Integrationsfähigkeit

Wir alle haben Vorurteile. Wer behauptet, keine zu haben, der lügt. Wichtig ist der Versuch, sich von ihnen zu lösen und mit ihnen umzugehen.

Meine Vorurteile spüre ich am stärksten, wenn ich mir aktiv vorsagen muss, dass sie unbegründet, rassistisch und dumm sind. Sie schleichen sich einfach in meine Gedanken ein. Als Kind der Ostblockpropaganda muss ich mühevoll die Vorstellung, dass die Welt östlich von Wien grau ist, aus meinem Denken verbannen.

Es kommt mir automatisch in den Sinn, dass Ausländer die gleichen netten oder ekelhaften Menschen sind wie Inländer, oder dass Homosexuelle nicht ständig Sex haben. Es ist traurig, dass das nicht Selbstverständlichkeiten sind, die so wenig Rolle spielen, dass ich sie mit keinem auch noch so flüchtigen Gedanken streifen muss.

Vorurteile sitzen tief, viel tiefer als manche für möglich halten. Das ist in den Medien auf verschiedensten Ebenen der Fall. Hat ein Ausländer ein Verbrechen begangen, ist es immer der Serbe, der Türke, der Tschetschene, damit wir Österreicher uns überlegen fühlen können. Unterschwellig wird damit suggeriert, wir würden so etwas ja nicht tun. Das ist nicht nur in der Kronenzeitung so. Bei Sportnachrichten erscheint immer wieder die Schlagzeile: Österreicher ist Zweiter. Welcher Ausländer Erster ist, interessiert uns nicht.

Ohne Unterschwelligkeit werden vielfach den Kindern die Vorurteile eingehämmert. Letztes Jahr ging ein Bub mit Lukas in den Kindergarten. Dieser Bub hat eine serbische Mutter und einen vorarlbergischen Vater, sein Name ist vorarlbergisch. Er sieht aus wie ein braunhaariges Blasengelchen mit hellem Teint. Er spricht aber nicht sehr gut Deutsch und das ärgert ihn manchmal so, dass er aggressiv wird.

Als ich Lukas vom Kindergarten abholte, sagte einer der Buben: „Mit dem Peter mit seiner schwarzen Haut spiel ich nicht mehr, der hat mich getreten.“ So etwas denken sich Kinder nicht von selbst aus. Die Eltern hatten sich offenbar nach dem Teint erkundigt. Da das Kindergartenkind Haarfarbe und Hautfarbe durcheinandergebrachte, wurde das blasse Kind zum schwarzhäutigen. Die rassistischen Eltern stuften das als besonders gefährlich und verachtenswert ein und instruierten ihr Kind dementsprechend.

Auf der anderen Seite würden Menschen, die sich selbst als aufgeschlossen und liberal empfinden, aus allen Wolken fallen, wenn man sie als vorurteilsbehaftet bezichtigen würde. Bevor Katharina erkrankte, ging ich mit ihr in die Spielgruppe. Dort war auch ein Mädchen mit seiner Mutter, die möglicherweise sogar Österreicherin ist. Im Gegensatz zu mir spricht sie den vorarlbergischen Dialekt perfekt, trägt aber ein Kopftuch und hat türkische Vorfahren. Ganz offen sprach sie mit den Müttern über das Fasten im Ramadan und andere Aspekte ihrer Religion.

Eines Tages war sie nicht in de Spielgruppe. Die Mütter sprachen darüber, wie wenig integrationswillig die Ausländer seien (es sind immer die Ausländer, alle auf einmal). Als Beispiel führte eine Mutter an, dass sie, als sie für die Jause zuständig war, für die türkischstämmige Mutter extra auch Putenwurst mitgebracht hatte. Diese hatte aber dankend abgelehnt, weil sie Putenwurst nicht mochte. Alle Mütter nickten und schnalzten mit der Zunge, um zu bekräftigen, dass es mit den Ausländern wirklich hoffnungslos sei. Ich war schockiert, murmelte: „Es ist doch nicht schlimm, wenn man keine Putenwurst mag“, und erntete strafende Blicke von den Müttern.

