Silberplatten

Große, ornamentale Schmuckstücke und gedehnte Ohren haben in Afrika eine lange Tradition. Ohrgehänge sind nicht nur Dekoration, sondern auch Statussymbol, Zeichen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder Schutz vor bösen Mächten. Sie werden von Frauen und oft auch von Männern getragen, im Alltag, zu Anlässen, zu Aufführungen. Manchmal erzählt der Schmuck eine Geschichte.

In langer Tradition wurde uns suggeriert, dass afrikanische Kultur der unseren unterlegen sei. Viele Dokumentarfilme beobachten afrikanische Stämme in diesem Licht und zeigen unterschwellig einen amüsierten, mitunter lächerlich machenden Blick auf deren Idiosynkrasien. Dadurch erscheint uns vieles fremd und unverständlich.

Dabei sind viele Dinge in ihrer Bedeutung nicht unähnlich. In Europa tragen wir Schmuck auch aus verschiedenen Gründen. Menschen hängen sich katholische Kreuze, keltische Amulette oder ihr Sternzeichen um, damit sie sich beschützt glauben. Die Größe von Edelsteinen bestimmt den gesellschaftlichen Status der Trägerin. Oft wird deshalb ein Schmuckstück nur nach dem Karatwert und nicht nach seiner Schönheit gekauft. Gruppenzugehörigkeit wird durch das Tragen von Piercingschmuck oder Perlenketten symbolisiert. Ein Mensch, dem unsere Kultur unbekannt ist, würde vermutlich verwundert den Kopf schütteln über die vielen Zwänge, die uns die Mode mitunter auferlegt. Was hätte er bei der königlichen Hochzeit gedacht, bei der sich der Bräutigam als Nussknacker verkleidete und die Gäste absurde Gebilde auf den Köpfen trugen? Viele Leute hier rümpfen die Nasen über afrikanischen Schmuck, der den gesamten Hals eng umschmiegt, und finden es selbstverständlich, dass Männer mit Kravatten zur Arbeit gehen.  

Ich will damit nicht sagen, dass Schmuck in Afrika zwanglos getragen wird. Ich denke dabei zum Beispiel an die Lippenplatten der Surma in Ostafrika. Aber oft hat man den Eindruck, dass besondere Schmuckstücke mit Freude und Stolz getragen werden – und mit Würde.

    

Der heute vorgestellte Schmuck erinnert mich an in Ostafrika getragene Ohrgehänge. Er ist bei Discomedusa erhältlich (http://www.discomedusa.com/home.html). Für diesen Schmuck müssen die Ohrlöcher etwas gedehnt sein. Die Spiralen werden durch die Ohrlöcher geschoben und halten gut ohne Verschluss. Auf der Website von Discomedusa ist ein Vorschlag angeführt, wie man sich mit diesen Ohrringen behelfen kann, wenn man keine gedehnten Ohrlöcher hat. Die Ohrringe sind relativ schwer. Der durch die Spirale gebildete Zwischenraum erinnert an ein etwa 3cm gedehntes Ohrloch, an dem die Schmuckplatte fixiert ist. In den Schmuckplatten reflektiert sich das Licht auf sanfte Art und Weise, weil das Silber aufgeraut ist.

Mir gefällt das Gefühl, wie die massiven Silberplatten gegen meinen Hals baumeln. Unwillkürlich halte ich den Kopf höher, wenn ich sie trage, weil sie sich leicht an der Schulter verspreizen, wenn der Kopf geneigt ist. Ich stelle mir dann vor, ich könnte sie so würdevoll tragen wie eine afrikanische Frau. Vielleicht verleiht mir diese Vorstellung ein bisschen Würde. Denn Schmuck ist nicht nur Zierde, sondern auch das Lebensgefühl, das er der Trägerin verleiht.

     

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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57 Antworten zu Silberplatten

  1. Elke schreibt:

    Wow, coooooooool!

  2. L. schreibt:

    Die Ohrringe sehen fantastisch aus. Halten die Ohrringe einfach durch ihr eigenes Gewicht?

    • Karin Koller schreibt:

      Danke. Die Ohrringe halten durch ihr Gewicht und vor allem weil die Spirale, die durch das Ohrloch führt, ziemlich lang ist. Auf zwei Bildern sieht man das Ende der Spirale, wenn man genau schaut.

  3. JoM schreibt:

    Die Ohrringe sehen sehr gut aus. Und du sprichst ein interessantes Thema an: in der westlichen Welt werden viele Bräuche, Moden etc., die etwas aus dem hier üblichen Rahmen fallen, von oben herab betrachtet, wenn nicht gar verlacht. Wie oft habe ich gehört, wie absurd, ja asozial es doch ist, sich Schmuck durch die Lippe zu stecken, oder Dreadlocks zu tragen etc. Gleichzeitig käme niemand auf die Idee, einen Mann mit einem gezwirbelten Schnauzbart, eine Frau mit rosa Plastikohrringen oder gar eine Nonne, die ein riesiges Kreuz über ihren Quasitschador anhat, in Frage zu stellen oder gar als „minderwertig“ zu bezeichnen. Ich finde, da steht uns noch ein weiter Weg bevor, bis solche kulturellen Unterschiede tolerieret und gar respektiert werden.

