Diese Woche konsumiert

Kaderschmiede ÖVP

Wir werden regiert von Django, Cato und Bärli, Niederösterreich von Cicero. Ihre Freunde singen gerne deutschtümelnde Lieder, betreiben aber keine Deutschtümelei, weil sie die Vergangenheit im Vielvölkerstaat meinen. Sind sie Monarchisten? Man weiß es nicht, sie sind in jedem Fall katholisch, der Glaube kommt vor allen anderen Prinzipien. Und sie verkleiden sich gerne, mit bunten Hüten, Säbeln und Zirkusdirektorjacken.

Aber Cato hat sich diese Woche noch schöner gemacht. Weil er nicht nur Mitglied des CV ist, sondern auch des Ritterordens vom Heiligen Grab, legte er sich den elfenbeinweißen Mantel mit den fünf Wundmalen Jesu an. Der Dompfarrer und der Kardinalerzbischof sind auch Mitglieder, aber die verkleiden sich ohnehin jeden Sonntag.

Der Ritterorden besteht aus den Eliten es Landes. Der CV ist die Kaderschmiede der ÖVP, und nimmt selbstverständlich nur Männer auf. Außerhalb ihrer Treffen sind aber diesen Herren Männer suspekt, die sich in bunte Gewänder werfen und auf der Straße singen.

http://derstandard.at/1304553749839/Ansichtssache-Bischof-Burschen-und-Alte-Herren

http://derstandard.at/1304553706091/derStandardat-Reportage-Cato-Baerli-und-Django-Katholische-Brueder-im-Geiste#forumstart

http://derstandard.at/1304553861097/Spindelegger-und-die-Ritter-der-Naechstenliebe

 

Wie verhindert man die Zwergerlpolizei?

Um eine Tätigkeit bei der österreichischen Polizei auszuüben, muss ein Mann eine Mindestkörpergröße von 168cm haben. Wegen Personalknappheit soll dieses Kriterium aufgehoben werden. Nationalratsabgeordneter Herbert möchte, dass Uniformträger gewisse Mindestanforderungen erfüllen: „Dazu gehört auch eine angemessene Körpergröße, um den rechtsstaatlichen Charakter nicht nachteilig erscheinen zu lassen“.

Na Bumsti. Geist gehört wohl nicht dazu. Der Rechtsstaat ist groß, das muss von seinen Repräsentanten reflektiert werden. Warum dürfen eigentlich Richter klein sein?

http://www.ots.at/mobile/presseaussendung/OTS_20110604_OTS0025

 

Plassnik

Ursula Plassnik war gegen Beitrittsverhandlungen der Türkei. Die Türkei will Plassnik nicht als OSZE-Generalsekretärin. Fremdenfeindliches Geplänkel für die innenpolitischen Stimmungsmache zahlt sich eben nicht für jeden Karriereschritt aus. Österreich schaltet automatisch in den Waldheim-Modus und sagt praktisch unisono, die Türkei ist bös. Das haben die Politiker, die Medien und die Menschen verinnerlicht. Und mir san mir und mir san guat (Blumenau sagt das ausführlicher und schöner: http://fm4.orf.at/stories/1683695/

).

In der Ö1-Diskussionsrunde ging man sogar so weit, zu fragen, ob sich die Türkei nicht lächerlich mache. Kein Mensch kenne den derzeitigen OSZE Generalsekretär und deshalb könne das kein wichtiger Job sein.

Das ist der österreichische Geisteszustand. Ich würde vorschlagen, dass die Ritter vom Heiligen Grab sich ihre Schwerter und Wundmale umschnallen und in einen Kreuzzug zur Ehre der strahlenden Jungfrau Plassnik gegen die Türkei ziehen. Natürlich erst, nachdem der Kardinalerzbischof sie gesegnet hat und die Zwergenpolizei ein deutsches Abschiedsständchen dargeboten hat.

