Wann versagt Erziehung?

Meine Kinder toben und schreien, wenn sie ihren Willen durchsetzen wollen. Manchmal kratzen und beißen sie auch dabei. Das tun sie das zu Hause und benehmen sich in der Öffentlichkeit meistens wie die Lämmchen.

Es ist aber auch schon vorgekommen, dass sich das eine oder andere Kind schreiend im Einkaufszentrum auf den Boden geworfen hat. Hat man als Mutter versagt, wenn so etwas passiert? Diese Diskussion wird immer wieder und sehr hitzig geführt.

Natürlich ist es wünschenswert, Kinder zu haben, die sich zu benehmen wissen und die gute Manieren verinnerlicht haben. Wichtig ist aber auch, dass Kinder lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie sollen ihre Bedürfnisse erkennen und Befehle hinterfragen.

Dressierte Kinder sollen aber nicht das Ziel der Erziehung sein. Ich erinnere mich an eine Silvesterfeier, bei der einige Kinder anwesend waren. Um neunzehn Uhr forderte eine Mutter ihre beiden Kinder (6 und 8 Jahre alt) auf ins Bett zu gehen. Ohne ein Wort zu verlieren, gehorchten die Kinder. Damals war ich noch kinderlos und dachte, solche Kinder möchte ich niemals haben, meine Kinder sollen sich auflehnen gegen ungerechtfertigte Befehle.

Das denke ich noch heute, obwohl es ungleich schwieriger ist, meinen Kindern jedes Mal die Sinnhaftigkeit meiner Aufforderungen zu erklären. Außerdem lehnen sie sich gegen alles auf, um auszuloten, wie weit sie gehen können. Es gibt Zeiten, an denen ich drei Diskussionen führen muss, wenn ich die Kinder ins Bett bringen will. Es wäre viel leichter, wenn sie sich nach einer kurzen Aufforderung mit einem sanften „Gute Nacht, Mama“ still und leise ins Bett legen würden. Oft habe ich auch nicht mehr den Nerv für eine sachliche Diskussion. Dann brülle ich und die Kinder schreien. Das ist dann pädagogisch nicht besonders wertvoll.

Wenn ich aber in der Lage bin, eskalierende Situationen distanziert zu betrachten, frage ich mich, warum es dazu gekommen ist. Meistens glauben die Kinder, sie würden etwas, das ihnen zusteht, nicht bekommen. Das kann eine Süßigkeit sein oder eine Fernsehsendung oder ein kleines Privileg. Die Wut über diese vermeintliche Ungerechtigkeit steigt in ihnen hoch und sie wissen nicht wohin damit. Weil die Wut so allesumfassend ist, können die Kinder sie nicht mehr in Worte fassen und beginnen zu schreien, um sich zu schlagen oder sich auf den Boden zu werfen. Oft ist es mir dann unverständlich, warum sie sich so aufführen. Dabei bin ich in so einer Situation selbst von meiner Wut überwältigt und kann mich nur mit Mühe beherrschen.

Kinder müssen lernen, zwischen gerecht und ungerecht zu unterscheiden. Sie müssen lernen, ihre Bedenken zu äußern und ihre Gefühle zu interpretieren. Sie müssen lernen, mit ihrer Wut umzugehen und diese zu kontrollieren. Das kann man ihnen nicht beibringen, indem man es ihnen erklärt. Das müssen sie selbst erleben. Manchmal führt das eben dazu, dass ein Kind sich schreiend im Einkaufzentrum am Boden windet und alle Umstehenden die Mutter ansehen, als hätte sie weder ihr Kind noch ihr Leben im Griff. Das ist nicht angenehm, aber wenn Kind und Mutter daraus lernen, war es nicht umsonst.

Ich will meine Kinder nicht zu gefügigen Zinnsoldaten, sondern zu eigenständig denkenden Menschen machen. Der Weg dorthin ist nicht leicht und ich habe viele Rückschläge einzustecken. In manchen Situationen sieht es so aus, als wäre ich ungeeignet für die Kindererziehung, aber nur bei oberflächlicher Betrachtung.