Und das sind die guten Mütter, die eigens zur Schweinswurst auch Putenwurst kaufen, weil sie sich etwas überlegen. Das sind nicht jene, die ihren Kindern einreden, sie dürfen mit dunkelhäutigen Kindern nicht spielen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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24 Antworten zu Integrationsfähigkeit

  1. Clara schreibt:

    Meine Erfahrung ist fast gleich. Ich höre bei Schulveranstaltungen immer wieder, wie integrattionsunwillig die „Ausländer“ doch sind. Nachdem in der Schule im wesentlichen die einzigen Ausländer Deutsche sind, frage ich dann immer scheinheilig, was damit gemeint ist, die Deutschen können ja deutsch. Die Standardantwort ist dann, Deutsche seien doch nicht gemeint, sondern in erster Linie Türken und Serben. Wenn ich dann Frage, wieviele Türken und Serben denn den Anklägern bekannt sind, dann heißt es, darauf kommt’s ja nicht an. Im Prinzip herrscht also in meinem – privilegierten – Umfeld eine von jeder konkreten Lebenserfahrung vollkommen unabhängige diffuse Angst vor Ausländern, die durch einen latenten Rassismus erst moeglich wird und von den politischen Parteien und Medien, die das Wort Ausländer gar nicht ohne die Kombination mit dem Wort Problem in den Mund nehmen, geschürt wird. Das alles in den sogenannten besseren Kreisen, die alle keine Angst um die Bedrohung ihrer Existenz haben muessen und sich dafür den Sündenbock „Ausländer“ einreden haben lassen. Und wenn die sogenannten Opinion Leader schon so denken, dann Gute Nacht.

  2. JoM schreibt:

    Meine Erfahrung dazu, frisch von der gestrigen Familienfeier: es ist sehr vielen Leuten bei uns in Fleisch und Blut übergegangen, selbst den „Wohlmeinenden“ (nicht im Sinne Littels), dass die „Auslaender“ verpflichtet seien, eine besondere Dankbarkeit zu zeigen, und zwar gegenüber den Inländern generell. Ich habe dann bei so einer Diskussion gewagt, zu sagen, dass ich nicht verstehe, weshalb jemand ausländischer Herkunft Inländern gegenueber zu Dankbarkeit verpflichtet sein sollte. Diese hätten ja nichts für ihn getan. Mir müsse doch niemand dafür Dank entgegenbringen, dass er hier leben könne. Ich fühle mich ja auch nicht jedem älteren Menschen zu Dank verpflichtet, weil ich hier Leben darf und die früheren Generationen mit ihren Steuern zum Teil die Straßen finanziert haben, die ich benutze. Diese Ansicht von mir stieß bei meiner Schwiegermutter auf vollkommenes Unverständnis. Sie erwarte, dass sie etwa von Ausländern zu erst gegruesst werde, weil diese ja „zu Gast“ seien. Ich habe dann zu ihr gesagt, da sie ja bei mir zu Gast sei, liege es nun wohl auch an mit, sie jetzt zu verabschieden. Und meine Schwiegermutter ist eine brave Grünwählerin, behauptet sie. Es besteht also die Grundeinstellung, „die“ hätten auf „uns“ Ruecksicht zu nehmen und basta. Und wenn wir schon so nett sind, eine Putenwurst zu kaufen, dann sollen die die Putenwurst gefälligst fressen. Entschuldige, wenn das jetzt alles wirr war.

    • Roberta schreibt:

      Und jetzt, Familienkrise?

      • JoM schreibt:

        Ja, aber das ist nur mit Vorteilen verbunden: Normalerweise wäre jetzt Funkstille bis zum Geburtstag von Markus oder dem Geburtstag des Schwiegervaters im Juli. Aber, nachdem sie aufgeschnappt hat, als ich der Schwägerin von meinen neuen Intimpiercings vorgeschwärmt habe und sie schon bei der Begruessung fast der Schlag getroffen hat, als sie meine Ohren gesehen hat, rechne ich mit Ruhe bis Weihnachten.

  3. Roberta schreibt:

    Soll ich sie anrufen und ihr erzaehlen, was du nächste Woche vorhast. Dann können wir die Ruhephase bestimmt bis kommende Ostern verlaengern.

