Songs: Neil Young, Thrasher

Thrasher von Neil Young erinnert mich an meine Studienzeit, als meine Dissertation Formen annahm und ich mich entscheiden musste, ob ich auf der Universität bleiben oder einen Job in der Industrie suchen sollte.

They were hiding behind hay bales,/They were planting in the full moon/They had given all they had for something new /But the light of day was on them, /They could see the thrashers coming/ And the water shone like diamonds in the dew.

Wir waren begeistert von unserer Forschung. Natürlich wussten wir, dass sie nicht weltbewegend war, aber sie war unsere Arbeit und für uns war sie bedeutsam. Das Gefühl war wie im Lied beschrieben, wenn man voller Enthusiasmus die mit einfachen Mitteln erarbeiteten Früchte seiner Bemühungen abwartet.

Und dann waren da die Mähdrescher, in meinem Fall die Chemie- und Pharmaindustrie, die gleichzeitig Bedrohung und natürlicher nächster Karriereschritt waren.

And I was just getting up, hit the road before it’s light/ Trying to catch an hour on the sun/ When I saw those thrashers rolling by, /Looking more than two lanes wide / I was feelin‘ like my day had just begun. Where the eagle glides ascending / There’s an ancient river bending / Down the timeless gorge of changes / Where sleeplessness awaits.

In dieser Aufbruchsstimmung wollte ich die Universität verlassen und zeigen, was ich wirklich kann. Ich hatte das Gefühl, die Welt stünde mir offen. Gleichzeitig hatte ich Angst vor dem Unbekannten, und davor, ob ich in einer Umgebung, die nicht den gleichen Schutz bieten konnte wie die Universität tatsächlich bestehen konnte. Außerdem plante ich, Wien zu verlassen und zu Frank nach Vorarlberg zu ziehen. Immer wieder kamen mir Zweifel, ob ich die richtigen Entscheidungen treffen würde.

I searched out my companions, / Who were lost in crystal canyons / When the aimless blade of science / Slashed the pearly gates./ It was then I knew I’d had enough, / Burned my credit card for fuel / Headed out to where the pavement turns to sand / With a one-way ticket to the land of truth / And my suitcase in my hand / How I lost my friends I still don’t understand.

They had the best selection, / They were poisoned with protection / There was nothing that they needed, / Nothing left to find / They were lost in rock formations / Or became park bench mutations / On the sidewalks and in the stations /They were waiting, waiting.

Ich war gerne an der Universität. Die Dissertation habe ich gemacht, weil ich die Leute am Institut mochte und vor allem, weil ich noch nicht erwachsen werden wollte. Aber jetzt war es Zeit zu gehen. Weiteres Verbleiben in den vorgegebenen universitären Abläufen wäre mir wie eine Verknöcherung erschienen. Wie ein sich Suhlen in der Selbstzufriedenheit.

So I got bored and left them there, / They were just dead weight to me / Better down the road without that load

In Vorarlberg musste ich lange einen Job suchen und ich war nicht sicher, ob es tatsächlich richtig war, hierher zu ziehen. Die Bewerbungsgespräche waren interessant und beängstigend zugleich. Einige Interviewer wollten nur vorgekaute Antworten aus Berufsberatungskursen gelten lassen. Die wollte ich nicht geben, ich bildete mir ein, authentisch sein zu müssen. Als ich dann doch meinen ersten Job in der Schweiz gefunden habe, war ich ernüchtert. In der Privatwirtschaft war nicht alles so viel professioneller und großartiger als an der Universität.

Brings back the time when I was eight or nine / I was watchin‘ my mama’s T.V., / It was that great Grand Canyon rescue episode. / Where the vulture glides descending / On an asphalt highway bending / Thru libraries and museums, galaxies and stars / Down the windy halls of friendship / To the rose clipped by the bullwhip / The motel of lost companions / Waits with heated pool and bar.

Ich lernte, dass Arbeit nicht alles ist, nicht alles sein darf, und entwickelte neue Interessen. Der erste Job war nur befristet. Bei einer Firma in Liechtenstein wurde ich unglücklich, weil mein Enthusiasmus von einem kleinen Diktator mit Oberlippenbärtchen zerschmettert wurde. Der nächste Job war, was ich mir erhofft hatte, in einer Firma, die sehr familiär geführt wurde. Dort musste ich eine Menge Ängste überwinden und war oft sehr stolz auf mich.

Dann wurde ich schwanger und als Anna einige Monate alt war, begann ich stundenweise von zu Hause für diese Firma zu arbeiten. Das hörte auf, als Katharina an Leukämie erkrankte und ich mich Tag und Nacht um sie kümmern musste. Aber es werden sich neue Dinge ergeben, beruflich und privat, da mache ich mir keine Sorgen.

But me I’m not stopping there, / Got my own row left to hoe / Just another line in the field of time / When the thrashers comes, I’ll be stuck in the sun / Like the dinosaurs in shrines / But I’ll know the time has come / To give what’s mine.

http://www.youtube.com/watch?v=t00MXZKbW0M

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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13 Antworten zu Songs: Neil Young, Thrasher

  1. Clara schreibt:

    Sehr schöner Artikel. Schön zu sehen, welche Wichtigkeit Neil Young für dich hat.