Deshalb kann ich nur immer wieder betonen: Nein, man hat nicht versagt, auch wenn das Kind am Boden tobt. Versagt haben jene Eltern, die ihre Kinder zu lebenslangen Jasagern erziehen. Obwohl es angenehmer ist, neben solchen Kindern einzukaufen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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32 Antworten zu Wann versagt Erziehung?

  1. alicedelrosario schreibt:

    Mir geht es oft ähnlich. Aber ich befürchte, ich rationalisiere meine Fehler. Und ich mache fviele.

    • Karin Koller schreibt:

      Natürlich läuft man ständig Gefahr, die eigenen Fehler zu rationalisieren. Zumindest sieht man die Fehler und versucht was daraus zu machen. Viel schlimmer ist es, wenn man sich zur unfehlbaren Übermutter stilisiert.

  2. GerH schreibt:

    Ich halte das, was Sie beschreiben, für den falschen Weg. Lesen Sie mal Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“! Ich bin mir sicher, von der Lektüre würden sowohl Sie als auch Ihre Kinder profitieren.

    • Karin Koller schreibt:

      Bernhard Bueb ist ein Bewunderer der Aussagen von Amy Chua. Er ist für Leistung und ständige Förderung. Man muss die Kinder durch Disziplinierung dazu bringen, ihre Sache gut zu machen, sagt er.
      Ich bin der Meinung, dass Kreativität und eigenes Denken wichtig sind und nicht durch ständigen Drill erreicht werden können. Disziplin lernen die Kinder auch ohne Tigermütter.

      • GerH schreibt:

        Es ist ein Trugschluß zu glauben, dass Kinder Disziplin von selbst erlernen. Sie widerlegen sich ja diesbezüglich mit Ihrer eigenen Geschichte (schreiende Kinder, die sich am Boden wälzen….).

      • Karin Koller schreibt:

        Es ist nicht so, dass ich den Kindern keine Disziplin beibringe. Wenn Kinder manchmal schreiend auf der Erde liegen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen, heisst das nicht, dass sie keine Disziplin kennen. Sie lehnen sich auf, bilden ihre Meinung, lernen im günstigsten Fall daraus, sich künftig anders zu benehmen. Natürlich ist es nicht unbedingt wünschenswert, wenn sie sich schlecht benehmen.
        Als meine kleinste Tochte an Leukämie erkrankte, waren die beiden älteren Kinder unglaublich diszipliniert, weil sie den Ernst der Lage spürten und wussten, dass sie mir und meinem Mann helfen, wenn sie sich benehmen, Rücksicht nehmen und ihre kleine Schwester im Krankenhaus aufheitern.
        Es gibt verschiedene Formen von Disziplin. Drill lehne ich ab. Wutausbrüche verurteile ich nicht allgemein. Man muss sich immer fragen, warum etwas schiefgeht und soll nicht auf Grundsätzen beharren.

    • Hofnarr schreibt:

      Du hast recht, GerH. Es gäbe da noch ein Buch dazu: Der kleine Tyrann! Unendliche Nein-Sager schränken sich schliesslich im gesamten Leben selber ein, auch als Jugendliche und Erwachsene, Arbeitfähige und Stimmbürger unserer demokratischen Gesellschaft weltweit, siehe heutige Politik Deutschlands im Zusammenhang mit den „Grünen“ und den „Linken“ und den nun aufkommenden „Piraten“, jenen mit der grossen Klappe (überm Auge) oder heutige Politik der USA der Teaparty-Leute! Es muss auch mal etwas einfach in Ordnung sein im Leben, also nach dem Motto „yes, we can“! Also sollten wir selber und mit uns unsere Kinder am richtigen Ort Ja sagen lernen, sonst enden wir alle in unendlicher Stagnation oder schlimmer noch Handlungunfähigkeit und Chaos und Ruin, ausgenutzt von selbstsüchtigen Despoten jeder Couleur!!! Wie soll das enden in der Welt, wenn einer nur immer auf den Nächststärkeren wütend ist, schreit und brüllt und schliesslich seine ganze aufgetaute Gewalt und Wut am Nächstschwächeren auslässt, weil er merkt, wie machtlos er im Grunde genommen ist?!? Ist das nicht eine vollkommen lieblose, verantwortungslose Welt von Egoisten, die wir da mit einer solchen Einstellung des einfach so „Laisser faire“ heranziehen und meinen, es gäbe daraus irgendwann selber vollkommen selbtständige, vernünftigdenkende, ernsthafte und verantwortungsbewusste, „coole Nein-Sager“?!?

