand das Haus verlassen. Als hätte ich irgendetwas entsagt. Als hätte ich die Möglichkeit, mich zu schmücken, vertan.

Ich ging auch nie wieder ganz ohne Ohrschmuck aus dem Haus. Das war mir unangenehm. Es ist auch umständlich und übersteigt fast meine Fähigkeiten, die Labret-. Antihelix- und Tragusschmuckstücke wieder einzusetzen.

Für meine Schmuckkolumne reloaded Serie habe ich doch noch einmal meinen gesamten Schmuck abgelegt. Im Urlaub, in Amsterdam. Dann bin ich zu Abendessen gegangen, habe also nicht nur im Kämmerchen die Fotos gemacht und dann den Schmuck wieder angelegt. Weiterlesen

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Pensées: Ein Ausflug nach Bovec und Kobarid

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  1. Kurz nach dem Soldatenfriedhof kommt das Freilichtmuseum von Bovec. Wenn wir nicht gewusst hätten, dass es hier irgendwo sein muss, hätten wir es nicht gefunden. Nur ein kleines Schild weist darauf hin.
  2. Wir müssen über eine Wiese gehen, die frisch gemäht ist. Ganz sicher sind wir nicht, ob wir hier richtig sind, aber dann sehe ich einen verrosteten Stacheldraht, einen Weg und ein Schild. In diesen kleinen Hügeln haben sich 1915 österreichische und deutsche Truppen  verschanzt. 1917 gelang der Durchbruch durch die italienische Verteidigungslinie. Gas wurde eingesetzt. Das war wohl die Schlacht, die auf dem Friedhof so heldenmäßig erwähnt wird. Von Gas stand dort nichts.
  3. Der Weg führt durch den Wald. In die Felsen wurden Unterstände gebaut. Holzhüttchen mit Betten und einem Ofen sind noch erhalten. Verrostete Schießscharten zwischen den Felsen. Direkt dahinter Granatenlöcher.
  4. Was für ein elendes Leben voller Angst hier zwei Jahre lang geführt wurde. Weiterlesen
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Elena Ferrante: Die neapolitanischen Romane

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Elena Ferrantes neapolitanische Romane zu lesen, ist für mich wie Eintauchen. In eine warme Badewanne. In das Meer an einem heißen Tag. Oder mitunter auch an einem kalten. In ein Schlammbad. Es ist ein Eintauchen, das nicht immer angenehm ist, das einen seltsamen Sog hat. Ein Eintauchen in ein mir unbekanntes Neapel, in die Geschichte von Elena und Lila, in die Sprache, in die Gedanken. Ich wollte nicht mehr auftauchen, ich wollte immer weiterlesen. Gegen Ende des vierten Bandes hatte ich kurzzeitig Sorge, ob ein Auftauchen überhaupt noch möglich ist. Ohne Schaden für mich. So intensiv empfand ich das Lesen der Bücher, auch so verstörend.

Die Romane erzählen die Geschichte von Elena und Lila, die gemeinsam in ärmlichen Verhältnissen in Neapel aufwachsen. Die Schilderungen kleiner Alltagsszenen und großer Katastrophen, die sich im Laufe der Jahre ereignen (die Serie beginnt mit der Kindheit der Protagonistinnen in den Fünfzigerjahren und endet in der Gegenwart), werfen scheinbar im Vorbeigehen große Fragen auf: Weiterlesen

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