Kurzurlaub

Vor Katharinas Erkrankung gönnten sich mein Mann und ich zwei oder dreimal im Jahr einen kleinen Kurzurlaub zu zweit. Meistens waren das Städtereisen. Mir taten diese 2-3 Tage dauernden Auszeiten ungemein gut. Sie waren ein Ausbrechen aus dem Alltagstrott. Nicht nur für mich und meinen Mann, auch für die Kinder. Die durften dann mit der Oma Übernachtungsparty, Kinderdisco oder Restaurant mit Buffet spielen.

Während der Krankheit konnten wir das nicht machen. Ich wollte es auch nicht, weil Katharina mich brauchte. Aber jetzt ist sie wieder gesund und wir versuchen immer wieder, die Tradition der Kurzurlaube wieder aufleben zu lassen.

Beim ersten Versuch im letzten Jahr waren wir nicht sehr erfolgreich (ich habe darüber geschrieben: http://wp.me/p1pooZ-gF). Katharina bekam Fieber und wollte nicht ohne uns sein. Im Sommer, als wir bei meiner Mutter in Kärnten waren, probierten wir es noch einmal. Diesmal konnten wir entspannt fahren und Katharina fand die Tage bei Oma auch toll.

Letzte Woche wollten wir es wieder versuchen. Zwei Tage in München mit Konzertbesuch am ersten Abend und schönem Abendessen am zweiten.

Das Hotel habe ich im Internet gebucht, weil man dort bis zwei Tage vor der Anreise kostenlos stornieren kann. Ich wagte kaum daran zu denken, dass wir die Reise tatsächlich antreten konnten. Aus Angst vor Enttäuschung wollte ich mir keine Hoffnungen machen.

Beinahe den gesamten Winter über war eines der Kinder krank, außer in den zwei Wochen um Weihnachten, als meine Mutter da war. Beinahe schien es, als wäre sie der gute Geist, der Unheil abwendet. Nun kam sie wieder zu uns, um sich um die Kinder zu kümmern. Tatsächlich hatte keines der Kinder eine Verkühlung oder andere Beschwerden.

Langsam begann sich zaghaft Vorfreude einzustellen. Katharina weinte zwar abends ein bisschen, und sagte, sie wolle immer bei mir bleiben, aber ich konnte sie recht leicht wieder trösten (indem ich ihr ein Kuscheltier als Mitbringsel versprach).

Meine Mutter war ein wenig nervös, weil sie sich einbildete, im Sommer war unser Ausflug nur erfolgreich gewesen, weil die ungewohnte Umgebung Katharina den Kummer vergessen ließ. Aber auch meine Mutter konnte ich beruhigen, indem ich ihr sagte, Katharina wäre jetzt älter und gesundheitlich stabiler und man müsse sich nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit Sorgen machen.

Alles schien glatt zu laufen. Die Stornierungsfrist war überschritten, nur noch der letzte Abend musste ohne Katastrophen vorbeigen, dann stand unserem Ausflug nichts mehr im Weg. Nach dem Abendessen atmete ich auf. Es war geschafft.

Aber plötzlich wurde Lukas lustlos und schlapp, er wollte weder fernsehen noch spielen. Er klagte über Bauchschmerzen. Vor dem Schlafengehen wimmerte er vor Schmerz und Übelkeit. Im Unterbauch seien die Schmerzen am stärksten. Auf der rechten Seite. Ich rieb ihm den Bauch und stellte ihm sicherheitshalber eine Schüssel vor das Bett. Jetzt waren alle Hoffnungen zerschmettert. Wenn er eine Blinddarmentzündung hatte, war der Traum der Reise ausgeträumt. Ich setzte mich hin und weinte. Ich war so enttäuscht, ich wollte weinen, bis die Welt wieder rosiger aussah.

Dass wir die Reise höchstwahrscheinlich absagen müssten, war wie ein Symbol dafür, dass die schlimmen Zeiten, die wir erlabt hatten, nie ganz vorbei sein würden. Ich weinte mich in den Schlaf.

Am nächsten Morgen hatte Lukas immer noch Bauchschmerzen. Meine Stimmung hatte sich wieder gebessert. Jetzt hatte ich die Kraft, irgendwie das Problem zu lösen. Ich schnappte Lukas und fuhr mit ihm ins Krankenhaus. Dort wurde er abgetastet, sein Urin untersucht und ein Ultraschall von seinem Bauch gemacht. Diagnose: Keine Blinddarmentzündung. Und auch sonst nichts Schlimmes. Vielleicht nur verirrte Gase oder eine minimale Darmentzündung.

Erleichtert fuhren wir nach Hause. Meine Mutter war beruhigt. Wir konnten – leicht verspätet aber doch – unsere Reise antreten.

Es wurden wunderschöne Tage in München. Ich war froh, dass ich nicht aufgegeben hatte.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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9 Antworten zu Kurzurlaub

  1. BarbK schreibt:

    Per asperam ad astra, so to say.

  2. alicedelrosario schreibt:

    Ich finde auch, dass mehrere Kurzurlaube mehr erholend wirken als ein langer Urlaub

  3. Was für ein Konzert habtihr gesehen, wenn ich fragen darf?

    • Karin Koller schreibt:

      Randy Newman. Ich hoffe, dass ich diese Woche noch einen Beitrag darüber schreiben kann.

      • Elke Lahartinger schreibt:

        „Human Kindness is overflowing …..“

        Einer der ganz Großen, ihr Glücklichen.

      • Hofnarr schreibt:

        Für alle, die am 8.3.2012 nicht nach München ans Konzert von Randy Newman gehen konnten: Randy Newman kommt am 20.3.2012 auch nach Zürich, Schweiz und vielleicht noch an andere Orte. DeinPost darüber, Karin, wäre demnach äusserst aktuell derzeit…

      • annabereuter schreibt:

        Hofnarr, danke für den Tip. Wenn ich einen Babysitter finde und Karten bekomme, werde ich mir das Konzert gönnen (wäre aus Babygründen mein erstes seit über einem Jahr)

  4. Och, sowas würde ich auch gerne wieder machen, nach dem langen elenden Winter.

  5. Hofnarr schreibt:

    Gib nie auf, solche Kurzurlaube wie oben beschrieben mit Deinem Ehepartner oder auch alleine ins Auge zu fassen, Karin, selbst wenn jedes zweite Mal nicht realisierbar wäre, aber Kurzurlaube sind stets dringend nötig in selbstständigen Unternehmen wie es ja auch eine Familie stets ist, nicht bloss ein Bauernhof oder andere Klein-Unternehmen und Ein-Mann- bzw. Ein-Frau-Betriebe…
    Gerade in der Familie ist dem End-less über 7x 24 Stunden in der Woche und dies über Jahre durch solche erholsamen Pausen wirkungsvoll entgegen zu wirken!

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