      • GerH schreibt:

        Genau. Disziplin und Organisation sind die Basis jeder vernünftigen Kindererziehung. Aber wenn man sich heutige Frauen ansieht, die nur nach einer undefinierbaren „Selbstverwirklichung“ suchen, dann habe ich wenig Hoffnung, dass aus unseren Kindern aetwas anderes als Peacenik-Ökofritzen-Egomanen-Verhinderer werden. Wir sind auf dem Weg dazu, wieder zu einem Land voller Bauerntölpel zu werden, die irgendwelche dämlichen Tiere bekuscheln anstatt etwas zu arbeiten.

      • Elke Lahartinger schreibt:

        GerH: Ich wäre an deinen Erziehungsmethoden interessiert. Spielt der Morgenappell, der Rohrstock und die Peitsche dabei eine Rolle?
        Hofnarr: du meinst, bedingungslose Jasager sind Neinsagern vorzuziehen? Und wer bestimmt, wann es für Kinder – oder später Erwachsene – „der richtige Ort“ fürs Jasagen ist? Und was hat Erziehung zum selbstverantwortlichen Denken mit der Unterdrückung von Schwächeren zu tun? Sind Kinder nicht gerade solche Schwächeren, die unterdrückt werden? Und was hat das alles mit politischen Parteien zu tun?

  3. Elke Lahartinger schreibt:

    Ich habe mich, als die Kinder ganz klein waren, und ich sehr unsicher war, mit diversen Erziehungsrartgebern etc. auseinandergesetzt, und bin zum Ergebnis gekommen, dass ein dogmatischer Approach kontraproduktiv ist. Es gibt, denke ich, kein Rezept, außer, sich zu bemühen, sich möglichst viel Zeit nehmen, Interessen zu fördern und Liebe zu vermitteln. Wenn man das macht, und auf sein Gefühl hört, dann macht man weniger falsch als mit jeder rigiden Erziehungsmethodik, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, weil niemand immer konsequent sein kann.

    Oder, vielleicht rationalisiere ich auch nur. (Ich werde heute auf Wunsch der Kinder das 3.Mal in 10 Tagen Bratwürste mit Kartoffelpürree zu Mittag servieren)

    • Karin Koller schreibt:

      Ich versuche nicht, Ratschläge zu geben oder Erziehungsmodelle aufzuzeigen. Das Buch über die Tigermütter hat eine große Diskussion darüber ausgelöst, ob unsere Kinder zu wenig Disziplin haben und ob wir als Mütter gescheitert sind. Ich glaube, das ist nicht so, auch wenn sie mal herumbrüllen und lästig sind, auch wenn wir manchmal weinend neben ihnen sitzen. Wenn Erziehung ein dynamisches System ist, eine Entwicklung der Kinder und der Erwachsenen, dann glaube ich, ist man auf dem richtigen Weg.

    • Hofnarr schreibt:

