Diese Woche konsumiert: Banken, Protest und Krise

Bankenkrise und Griechenland

Die Krise in Griechenland wird uns gerne verkauft als von den Griechen völlig selbst verschuldet. Wenn man Radio und Fernsehen bei uns konsumiert, könnte man sich leicht den faulen Griechen vorstellen, der in der Sonne liegt, seine Steuern nicht zahlt und dem unser guter Finanzminister nun Geld geben muss, damit er sich sein Sonntagstörtchen noch kaufen kann.

Das Hilfspaket für Griechenland ist aber wieder einmal ein Bankenrettungspaket. Die Steuergelder werden an Banken ausgezahlt, die schon vor Jahren keine Kredite an Griechenland hätten vergeben dürfen.

Paul Krugman und Robin Wells schrieben in der New York Review of Books einen Artikel darüber, dass die Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte im Grunde immer auf Fehlinvestitionen von Banken zurückzuführen waren. Die Steuergelder, die zur Krisenbewältigung verwendet wurden, flossen auch damals mehr oder weniger unbemerkt in die Banken (http://www.nybooks.com/articles/archives/2011/jul/14/busts-keep-getting-bigger-why/ ).

Die Alternative zur Erweiterung des „Eurorettungsschirms“ (bei Namensgebung ist die Politik kreativer als bei Problemlösungen) ist eine Teilinsolvenz Griechenlands. Wirtschaftexperten – und da sprechen wir nicht von den Filzmaiers dieser Welt, sondern von den Krugmans – sind sich komplett uneins, was getan werden muss, um die Krise zu überstehen. Diese Planlosigkeit treibt den Markt in zusätzliche Hysterie.

Mit einer stärkeren Finanzmarkt-Regulierung hätte die Krise nicht in diesem Ausmaß passieren können (siehe auch zitierten NYRB-Artikel). Das nützt gegenwärtig nur insofern, als dass eine Regulierung in Gang gesetzt werden müsste, um künftige Krisen zu vermeiden.

Einem Laien wie mir erscheint es als logisch, dass eine darniederliegende Ökonomie durch Sparpakete weiter abgewürgt wird. Ein Staat kann selbst nicht in den Konkurs gehen. Die Gefahr von multiplen Bankenkonkursen besteht jedoch offenbar. Österreichische Spareinlagen seien aber sicher, so erfahren wir im Mittagsjournal (weil uns wieder einmal das Hemd näher ist als der Rock), wegen der staatlichen Bürgschaften. Der Interviewer hatte aber diesmal eine Eingebung und fragte (sinngemäß): „Aber heißt das nicht, dass jeder arbeitende Mensch mit seinem selbst erarbeiteten Geld dafür bezahlt, dass er seine Ersparnisse behalten darf?“

Ja, das heißt es. Worte wie „Steuerzahler“ und „Staat“ werden bei uns gerne so abstrakt verwendet, dass die Leute das Gefühl haben, sie hätten nichts damit zu tun. Aber mir san mir und ned die Griechen und unsere Banken haben mit dem Ganzen nichts zu tun, zumindest bis wir eines Besseren belehrt werden.

Die Werbung einer österreichischen Bank in Ungarn zeigt im übrigen anschaulich, wie es zu dieser Krise kommen konnte:

http://www.youtube.com/watch?v=OjXl61uKq8c&feature=youtu.be

Occupy Wall Street

Das alles wirft wieder einmal die Frage auf, was jeder einzelne dagegen tun kann. Ob er/sie etwas tun kann. In New York und mittlerweile auch in anderen Städten der USA versammeln sich Menschen, um gegen soziale Ungerechtigkeit zu protestieren. Sie nennen ihre Bewegung Occupy Wall Street und machen darauf aufmerksam, dass 99% der Bevölkerung unter der Gier von 1% zu leiden haben. Künstler, Wissenschaftler und einige Gewerkschaften haben sich dieser Bewegung bereits angeschlossen.

Wird Occupy Wall Street etwas bewirken können? Wir werden sehen.

Hat es einen Sinn zu demonstrieren? Ja, aus verschiedenen Gründen. Ich bin der Meinung, politisch interessierte Menschen sollten versuchen, ein politisches Bewusstsein zu schaffen bei jenen, die sich bisher keine Gedanken gemacht haben. Eine öffentliche Diskussion kann durchaus erzwungen werden, wenn man mit Beharrlichkeit thematisiert, was verändert werden muss.

Oder wie die New York Times schreibt:

„It is not the job of the protesters to draft legislation. That’s the job of the nation’s leaders, and if they had been doing it all along there might not be a need for these marches and rallies. Because they have not, the public airing of grievances is a legitimate and important end in itself. It is also the first line of defense against a return to the Wall Street ways that plunged the nation into an economic crisis from which it has yet to emerge.”

http://www.nytimes.com/2011/10/09/opinion/sunday/protesters-against-wall-street.html

Bankengeschäfte in Österreich

In Österreich basieren Bankengeschäfte auf Vertrauen. Haider eröffnet ein Konto im Namen eines Rennfahrers, ohne dessen Wissen. 2 Mio $ werden dem Rennstall überwiesen, obwohl kein Geld auf dem Konto ist und es keine Sicherheiten gibt. Das Geld wird von Russen zurückbezahlt, denen eine Staatsbürgerschaft versprochen wurde. Fast 200.000€ bleiben über. Protokollchef und Haider behalten sie für sich. Das Konto lautet immer noch auf den Namen des Rennfahrers. Eigentlich dürfte nur er dort Geld beheben. Aber der Bankdirektor hat darauf vertraut, dass alles seine Richtigkeit hat (Handschlagqualität).

Offenbar ist dieses Vorgehen legal, denn der Protokollchef wurde freigesprochen.

http://derstandard.at/1318461145072/Koloini-Prozess-Hypo-Vorstand-schenkte-Joerg-Haider-Vertrauen

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Diese Woche konsumiert: Banken, Protest und Krise

  1. NicoleLee schreibt:

    Cooler Spot der Raiba. Da braucht es schon besondere Chuzpe, sich mit so aufgeplusterten Backen moralisch aufzuregen, dass der Gesetzgeber in Ungarn nachträglich in die Kreditverträge eingreift.

  2. Alexa schreibt:

    Man hat bei den politischen Reaktionen auf die Krise auch das Gefühl, die haben keine Ahnung, was eigentlich sinnvoll wäre, und machen deshalb einfach weiter das, was man das letzte Mal auch gemacht hat. So eine Automatik des conventional wisdom.

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