  4. gedankenfest schreibt:

    Ein ehrliches Statement. Und ich stimme dir zu. Auch ich habe meine Vorurteile. Still und heimlich. Dennoch versuche ich, alle Menschen gleich zu behandeln und mich der Vorurteile so weit es geht, zu entledigen. Aber das ist manchmal leichter gesagt als getan.
    Solange man aber weiß, man hat welche, kann man auch aktiv daran arbeiten

  5. Bahiana schreibt:

    Ich war selber etliche Jahre Ausländerin und kann diese Erfahrung nur jedem empfehlen. Ich muss allerdings sagen, dass man als Österreicherin sicher keine Hardcore Erfahrungen macht, weil man zu den ‚guten‘ Ausländern zählt. Frankreich war ein bisschen hart, weil man sich als Österreicher oder Deutscher immer noch persönlich für die Geschehnisse im zweiten Weltkrieg rechtfertigen musste. Irland war besonders, weil durch die starke Auswanderungstradition jeder einen Bezug zum Thema hat und ich eigentlich keine Resentiments erfahren habe. In der Schweiz gab’s zwar keine direkten Anfeindungen, aber auch kaum eine Chance auf Integration. Man konnte Schweizer Deutsch perfekt verstehen und trotzdem hätte niemand mit mir Schweizer Deutsch gesprochen. In dem Dorf, wo ich zuletzt wohnte wurde mir und meiner neugeborenen Tochter im Tragetuch mal einen Hund raufgehetzt. Zumindest ist der an uns hochgesprungen und der Besitzer stand daneben und tat nichts dagegen…

    • JoM schreibt:

      Ich will dir nicht zu Nahe treten, aber ich glaube nicht, dass deine Erfahrungen in irgendeiner Weise mit dem vergleichbar sind, was ein Türke oder Schwarzafrikaner bei uns erlebt. Zum einen warst du ja offenbar weder von der Sprachproblematik betroffen noch kulturellen Vorurteilen ausgesetzt. Und zum anderen warst du, nehme ich an, als Österreicherin optisch nicht als „Fremde“ iSd ausländerfeindlichen Mehrheitsbevölkerung erkennbar.

      Und glaubst du, die Hundebesitzerin hätte bei einem „Inländer“ anders reagiert (wie warst du denn als Ausländerin zu erkennen?)

      • Bahiana schreibt:

        Ich hab explizit gesagt, dass meine Erfahrungen nicht zu vergleichen sind, weil ich zu den ‚guten‘ Ausländern zählte! Ich wollte einfach sagen, dass es vielen Leuten helfen täte, selber mal Ausländer gewesen zu sein. Und ja, ich wohnte in einem Dorf mit 15 Häusern, da hat jeder jeden gekannt.

      • Bahiana schreibt:

        Ps. Ich hab das nicht geschrieben um bemitleidet zu werden. ich wollte ein Beispiel dafür geben, dass es selbst für Menschen, die aus einer ähnlichen Kultur kommen und nicht auf den ersten Blick als Ausländer erkennbar sind, schwer ist, die Integration ermöglicht zu bekommen, auch wenn man sich bemüht. Aber sobald msn den Mund aufmacht und ein Akzent hörbar wird, verhalten sich Menschen anders. Auch hoch gebildete Leute und auch, wenn man selber jeden Cent verdient, den man braucht und niemandem zur Last fällt.

  6. Guten Tag schreibt:

    Frau Koller,
    bei Ihnen hinter den sieben Bergen scheint die Welt halt noch in Ordnung zu sein.
    Kommen Sie zur Abwechslung doch mal nach Wien, oder wenn sie nicht so weit reisen wollen genügt auch ein Trip nach Wels.

    Sie werden aus allen Wolken fallen.

    PS:
    Ja ja, ich weiß schon. Nur und ausschließlich wir intoleranten Einheimischen sind schuld.

    • Karin Koller schreibt:

      Das ist nicht eine Frage der Schuld. Ich verstehe nicht, worauf Sie anspielen. Mir ging es in dem Beitrag darum, zu zeigen, wie tief verwurzelt die Ausländerfeindlichkeit auch bei den sogenannten Liberalen ist, die sich selbst als ungeheuerlich tolerant empfinden. Die Vorurteile beginnen auf einer Ebene, die völlig unterbewusst ist, bei der die Menschen also noch nicht kognitiv an Toleranz oder Intoleranz denken. Ich halte es für wichtig, auf diese Unterschwelligkeit aufmerkam zu machen.
      Und ja, ich bin überzeugt davon, dass vieles besser werden kann, wenn sich das Verhalten der Inländer ändert. Das bedeutet nicht, dass damit alle Probleme gelöst werden.

