Meisterstück

Unter einem Meisterstück stellt man sich etwas Auffälliges oder sogar Pompöses vor. Das Meisterstück soll zeigen, was man in der Ausbildung gelernt hat. Es soll die Kunst und Fertigkeit des jeweiligen Handwerks demonstrieren.

Eines der berühmtesten Meisterstücke ist der Füller von Mont Blanc. Er ist so dick und lang wie eine Zigarre und mit Gold beschlagen. Schön ist er, aber auch unhandlich und protzig.

Gibt man Meisterstück und Schmuck in der Google Bildersuche ein, erscheinen Bilder von Ketten, die das gesamte Dekolleté verdecken, oder von Ringen, deren Schmucksteine wie Golfbälle am Finger liegen.

Ich besitze auch ein Meisterstück, das ich in dieser Schmuckkolumne vorstellen möchte. Es sind die Ohrringe, die der Juwelier der Nachbarstadt zu seiner Abschlussprüfung gefertigt hat.

   

Diese Ohrringe sind klein und zart und filigran. Sie bestehen aus zwei kleinen Goldscheiben, die im rechten Winkel zueinander stehen. Die obere Scheibe hat einen Durchmesser von 1,2 cm und ist leicht aufgeraut. Sie steckt in der größeren (1,7 cm DM) Scheibe. Diese ist glänzend und zeigt mit der Schmalseite nach vorne. Über einen schmalen goldenen Stab sind die Scheiben mit dem Verschluss verbunden. Das ist alles. Mehr Bestandteile hat der Schmuck nicht.

Gerade diese unprätentiöse Schlichtheit und die einfache Klarheit des Designs machen den Reiz der Ohrringe aus. Durch die Beschaffenheit der Oberflächen und die versetzte Position der Scheiben ergeben sich schöne Lichtreflexe.

In der ersten Kombination trage ich die Ohrringe durch einen double-flared Goldtunnel mit 5mm Durchmesser. Dieser Tunnel ist ideal für beinahe alle Ohrringe, weil er das gedehnte Ohrloch optimal in Szene setzt, dabei aber nicht anderen Schmuckstücken die Schau stiehlt. Weil der Tunnel kaum breiter ist als das Ohrläppchen, kann man jede Art von Ohrschmuck außer Steckern damit tragen.

Den Ohrrand habe ich mit kleinen, schmalen Goldcreolen bestückt.

Für die zweite Kombination habe ich die Meisterstückohrringe im zweiten Ohrloch eingesetzt und große, schmale Goldcreolen durch die Tunnel gezogen. Die große Creole umrahmt den zarten Ohrring und lässt ihn trotzdem für sich wirken.

   

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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9 Antworten zu Meisterstück

  1. Anna Maria schreibt:

    Toll. Wo bekommt man so schmale Tunnel?

  2. Cool. Was alles möglich wäre, wenn man einen Goldschmied kennen würde, der Sonderanfertigungen macht. Aber leider gibt´s sowas ja nicht mehr….

    • Karin Koller schreibt:

      Wenn man im Internet sucht und ein bisschen herumfragt, kann man sicher Leute finden, die Sonderanfertigungen machen. Gerade das Goldschmiedegewerbe ist wahrscheinlich noch traditionell genug, dass das möglich ist.

  3. eine tolle idee, ohrtunnel mit „normalem“ schmuck zu kombinieren; gefällt mir sehr gut.

  4. Pingback: Sommer | Karin Koller

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