Jugendstil

Als ich studierte, ging ich oft auf meinem Weg zum Chemiehochhaus der TU an der Secession vorbei. Sowohl baulich als auch inhaltlich konnte der der Unterschied der beiden Gebäude kaum grösser sein. Aber gerade diesen Kontrast fand ich schön.

Das Motto über dem Eingang der Secession „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“ sollte auch für die Wissenschaft gelten. Staatlich institutionalisierte Förderung schränkt die Freiheit von Kunst und Wissenschaft ein, weil sie mehr oder weniger willkürlich vergeben wird (z. B. Kärntner Kulturpolitik). Industriell sanktionierte Förderung muss immer zweckgebunden und ertragsorientiert sein. Natürlich ist Förderung notwendig, Künstler und Wissenschaftler müssen sich aber der Beschneidung ihrer Freiheit bewusst sein.

Die Secessionskünstler wollten die traditionalistische Kunst hinter sich lassen und einen neues, ganzheitliches Kunstverständnis schaffen. Der Jugendstil beschränkte sich nicht auf die klassischen Formen der bildenden Kunst. Architektur wurde ebenso in die Gesamtkonzeption aufgenommen wie Designs für Gebrauchsgegenstände wie Möbel, Stoffe und Geschirr. In der Wiener Werkstätte entwarfen Künstler Schmuck mit der für den Jugendstil typischen floralen Ornamentalik.

     

Der in der Kolumne vorgestellte Schmuck ist eine moderne Anlehnung an die Bildsprache des Jugendstils. Die feinen Blattornamente lassen die großen Ovale filigran erscheinen. Obwohl die Ohrringe relativ großflächig sind, ist es angenehm, sie zu tragen.

Der Schmuck ist dekorativ, aber nicht auftragend, kunstvoll aber nicht gekünstelt, verspielt, aber nicht mädchenhaft. Er kann vornehm elegant zu Kostüm und Bluse getragen werden, oder frech im Stilbruch zu Jeans und Lederjacke.

Mir persönlich gefällt der Schmuck, weil er mich an meine Studienzeit in Wien erinnert und dennoch nicht von studentischer Schlichtheit ist.

Gekauft wurden Ohrringe und Kette im Dorotheum.

   

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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26 Antworten zu Jugendstil

  1. Anna schreibt:

    Eine wunderschöne Schmuckkombination und eine tolle Lederjacke.

  2. Anna-Maria schreibt:

    Deine Schmucksammlung ist ja unendlich gross. Ich finde es besonders toll, dass hinter dem Schmuck, der schon für sich fantastisch ist, immer noch eine Geschichte ist. Und wie du den Schmuck kombinierst ist einfach fabelhaft. Ich freue mich jedenfalls immer auf Mittwoch und habe mir schon viele Anregungen geholt.

  3. Clara schreibt:

    Dein Schmuckreservoir ist ja unerschöpflich. Superschön. Das bringt mich wieder auf Ideen.

  4. Sonja M schreibt:

    Eine Klasse Kombination. Ist das, was du in den obersten Löchern trägst, eine Klappcreole?

  5. NicoleLee schreibt:

    Ich finde die Frage, ob Kunst nun subventioniert werden soll oder nicht, ist sehr interessant. Ich habe für mich immer noch keine Antwort gefunden. Wie kann gerade avanciertere Kunst ohne Förderung überleben und bekannt gemacht werden? Und wie kann geförderte Kunst vermeiden, sich an den Förderer, also oft den Staat, anzubiedern, Unterwerfungsgesten zu setzen , und langweilig und berechenbar zu werden. Bis vor einigen Wochen habe ich, nach Abwägung aller Pros und Contras, noch zum Standpunkt tendiert, dass Förderung notwendig und sinnvoll ist. Dann kam diese Noever-Geschichte und die demütigen Unterwerfungsgesten der von ihm Geförderten, und die hanebüchenen Argumente, dass Künstler Anspruch auf Förderungen haben und auf Künstler oder Kunstmäzene die Grundsätze der Moral, des Anstandes und des Strafgesetzbuches, die sonst für alle gelten, nicht anzuwenden sind. Und jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, ob Kunstförderung nicht doch abzulehnen ist.