    • Alexa schreibt:

      Ja, ich denke nur daran, welchen Schmuck im weitesten Sinne die Leute getragen haben, die im Dorf, in dem meine Eltern wohnen, vor zwei Wochen den Maibaum aufgestellt haben: Backen- und Schnurrbart, Gamsbart, Lederhose, Dirndl jeder Art, Pfeifen, you get the point. Und diese Leute lachen, wenn sie geschmückte Massaikrieger sehen. Wie mal Tom Waits in einem Film sagte: It’s a sad and beautiful world.

  4. Andrea schreibt:

    Wie weit müssen die Ohrlöcher gedehnt sein, um die Ohrringe tragen zu können?

  5. Anna-Maria schreibt:

    Ein wunderbarer Schmuck und ein wunderbarer Artikel. Es wäre schön, wenn der Mainstream auch bei uns einmal verstehen lernen würde, wieviel Eleganz und Selbstbewusstsein benötigt wird, um sich so schmücken zu können, wie dies die Massai und andere Stämme tun.

  6. Silbersternchen schreibt:

    Sehen die gedehnten Ohrlöcher, wenn kein Schmuck drin ist, nicht krass aus? Der Schmuck sieht aber toll aus, muss ich sagen.

    • Karin Koller schreibt:

      Bei meinem Artikel „Warum ich nicht konservativ wähle“ von 18. April ist ein Foto von meinem nacktem Ohr. Dort kannst Du nachschauen. Ich trage allerdings fast immer Schmuck in den Ohren.

  7. Joaniebegood schreibt:

    Superohrringe!!!! Wie hast du die Ohren gedehnt?

  8. Anna schreibt:

    Ich finde, die Ohrringe sehen wahnsinnig schön aus. Glaubst du, sie könnten auch durch 8mm-Tunnel getragen werden?

    • Roberta schreibt:

      Wollte ich auch gerade fragen (meine Tunnel sind auch 8mm). Die Fotos sehen wunderschön aus, muss auch gesagt werden.

    • Karin Koller schreibt:

      Ich bin sicher, dass diese Ohrringe durch die Tunnel getragen werden können, aber ich habe keine Erfahrung mit so großen Tunneln. Auf der Website von Discomedusa sind bei den jeweiligen Schmuckstücken Tipps für das Tragen angeführt. Wenn Du nicht sicher bist, kannst Du dort bestimmt anfragen.

  9. Suzy Q schreibt:

    Ich finde, die Ohrringe sehen sehr schön aus. Ist das massives Silber? Und wie schwer sind diese Ohrringe? Ist es nicht schmerzhaft, solchen – spektakulär aussehenden – Schmuck zu tragen? Wie hast du die Ohren gedehnt? Und wie sehen die gedehnten Ohrlöcher ohne Schmuck aus?

    • Karin Koller schreibt:

      Die Ohrringe sind aus massivem Silber und relativ schwer. Anfangs ist das Tragen gewöhnungsbedürftig, aber nicht schmerzhaft.

      • Erika schreibt:

        Wie schwer ist relativ schwer? Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man die Ohrringe schmerzfrei tragen kann.

      • Karin Koller schreibt:

        Meine Küchenwaage misst 32g, wenn ich einen Ohrring drauflege. Ich empfinde die Ohrringe nicht als unangenehm. Headbangen würde schon wehtun.

  10. Elisabeth schreibt:

    Ein grossartiger Schmuck, der dir toll steht. Ich werde Magdalena vorschlagen, den Schmuck in ihr Sortiment aufzunehmen. Superschön!

  11. Laura schreibt:

    Wo du immer diese ausgefallenen Schmuckstücke hernimmst. Absolutely fabulous!

  12. Lisa Mertens schreibt:

    Was kann ich sagen, das nicht schon gesagt wurde? Sehr sehr schön? Was sind das für Ohrringe, die du den Ohrrand entlang trägst? Kristalle?

  13. Barney Geroellheimer schreibt:

    Ich finden den Schmuck hübsch. Aber wie ist es, wenn du mal keine Ohrringe trägst. Sehen dann die durchlöcherten Ohren und gedehnten Löcher nicht komisch aus?

  14. Adrienne schreibt:

    Ich komme selbst aus Afrika und finde es gut, wenn sich jemand hier mal Gedanken über die afrikanische Schmuckkultur und das, was hinter ihr steht, macht. Es wäre hoch an der Zeit, dass bei uns diese Schmuckkultur die ihr zustehende Bewunderung bekommt, anstatt dem Spott durch deutschnationale Toren im Trachtenanzug oder im schlechtsitzenden Anzug ausgesetzt zu werden. So ein Artikel, der anspricht, was dahintersteckt, und in den Fotos zeigt, wie toll Artefakte im Stil dieser Kultur aussehen können, leistet dazu einen Beitrag. Danke.