    • JoM schreibt:

      Ich glaube, Sie verstehen den Punkt der Geschichte nicht. Niemand bestreitet, dass es Integrationsprobleme gibt. Und niemand sagt, dass an diesen Problemen irgendjemand alleine schuld ist. Vielmehr ist es so, dass sinnvolle Problemlösung erfordert, dass jeder den Beitrag leistet, den er eben zur Problemlösung leisten kann. Das bedeutet wiederum, dass wir „Einheimischen“ uns einerseits über unsere Vorurteile im Klaren sind und diese Vorurteile andererseits konfrontieren. Ich höre in der ganzen Diskussion hauptsächlich, was wir alles von „den Ausländern“ erwarten. Hier werden also vollkommen undifferenziert nach dem willkürlichen Kriterium der Staatsbürgerschaft oder Herkunft Leute in einen Topf geworfen, die außer ihrer „ausländischen“ Herkunft nichts eint. Und es wird weiters der Eindruck erweckt, „die Ausländer“ hätten „den Einheimischen“ für irgendetwas dankbar zu sein und hätten sich daher anders, nämlich demütiger, keine Ansprüche stellend, zu verhalten, weil sie bei „uns“ sein dürften. Um auf das Beispiel im Artikel zurückzukommen: Niemand würde einem „einheimischen“ Vegetarier verübeln, wenn er eine Putenwurstsemmel dankend ablehnt. Der „Ausländer“ soll diese aber essen müssen, weil er dankbar sein muß, dass „wir“ ihm überhaupt etwas geben?

  7. Ralf W. schreibt:

    Das Wort „Vorurteil“ ist die eine Seite der Medaille, auf deren anderer das Wort „gemachte Erfahrung“ aufgeprägt ist. Letzteres kommt mir ein wenig zu kurz.

    Ein Beispiel: Ich begegnete mal an der Treppe zur U-Bahn eine bekopftuchte Dame, die ich dem vorderasiatisch-nordafrikanischen Kulturkreis zuzurechnen mich wagte. Sie hatte einen Kinderwagen dabei und wollte mit dem offensichtlich abwärts.

    Ich bot an, ihr tragen zu helfen. Die Dame lehnte durch ein Kopfschütteln ab.

    Weil ich neugierig war, blieb ich 10 m weiter (am unteren Treppenende) stehen, um herauszufinden, wer denn nun zu helfen auserwählt würde.

    Er kamen noch einige des Weges, die der Dame ihre Hilfe anboten. Alle wurden wie ich abgelehnt. Schließlich kam ein Herr, den die Dame von sich aus ansprach und er half.

    Die abgelehnten Herren (und Damen) hatten einen Unterschied zu dem auserwählten Herren (der übrigens nicht zu der Kinderwagen-Dame dazugehörte): sie kamen dem Aussehen nach nicht aus dem vorderasiatisch-nordafrikanischen Raum.

    In meinem Bekanntenkreis fand ich zwei Personen mit ähnlichen selbst erlebten Geschichten.

    Soweit zu meinen Vorurteilen.

    • Alexa schreibt:

      Und was leiten wir aus dieser Geschichte ab? „Ausländer“ haben auch Vorurteile? Wer hätte das gedacht? Oder: es kommt vor, dass sich „Ausländer“ komisch verhalten? Puh, wer hätte sich sowas vorstellen koennen?

      • Ralf W. schreibt:

        Hier sind Sie selbst Opfer Ihrer Vorurteile geworden: ich habe nämlich nirgendwo geschrieben, daß sich anschließend herausgestellt hat, daß die Beobachteten einen ausländischen Pass hatten.

        Davon abgesehen lernen wir daraus – um Ihnen hier auf die Sprünge zu helfen, daß aus mehrfachem Beobachten des Ablehnens einer ausgestreckten Hand die Erfahrung erwächst, daß man die Hand dann halt nicht mehr ausstreckt. Wohlgemerkt: eine Erfahrung. Kein Vorurteil. Weil es ja *nach* dem Beobachten stattfand.

    • Jakub schreibt:

      so ist es!!!!!! und keiner braucht nazi zu rufen nur weil man die wahrheit ausspricht!!!! oder wollt ihr zustände wie in berlin oder dresden wo deutsche schon türkisch lernen müssen um einkaufen zu gehen? ich nicht!

