Was macht guten Sex aus?

Ein Gastbeitrag von Clara Moosmann

 

Meine ersten sexuellen Erfahrungen machte ich zu einer Zeit, als Michail Gorbatschow die Sowjetunion regierte. Wäre ich ein Sportler, hätte ich meine Karriere schon längst altersbedingt beenden müssen.

Ich habe daher, um es elegant auszudrücken, einige Lebenserfahrung.

Und wenn ich gefoltert würde, müsste ich zugestehen, dass sich in mein Sexualleben im Laufe der Jahre eine gewisse Routine eingeschlichen hat. Dies hat sich aber in den letzten Monaten plötzlich geändert, als ich, über Anregungen, die ich von Freundinnen erhalten habe, einige Erlebnisse hatte, die diese nicht unangenehme Routine durchbrachen und mir neue Dimensionen der Lusterfüllung vermittelt haben.

Diese Erlebnisse haben mich freudig erstaunt. Ich konnte mir aber zunächst nicht erklären, was es war, das sie so besonders machte.

Nach einiger Überlegung kam ich zum Ergebnis, dass all diesen befriedigenden sexuellen Erfahrungen gemeinsam war, dass bei ihnen der Sexualakt nicht für sich allein stand, sondern – mit und ohne Hilfsmittel –  mit anderen sinnlichen Erfahrungen verknüpft wurde, die auf verschiedenste Weise zu einer anderen Wahrnehmung des eigenen Körpers führten.

Diese Schlussfolgerung stand aber nicht in Einklang mit dem, was uns in Film, Fernsehen und Hochglanzmagazinen als Blaupause zur Erreichung der sexuellen Glückseligkeit angepriesen wird.

Weil ich wissen wollte, ob die Wahrnehmungen einer nicht mehr ganz jungen Provinzhausfrau wie mir vollkommen unrepräsentativ sind, habe ich einigen Freundinnen die Frage gestellt, was für sie besonders erfüllende Sexualerlebnisse ausmachen würde.

Aus ihren Antworten ergab sich, dass die mediale Darstellung dessen, was sexuelle Erfüllung ausmacht, zumindest unseren Wünschen und Bedürfnissen in keiner Weise entsprach.

– Vollkommen übereinstimmend und, wenn auch nicht repräsentativ, doch auf der Erfahrung von einigen Frauen mit insgesamt weit mehr als 100 Männern basierend, kamen wir zum Ergebnis, dass die im öffentlichen Diskurs geradezu mythisch bedeutsame Penisgröße nur insofern ein Kriterium für das Gelingen eines Sexualaktes ist, als ein besonders großer Penis von allen als unangenehm empfunden wird.

– Ebenso einstimmig kamen wir zum Ergebnis, dass den überall thematisierten Stellungen keine große Bedeutung zukommt, aber die medial geradezu omnipräsente Missionarsstellung nicht nur nicht präferiert, sondern überwiegend sogar abgelehnt wird. Auch die in Journalen aller Art gerne propagierten, an das Kamasutra angelehnten, Turn- und Dehnübungen fanden keine Zustimmung.

Für uns spielten demgegenüber folgende Faktoren eine entscheidende Rolle:

 

– Delayed Gratification:

Wenn auch dem kurzen, rohen Spontanfick niemand seine manchmal befreiende Wirkung abspricht, so verlangt doch ein im Gedächtnis bleibender Sexualakt mehr Sophistication als eine zweieinhalbminütige mechanische Rammelei in einer Restauranttoilette bieten kann. Da nach allgemeiner Erfahrung Herren, die ein gewisses Mindestalter nicht überschritten haben, nicht in der Lage sind, ihr Ejakulat länger als für die Dauer eines frühen Leiber/Stoller-Songs zurückzuhalten, werden die ersten Jahre der sexuellen Aktivität überwiegend als wenig erinnerungswürdig eingestuft. Die Perfektion ist erreicht, wenn man nach einem einstündigen Geschlechtsverkehr glaubt, man habe erst gerade begonnen.

 

-Außergewöhnlichkeit oder gar Unwiederholbarkeit:

Ein besonderer Geschlechtsverkehr ist, so waren sich alle einig, aber vor allem einer, mit dem aus dem Alltäglichen ausgebrochen wird und Grenzen, die man zuvor noch nie erreicht hat, sogar überschritten werden. Wenn damit gleichzeitig auch noch Fantasien erfüllt werden können, die man hatte, und die reale Umsetzung der Fantasie der Vorstellung, die man sich gemacht hat, gerecht wird, dann ist Perfektion erreicht.

Dabei kommt der Planung und Vorbereitung eine große Rolle zu, weil viele Fantasien nur so umgesetzt werden können. Gleichzeitig führt die Vorbereitungsphase zur Erhöhung des Lustgewinnes, weil sich Vorfreude und Erwartung aufbauen können.

