Schraubenmuttern

„Frauen sind zu schwach, um mit Schraubenzieher und Schraubenschlüssel umzugehen.“

„Frauen haben zu wenig technisches Vorstellungsvermögen, um auch nur ein Ikea-Regal zusammenschrauben zu können.“

Vor 30 Jahren hörte ich das noch oft. Nicht nur von Männern. Frauen glaubten das selbst auch. Ich musste mich von diesen Stereotypen lösen. Obwohl ich immer gerne Billigmöbelstücke zusammenschraubte, hatte ich dennoch den Eindruck, ein Mann hätte das sicher besser geschafft.

Als ich in meinem Job Bioreaktoren testen und beim Kunden zusammenstellen musste, hatte ich anfangs zu wenig  Vertrauen in meine Kraft und meine Fähigkeiten. Erst als ein Kollege mich bremste, weil ich die Schraubenmuttern abzuwürgen drohte, erkannte ich, dass meine Kraft für die Arbeit ausreichte. Ich fing an umzudenken und warf die alten Mythen über Bord. Schraubenmuttern erinnern mich immer wieder daran, dass man lieber überlegen und seinen Fähigkeiten vertrauen soll, als gedankenlos antiquierte Allgemeinplätze nachzuplappern.

     

In dieser Schmuckkolumne stelle ich meine silberfarbenen Schraubenmutterohrringe der Von Kottwitz Kollektion vor. Die Ohrgehänge bestehen aus Schraubenmuttern, die in einem Kettengefüge scheinbar chaotisch verwoben und an einem Silberring befestigt sind. Am Ohrrand trage ich kleine Silbercreolen.

Wegen der vielen echten Schraubenmuttern sind die Ohrgehänge sehr schwer und sie haben einen herkömmlichen (also sehr schmalen) Verschluss. Um das Gewicht besser zu verteilen und mein etwas gedehntes Ohrloch zu schützen habe ich sie in der ersten Kombination in ein zweites Schmuckstück gehängt. Es handelt sich um einen runden Silberbügel mit einer Öse. Der Bügel ist etwa 2mm dick und sorgt für eine bessere Gewichtsverteilung im Ohrloch. In die Öse kann man Ohrgehänge mit Klappverschluss oder Anhänger mit Karabinerverschluss einhängen.

Bei 10mm und mehr gedehnten Ohrlöchern könnte man den Bügel auch durch einen Tunnel ziehen und zarten Ohrschmuck, den man nicht durch den Tunnel tragen kann, an der Öse befestigen.

In der zweiten Kombination habe ich die Ohrgehänge ins zweite Ohrloch eingesetzt. Im ersten Ohrloch trage ich einen 5 mm Silbertunnel mit Silbercreolen, die größer als die Ohrgehänge sind. Der Silbertunnel hat einen Rand, der fast wie eine Niete aussieht. Das verstärkt den industriellen Effekt der Ohrhänger.

     

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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28 Antworten zu Schraubenmuttern

    • joaniebegood schreibt:

      Oder schicke Coolness.
      Diese Halbcreole mit Öse ist einbe tolle Idee für Leute wie mich, die gerne „normale“ Ohrhänger durch gedehnte Ohrlöcher ziehen würden. Wo hast du denn die herbekommen?

      • Karin Koller schreibt:

        Ich habe sie geschenkt bekommen. Jezt habe ich nachgefragt, wo sie gekauft wurden. Es war eine Spezialanfertigung von einem Geschäft in Schweden, das es jetzt nicht mehr gibt.
        Wenn du aber bei Riveting Jewelry nachfragst, dann macht die Designerin dort vielleicht eine ähnliche Sonderanfertigung.

  1. Astrid schreibt:

    Sehr schön.

  2. Günter schreibt:

    Ist das nicht sehr unangenehm, so viele und so schwere Ohrringe zu tragen?
    Und sehr schmerzhaft, sich soviele Löcher in die Ohren stechen zu lassen?