    • JoM schreibt:

      Ja, ich finde auch, eigentlich ein unlösbares Problem. Dies noch umso mehr, als die Kunstförderung tendeziell von älteren und mittelalten Menschen dominiert wird, die dazu neigen, das für förderungswürdig zu halten, was ihnen bei ihrer Ausbildung oder in ihrer Jugendzeit wichtig oder bedeutsam erschien. Gefördert werden also hauptsächlich die Avantgarde von Vorgestern und die sogenannten „ewiggültigen Klassiker“. Gerade Mozart, Verdi, Shakespeare, Picasso, Dali, Arnulf Rainer oder Luigi Nono brauchen aber Förderung am wenigsten. Meine Neigung geht daher auch eher dahin, Förderungen insoweit ganz abzulehnen, als sie konkrete Kunstwerke oder Kunstprojekte betreffen. Mir schiene es sinnvoller, die Fördermittel dazu zu verwenden, dass Infrastruktur, die Künstler nützen können, zur Verfügung gestellt wird.

  6. Susan schreibt:

    Traegst du den Kettenanhänger auch manchmal im Bauchnabel? Das sieht sicher toll aus.

  7. Lisa Mertens schreibt:

    Der Schmuck ist wunderbar. Und der Nasenring steht dir so gut, dass ich selbst ins Nachdenken komme.

  8. Roberta schreibt:

    Ja, ich finde das auch immer lustig, wenn Lou Reed, Tom Waits oder Bob Dylan von den gleichen Institutionen gefördert in der Staatsoper auftreten, deren Proponenten sie vor 40 Jahren am liebsten als jugendgefährdend eingesperrt hätten.

  9. Andrea schreibt:

    Hast du die großen Art Deco Stecker immer im zweiten Loch mit einer Creole? Und hast du da einen kleinen Goldstecker zusätzlich in diesem Loch?

    • Karin Koller schreibt:

      Der Ohrring besteht aus dem Stecker und dem Anhänger, die nicht voneinander zu trennen sind. Ich trage diesen Ohrschmuck lieber im zweiten Ohrloch. Mein erstes Ohrlich ist leicht gedehnt, dort kippt der Ohrring leicht nach vorne und sieht dann nicht so schön aus.

  10. leopardenküsstmannicht schreibt:

    Ich bewundere deine Schmuckauswahl und deinen Schmuckgeschmack schon einige Zeit und freue mich jeden Mittwoch auf die Schmuckkolumne. Höchstes Kompliment.
    Einige Fragen: Wechselst du den Schmuck täglich? Mußt du den Schmuck über Nacht ablegen? Und wie lange dauert es ungefähr, alle Ohrringe auszutauschen?

    • Karin Koller schreibt:

      Danke. Ich wechsle den Schmuck, wenn mir danach ist, manchmal täglich, manchmal vier Wochen nicht. Der Wechsel dauert etwa 10 Minuten. In der Nacht lege ich nur die großen Ohrringe ab.

  11. Emily Carter schreibt:

    I find your piercings and your jewellery absolutely stunning. Great kudos to you for showing all those boring farts that it´s easily possible to combine piercings and an absolutely classy look.

  12. Judith schreibt:

    Tu trägst wunderbaren Schmuck. Besetzt du immer alle Löcher oder gibt es auch Schmuckkombinationen, bei denen du nur zwei, vier oder sechs Ohrringe verwendest?

  13. Elke schreibt:

    Kannst du den Nasenring zum Schlafen drinlassen?

  14. Sweet Sixteen schreibt:

    Kann man den Nasenring auch mit der Ohrringpistole machen?
    Deiner sieht cool aus.

  15. Pingback: Mit den Ohren voran auf dem Weg ins Ausgeschmücktere « Pantherpinte

  16. Pingback: Schleier | Karin Koller

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