      • Elisabeth Zenker schreibt:

        wer muss denn in Dresden tuerkisch lernen um einkaufen zu gehen? Hier in den neuen Bundeslaendern gibts ja so gut wie keine Auslaender!! Hier muss man nur saechseln koennen um nen Broiler (halbes Huhn) zu kaufen.. lol

  8. Jakub schreibt:

    hehehe, geh bitte machen wir und hier nichts vor, es geht nicht um die polen, kroaten, chinesen oder schweden…….es geht hier einzig und alleine um die MOSLEMS!!!!!! die sind es die sich nicht integrieren können (oder bedingt durch die lehren des koran nicht wollen) jeder der den koran auch nur ein bisschen gelesen hat, weiss um was es geht!

    und genau bei diesem beispiel ist es besonders wichtig zu betonen dass es sich wie oben erwähnt nicht um vorurteile handelt sondern um beobachtungen!!!

    (jaja ich weiss die Groß – und Kleinschreibung)

    • Karin Koller schreibt:

      Wenn Du mein Blog gelesen hast, dann wirst Du wissen, dass ich religiösen Fundamentalismus in jeder Form ablehne, den moslemischen genauso wie den christlichen. Es ist aber genauso absurd, zu unterstellen, dass jeder Moslem ein Fundamentalist ist, wie es absurd wäre, alle Katholiken als Fundamentalisten zu bewerten. Ich bin daher der Meinung, existierende Integrationsprobleme allein an der Religionszugehörigkeit festzumachen, schießt nicht nur über das Ziel hinaus, sondern ist einfach falsch. Das ist auch historisch zu belegen. Wäre deine Behauptung richtig, hätte es keine Integrationsprobleme bei uns geben dürfen, bevor die Zuwanderung türkischer Gastarbeiter anfing. Das ist aber nachweislich falsch, wenn man sich die Ghettoisierungen, die über Jahrhunderte immer wieder irgendwelchen Menschengruppen aufgezwungen wurden, anschaut. Gerade die historischen Beispiele belegen, dass der Anteil, den die Diskriminierung durch die jeweilige Mehrheitsbevölkerung hatte, zumindest gleich verantwortlich für fehlende Integration war wie der angeblich oder tatsächlich fehlende Integrationswille.

    • Stefan R. schreibt:

      Beobachtungen sind noch lange keine empirisch erhärteten Fakten. Ich lebe im Ruhrgebiet und fühle mich weder bedroht noch überfremdet. Und das Gefühl, ich müsste unbedingt Türkisch lernen, um im Alltag zurecht zu kommen, habe ich auch nicht, im Gegenteil. Ich gehe zu jeder Tages- und Nachtzeit in jede der zahlreichen türkischen Enklaven und werde freundlichst behandelt.
      Ach ja: Paranoia ist übrigens heilbar. Ach nee, retten Sie lieber weiter das Abendland und klären Sie uns (als promovierte Islamwissenschaftler, nehme ich an) weiter über den wahren Kern des Islam auf – der Alltag wäre sonst weniger lustig.
      Im Übrigen bis ich mit K. Koller vollkommen einer Meinung.

  9. melikeyol schreibt:

    Ein sehr guter Beitrag. Meine eigene Erfahrung als Kind von türkischen Migranten ist, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung ganz offen ausländerfeindlich/rassistisch ist, ein weiteres gutes Drittel der Bevölkerung zumindest versucht, sich einen Lackanstrich der Weltoffenheit zu verpassen, der aber sehr dünn ist und beim geringsten Anlass abblättert, und ein knappes Drittel der Leute tatsächlich keine erkennbaren Vorurteile hat.

    Allerdings muss ich sagen, dass es in den diversen Migrantencommunities, die ich kenne, diesbezüglich auch nicht wesentlich anders aussieht.

    Und, hervorzuheben ist doch auch, dass in Deutschland die offizielle Politik im wesentlichen parteiübergreifend antidiskriminatorisch handelt, sodass zumindest rechtlich kaum echte Diskriminierungen mehr bestehen. Es ist zu hoffen, dass sich langfristig durch die politischen Maßnahmen auch in den Köpfen etwas ändert. Ich bin da nicht ganz hoffnungslos.

    • Karin Koller schreibt:

      In Österreich wird leider die Ausländerfeindlichkeit aktiv von der Politik geschürt, deshalb sind die Quoten längest nicht so günstig (beinahe 1/3 der Leute werden wahrschenlich die ausländerfeindlichste Partei wählen).

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