Auster

Die Auster ist ein Symbol für Luxus ebenso wie für Verschlossenheit. Von außen ist sie unscheinbar und kaum von einem Stein unterscheidbar. Nur mit Mühe oder sachkundiger Technik kann man sie öffnen. Aber wenn man es geschafft hat, gibt sie ihr Inneres preis. Perlen finden sich in den meisten Fällen nicht, aber eine von vielen geschätzte Köstlichkeit. Ist die Auster erst verspeist, bleibt das blauschimmernde bis mattrosa Perlmutt, mit dem die Schale ausgekleidet ist. Das sieht dann so elegant und zart und schön aus, so ungewöhnlich, dass es genau die Umkehr der Außenseite darstellt.

Dieser Gegensatz ist für mich das Wunderbare und ich finde es schade, dass die Auster nicht für ihre widersprüchliche Schönheit geschätzt wird, sondern ihre Perlen als Modediktat für das angepasste Establishment fungieren.

      

In dieser Schmuckkolumne stelle ich einen besonderen Conch-Schmuck vor. Eigentlich wurde dieser als Stecker für die Ohrläppchen entworfen, businesslike aber nicht bieder.

Eine von einer Spalte unterbrochene gewölbte Scheibe ist die Basis des Steckers. Die eine Hälfte der Scheibe ist glänzend, die andere rau und hat mehrere kreisförmige Öffnungen. Am unteren Rand befindet sich ein Dreieck aus Lapislazuli. Oben wird die Spalte von einem eingefassten Brillanten verschlossen. Der Schmuck ist nicht ganz kreisrund, hat einen Durchmesser von etwas über einen Zentimeter und der Stecker befindet sich ganz leicht dezentral in der Spitze des Dreiecks.

Der Schmuck mutet an wie eine geheime Schatzkarte, auf der man die Diamanten finden kann, wenn man hinter dem Berg den Fluss entlangfährt.

Im Conch sieht er aufregender aus als am Ohrläppchen, beinahe wie das wundervolle Innere einer Auster, das man niemals vermutet hätte, als man sie von außen sah.

 

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Schmuckkolumne abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu Auster

  1. Astrid schreibt:

    Ich habe auch schon aqn so ein Conch-Piercing gedacht. Aber im Internet wird das überall als sehr schmerzhaft beschrieben. Wie waren deine Erfahrungen damit?

    • Karin Koller schreibt:

      Das erste Conchpiercing war eines meiner schmerzhaftesten. Das zweite war längst nicht so schlimm. Es kommt wahrscheinlich darauf an, ob Nerven getroffen werden. Aber die Schmerzen sind ja nach kurzer Zeit vorbei, sollten also kein Hinderungsgrund sein.

    • Anna Maria schreibt:

      Hört, hört!

    • P.A. Brandon schreibt:

      Astrid, Du machst mich immer noch neugierig auf Deine Piercing-Entwicklung und -Geschichte, gibt es vielleicht mal einen Gastbeitrag diesbezüglich?
      Hast Du bereits ein Septum oder ist das Bild nicht von Dir?

      • astridleregger schreibt:

        Vielleicht gibt es tatsächlich einen. Das Septumpiercings habe ich seit kurzem.

  2. Astrid schreibt:

    Ist das eine Empfehlung?

  3. Hofnarr schreibt:

    Könnten Conch-Piercing-Schmuck mit Hörgeräten kombiniert werden, sofern jemand ein solches benötigt (nicht ich) und wenn ja, weisst Du von Leuten, die Hörgeräte mit Schmuck kombinieren oder allenfalls, ob dies schon entwickelt wurde von Conch-Schmuck-Designer, quasi, um Hörgeräte sinnvoll und schön zu cachieren?

  4. Tolle Idee. Wie befestigst du die Stecker hinten? Mit den ganz normalen Schmetterlingen?

  5. SB schreibt:

    Schön, mit diesen Piercings kann man all den nutzlos gewordenen Ohrsteckern eine neue Verwendung zukommen lassen. Gefällt mir sehr.

  6. Owencoylesshorts schreibt:

    Ich verfolge diese Seiten schon einige Zeit sehr interessiert und stelle mir als Mann – die wahrscheinlich dumme – Frage, was euch und so viele Frauen an Ohrringen, Piercingschmuck etc. so fasziniert? Wie gesagt, als selbst vollkommen Ungeschmückter fehlt mir jeder Zugang dazu und wäre ich an einer Antwort sehr interessiert.

    Ansonsten ein Kompliment, ich bin über die Fußballartikel hergekommen, aber lese inzwischen auch alles andere gerne, gerade weil ich Einblicke in Themen bekomme, zu denen ich nichts weiss, und dadurch meinen Horizont erweitere.

    • Karin Koller schreibt:

      Danke für das Kompliment.
      Genau zu erklären, was mich an Piercings fasziniert, würde den Rahmen des Kommentars sprengen. Ich werde einen Artikel darüber schreiben. Kurz könnte ich sagen: Sich zu schmücken, den Körper durch die Piercings anders zu erleben, der kleine Nervenkitzel beim Piercer, das ein bisschen aus dem Rahmen Fallen, das erstaunen über den eigenen Mut und das Aussehen.
      Ich kenne auch einige Männer, die Piercings faszinieren, entweder an sich selbst oder, wenn sie seblst ungeschmückt sind, an der Partnerin.

      • Owencoylesshorts schreibt:

        Bin gespannt

      • Hofnarr schreibt:

        Ich finde super, dass da immer mehr neue, begeisterte Leute korrespondieren und vor allem, dass da neuerdings auch immer mehr begeisterte Männer schreiben. So gibt’s immer mehr sehr unterschiedliche Meinungen und Kommentare, auch mit neuen interessanten Fragen! Gratuliere!

  7. PetraK schreibt:

    Hübsch, der Conchschmuck, und eine gute Idee zur Verwendung von Ohrsteckern, die man nach dem Ohrendehnen nicht mehr verwenden kann

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s