 

Kunsthalle Wien

Und weil bei uns ohnehin alles versifft ist: Warum sollte der Kunstbetrieb eine Ausnahme sein? Hier eine schöne Analyse von Peter Weibel, wie Museumsdirektoren von der FPÖ gelernt haben. Bald werden sich KHG, Noever, Matt und Konsorten gegenseitig Briefe schreiben, um einander zu versichern, dass die Neider ihnen nur die Schönheit und den Geist missgönnen. Oh, da lag ich jetzt falsch, für Noever hat das schon Robert Menasse getan. Wo bleibt er jetzt, wenn Matt in Not ist?

http://www.profil.at/articles/1123/560/298776/fpoe-gastkommentar-peter-weibel-der-kunstbetrieb-fpoe-verein

 

Anthony Weiner

Wenn ein Mann einer Frau, mit der er nicht verheiratet ist, ein Foto von seiner Erektion schickt, geht das nur ihn, seine Frau und die Freundin etwas an. Wenn der Mann versehentlich eines dieser Fotos für alle sichtbar macht, ist das kein Sexskandal. Diese Erektion steckte noch dazu in der Unterhose, also kann es sich auch nicht um ein öffentliches Ärgernis handeln. Palmerswerbungen sehen ähnlich aus.

Diese bizarre Art der Freizeitgestaltung kränkt sicher seine Frau, ist aber nicht illegal und beeinträchtigt nicht seine Arbeit. Dennoch muss er weinend in einer Pressekonferenz seine Fehler eingestehen und kann seine weitere Karriere vergessen. Es ist eine merkwürdige Welt.

http://www.huffingtonpost.com/2011/06/06/anthony-weiner-twitter-new-photos_n_871817.html

 

Radio

Sonntags gehe ich gerne um 9 Uhr bügeln. Dann kann ich mir die Sendung Patina anhören. Heute aber wurde das Sonntagscafe gesendet. Eva Rossmann wurde dort beweihräuchert, als wäre sie Patricia Highsmith. Bei der halblustigen Glosse in der Mitte der Sendung wünschte ich mir den Gugelhupf wieder herbei. Und das Schlimmste an der Sendung: Sie war um halb Zehn nicht aus.

Ich habe die Hemden mit Tränen benetzt. Gebt mir Patina zurück, wiederholt die alten Folgen, die mit Karl Kraus, Schwejk oder Anton Kuh.

 

Schlussbemerkung

Heute-Show: Zitat aus der Sendung von Markus Lanz bezüglich EHEC: „Der Rohstoff kommt immer aus irgendeinem Arschloch.“ Das könnte man für viele Berichte in vielen Medien auch sagen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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8 Antworten zu Diese Woche konsumiert

  1. Lisa Mertens schreibt:

    Zum Kulturbetrieb und den Huldigungen von Menasse etc. an Noever: es ist interessant, dass jene, die früher die grössten Kritiker der Elche waren, jetzt selber welche sind.

  2. hans schreibt:

    und so gehts jede woche – sich steigernd – wo führt das hin ?

  3. Anna schreibt:

    Diese Anthony Weiner Story ist besonders bizarr. Wenn das ein Sexskandal ist, der für ein öffentliches Amt disqualifiziert, wo nehmen wir dann zukünftig Volksvertreter her?

  4. L. schreibt:

    Das traurige bei diesen „Sexskandalen“ ist, das dadurch, dass alles in einen Topf geworfen wird, die Awareness für wirkliche Verbrechen verloren geht. Wenn es gleich empörend ist, wenn jemand ein Foto von seinem Pimmelchen verschickt, wie, wenn jemand vergewaltigt, dann werden Verbrechen verharmlost.

  5. JoM schreibt:

    Ja, was eine Woche so bringt. Zu diesen Männerbünden: man schwankt zwischen Mitleid mit diesen Männern, die sich so vor Frauen fürchten, dass sie sich in bizarren Vereinen absondern müssen, damit sie ihre geistigen Ausdünstungen unhinterfragt von sich geben können. Ich erwarte jetzt einmal nicht, dass unsere Staatsmänner das gleiche Schicksal erleiden wie ihre Namenspatrone, Zumal sie in ihrem sonstigen geistigen Horizont auch kaum weiter von ihren Vorbildern Entfernt sein könnten. Cicero hat weit mehr Bücher geschrieben, als „Cicero“ gelesen hat, soviel steht fest. Und zu Plassnik, was soll man dazu noch sagen: man bewirbt sich um einen Posten in der Spitzendiplomatie und wirbt für sich mit Mitteln, die nicht entfernter von diplomatischen Usancen sein könnten. Ich hoffe, sie hat zwischenzeitlich den Schlusspfiff gehört.

  6. JoM schreibt:

    Zu den Museumsdirektoren noch ein Satz. Der Umgang von Matt mit Miessgang ist zum Kotzen. Da wird versucht, mit irgendwelchen Pornoanschuldigungen den Ruf eines Mannes zu ruinieren und so den Beifall der Boulevardpresse zu erheischen. Besonders traurig wieder einmal: das Verhalten der SP.

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