Songs: Randy Newman, I miss you

Manchmal kommt man einander abhanden. Dafür muss man nicht einmal räumlich und zeitlich getrennt sein.

Es reicht schon, dass man den Kopf voll hat mit anderen Dingen als der Beziehung. Oder dass einer von beiden sich nicht gut fühlt, seine Ruhe haben und einfach nur für sich sein will, eine ganze Weile lang. Möglicherweise ist man auch überreizt und alles, was mit dem anderen zu tun hat, wird plötzlich zu viel. Man wünscht sich umarmt und getröstet zu werden und der andere empfindet alle Versuche, das zu erreichen, nur als störend. Dann ist man so einsam und glaubt sich so unverstanden, dass man sich nur noch verkriechen möchte. Anstatt mit dem anderen zu reden, beginnt man ich selbst zu bemitleiden. Man vermisst den anderen, obwohl er noch da ist. Beinahe ist es so, als hätte man den Rückhalt in der Welt verloren, die Stütze, auf die man sich immer verlassen konnte.

Plötzlich empfindet man nur noch sich selbst als wichtig und vergisst auf die Bedürfnisse des anderen, weil man seine eigenen Bedürfnisse nicht erfüllt sieht. Damit setzt man eine Spirale in Gang, die unweigerlich zur Abnützung der Beziehung, zu Unverständnis und Abneigung und letztlich zu Selbsthass führt.

Zu einfach ist es, in diesem Moment alles hinzuschmeißen, zu sagen, man habe genug, die Liebe ist eben verloren gegangen. Jemand anderer würde kommen und mehr Verständnis haben.

Viele verlassen in diesem Moment ihren Partner tatsächlich, ohne an die guten Zeiten zu denken, die man mit einander erlebt hat, in denen man das Kribbeln noch gespürt hat oder es nach langem wieder für einen Augenblick aufleben ließ. Oder an die harten Zeiten, in denen man zueinander gestanden ist, für den anderen da war, als eine Umarmung noch echten Trost bedeutet hat.

Nachdem man alles hingeschmissen und sich getrennt hat, kommt mitunter die Erkenntnis, dass das ein schwerer Fehler war. Dann ist es aber oft zu spät.

Man beginnt zu bereuen, sich den anderen wieder herbeizusehnen. Man besinnt sich wieder daran, warum man sich damals in den anderen verliebt hat, warum man bei ihm geblieben ist all die Jahre. Dann vermisst man den anderen so sehr wie man ihn zu dem Zeitpunkt vermisste, als man es nicht mehr aushielt und ihn verließ. So schöne Zeiten hätte man noch gemeinsam verleben können, wenn nicht alles so gekommen wäre, wie es gekommen ist, sagt man sich dann.

Aber vielleicht ist alles nur Illusion, die Liebe hatte sich wirklich erschöpft und man erträumt sich was hätte sein können, weil man im Grunde genau weiß, dass es niemals mehr sein wird. Der andere will vielleicht gar nichts mehr von einem wissen, lebt sein eigenes Leben und ist glücklich allein oder mit jemand anderen.

Deshalb ist es besser, für die Liebe zu kämpfen, bis alles wieder gut ist oder bis man die unwiederbringliche Gewissheit über das endgültige Ende hat. Sonst wird man sich für immer Vorwürfe machen. Sonst muss irgendwann so unendlich traurig I miss You singen, wie Randy Newman das tut.

http://www.youtube.com/watch?v=OB3iGBGX_3w

Still in my heart after all these years
separated by time now by distance
I couldn’t allow myself to feel the loss that I feel right now
as I put this song down

you’re far away and happy I know
it’s a little bit late… twenty years or so
it’s a little bit cold for all those concerned
but I’d sell my soul and your soul for a song
so I’ll pour my heart out

I miss you, I miss you
I miss you, I’m sorry but I do
I miss you, I miss you
I miss you, I’m sorry but it’s true

I want to thank you for the good years
and apologize for the rough ones
you must be laughing yourself sick
up there in Idaho
but I wanted to write you one before I quit
and this one’s it

I miss you, I miss you, I wanted you to know
I miss you, I miss you, I miss you, and I still love you so.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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7 Antworten zu Songs: Randy Newman, I miss you

  1. Never surrender, never despair, dann muss man auch nicht vermissen, um zu paraphrasieren.

    Oder, wie ein anderer nicht ganz so großer Künstler gesungen hat: immer bedenken, you can´t put an arm around a memory.

  2. johannamiller47 schreibt:

    Herr Newman wird auch weit oben im Tower of Song einziehen.

  3. Berni schreibt:

    Tut mir leid, aber ich verstehe die Faszination mit Randy Newman überhaupt nicht. Der Mann kann nicht singen, die Lieder sind eintönig, und die Texte oft schlicht albern (Short People) oder wie hier öde.

  4. Peronäus schreibt:

    Das ist ein schöner Artikel.

  5. Hofnarr schreibt:

    Aber in Zürich war der Saal voll und auch viele Junge und Junggebliebene waren da, auch ich. Und die Leute waren durchaus sehr begeistert, denn er hatte 2 weitere Songs zu spielen, bis man ihm gehen liess.

    Nun gut, Randy Newman ist nun eben schon über 70 und er sitzt da allein mit seinem Klavier, es ist halt so… wie kann ein einziges Klavier die Virtuosität eines ganzen Orchesters schaffen, zumal ein einzelner, alter Mann gleichzeitig singt und spielt und eben seiner Altersgebrechen wegen (von wegem schwingendem Arm im letzten Bericht!) eine Situation schaffen, die jüngere Leute mit einer ganzen Gruppe allenfalls imstande sind zu bringen.

    Dennoch aber ist gerade der hier noch einmal wiedergegebene Song, wohl einer der Bekanntesten, absolut schön.

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