      Zu GerH: Nun, „Disziplin und Organisation“ schriebst Du, zum guten Glück nicht „Disziplin und Ordnung“ oder war das ein Verschreiber von Dir?!? Elke, auch mir geht das Wort Disziplin, ebenso wie Ordnung, im Zusammenhang mit Erziehung unserer Kinder in den falschen Hals und tönt ganz nach „autoritärer Erziehung“ des letzten Jahrhunderts, nach Morgenappell, Rohrstock und Peitsche, auch dies ein Erziehungtil, der meines Erachtens gänzlich falsch ist!!! Aber wie wär’s mit konsequenter, demokratischer Erziehung?!? Das würde heissen: Wie wär’s, wenn eine Mutter mit ihren mitzunehmenden oder allenfalls mitkommenwollenden Kleinkindern vor dem gemeinamen Einkauf abmacht, dass es beim Einkauf nichts zu quengeln gäbe, in keiner Form, auch nicht, den Willen durchzudrücken im Einkaufzentrum, nur weil man was sieht, was man gerne haben möchte, widrigenfalls alle störrischen, trotzigen, quengelnden Kleinkinder wie ja auch andere störrische Esel zu hause bleiben müssen und nicht mehr zum Einkauf mitgehen können?!? Konsequenz heisst hier: Es wird nur, was auf dem Einkaufszettel steht eingekauft, nicht anderes, also jene Dinge des wirklichen Bedarfs. Man kann den Zettel natürlich zu hause gemeinsam mit den Kindern zusammenstellen oder durchgehen zusammen vor Einkauf. Jeder, der aber beim Einkauf trotzdem quengelt, störrisch tut, streitet oder trotzig ist, weil’s ihm gerade einfällt, bleibt beim nächsten Mal zu hause, konequent, beim übernächsten Mal kann er wieder mitgehen, mit gleicher Vorauetzung und Konsequenz… Meine Kinder (eder die eigenen, noch die von mir betreuten) waren niemals stressig beim Einkauf, weil wir dies so abgemacht haben!!! Es ist gewiss nicht angenehm, weder für Mütter, noch für deren Kinder, noch für die übrigen Kunden und das Verkaufspersonal, im Einkaufzentrum einem derartigen Stress von Trotzphasen und der Uebung des Willenbildens bei Kleinkindern ausgesetzt zu sein. Deshalb bezüglich Trotzphase: Zuhause Ja, von mir aus, enn nötig! Unter Menschen, beim Einkauf und im Verkehr Nein, sonst wird’s für alle zu stressig!!! Diese konsequente Unterscheidung in der Erziehung können auch sehr kleine Kinder auch ohne Morgenappell, Rohrtock und Peitche verstehen, wie junge Hunde in der Hundeerziehung oder eben junge Tiere überhaupt, auch Tiger und Hauskätzchen, wenn sie ausschliesslich von deren Tiermüttern erzogen werden…

      • Astrid schreibt:

        Kinder sind keine Tiere und sollten auch nicht wie Tiere behandelt werden, denke ich

      • worohm schreibt:

        @ Hofnarr: Du schreibst von konsequenter demokratischer Erziehung. Im Kommentar weiter oben verurteilst du „Die Grünen“ und ganz pauschal die „Linken“, weil sie aufbegehren und sich nicht alles gefallen lassen. Was ist daran so demokratisch, gehorsam zu tun, was die Stärkeren sagen und verlangen?
        Und wo ist das Demokratieverständnis, wenn Kinder mit „störrischen Eseln“ verglichen werden, nur weil auch sie über einen eigenen Willen und eigene Perspektiven verfügen?

    • Hofnarr schreibt:

      Elke, Du hast recht: bedingunglose Ja-Sager sind keinesfalls unendlichen Nein-Sagern vorzuziehen, denn beide sind vollkommen daneben und führen ins Nichts oder in Chaos!!! Wir Menschen, jedenfalls erwachsene, gesunde, freie Menschen sollten letztlich urteilsfähig und entscheidungsfähig sein im Leben und dies, sofern sie zufolge ihres Alters noch nicht urteilsfahig und entscheidungsfähig sind, irgendwo sinnvoll lernen können, oder nicht?! Auch für Kinder einsichtbare und verständliche, auch gemeinsam aufgestellte und gelebte Regeln (Konsequenz) erleichtern das Miteinander, ob nun in der Familie oder in der Gesellschaft überhaupt, es ist nun mal so…

      • Hofnarr schreibt:

