Pensées: Ein Ausflug ins Spielzeugmuseum in Nürnberg

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  1. Zu Mittag kaufen wir am Weihnachtsmarkt Drei im Weckla. Das sind drei Bratwürste in einem Wecken. Für zu Hause kaufe ich eine Dose Saure Zipfe (die sich später als unessbar herausstellen).
  2. Dann gehen wir zum Spielzeugmuseum.
  3. Im ersten Raum sind sehr alte Spielsachen ausgestellt. Eine Puppe, ein Ball und eine Nachziehtaube aus dem alten Griechenland (6. Jahrhundert BC), alle aus Stein. Puppen aus dem 14. Jahrhundert, auch aus Stein, mit großen Lockenfrisuren. Ein Tonpüppchen mit Scharnierarmen und –Beinen aus dem 2. Jahrhundert. Die war eine Grabbeigabe und ist fast so dünn wie Barbie.
  4. Aus dem 19. Jahrhundert sind Fuhrwägen und Marktstände ausgestellt, ein Klötzchenbausatz für Möbel, ein anderer für Architektur. Ein Metzgerladen steht hinter Schauspielerpuppen. Eine dieser Puppen ist ein bärtiger Mann mit Ritterhelm und einem lila Ballkleid. Weiterlesen
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Teilberingt reloaded

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Die Nordsee. Vor vielen Jahren sah ich sie. Einmal in Frankreich, einmal in England. Beide Male an einer felsigen Küste, das Meer schlug an die Felsen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie Schiffe in diesem Meer navigieren konnten. Geschweige denn, wie ich darin schwimmen könnte.

Diesen Sommer sah ich die Nordsee wieder, zweimal in Belgien, einmal in Holland. An Sandstränden, es gab einige Wellen, aber nicht mehr als an der Adria an einem guten Tag. Menschen gingen mit ihren Hunden am Strand spazieren und warfen ihnen Bälle in die Wellen. Die Hunde sprangen über die Wellen und holten die Bälle.

In Holland, als wir am Strand waren, war der Tag warm, aber nur ein Mann ging ins Wasser. Mir war das Wasser auch eher zu kalt. Aber es war doch die Nordsee, und man kann ja nicht wissen, wann man die wiedersieht. Also zog ich mich aus und stürzte mich hinein, nur kurz, aber ich habe es getan. Ich war eine der wenigen, die sich an diesem Tag und an diesem Ort in die Nordsee stürzten.

Von nun an, wenn ich mich überwinden muss, werde ich mir sagen: „Stürz dich einfach in die Nordsee.“ Weiterlesen

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Pensées: Ein Ausflug ins Stadtmuseum Nürnberg und ins Dürerhaus

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  1. Auf dem Weg von der Burg kommen wir am Stadtmuseum vorbei, fast hätten wir es übersehen.
  2. Mit dem Lift sollen wir in den obersten Stock fahren, sagt die Frau an der Kasse und dann hinuntergehen. Das machen wir.
  3. Im Museum ist ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, mit Kunsthandwerk aller Art, von Briefpapier bis Steinskulpturen. Einige schöne Sachen sind dabei.
  4. Der Nachteil ist aber, dass viele Menschen wegen der Stände kommen, und den Zugang zu den Ausstellungsstücken noch mehr verstellen.
  5. Im obersten Stock ist ein Stadtmodell ausgestellt. Ich würde gerne mit den Fingern den Straßen entlang fahren, aber das darf man natürlich nicht.
  6. Im Stock darunter hängen Bilder vom Einzug Kaiser Leopolds I. und König Josefs I. und von der Vorbereitung eines Feuerwerks für einen Kaiserbesuch. Nach dreifacher Kniebeuge durften ausgewählte Herren die Hand des Kaisers küssen.
  7. Glasgemälde stellen Allegorien auf die gute Regierung und Gerechtigkeit der Nürnberger Ratsherrenschaft dar (1597), mit vielen religiösen Sprüchen. Auf einem dieser Bilder steht in der Mitte „Politia“ und spritzt Milch aus ihrer nackten Brust. Ein Sinnbild für die Ratsherren eben. Weiterlesen
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Züge

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Auf einem Bahnsteig stehen. Die Schienen führen irgendwo hin. Paarweise. Ins Endlose, denke ich. Wenn ich aber schaue, merke ich, die Schienen verschwinden schnell hinter einer Biegung oder in einem Tunnel. Da ist kein Weitblick, nur Zugluft.

Als ich 8 Jahre alt war, schickte mich meine Mutter zum ersten Mal alleine mit dem Zug von Salzburg nach Kärnten. Der Schaffner sollte auf mich aufpassen. Mir war das alles sehr unheimlich. Lange Zeit fragte ich in jedem Zug, in den ich stieg, ob er auch an den richtigen Ort fahre. Als ob man sich mit einem Zug noch nachträglich verirren könnte.