    • Sonja schreibt:

      Trägst du selbst solchen afrikanischen Schmuck? Und hast du die Ohren und die Lippe gedehnt?

      • Adrienne schreibt:

        Ja, ich trage gerne solchen Schmuck. Ich habe auch meine Ohrlöcher gedehnt. Die Lippe habe ich gepierct, aber nicht gedehnt.

    • Karin Koller schreibt:

      Es ist komisch, in wievielen Bereichen man die Eigenheiten anderer als merkwürdig oder abstoßend empfindet, die eigenen aber immer als selbstverständlich. Man muss sich das immer wieder vor Augen halten.

      • Adrienne schreibt:

        Da stimme ich dir zu. Das Problem aus meiner Sicht ist jedoch, dass dieses Bewusstsein, dass auch etwas Fremdes schön und gar wertvoll sein kann, bei vielen Leuten gar nicht existiert. Das heißt, dass die fehlende Neugier vieler Leute das Hauptproblem ist. In meiner Erfahrung sind also nicht jene, die einen auf das ihnen Fremde ansprechen, das Problem. Die haben diese Neugier auf Neues. Mit denen kann man kommunizieren, ihnen was erklären, und sie im besten Fall sogar überzeugen. Am schlimmsten sind diese Mir-san-mir Typen, die schon alles wissen und nichts mehr wissen wollen. Mit denen ist im Normalfall keine Kommunikation möglich, und ohne Kommunikation gibt es auch keinen Abbsu von Vorurteilen. Konkret: ich habe kein Problem mit der Omi, die mich fragt, wieso ich große Löcher in den Ohren oder ein Loch in der Lippe habe. Aber sehr wohl mit den Leuten, die mich anschauen, warten bis ich vorbei bin, und hinter mir anfangen zu tuscheln oder Schlimmeres zu tun.

  15. Sarah Brauner schreibt:

    Kompliment. Wunderbarer, ganz spezieller Schmuck. Ich habe zwar nur zwei Ohrlöcher, aber Ihre Beiträge bringen mich ins Grübeln, ob das so bleiben muss.

  16. Sarah Brauner schreibt:

    Ich war schon mutiger, als ich je gedacht habe, und habe mir vor einigen Tagen die Ohrlöcher weiten lassen. Insofern habe ich mich schon beschenkt.

    • Karin Koller schreibt:

      Nach einem langen Jahr kann man sich schon noch ein Weihnachtsgeschenk gönnen.

      • Sarah Brauner schreibt:

        Dann heisst es wieder, ich verhalte mich nicht altersgemäß. Haben Sie sich Ohrlöcher auch selbst gestochen? (Ich habe da im Internet so Einwegsets gesehen)

      • Karin Koller schreibt:

        Am Ohrläppchen kann man sich die Ohrlöcher selbst stechen. Mir hat mein Mann 2 gestochen. Für den Ohrknorkel würde ich zum Piercer gehen.
        Altersgemäßes Verhalten ist nicht immer das Spannendste, das kann man ruhig auch mal sein lassen.

  17. Sarah Brauner schreibt:

    Sie stacheln mich an. An Ohrknorpel hatte ich gar noch nicht gedacht. Würden Sie mir das empfehlen?

    • Karin Koller schreibt:

      Ich würde mit 2 Löchern am Ohrläppchen zur Einstieg empfehlen. Dann können Sie sich überlegen, ob Sie lieber am Ohrläppchen weitermachen oder ob Sie ganz oben am Ohrrand ein neckisches Ringlein haben wollen.

  18. Sarah Brauner schreibt:

    Eines in jedem Ohr? Oder zwei in einem?

  19. Sarah Brauner schreibt:

    Haben Sie so angefangen?

    • Karin Koller schreibt:

      Ich habe mit Wetten angefangen, die ich mit meinem Mann gemacht habe. Wenn ich verlor, musste ich einen Ohrring stechen lassen.

      • Sarah Brauner schreibt:

        Ich habe mir jetzt einige von diesen Do-it-yourself-Sets besorgt. Haben Sie immer symmetrisch – je eines auf jeder Seite – gestochen?

      • Karin Koller schreibt:

        Nein, bei mir ist das mit der Zeit und ohne eigentlichen Plan gewachsen. Ich habe nicht auf beiden Ohren gleich viele Löcher. Es ist aber empfehlenswert, einen Plan zu machen und Symmetrisch zu stechen.

  20. melikeyol schreibt:

    Mir gefällt dein Stil sehr.

  21. shipwreckk schreibt:

    Sehen großartig aus, deine Ohren. Ich war gerade am Überlegen, ob ich mir die Ohren durchpiercen soll und eine Dehnung in Angriff nehmen soll. Deine Fotos haben mir die Entscheidung abgenommen.

  22. Alicia schreibt:

    Wunderschön. Hast du schon mal daran gedacht, deine Ohren richtig zu dehnen?

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