 

– Verknüpfung des Sexualaktes mit anderen sinnlichen Erlebnissen

In einem gewissen Alter glaubt man, den eigenen Körper zu kennen und genau zu wissen, was Lust bereiten kann und was nicht, woran Neuerungen nichts ändern können und deshalb sinnlos sind.

Das ist ein Irrglaube.

Wer sich piercen hat lassen, wird bemerken, dass sich die gepiercte Körperstelle ganz anders anfühlt. Wer Sexspielzeuge verwendet, wird realisieren, dass er damit in ganz anderen Bereichen stimuliert wird. Selbst, wenn man sich nur die Augen verbindet, reagiert man auf viele Reize anders. Sex und Schmerz, Sex in der Kälte, Sex im Wasser, Sex im Sand, Sex auf der Wiese bieten ganz andere Empfindungen, die sich niemand, der seinen Körper ausloten will, entgehen lassen sollte.

Wir schließen daraus: Der nächste Sexualakt kann, wie es viele Zeitschriften verkünden, durchaus der perfekte Sexualakt sein.

Voraussetzung dafür ist aber kein treuherzig blickender Bodybuilder mit Riesenpimmel, der gefinkelte gymnastische Übungen beherrscht, sondern dass man seiner Fantasie freien Lauf lässt, dann plant, seine Fantasie umzusetzen, Hilfsmittel aller Art in Anspruch nimmt und einen Partner hat, der über die nötige Fantasie und die nötige Ausdauer verfügt.

Deshalb, um mit Karl Marx zu sprechen: Frauen und Männer aller Länder, vereinigt euch!

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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23 Antworten zu Was macht guten Sex aus?

  1. P.A. Brandon schreibt:

    Danke für den wahrheitsnahen, witzigen und originellen Beitrag, der folgendes bestätigt: Das Hirn ist das wichtigste Sexualorgan.

  2. Hofnarr schreibt:

    Na ja, na ja, Ihr Leute, alles ziemlich wahr und Tatsache, es ist halt so… ???!!!

  3. Hofnarr schreibt:

    …und gutes Bild!!!

  4. Laura schreibt:

    Ich war heute beim Arzt und hatte Gelegenheit, im Wartezimmer eine dieser Frauenzeitschriften mit ihren Sextipps etc. durchzublättern. Auffällig war: jede Abbildung gab die Missionarsstellung wieder. Man würde meinen, alles andere wäre nicht Sex. Wer hat eine Ahnung, wie es zu dieser Gleichsetzung Sex = Missionarstellung gekommen ist?

    • Hofnarr schreibt:

      Nicht überall auf der Welt ist das so! Ebenso gut wie auch nicht überall auf der Welt auf die gleiche Weise geboren wird. Ethnologisches Wissen über unterschiedliche Völker dieser Welt belegen dies…

      …aber die Missionarsstellung dient vermutlich dem Mann in Patrial-Gesellschaften am besten für schnellen Sex (die Frau hat dort nichts zu sagen oder zu melden oder zu wünschen! Wer als Patriarch, wo eben gerade keinerlei Liebe im Spiel ist, fragt denn die Frau, auch wenn er’s selber auch schöner hätte, aber von wo soll er das wissen, wenn nicht von seiner Frau?!)

  5. alicedelrosario schreibt:

    Diese Penisgrössenfixierung bzw. Glorifizierung des Geschlechtsverkehrs mit jungen Männern ist auch ein lunerklärbarer Mythos. Ich habe noch keine Frau gefunden, die die üblichen 35 Sekunden mit einem gut bestückten Jüngling als besonders befriedigend geschildert hat.

  6. Athenaeum schreibt:

    Der Sexualakt wird wieder vollkommen vom Zeugungsakt, dem er dient, und von Liebe getrennt. Da braucht man sich nicht wundern, wenn dann, um einen „Kick“ zu erzielen, diverse mehr oder weniger schweinische Hilfsmittel verwendet werden müssen, um die Illusion (mehr kann es so gar nicht sein) von Erfüllung zu verspüren. Da wird Sex zum Suchtmittel, das wie eine Droge eingesetzt wird, und wenn der Kick verflogen ist, bleibt nur innere Leere. Mein Beileid!

    • P.A. Brandon schreibt:

      Ironiewarnung: Die innere Leere bleibt, wenn es nicht zu einer Befruchtung gekommen ist. Wieso lesen Sie diesen schweinischen Artikel, gibt er Ihnen vielleicht einen „Kick“? Könnten sich Ihre Illusionen zur Sucht entwickeln?

    • Balisto schreibt:

      Atheneum: ich gehe davon aus, dass Sie mit Abschluss der Familienplanung auch Ihr Sexualleben abgeschlossen haben, wenn Sex ohne Zeugung eh nur zu innerer Leere führt?

