Songs: Prefab Sprout, Pearly Gates

In der Erinnerung ist die Kindheit – wenn es eine unbeschwerte Kindheit war – voller Sonnenschein und Glück. Wir denken an die schönsten Episoden, die herrlichsten Ereignisse, die lustigsten Erlebnisse. Sogar die kleinen Katastrophen erscheinen uns im Weichzeichner der Nostalgie nicht schrecklich, sondern eher bizarr oder charakterbildend.

Dabei ist das Erwachsenwerden ein Kampf von frühester Kindheit an. Kinder müssen sich behaupten gegen ihre Eltern, gegen Geschwister, gegen Freunde und Schulkameraden. Sie müssen unterscheiden zwischen den Dingen, die man darf und denen, die man nicht darf. Sie merken sehr bald, welche davon man eigentlich nicht darf, aber trotzdem machen kann.

Kinder lernen Ungerechtigkeiten zu bekämpfen oder hinzunehmen. Verluste einzustecken. Sie lernen zu verlieren und zu gewinnen. Den eigenen Wert im Leben begreifen, unabhängig vom messbaren Können. Sie machen das oft spielerisch. Das Unglück, das diese Lernprozesse verursachen, ist oft tief aber glücklicherweise meistens von sehr kurzer Dauer.

In der Pubertät folgt der Kampf mit dem eigenen Körper und der eigenen Persönlichkeit. Ich erinnere mich gut an meine Ängste darüber, wie ich meine Schüchternheit überwinden könnte oder wie ich wissen sollte, ob meine Meinung lächerlich sein würde und wie ich überhaupt mir eine Meinung zu irgendetwas bilden konnte. Ich wusste schließlich noch nichts, so zumindest kam es mir nicht ganz zu Unrecht vor. Dann kam die Entscheidung für die Ausbildung, die mein ganzes Berufsleben definieren würde. Auch das war mit Unsicherheit verbunden, ob ich tatsächlich das Richtige mache.

Später folgten die Zweifel, ob der Mann, in den ich mich verliebt hatte, tatsächlich der Richtige ist. Ob ich in der einen Anstellung tatsächlich so gefordert wurde, wie ich es mir vorstellte. Ob ich in der nächsten Anstellung nicht heillos überfordert war.

Eine meiner größten Ängste ist sicher, ob ich meine Kinder ohne Schaden auf die eigenen Beine werde stellen können. Ob ich es schaffe, ihnen meine Ansichten zu vermitteln. Ob ich ihnen ihre Freiheiten lassen und sie gleichzeitig in ausreichendem Maß leiten werde. Ob ich ihnen ihre Ängste nehmen kann.

Später werden noch andere Ängste und Unsicherheiten dazukommen, von denen ich heute noch nichts ahne.

Für keine der Aufgaben im Leben, von den Lernprozessen der Kindheit bis zu den Verantwortlichkeiten im Erwachsenenalter, gibt es eine Anleitung, wie man sie am besten bewältigen kann. Es gibt keine Schule, in der man lernt, erwachsen zu werden oder Kinder zu erziehen. Ich muss mich langsam und vorsichtig vorantasten von einer Aufgabe zur nächsten. Dabei versuche ich, guten Mutes zu bleiben, damit das Leben nicht beiläufig das Lachen aus meinem Gesicht löscht und mich dabei verbittert vor Sorge und Misserfolg macht. Das geht, indem ich von den Erfolgen zehre und versuche, aus den Misserfolgen zu lernen. Leicht ist das nicht.

Es gibt keine Garantie dafür, dass die Dinge, die heute gut und richtig aussehen, sich nicht in ein paar Monaten oder Jahren als verheerend herausstellen. Es ist auch möglich, dass worüber ich jetzt hadere, sich später als etwas Gutes und Wichtiges erweisen wird. Es gibt keine Garantie, dass ich mein Leben so bewältigen werde, wie ich mir das heute vorstelle. Es gibt keine Garantie für das Paradies. Aber man kann sich darum bemühen.

http://www.youtube.com/watch?v=DRrN2gJba90

Pearly Gates:
Feel the sun upon your back
Someone somewhere wants to steal it
Pray each night you’ll catch the thief
But while you sleep he comes and takes it
Does that make you think little girl ?
Doesn’t it just little boy
There’ll be no stampede on the Pearly Gates
I’ll say „;after you“ you’ll say „I don’t mind the wait“
There’ll be no stampede on those imposing doors
Naked and afraid, cowering we crawl on all fours
See the smile on her young face
Watch life casually erase it
Now I know she’s all grown up
She wears a look I can’t quite place yet
What makes you cry little girl ?
Maybe I’m scared little boy
There’ll be no stampede on the Pearly Gates
I’ll say „after you“ you’ll say „I don’t mind the wait“
There’ll be no stampede on those imposing doors
Naked and afraid, cowering we crawl on all fours
There’ll be no stampede on the Pearly Gates
I’ll say „after you“ you’ll say „I don’t mind the wait“

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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10 Antworten zu Songs: Prefab Sprout, Pearly Gates

  1. In einer Welt, die Qualität erkennen kann, wäre Paddy McAloon berühmter als Sting, Phil Collins und Bono zusammen. Aber da die Welt ist, wie sie ist, gibt´s keine Stampede an den Pearly Gates.

  2. Astrid schreibt:

    Ah, Prefab Sprout, ich war 1986, kurz nach dem Erscheinen von Steve McQueen, auf einem Konzert von denen, das war wunderbar, immer noch in meinen Top 5, kein Zweifel

  3. johannamiller47 schreibt:

    Deine Assoziationen um einen Song gehören immer zu den allerschönsten Beiträgen

  4. Karin Koller schreibt:

    Das freut mich sehr, wenn ihr das sagt.

  5. bildungsvorscherin schreibt:

    „Das geht, indem ich von den Erfolgen zehre und versuche, aus den Misserfolgen zu lernen. Leicht ist das nicht.“ Da stimme ich Dir zu! Leichter wäre es, wenn mehr Leute so wie Du den Mut hätten, diese Sorgen zu teilen und ehrlich darüber zu sein. Denn eigentlich kommen die Misserfolge ja meistens daher, dass wir es uns gegenseitig so schwer machen und andere übertrumpfen wollen. Es scheint oft so, als ob zu einem Erfolg der Misserfolg von jemand anders nötig wäre.

  6. Stoeri schreibt:

    nach welchen kriterien wählst du die songs aus, über die du schreibst?

    • Karin Koller schreibt:

      In bestimmten Stimmungen kommen mir bestimmte Songs in den Sinn. Ich habe bemerkt, dass diese Songs meine Stimmungen ungefähr beschreiben. Ich versuche beides zu verknüpfen. Den jeweiligen Song wähle ich aus, wenn mir ein Text dazu einfällt.

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