        Astrid, auch Du hast recht: Kinder sind keine Tiere!!! Zweifelsfrei!!! Aber wenn Hunde der heutigen Zeit bessere Hundeerziehungvoraussetzungen in Hundeschulen zufolge mittlerweile greifenden Gesetzgebungen für ihre Hundehalter lernen dürfen mittels der Methode „richtiges Verhalten wird gelobt!“ und „unrichtiges Verhalten wird nicht gestraft, sondern durch Ignoranz oder vorsorgliches Umleiten in andere, ablenkende Beschäftigung geleitet!“, ist nun eben gerade dies Konsequenz und entspricht den Gesetzgebungen in der Natur von lernenden Tierkindern durch ihre erziehenden Tiermütter und dem Lernen durch ihre natürliche Umwelt! Wenn Menschenkinder mehr für richtiges Verhalten gelobt würden und weniger für unrichtiges Verhalten gestraft oder angeschrieen und stattdessen ein sinnvolles, liebevolles (Um-)Leiten in andere Beschäftigung durch uns Erziehungberechtigte geschehen könnte, hätten wir manche schwerwiegenden Folgen von Erziehungfehlern nicht mit dieser Härte zu ertragen, wie dies heute geschieht…

  4. medha schreibt:

    Was ist denn so schlimm daran, wenn sich mal ein Kind beim Einkaufen vor Wut auf den Boden wirft? Das geht vorbei und gut ist. Schlimmer finde ich es, wenn Eltern entwürdigende Erziehungsmethoden anwenden, ihre Kinder beschimpfen und ihnen drohen – das bekomme ich in der Öffentlichkeit viel öfter mit. Kinder probieren sich aus und reagieren eben wie Kinder. So lange das punktuelle Aussetzer bleiben ist doch alles ok, das kann man als Aussenstehender schon mal für fünf Minuten ertragen.

    • Hofnarr schreibt:

      Eigentlich sehe ich keinen nachvollziehbaren Grund für ein Kind, beim Einkauf derart massiv und wütend auszurasten, um sich auf den Boden zu werfen und herumzutoben. Aber einen solchen Grund braucht es, um ein solches Verhalten in der Oeffentlichkeit an den Tag zu legen, wenn man bloss mal eben ein paar Alltags-Gegenstände einkaufen gehen will. Will das Kind etwa einen Machtkampf mit seinem Erziehungberechtigten oder seinen Geschwistern austragen, nur einfach, weil’s durchdrücken will, dass Dinge, mit denen es seitens des Ladenlokals auf ganz perfide Weise unbewusst beworben wird, indem man ihm das für eben das Kind Kaufenswerte vor die Nase hält, zum Kaufen erzwingen will. Was aber lernt das derart tobende Kind beim Einkauf daraus? 1. Der kleine Tyrann gewinnt immer! 2. Die Mutter hat zu kuschen, weil sonst über die anderen Käufer mittels Mobbing erreicht werden kann, dass sie dem Willen des Kindes gehorchen soll oder als schlechte Mutter angesehen wird 3. Wir werden sehr, sehr beeinflussbar von aussen, nämlich einerseits von der Bewerbung des Ladenlokals, und andererseits von den umstehenden Leuten und deren Meinung und 4. Kinder können alles haben, gänzlich unabhängig, wie viel es kostet und wer dafür hart arbeitete! Soll es das alles wirklich beim Einkauf lernen?! Ausgerechnet während der Trotzphase des Kindes im zarten Alter von 2 – 3 Jahren?! Warum geben wir dem Kind nicht zu hause diese Möglichkeit, kindgerecht leben und agieren zu können ausserhalb von so massiven Einflussnahmen von aussen?!
      Wollen wir das denn allen Ernstes, dass das Kind eben gerade nicht am richtigen Ort Nein sagen lernt, nämlich da, wo jedenfalls andere die Beeinflussung auf uns vornehmen wollen und können, ohne dass wir uns als Käufer wehren können?!? Nur mit der konsequenten Einstellung, es wird nur eingekauft, was auf der Liste steht, weil vorher durch alle gemeinsam durchdacht, was das heutige Bedürfnis des Einkaufs ist, können wir der aggressiven Bewerbung unserer Kinder, dem wohl lukrativsten Kundensegment neben den Haustieren, durch das Einkaufsparadies doch wirkungvoll entgegentreten. Ist uns Eltern eigentlich bewusst, dass gerade so das Kind auch zukünftig in der Schule dem Mobbing wohl am ehesten ausgesetzt wird, weil’s gewöhnt ist, dem Druck durch die Umstehenden, dem Aussen nachzugeben, wie dies die Mutter unter dem Druck des Kindes und der nachfolgenden Oeffentlichkeit immer wieder im Einkaufzentrum und anderswo vorlebte, anstatt dort dann Nein sagen zu können, wenn die öffentliche Meinung schliesslich auch zum eigenen Nachteil gereichen würde. Wo es des Einkaufens wegen, bzw. des Nicht-Kaufens von spontan geäusserten Wünschen von Kindern derart harte Kämpfe mit Erziehungberechtigten in der Oeffentlichkeit absetzt, ist dies mit Sicherheit nie einmalig oder punktuell als Aussetzer zu bezeichnen, sonst wüsste das tobende Kind nicht längst, welche Wirkung es erzielen kann damit, dass es ausgerechnet im Einkaufzentrum derart auffallen muss! Das im Einkaufzentrum tobende Kind hat demnach schon vorher gelernt, wie es zum Tyrannen in der Familie wurde.

