Triangulation

Triangulation ist das Bilden von Dreiecken. Für das Vermessungswesen hat das besondere Bedeutung, weil man von zwei bekannten Punkten ausgehend über den Winkel ein gedankliches Dreieck konstruieren kann. Dies erleichtert das Kartographieren von Landschaften, weil Winkel leichter zu messen sind als Strecken.

Das weiß ich von Daniel Kehlmann. Sein Buch Die Vermessung der Welt fand ich spannend und amüsant. Die Charaktere waren für meinen Geschmack aber zu hölzern und zu karikiert, um wirklich glaubwürdig zu sein. Das Buch war ein Welterfolg und das sei ihm zu gönnen. Warum Kehlmann aber damit in den Olymp der deutschen Literatur aufgenommen wurde (im Gegensatz zum Beispiel zu Sven Regener, der mehrere großartige Bücher geschrieben hat), ist mir schleierhaft. Noch weniger verständlich ist für mich, warum Herr Kehlmann sich anmaßt, sich als Autorität für Literatur und beinahe alles andere aufzuspielen.

Aber zurück zur Triangulation. In der Psychologie und in der Sozialwissenschaft wird sie angewandt. Bill Clinton hat sie in der Politik perfektioniert („Splitting the differences“).

In meinem Gesicht habe ich sie vollbracht, indem ich mir ein Labretpiercing stechen ließ. Ich habe die Position zentral, ganz knapp unter der Unterlippe gewählt. Zusammen mit den beiden Nasenpiercings ergibt dieses Piercing ein Dreieck, das mit der Spitze nach unten zeigt und meinem Gesicht eine neue Symmetrie verleiht.

   

Das zentrale Labretpiercing ist noch relativ selten. Häufiger sieht man zwei Piercings an der Außenseite der Unterlippe, die von jungen Mädchen getragen werden. Oder ein dezentrales Labretpiercing über der Oberlippe, das an einen Schönheitspunkt erinnert.

Mir erschien das zentrale Piercing am elegantesten. Anfangs sagten meine Kinder: „Das ist aber jetzt wirklich nicht mehr schön, Mama“, oder „Du bist ja kein Christbaum.“ Aber seit ich Goldschmuck (von TheChainGang) eingesetzt habe, finden sie es auch schön.

In der Nase und im Labret trage ich goldene Kugeln, am Ohrrand abwechselnd goldene und silberne Kugeln. Ins Ohrläppchen habe ich einen goldenen Tunnel mit 5mm Durchmesser eingesetzt. Durch diesen trage ich eine große Silbercreole. Das zweite Ohrloch habe ich mit dem DallAvo-Ohrhänger bestückt, den ich in der Kolumne Goldkaskaden vorgestellt habe.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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29 Antworten zu Triangulation

  1. Ingrid schreibt:

    sieht zusammen mit den beiden Nasenpiercings elegant und exotisch aus. Ich wuerd mich allerdings selber nicht zu so viel Schmuck im Gesicht trauen.
    Hatte frueher selber mal solch ein Piering, waren vor 7 oder 8 Jahren in Norddeutschland ziemlich verbreitet – damals gab es dafuer nach meiner Erinnerung nahezu keine seitlichen Lippenpiercings – , hab es aber bewusst immer ohne jeglichen weiteren Schmuck getragen, nicht einmal einfache Ohrstecker, so dass es alleine wirken konnte.
    Hat mir eine Menge Blicke aller Art und auch das ein oder andere Kompliment eingebracht, von einer netten Affaere ganz zu schweigen.
    LG
    Ingrid

    • Karin Koller schreibt:

      Warum trägst du das Piercing nicht mehr?

      • Ingrid schreibt:

        Haengt vielleicht irgendwie mit dem Ende der Affaere zusammen…
        hab es eine zeitlang nicht getragen, weil mir einfach nicht so recht danach war und dann hab ich den Schmuck nicht mehr hineinbekommen.
        Mal sehen, vielleicht lass ich es irgendwann doch noch einmal neu stechen.
        LG
        Ingrid

      • Astrid schreibt:

        Hast du andere Piercings? Oder war das Lippenpiercing dein Einziges?

      • Ingrid schreibt:

        nein, das Piercing war das einzige. Hab zwar zwei normale Ohrloecher, aber selbst die nutze ich eigentlich nie.