      Und liege ich falsch, wenn ich bei Ihnen doktrinär-katholische Moralvorstellungen vermute? Ich vermute, Sie hegen grosse Sympathien für das „Schaffen“ des gerade verstorbenen Pornojägers Humer ( http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Humer ).

      • Hofnarr schreibt:

        Martin Humer gehört jedenfalls in die Neo-Nazi-Kartei des BKA und müsste von eben jenen dringend beobachtet werden!!! Athenaeum, bist Du Martin Humer?! Der Pendel sagt ja!!!

      • Athenaeum schreibt:

        Hofnarr: Herr Humer ist schon verstorben. Ich würde daher nochmals den gottlosen Hokuspokus den sie betreiben, einer Überprüfung unterziehen.

      • Hofnarr schreibt:

        Sorry, Athenaeum, ich wollte schreiben : Bist Du ein Jünger von Martin Humer… offenbar ist ein Teil verloren gegangen während des Schreibens, weil ich das Du nachträglich in das ehrerbietigere Sie verwandeln wollte, aber offenbar anstelle dessen einen Teil des Satzes verlor!!!

        Aber so war die Frage an den Pendel!!! Und wurde mit Ja beantwortet… Ich habe schliesslich auch gelesen, dass der Herr verstorben ist, dies schon im Kommentar von Balisto und danach richtigerweise auch im Wikipedia!

    • Hofnarr schreibt:

      Scheue Frage, Athenaeum: Hatten Sie schon mal Sex als Theologe?! Haben Sie Kinder?! Es müsste doch für immer Schluss sein mit Sex, wenn dann 2-3 Kinder gezeugt sind, oder etwa nicht?! Das hat Gott nicht so gemeint im Christentum, auch nicht in der Bibel und auch nicht in irgendeiner anderen Religion dieser Erde und ihren entsprechenden Schriften…

      Es ist eben gerade nicht so, sonst hätte Gott zu verhindern gewusst, dass Leute auch nach der Zeugung ihrer Nachkommen weiterhin in aller Liebe Sex praktizieren!

      • Athenaeum schreibt:

        Ich bin in der Lage, zu sublimieren, im Gegensatz zu den meisten hier.

      • Hofnarr schreibt:

        Würden Sie so nett sein, mir die Fragen nach Kinder oder Sex mit Ja oder Nein zu beantworten, damit ich den Pendel überprüfen kann?! Es geht nicht an, dass irgendwem Unterstellungen gemacht werden, weder von meiner noch von Ihrer Seite her; auch nicht, das andere allenfalls nicht „sublimieren“ könnten…

      • P.A. Brandon schreibt:

        Der Begriff Sublimation kommt aus der Psychoanalyse. Freud verglich Religion mit einer Kindheitsneurose. Wo ist die Stringenz?
        Frau Hofnarr, pendeln Sie doch mal Herr Athenaeum auf Provokation…

      • Hofnarr schreibt:

        Hab‘ ich schon! Nichts von Provokation!!! Athenaeum meint es bitter ernst… wie die Neo-Nazis eben, leider!!! Wie jener Humer… vermutlich kommt irgendwann der Wunsch in solchen Menschen auf, uns allesamt eigenhändig zu strafen, weil’s Gott nicht tut!!! Es ist eine Frage der inneren, hasserfüllten Gesinnung!!!

      • Hofnarr schreibt:

        Im weiteren lässt sich aber auch fragen, was da an zusätzlichen Korrespondenzen mit Gesinnungsgenossen des Athenaeum per Mail gewechselt wird, ohne das wir das hier in dieser Page sehen können. Es gibt sie nämlich, diese zusätzliche Korrespondenz, die hier nicht erscheint… Oder etwa nicht, Athenaeum?!

  7. Hofnarr schreibt:

    Und noch etwas: Pendeln hat nichts mit Gott zu tun und auch nichts mit Hokuspokus!!! Der Pendel ebenso wie die Wünschelrute für Wasserader-Messer ist ganz einfach ein mögliches Messinstrument, mit welchem Schwingnungen wahrgenommen und gemessen werden können, die vorhanden sind. Deren Handhabung ist grundsätzlich für jedermann erlernbar, sofern sich jemand längere Zeit detailiert damit beschäftigen will. Mich haben Menschen eben zu häufig belogen und betrogen in meinem Leben oder eben Antworten auch mit böser Absicht verschwiegen, sodass ich nun eben zuverlässige Antworten über den Pendel erhalte, zu jeder detaillierten Frage, wenn einer mir Antworten verweigert oder mich anlügt oder mich betrügt… Der Pendel ist aber kein Instrument, die Zukunft wahrzusagen! Es können bloss Ist-Zustände, Vergangenheiten und auch schon gemachte Gedanken und Pläne in Menschen abgerufen werden, sodass allenfalls die Zukunft von diesen bereits gehabten oder gemachten Gedanken und Plänen tangiert werden könnten, aber nicht zwingend müssen, weil diese auch geändert werden können.

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