      • medha schreibt:

        Da hast Du Deine Glaskugel aber gut poliert. Ich kenne die Menschen auf die ich in den Supermärkten treffe in der Regel nicht persönlich, von daher wären es immer nur Mutmassungen, die ich über die Motivlage/Familiensituation/Erziehungsmethoden anstellen könnte. Meiner Meinung nach handeln alle Beteiligten förderlich, wenn sie der Situation nicht zuviel Aufmerksamkeit zu teil werden lassen. Jeder Mensch und jedes Kind verhält sich mal unangemessen, so sind Menschen nun mal. Kinder lernen noch, deswegen verhalten sie sich öfter mal so, dass es zu Konflikten kommt, die dann eben auf die die ein oder andere Weise geklärt werden müssen. Einem Kind in einem Konflikt zu bedeuten, dass sein Verhalten „diszipliniert“ werden müsse, finde ich, trägt nicht zur Konfliktfähigkeit der Familie bei. Nachgeben sehe ich in so einer Situation auch nicht als Handlungsoption. Und manchmal hilft auch Humor weiter. Dazu kommt es auch immer auf das Alter des Kindes an. Man muss nicht immer aus allem ein tiefschürfendes Drama machen.

  5. Hofnarr schreibt:

    Medha, weisst Du, ich hatte in meinem Leben neben meinen 2 eigenen Töchtern (von 3, wovon eines wie aderorts berictet, verstarb), die heute 26 und 30 Jahre alt sind, in ihrer Kindheit und Jugendzeit während mehr als 12 Jahren selber Spielgruppen und einen Kinderhütedienst, teilweise auch in unserem Bauernhof integriert und hatte mit meinen mehr als 300 verschiedenen Kindern, die ich selber betreute, daher vielfältigen Einblick in sehr viele Familien und ihre sehr verschiedenen Erziehungstile. Noch heute bin ich gerne mit Familien und ihren Kindern zuammen und habe oft ferieneie gröere Kinder zum Helfen im Hof. Tatsächlich waren stets Kinder und Tiere und ihr Sozialverhalten in dieser Reihenfolge mein grösstes Interessensgebiet auch beruflicher Natur. Es gibt sie, die komplett überforderten Erziehungberechtigten und auch die recht erziehungsschwierigen Kinder (zB. zufolge POS) und die Ursachen dafür sind immer wieder ähnliche… Ich habe aber mit Sicherheit auch meine Fehler und bezeichnete mich nie als Super-Nanny!

