Songs: Penelope Houston, On Borrowed Time

Penelope Houstons On Borrowed Time hörte ich mir oft am Ende meines Studiums an. Frank arbeitete damals in Vorarlberg. Ich verstand mich selbst als Großstadtmensch und war mir nicht sicher, ob ich dort wirklich leben wollte. Sicher war ich mir, dass ich mit ihm leben wollte.

Frank versuchte, mich von den Vorzügen Vorarlbergs zu überzeugen und von den guten Jobaussichten bei den zahlreichen Schweizer Chemiebetrieben in Grenznähe. Ich hatte mir Unabhängigkeit vorgestellt und eine völlig freie Berufswahl, die eine strahlende Karriere begründen sollte. Neurobiochemikerin, am besten in Harvard, hatte ich ursprünglich werden wollen. Natürlich hätte ich dafür bereits Jahre vorher mein Studium völlig anders organisieren müssen. Manche Träume (wie jener meiner Kindheit, als ich Eisprinzessin werden wollte, aber nicht einmal eine Pirouette zustande brachte) bleiben erhalten – ohne realen Hintergrund und ohne Aussicht auf Verwirklichung.

Erst bei dem bevorstehenden Umzug realisierte ich tatsächlich, dass ich mir in Vorarlberg einen Job suchen musste, wenn ich mit Frank zusammen sein wollte, und dass meine beruflichen Träume ausgeträumt waren.

Ich hörte die junge Frau in dem Song, die sich einlullen lässt von dem Mann, den sie liebt (to follow where you want me to go), von der Konvention (take me to the altar you can do what you please) und von ihren eigenen Vorstellungen (don’t push me, I already know).

Eigentlich will sie nicht heiraten, aber ihr wurde eingeredet, dass sie sich eigenständig nicht einen angemessenen Lebensunterhalt verdienen würde (Jesus knows money doesn’t grow on trees). Die Versprechungen waren verlockend, die Realität sah jedoch anders aus (you promised me a river, it’s a dry creek bed).

Hausfrau wird sie und Mutter, sie lässt sich gehen und ist wütend. Diese Wut mag ich an dem Song. Sie zeigt, dass noch Leben in ihr ist, dass eine repressive Atmosphäre einen freien Geist nicht zum Schweigen bringen kann (you’ll never find heaven if you silence this girl). Im Notfall würde sie einfach gehen (Never look back, see my bridges all burning down)

Ich hatte Sorge, meine Zukunftsaussichten würden sich als ähnlich düster, langweilig und einengend herausstellen wie jene in dem Song. In einem gutbezahlten Beruf, fürchtete ich, würde ich schnell dem saturierten Establishment angehören, meine Interessen und Ideale aufgeben, eine alte Spießerin werden. Diese Furcht war natürlich unabhängig von Vorarlberg.

Die Wut  dem Song gab mir den Mut, den Schritt zu wagen, mein Leben mit Frank zu beginnen an einem Ort, von dem ich früher niemals gedacht hätte, er würde in irgendeiner Form interessant für mich sein. Ich wurde mir immer sicherer, dass meine Entscheidung richtig war.

Wäre sie aber wider Erwarten falsch gewesen – auch das zeigte mir Penelope Houston – hätte es immer noch einen Ausweg gegeben.

Und die Saturierung? Die hat in der Tat eingesetzt. Vieles, das mir früher unsagbar bourgeois erschienen war, macht mir jetzt Freude. Anderes, worüber ichmich echauffieren konnte, kümmert mich nicht mehr. Aber ich versuche aufzupassen, dass die Selbstgefälligkeit nicht überhandnimmt (watch out for the undertow, the tide is turning).

Man muss sich sein Leben nach dem eigenen Geschmack einrichten, darf sich weder von Konventionen noch von billigen Verführungen leiten lassen und sollte sich auf jeden Fall zumindest ein kleines bisschen vom jugendlichen Feuer bewahren. Diese Selbstbestimmung ist wichtig, weil man nicht glücklich werden kann, wenn man sich das Weltbild anderer ausleiht (You can’t buy heaven on borrowed time).

http://www.youtube.com/watch?v=6zcHrBEzHw8

on borrowed time
lyrics by Penelope Houston/ music by P. Houston, M. Peppas, S. Strauss

Don’t tell me, I already know
To follow where you want me to go
Don’t tell me, I already know
To follow where you want me to go

Take me to the alter you can your do what you please
Jesus knows money doesn’t grow on trees
Drop your penny candy down the well of hope
Your innocence is swinging from a ten foot rope
in the breeze

Don’t tell me, I already know
To follow where you want me to go
Don’t push me, I already know
To follow where you want me to go

To my father’s garden, down the primrose path
Take me to the banks I can follow your laugh
You promised me a river, it’s a dry creek bed
The Amazon is burning, the Black Seas dead

Watch out for the undertow, the tide is turning
never look back, see my bridges all burning down
on my knees and pray the following line
You can’t buy heaven on borrowed time
You can’t buy heaven on borrowed time
You can’t buy heaven You can’t buy heaven, no

You got to stop
You better look around
Going to listen
Put your ear to the ground

Don’t tell me, I already know
To follow where you want me to go
Don’t touch me, I already know
To follow where you want me to go

Barefoot in the kitchen, never cut off my hair
Had so many children got to hide them somewhere
Broom is in the closet going to sweep up this world
you’ll never find heaven if you silence this girl

Watch out for the undertow, the tide is turning
never look back, see my bridges all burning down
on my knees and pray the following line
You can’t buy heaven on borrowed time…

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Kunst, Kultur, etc. abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Songs: Penelope Houston, On Borrowed Time

  1. silbersternchen schreibt:

    Penelope Houston, eine der coolsten Frauen des Planeten, von den Avengers bis heute

  2. katjamayer schreibt:

    Wie sie schon mit den Avengers gesagt hat: Never sacrifice your ego, it’s to big a price to pay

  3. LB schreibt:

    Erstmals gehört von der Frau. Ein tolles Lied.

  4. Elke Lahartinger schreibt:

    Penelope Houston, von den Avengers bis heute, wäre in einer gerechten Welt so reich und berühmt wie Whitney Houston. In der richtigen Welt bleibt als Resumee leider nur: „see how they run sheep to the fold.“

  5. Pingback: ( Songs auf einer einsamen Insel. Eine Erinnerung. | Karin Koller

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s