Diese Woche konsumiert: Maria Fekter erklärt

Weltwirtschaft und Nationalökonomie sind hochkomplexe Themen. Das versteht nicht jeder. Die Allerwenigsten verstehen die Zusammenhänge zwischen politischen Maßnahmen und ökonomischen Auswirkungen. Wie es scheint, sind sich nicht einmal Wirtschaftsnobelpreisträger darüber einig, welche staatlichen Eingriffe sinnvoll sind, um die aktuelle Wirtschaftskrise zu überwinden, und welche großen Schaden anrichten können.

Zum Glück gibt es Menschen an der Spitze von Staaten, die als Finanzminister mit fundiertem Wissen, Weitsicht und Seriosität versuchen, das Beste aus einer ziemlich schwierigen Situation zu machen.

Und wir haben Maria Fekter.

Sie hat zwei Studien absolviert, ist Doktor der Rechtswissenschaften und Magister der Betriebswirtschaft (bei dem ersten Interview, das sie als Finanzministerin dem ORF gab, zögerte sie ein wenig, bis ihr das Wort „Betriebswirtschaft“ einfiel. Vielleicht war das aber nur eine dramaturgische Pause, um dem Publikum die Tiefe ihrer Ausbildung vor Augen zu führen).

Aber nicht nur ihre Ausbildung ist lupenrein, Maria Fekter war auch geschäftsführende Gesellschafterin des elterlichen Schotterbetriebes. Sie hat also Erfahrung in der Privatwirtschaft und ist nicht nur Berufspolitikerin und Betonschädel. Ihre politische Karriere begann als Gemeinderätin, dann wurde sie Staatsekretärin für wirtschaftliche Angelegenheiten, Abgeordnete zum Nationalrat, Volksanwältin und Innenministerin.

Diese Frau scheint ein Allround-Talent zu sein, hochqualifiziert und hochkompetent. So kompetent, dass sie sich aufgemachte, um Studenten an der Wirtschaftsuniversität (wohlgemerkt nicht in einem Kindergarten) die Eckpunkte ihres Sparpakets zu erklären (http://www.youtube.com/watch?v=oOaScC52edg ):

„Das Budget ist in einem Fass und das hat so viel Löcher, dass egal ist, wieviel man oben hineinschüttet. Man muss zuerst die Löcher abdichten und die Löcher sind die Strukturprobleme im Land. Ich halte es für unerträglich, dieses unseelige, voikswirtschaftlich falsche System der Golden Handshakes. Es geht nicht an, dass die Zeit, wo man sozusogn in Pension ist, ollweil länger wird und die Zeit, wo man in Arbeit sich befindet, ollweil kürzer wird. Damit der Durchschnitt mit 58 geht, wissen Sie, wieviel das mit Zwarafufzg mit Dreiafufzg pumperlgsund in Pension gehen? Des wer ma uns alla long ned leisten können. Obwohl wir in einem lebenswerten Land leben, hamma lauter invalide Pensionisten. Und beim Bundesdienst, beim Bundesdienst, wo ma gor ned gekindigt wern ko, ja, wo’s angeblich keine Abfertigungen gibt, na, gibt’s eh ned, die heißen dort „Jubiläumsgelder“, Jubliläumszulagen, vier Monatsgagen, für des, dass mit 35 Dienstjohr in die Frühpension gehen, ja.“

Diese Rede wird rhetorisch in die Geschichte eingehen und sich einreihen mit Abraham Lincolns Gettysburg Address und Winston Churchills „We shall fight on the beaches“ Rede, zumindest aber bei Figls „Kein Glas zum Einschneiden“-Rede. Man fragt sich fast, ob Werner Faymann sie für die Ministerin geschrieben hat.

Stilistisch elegant ist der Wechsel zwischen Hochsprache und Dialekt, der der Rede eine unvergleichliche Volksnähe verleiht. Die Ministerin will die einfachen Studenten, die ja nicht zwei Studien abgeschlossen haben so wie sie selbst, sondern noch keines, nicht verunsichern durch grammatikalisch überbeanspruchende Sprache.

Inhaltlich überfordert der Text auch nicht jene, die noch nicht so viel wissen. Ein anschauliches Beispiel von einem löchrigen Fass, in dem sich das Budget befindet, belastet den Geist nicht über Gebühr.

Clever erklärt die Ministerin nicht nur die Zusammenhänge zwischen Budget und Jubiläumszulagen, sondern zeigt dem Publikum auch, dass Politik von Menschen für Menschen gemacht wird. Auch die deutliche Distanzierung vom „Staatsdienst“ zeigt ihr Bedürfnis, dem Bürger nahe zu sein.

Leider können in der Abschrift die Gesten, die die Rede begleiten, nicht wiedergegeben werden (bitte Video ansehen). Mit großen Ruderbewegungen füllt sie das Fass und stopft dessen Löcher. Man merkt deutlich, dass sie das kann, auch politisch. Wenn sie von der Ungerechtigkeit des Systems spricht, kneift sie die Augen zu Schlitzen zusammen. Sie zeigt ihre Wut und den Impetus, die Welt zum Guten zu verändern.

Österreich kann sich glücklich schätzen, nicht nur eine hochkompetente Person, die komplexeste Zusammenhänge erkennen und einschätzen kann, als Finanzministerin zu haben, sondern auch eine großartige, volksnahe Demagogin. Paul Krugman wird sich warm anziehen müssen, wenn er Maria Fekter begegnet.

Und dann behaupten böse Zungen, Österreich würde nur von Trotteln regiert.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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7 Antworten zu Diese Woche konsumiert: Maria Fekter erklärt

  1. rrfernandez1 schreibt:

    Der nackte Wahnsinn, die Frau

  2. Egruber schreibt:

    Was für eine Schastrommel, die Mizzi, um in ihrer bevorzugten Diktion zu bleiben

  3. miriambrenner schreibt:

    Unpackboa, de Oide!

  4. Hoffentlich war der Vortrag nicht zu komplex für die Studenten (und die Professoren).

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