  6. gedankenfest schreibt:

    Ein sehr schöner Beitrag, Karin. Er erinnert mich an meine eigene Mutter, die deine Meinung teilt. Eine Bekannte von uns, ebenfalls Mutter, hatte auch diese scheinbar gehorchenden Kinder. Sie wurden aber auch oft geschlagen und hatten unverhältnismäßig hohe Sanktionen, wenn sie nicht gehorchten. Wir vermuten heute, dieses Gehorchen wurzelte in einer Angst. Meine Mutter sagte mal, manchmal hat sie sich gewünscht, uns Kinder ebenso zu erziehen, denn die andere Mutter hatte es leichter. Aber das war nicht ihre Intention. Sie wollte mit uns reden, uns zum selbstständigen Denken bringen und wollte, dass wir unsere Meinung vertreten, gegen Ungerechtigkeit rebellieren und für Gerechtigkeit kämpfen. Nach über 20 Jahren erntet meine Mutter nun die Lorbeeren ihrer Erziehung. Die Kinder der anderen Mutter sind ihrer Mutter gegenüber heute deutlich distanziert.

    • Karin Koller schreibt:

      Das ist schön zu hören. Ich hoffe, meine Kinder werden das auch sagen, wenn sie erwachsen sind. Das Schwierigste an der Erziehung ist, dass man nicht wissen kann, ob man auf dem richtigen Weg ist.

  7. worohm schreibt:

    Kinder haben Rechte! Und die müssen respektiert werden.
    Natürlich gibt es auch Pflichten und ich bin auch gegen die antiautoritäre Erziehung (nur damit keine Missverständnisse auftreten). Aber die werden den Kindern sowieso von früh bis spät eingetrichtert. Ihre Rechte dagegen werden ihnen oft vorenthalten.
    Da ist zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht gehört zu werden.
    Da ist das Recht auf Beziehung statt Erziehung. Wir sollten Erziehung sowieso abschaffen und sie durch Beziehung ersetzen.
    Erziehung folgt dem Prinzip: Du musst tun, was ich sage, weil ich der Ältere bin. Und wenn du es nicht tust, dann werde ich dich entweder bestrafen oder durch Belohnungen locken. Beides funktioniert bei Pawlowschen sabbernden Hunden und Ratten – aber eben nicht beim Menschen. Und: auch wenn’s manche nicht glauben wollen: Auch Kinder sind vollwertige Menschen, die über Würde verfügen und Respekt verdient haben.

    • Karin Koller schreibt:

      Du hast recht, aber leider funktioniert das von dir erwähnte Erziehungsprizip, das allein auf der Befehlsgewalt des Erwachsenen basiert, seit hunderten von Jahren sehr effizient. Es produziert Menschen, die mit dem Strom schwimmen, nicht aufbegehren und gleichzeitig oft sehr viel aufgestaute Wut mit sich herumschleppen.
      Ich versuche, den Kindern zu erklären, warum ich etwas von ihnen will. Das ist viel mühsamer und oft genug verliere ich die Geduld. Aber sie sollen wissen, dass ich nicht aus reiner Schikane Dinge von ihnen verlange.

    • Hofnarr schreibt:

