Anachronismus

Alles zu seiner Zeit. Wie oft hört man das im Leben und wie oft sagt man das selbst?

„Jetzt ist die Zeit zum Lernen, dann die zum Spielen“ oder „Nun ist es Zeit für die Arbeit, dann erst für das Vergnügen“ oder „Die Zeit der Rebellion ist vorbei, jetzt musst du gesetzter werden“ oder „Jetzt ist nicht die Zeit darüber zu reden“ oder „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, ein Kind zu bekommen.“

Oft sind diese Aussagen sinnvoll. Gewisse Dinge sind schön und freudvoll, wenn man sie zur richtigen Zeit macht, und eine Enttäuschung, wenn der Zeitpunkt ungünstig ist. Das gilt für Bücher, für sexuelle Erlebnisse, für intime Gespräche.

Für Schmuck gilt das nicht unbedingt. Schmuck soll zur Kleidung, zum Anlass und zur momentanen Laune passen. Viele Frauen meinen aber, sie hätte ihren Schmuck ihrer Lebenssituation anzupassen: Als junges Mädchen Ohrstecker oder die zartesten Ohrhänger. Als junge Frau etwas größeren und gewagteren Schmuck. Als berufstätige Frau oder als Mutter wieder dezente Stecker. Je höher sich Frauen gesellschaftlich gestellt glauben, desto häufiger fühlen sie sich bemüßigt, Perlenstecker zu tragen, weil „man das eben tut in dieser Position.“

Ich sage aber, jeder soll den Schmuck tragen, der ihr/ihm gefällt. Das kann ausgelassen, üppig, überschäumend sein oder zart und filigran, oder eben Perlenschmuck. Keinesfalls soll man sich Zwängen unterwerfen, um den Schein zu wahren.

     

In dieser Schmuckkolumne stelle ich sehr zarte Ohrhänger aus Gold vor. Eigentlich wäre man geneigt zu sagen, dass so kleine Ohrringe sich eher für junge Mädchen eignen würden. Die Art, wie ich sie trage, wirkt jedoch nicht mädchenhaft.

Den Ohrrand habe ich mit goldenen Kugeln bestückt. Im Conch trage ich die Stecker, die ich im Beitrag Auster vorgestellt habe. In das erste Ohrloch habe ich meinen 5mm Double-flared Goldtunnel eingesetzt. Durch diesen trage ich verschiedene goldene Ohrhänger: Einen mit einer kleinen Spirale und einem Zirkoniastein. Einen, der beinahe Herzform, aber eine Öffnung in der Mitte und einen Zirkoniastein an der Spitze hat. Einen mit einer durchbrochenen Tropfenform. Und einen, der einen Halbkreis mit Blitz darstellt.

Für sich allein wären diese Ohrhänger vielleicht tatsächlich etwas zu verspielt für mich. In der Kombination wirken sie ganz anders und stellen eine praktische und schöne Alltagsvariante dar. Es zahlt sich oft aus, anachronistisch zu sein und alten Schmuck wieder aufleben zu lassen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Schmuckkolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Anachronismus

  1. thorstenzech schreibt:

    Einfach klasse

  2. boadiceawascool schreibt:

    Mir gefallen auch deine einfallsreichen, assoziativen Texte zum Schmuck sehr gut

    • yobumrushtheshow1 schreibt:

      „Jetzt ist die Zeit zum Lernen, dann die zum Spielen“ oder „Nun ist es Zeit für die Arbeit, dann erst für das Vergnügen“ oder „Die Zeit der Rebellion ist vorbei, jetzt musst du gesetzter werden“ oder „Jetzt ist nicht die Zeit darüber zu reden“ oder „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, ein Kind zu bekommen.“

      Wenn man wartet, bis die Zeit gekommen ist, ist die Zeit vorbei, glaube ich

  3. Pingback: Knetmasse | Karin Koller

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s