  2. Elke Lahartinger schreibt:

    Kehlmann ist das typische Beispiel für den medial und kommerziell erfolgreichen „ernsthaften“ Schriftsteller, weil er „middlebrow“ genug ist, dass er sich ohne besonderen Aufwand lesen läßt, wobei das Lesen aufgrund der Einarbeitung einiger postmoderner Versatzstücke und das Verwursten einer bildungsbürgerlichen Brät aber mühelos als intellektuelle Übung verkauft werden kann. Dazu kommt noch, dass die Bücher im Normalfall in einem Umfeld spielen, das die Kritiker und Medienmenschen kennen und lieben (ihr eigenes), er optisch gut zu verkaufen ist, und immer für ein Zitat zu allem und jeden zur Verfügung steht. Kehlmann ist also von Medienmenschen empfohlene Literatur für Leute, die sich nicht für Literatur interessieren (ähnlich wie Jonathan Franzen)

  3. SB schreibt:

    sehr hübsch, das neue Piercing und die Minitunnel

  4. joansanders schreibt:

    Lovely as always! What is your next piercing plans?

  5. SB schreibt:

    Sieht toll aus. Ich glaube, ich verwende genau die gleichen Tunnel (chaingang double flared? oder single flared?), nur mit 10 mm Durchmesser. Die sind optimal, weil sie nur so lang wie das Ohrlaeppchen dick sind, und man jeden ganz normalen Schmuck durchziehen kann.

  6. miriambrenner schreibt:

    Das Labret sieht toll aus. Die Ohrtunnel würden mir noch besser gefallen, wenn sie etwas größer wären

  7. joaniebegood schreibt:

    10mm würden dir sicher super stehen

  8. M. schreibt:

    Sieht einfach Klasse aus. Kompliment! Hab mir vor kurzem ein Buch gekauft, in dem eine weiße Frau, die als Kind von den Yanonamö-Indianern entführt wurde, und unfreiwillig über 30 Jahre mit ihnen leben musste, bevor ihr die Flucht gelang, gekauft. Auf einer Seite beschreibt sie, wie sie sich zudem Eingriff überreden lies… Die Tragen ja bekanntlich dünne Zierstäbchen – z. T. an den Enden mit Federn geschmückt – was ich hierzulande leider noch nicht sehen konnte. Außerdem haben sie noch Löcher direkt am Mundwinkel, was auch viel besser aussieht, als der einseitig schief in der Unterlippe hängende Ring, den man hierzulande so oft sieht.

    • mav62 schreibt:

      wie heißt denn das buch

      • M. schreibt:

        Das Buch heisst: „Ettore Biocca: Yanoama – The Narrative of a Young Woman Kidnapped by Amazonian Indians“. Es ist die Biographie von Helena Valero (ggf. diesen Namen googeln), die aber wohl nur noch antiquarisch /z.B. bei eurobuch.com etc.) zu haben sein dürfte. Die deutsche Ausgabe ist wohl nicht mal mehr antiquarisch erhältlich, aber die englische oder italienische müsste zu bekommen sein.

  9. ThomasEn schreibt:

    Hey Karin,
    das Labret steht Dir ausgezeichnet! Was ist das für ein Material in goldener Farbe? Hab ich als Ersteinsatz noch nicht gesehen.

    Jedenfalls mein Kompliment!

    VG
    Thomas

  10. Hannes Krapins schreibt:

    Bitte, wieso spielt Kehlmann sich als Autorität für alles und jedes auf? Ich lese viel Zeitung, aber davon ist mir nie etwas aufgefallen. Er schreibt manchmal Buchrezensionen, aber das machen viele andere Schriftsteller auf. Habe ich etwas übersehen?

    • Karin Koller schreibt:

      Mir erscheinen sowohl die Interviews, die er gibt, als auch die Rezensionen, die er schreibt sehr von oben herab und mitunter am Ziel vorbeigeschossen, mit dem Zeigefinger, aber ohne Verständnis, mit kleinen Einschiebungen, die Bescheidenheit demonstrieren sollen, aber ohne sich jemals von sich selbst und dem eigenen Erfolg zu lösen. Er verteufelt das Regietheater und wird Dramaturg. Bescheiden sagt er, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Er geht mir möglicherweise über Gebühr auf die Nerven, da haben Sie schon recht.

      • Hannes Krapins schreibt:

        „Er verteufelt das Regietheater und wird Dramaturg. Bescheiden sagt er, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun.“
        Sie meinen wahrscheinlich Dramatiker, nicht Dramaturg. Aber abgesehen davon – ja, er ist gegen das Regietheater und schreibt auch ein Stück. Wo ist das Problem?

      • Karin Koller schreibt:

        Ja natürlich Dramatiker. Ich habe kein Problem mit Kehlmann, mir gefällt nur seine Art, Interviews zu geben nicht.

  11. Stoeri schreibt:

    Sorry für meine Unwissenheit, aber stört das nicht beim Essen?

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