      Nun, Worohm, ich habe jahrelang eben gerade mit meinen vielen Kindern neben vielen anderen Tieren auch einen (manchmal durchaus störrischen) Esel gehalten, um meine Erziehung der Kinder zu bereichern und sie haben ihn ebenso wie ich elbt durchau heiss geliebt, eben gerade, weil er so war wie er war und wie es sein Charakter ist. Die Kinder durften mit unserem Balthasar all das in meiner Anwesenheit machen, was allenfalls auch Menschen mit Kindern tun. Neben dem Liebhaben, Füttern, Pflegen und Streicheln wurde er demnach auch manchmal herumgeführt am Zaumzeug (sprich auch herumgerissen und gegen seinen Willen mit aller Gealt gelenkt und geleitet beim Spazierengehen und Reiten usw.). Die Kinder haben im Umgang mit ihm sehr viel gelernt, nämlich auch, dass Gewalt anwenden Gegengewalt erzeugt, dass es nicht genügt, Befehle zu erteilen, selbst wenn sie für den Befehlsgebenden sinnvoll sind und dass es Orte gibt, wo der Esel zufolge seiner Eigenarten störren würde, zB. beim Einkauf oder beim Drinnenspielen mit anderem als mit ihm. Wenn Kinder im Umgang mit Tieren lernen können, Verantwortungen zu tragen, Mitgefühl und Verständnis zu entwickeln und auch Liebe und Trost bei ihnen finden können sowie natürliche Erziehung von Tiermüttern ihren Tierkindern gegenüber mitverfolgen dürfen, ist bereits vieles selbstvertändlich, was mit viel unverständlichen Worten von Erwachsenen schwierig zu erklären wäre. Unser Esel war stets wie die anderen Tiere ein gleichwertiger Kamerad im Vertändnis meiner vielen Kinder, eben gerade weil jedes Lebewesen ebenso wie die Kinder auch, eine achtenswerte Persönlichkeit mit eigenem, zu repektierendem Willen ist.
      Schaut Euch aber mal da Video an über da chreiende Kind auf http://1funny.com/fake-crying-baby/ .Es lässt sich wirklich fragen, ob das Vorgehen dieses Kindes in einem Einkaufzentrum nicht wirklich fehl am Platz und anstrengend wäre, insbesondere, weil das Kind sich so auch ganz extrem selber schädigen könnte zufolge des Strassenschmutzes auf dem Boden im Einkaufzentrum. Wenn es dies zu hause macht, mag’s wohl wirklich nicht so schlimm sein, auch wenn ich sagen würde, dass das Kind jedenfalls ganz enorm müde ist, die Mutter jedenfalls nimmt’s mit Gelassenheit, aber das Kind versucht etwas, was durchaus nur zu ignorieren ist, nichts weiter, weil’s so lernen kann, da es nichts, aber wirklich nichts, bringt, sich hinzuwerfen und zu schreien! Nicht mal der Hund interessiert sich mehr für das schreiende Bündel, geschweige denn die Mutter.

  8. worohm schreibt:

    @ Hofnarr: Du hast natürlich recht, Kinder lernen eine Menge über sich und den Umgang mit Anderen, wenn sie die Gelegenheit haben, mit Tieren aufzuwachsen und einen Umgang mit ihnen zu finden. Dennoch: ein Mensch ist nun mal kein Tier (Menschen sind weniger instinktgeleitet als Tiere, sind selbstreflexiv und haben die Möglichkeit, völlig wider die Natur zu entscheiden).

    Das Gegenteil ist wohl ebenso problematisch. Es geht ja nicht ums Ignorieren, sondern Um BE-ziehung statt ER-ziehung. Wenn das so ausartet, dass sich niemand mehr fürs Kind interessiert, dann hat wer was falsch verstanden.

    • Hofnarr schreibt:

      @ worohm: Auch BE-ziehung statt ER-ziehung kann ausarten, nämlich dann, wenn Mütter ihre noch kleinen Kinder dazu missbrauchen, vertändnisvolle Partner, gleichwertige Partner wie Erwachsene oder anstelle von Erwachsenen in ihnen zu finden, zB. bei einem Alkohol- oder (Medikamenten- oder andersartigen)Abhängigkeitsproblem der Eltern oder eines Elternteils… gibt’s auch und ist fürs Kind auch ausserordentlich belastend! Vertändnis für den anderen/sich in die Lage des anderen Versetzen können ist aber das A und O einer guten Erziehung ebenso sehr wie einer guten Beziehung, dies wohl!

      • worohm schreibt:

        Da stimme ich zu. Wenn Beziehung in Missbrauch ausartet, dann ist das natürlich nicht in Ordnung – wie jede andere Form von Missbrauch. Denn auch die Erziehung kann missbräuchlich geschehen.
        Ich denke, dass unsere Positionen gar nicht so weit auseinander liegen. Mein Anliegen ist es, Kinder zu brechen, sondern ihnen einen Möglichkeitsspielraum (der sehr wohl begrenzt ist) zur Verfügung zu stellen.

      • worohm schreibt:

        Soll natürlich heißen: „Kinder NICHT zu brechen“

      • Hofnarr schreibt:

        Finde ich gut, Worohm, was Du da schreibst bezüglich Erziehung! Und Du bist richtig mit der Annahme, dass unsere Positionen gar nicht so weit auseinander liegen.

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