Einmal habe ich zwischen den Schienen eine Gruppe von Mäusen gesehen, die zwischen weggeworfenen Verpackungen nach Essbarem suchten.

Vor vielen Jahren war ich per Interrail unterwegs. Ich hatte die ganze Nacht im Zug mit ein paar jungen Männern aus England verbracht. Morgens stieg ich in Madrid aus und sagte, ich sei hungrig. Durch das Fenster reichten mir einer der Engländer ein Keks, sein letztes, zum Abschied. Ich ließ es fallen, auf den Bahnsteig. Das war mir so peinlich, dass ich das Keks aufhob und aß. Ich frage mich, bis heute, wie ich das tun konnte. Die Mäuse haben mich an diese Begebenheit erinnert.

Ein Jahr lang lebte mein Mann in Vorarlberg und ich in Wien. Jedes Wochenende machten entweder ich oder er die lange Reise mit dem Zug.

Jetzt fahre ich selten mit dem Zug. Lieber mit dem Auto. Aber diesen Sommer fuhr ich von Brügge nach Antwerpen und nach Oostende und kam an schönen Bahnhöfen an. Das Reisen mit dem Zug ist für mich immer noch seltsam und voller Ungewissheit, nur heute frage ich nicht mehr nach, es ist mir peinlich. Weiterlesen

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Zenos Haufen

 

Im Podcast In our Time hörte ich neulich eine Sendung über Zenos und andere Paradoxien. Dunkel war mir einiges von der Schule in Erinnerung. Das mit Achilles und der Schildkröte habe ich damals nicht verstanden. Mir kam es auch ziemlich abgehoben, theoretisch und unanwendbar vor.

In der Sendung wurden die verschiedenen Paradoxien vorgestellt und es wurde versucht, ihre Bedeutung im Alltag zu erklären.

Ein Paradoxon, das vom Haufen, faszinierte mich besonders. Nehmen wir einen Haufen Sand. Ich weiß genau, was ein Haufen ist. Und ich weiß auch, was Einzelkörner sind. Aber welche ist die exakte Menge, bei der Körner zum Haufen werden? Sollte man einen Haufen tatsächlich definieren, könnte man dann ein Sandkorn von dem Haufen entfernen, und es wäre kein Haufen mehr? Die Frage ist naiv, natürlich bleibt es ein Haufen, war ich geneigt zu sagen. Aber stimmt das?

Bei einem Haufen Sand ist das vermutlich egal. Als Mutter fand ich, Sand ist ein Haufen, wenn Kinder damit spielen können, und wenn zu wenig Sand zum Spielen vorhanden ist, dann ist es eben kein Haufen. Aber die Kinder sind jetzt groß und spielen nicht mehr mit Sand. Und das Paradox mit dem Haufen lässt mich seit der Sendung nicht mehr los.

Täglich fallen mir Situationen und Nachrichten auf, in denen Maßnahmen gefordert werden, die voraussetzen, dass der Beginn des Haufens klar definiert ist. Weiterlesen

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Pensées: Ein Ausflug zur Kaiserburg in Nürnberg

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  1. Am nächsten Tag haben wir ein dichtes Museumsprogramm. Eigentlich wollen wir zuerst zum Dürerhaus, aber dann gehen wir ziemlich weit oben, in der Nähe der Burg vorbei. „Am Ölberg“ (ich habe ein Jesusgefühl und bin wie so oft fasziniert, wie christliche Assoziationen sofort selbstverständlich sind) heißt die Straße und gleich dahinter ist die Kaiserburg.
  2. Die Sonne scheint und es ist zehn Uhr und die Burg wird gleich aufsperren, also gehen wir zuerst dorthin.
  3. Das Ticket gilt für die Burg, den Turm und einen Brunnen.
  4. Wir sehen zuerst die Burg an. Knapp unter der Decke des ersten Raumes fährt eine Prozession aus Soldaten, Edelleuten, Kutschen und Tieren der Wand entlang. Sogar ein Elefant ist dabei. Weiterlesen
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Wunderkammer

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Wunderkammern faszinieren mich. Sammlungen von Kuriositäten, von Bestaunenswertem, von Kostbarkeiten. Aus fernen Ländern. Kunstwerke, wissenschaftliche Geräte, Fossilien, Schachspiele. Was man sich vorstellen kann. Manchmal ohne mir nachvollziehbaren Gedanken zusammengewürfelt. Kleine Vitrinen, ganze Museen.

Einen „universalen Zusammenhang aller Dinge“ sollten Wunderkammern darstellen. Und wahrscheinlich ist ein Sammelsurium aller Dinge, die die Sammelnden interessierte und derer sie habhaft werden konnten, tatsächlich die beste Darstellung aller Dinge. Weil: Was heißt schon „alle Dinge“ und was „Zusammenhang“? Doch nur, dass es im Einklang mit den Gesetzen der Thermodynamik immer mehr Kramuri als Ordnung geben muss. Und der schöne Kramuri ist der beste von allen. Weiterlesen

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