    Der Look ist jedenfalls toll

    • Karin Koller schreibt:

      Danke.
      Das Stechen ist nicht sehr schmerzhaft. Ich habe nie mehr als zwei Löcher auf einmal stechen lassen. Schwer sin nur die Schraubenohrringe. Manche Frauen empfinden schwere Ohrringe als angenehm, manche als Last.

  3. Belinda schreibt:

    ich finde deine ohrringkombinationen wahnsinnig aufregend und toll; ich würde auch gerne solche schmuckkombinationen tragen, aber leider lassen mich meine eltern nicht einmal doppelohrlöcher stechen; kannst du mir einen tip geben, wie ich meine eltern überzeugen kann, dass sie mir piercings erlauben? wie hast du deine Eltern überzeugt?

  4. Ariadne schreibt:

    Sieht wahnsinnsgeil aus. Ich würde mein Ohr auch gerne durchpiercen lassen, aber meine Mutter erlaubt es nicht. Wann hast du denn mit Piercings angefangen?

  5. SB schreibt:

    Was sagt dein Umfeld zu deinen großen Ohrlöchern? Mir würde das auch gefallen, aber mir wäre bange, wie die Leute reagieren

    • Karin Koller schreibt:

      Ich habe nur auf 5mm gedehnte Ohrlöcher und trage noch nicht seit langem Tunnels. Bis jetzt scheint es in meinem persönlichen Umfeld niemanden zu stören. Richtige Reaktionen bekommt man, soviel ich gehört habe, erst ab 10mm. Dort meist positive von den Leuten, die man mag, und negative, von denen man es ohnehin nicht anders erwartet hatte. Also kein Grund zur Sorge.
      In Vorarlberg haben sogar zumindest eine Richterin und eine Staatsanwältin gedehnte Ohrlöcher. Vor der allgemeinen gesellschaftlichen Akzeptanz muss man sich also nicht fürchten.

  6. SB schreibt:

    Das klingt ermutigend. Wie kommt man denn zu solchen Löchern?

  7. SB schreibt:

    Schneidet man da ein Stück aus dem Ohrläppchen raus, oder wie geht das?

    • Karin Koller schreibt:

      Nein. Der Stab wird durch das Ohrloch gedrückt und dehnt es. Wenn man keine Schmucktunnels trägt zieht sich das Ohrloch (wenn es weniger als 14mm gedehnt ist) wieder auf normale (oder beinahe normale) Größe zusammen.

  8. edmund.k@ernsthome.de schreibt:

    Das schaut doch super aus…
    Selten habe ich gesehen, dass Hirn und Face so gut zueinander passen.

    gruß aus münchen

  9. edmund@ernsthome.de schreibt:

    Gern und echt gemeint.

    Gerade habe ich in Deiner Kolume gelesen, dass Du Sepum- Schmuck nicht so gut findest- zumindest bei Dir.
    Deiner Nase, mit der Du „Frieden geschlossen“ hast, würd’s bestimmt stehen, finde ich…
    Es gibt so tolle Schmucksücke, z.B.. aus Indien. Das ist doch was für Deine Kreativität…

  10. ed schreibt:

    Normaleweise vermeidet man, dass vom Ohrläppchen etwas weg kommt. Deshalb versucht man zu dehnen, oder wo das nicht geht, die gewünschte Öffnung zu schneiden.
    Normalerweise sind Ohrläppchen aber sehr dehnbar (s. Borneo).
    Anders bei Knorpel-Piercings: größere Löcher dort kann man nur durch „Punching“, also Wegnehmen, sinvoll machen. Das tut kaum mehr weh und verheilt fast immer sehr gut.

  11. Pingback: Bergkristall | Karin Koller

  12. AS schreibt:

    Traumhaft, genau das wäre mein Ziel

  13. Pingback: Mailbox: Ohrringe – Schmuck | Karin Koller

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