    Und da kann Bob Dylan 70 Jahre alt geworden sein und für die Popgeschichte und Popkultur die größere Bedeutung gehabt haben. Mir lag trotzdem immer Neil Young näher. Und es gibt keinen Künstler, der für mich persönlich eine annähernd gleiche Bedeutung wie Neil Young in so vielen Lebensphasen hatte. Er hat mich von der unglücklichen ersten Liebe („Only love can break your heart“) über die Phase der glücklichen ersten Liebe („Like a hurricane“) zur Phase nach der ersten zerbrochenen ernsthaften Beziehung („On the beach“: All my problems are meaningless, that don´t make them go away..) begleitet. Und war wichtig in meiner jugendlichen Rebellenphase („Hey Hey my my“), in der Phase der ersten politischen Awareness („Rocking in the free world“) und als ich endlich meinen Lebenspartner gefunden habe („Razor Love (that cuts clean through)“) Ich liebe Tom Waits, Van Morrison, Bob Dylan, Bruce Springsteen, die Go-Betweens u.v.a..

    Aber Neil Young ist der Einzige, von dem ich – trotz Greendale und anderen Desastern – immer noch jedes neue Album kaufe.

  2. Elke schreibt:

    Eines der schönsten Lieder auf einer der besten Platten eines der größten Künstler. Hey hey my my, Rock´n Roll will never die!

  3. JoM schreibt:

    Der Artikel bringt Jugenderinnerungen zurück. Ich habe Rust never sleeps erstmals in einer Sendung des Popmuseums von Ö3 gehört (gegen Ende der Achtzigerjahre muß das gewesen sein. Der Moderator, Wolfgang Kos, spielte eine ganze Stunde lang nur Neil Young. Ich war damals vielleicht Fünfzehn und war weggeblasen, als ich das erste Mal das Intro zur elektrischen Version von Hey, Hey, My, My hörte. Ich bin dann am nächsten Tag nach der Schule in den örtlichen Plattenladen gelaufen und wollte mir Rust never sleeps kaufen. Die kostete aber 189 Schilling, ich hatte aber nur 150. Also nahm ich mir Harvest, die mit dem „Nice Price“-Sticker für 99 Schilling zu haben war. Daheim legte ich die neue Platte auf, und dann ging es los. „Think I´ll pack it in and buy a pickup…..“ Ich hörte die Platte fünf mal am Stück an, und dann war es passiert. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, wie sie in einem anderen Meisterwerk sagen. Und jetzt, fast 25 Jahre später, strebe ich auch Ragged Glory an.

  4. Erika schreibt:

    Du hast ja fast nackte Ohren auf dem Foto. Wie alt ist das denn?

  5. Ich finde ja, dass Lou Reed, Neil Young und John Cale die echte heilige Dreifaltigkeit sind. Und die wahre Bibel besteht aus den Einzelwerken The Velvet Underground & Nico, The Velvet Underground, Transformer, Everybody Knies this is nowhere, On the beach, Tonight’s the Night, Rust Never sleeps, Freedom, Ragged glory, Berlin, Paris 1919, Vintage Violence, Fear,

  6. L. schreibt:

    Eine schöne Anregung, Rust Never Sleeps wieder mal hervorzukramen, wenn es dunkel ist zum Himmel zu schauen, ein Feuer anzumachen, und abzuwarten, ob Marlon Brando kommt. Und wenn nicht, Live Rust auflegen, sich zurückzulehnen und zurückdenken. Oh to live on Sugar Mountain.

  7. Alexa schreibt:

    I am a child, I last a while…….

  8. m.h. schreibt:

    Schöner Artikel, Danke. Hat mich an meine Zeit als ich 15 war erinnert. Da begann alles mit NY.

    Gleich wieder rausgesucht, nach „Would fade away so young/
    With so much left undone/Remember me to my love,
    I know I’ll miss her. „
    aufgehört, „Welfare Mothers“ und „Sedan Delivery“ überspungen und den Abend mit Hey-Hey, my,my ausklingen lassen.

    Wie schon beschrieben, trotz „trotz Greendale und anderen Desastern“ kauf ich noch jedes Studio Album von ihm

  9. Clara schreibt:

    Die Desaster wie Greendale oder das Elektroauto-Album oder Trans sind ja auch irgendwie Monumente eines interessanten Scheiterns. Deshalb sind selbst diese Alben Zeichen eines Künstlers, der immer noch was Neues versucht, und sich nicht damit begnügt, den kalten Kaffee immer wieder aufzuwärmen. Aus diesem Grund ist Greendale bedeutender, als alles,was McCartney seit 1970 produziert hat. In diesem Sinne: My My Hey Hey, Rock’n Roll is here to stay.

  10. Roberta schreibt:

    Spitzenartikel!

  11. anniefee schreibt:

    Wie das Leben so spielt °_°
    ein ermutigender Artikel 😉

  12. Anna schreibt:

    Find ich auch. Einfach schön.

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