Songs: John Cale, I keep a close watch

Ich bin mit Märchen aufgewachsen und mit Religionsunterricht und mit Menschen, die mir gesagt haben, was zu tun ist und was ich nicht darf, so wie die meisten anderen Kinder auch. Dadurch hatte ich zunächst den Eindruck, es gäbe es in jeder Lebenslage ein Richtig und ein Falsch. Erst im Lauf der Zeit habe ich gemerkt, dass es unzählige Situationen gibt, deren Bewältigung auf die eine oder andere Art nicht mit Begriffen wie Richtig und Falsch messbar ist.

Manchmal scheint es sonnenklar zu sein, was zu tun ist und später stellt sich heraus, dass es ein Fehler war. Oder umgekehrt.

Ich habe solche Situationen schon oft erlebt. Als ich im Job unglücklich war und mir ein Kind wünschte, aber nicht schwanger wurde. Als ich einen erfüllenden Job hatte und dann doch schwanger wurde. Und sich danach herausgestellt hatte, dass der Zeitpunkt für das Baby damals, als ich es unbedingt wollte, schlechter gewesen wäre als jener, als ich eigentlich anderes tun wollte.

Als ich mich für meinen Mann entschieden habe und meinen damaligen Freund verlassen habe, war das die richtige Entscheidung. Aber mit Sicherheit wissen konnte ich das damals nicht.

Nicht nur die großen Lebensentscheidungen präsentieren sich nicht so eindeutig, wie die klassische Erziehung glauben machen möchte, sondern auch die ganz alltäglichen Dinge.

Wenn ich versuche, einen Streit zwischen den Kindern zu schlichten, dann kann es sein, dass ich einen noch größeren Wirbel auslöse, weil sich am Ende jeder als benachteiligt empfindet. Die Situation ist dann oft so, dass, selbst wenn ich es anders anpacken würde, das Resultat das gleiche bliebe.

Die vielen kleinen Entscheidungen, ob ich den Kindern das eine erlauben soll und das andere verbieten, dieses als Belohnung einsetzen und jenes als Strafe, kann man meistens nicht mit Sicherheit mit Begriffen wie richtig oder falsch beurteilen

Ob ich irgendein eigentlich unbedeutendes, mich aber beschäftigendes Problem mit meinem Mann bespreche, der müde von der Arbeit nach Hause kommt, oder ob ich versuche, ihn aufzumuntern, obwohl mein Tag nicht der beste war, und uns damit vielleicht beide in gute Laune versetze -oder in schlechte – das sind Entscheidungen, so unbedeutend sie sein mögen, die sich nicht kategorisieren lassen.

Natürlich verliere oder gewinne ich in diesen Situationen ein bisschen, immer zu Gunsten oder auf Kosten des anderen. Aber unter dem Strich haben wir es bis jetzt geschafft, alle ohne große Verluste auszukommen.

Es gibt nämlich auch diese Situationen, in denen man glaubt die richtige Entscheidung zu treffen, dadurch aber einen Vertrauensbruch verursacht, weil man etwas verschwiegen hat oder weil man etwas Falsches gesagt hat. Plötzlich ändert sich alles, oberflächlich nicht, aber ganz tief drin, und dann kann man nicht mehr zurück. Dann ist etwas unwiederbringlich zerstört, das man unbedingt bewahren wollte.

Im Nachhinein ist es vielleicht möglich zu analysieren, was falsch gelaufen ist. Aber dann ist es zu spät.

Deshalb versuche ich immer genau auf mein Herz zu schauen und auf das meiner Kinder und meines Mannes. Because I can’t live without them any way at all.

http://www.youtube.com/watch?v=Td5ggufGakU

Never win and never lose
There´s nothing much to choose
Between the right and wrong
Nothing lost and nothing gained
Still things aren´t quite the same
Between you and me

I keep a close watch on this heart of mine
I keep a close watch on this heart of mine

I still hear your voice at night
When I turn out the light
And try to settle down
But there´s nothing much I can do
Because I can´t live without you
Any way at all

I keep a close watch on this heart of mine
I keep a close watch on this heart of mine

 

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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5 Antworten zu Songs: John Cale, I keep a close watch

  1. peronaeus schreibt:

    Ich glaube aber, dass es situativ dennoch meistens klar ist, was im Moment richtig oder falsch ist. Deshalb entscheidet man sich dann ja auch doch für das eine oder andere, meine ich.

    • Karin Koller schreibt:

      Trotzdem stellt sich oft heraus, dass das als richtig Empfundene doch falsch war und umgekehrt. Eben weil es sehr oft – nicht immer – gar nicht so klar ist, wie es im ersten Augenblick erscheint.

      • bettinahartm schreibt:

        Ja, oft ist das Eindeutige bei näherem Hinsehen sehr zweideutig

  2. lilyberner schreibt:

    Ja, die Ermessensentscheidungen sind die schwierigsten, weil man, wenn man im nachhinein merkt, dass man falsch liegt, sich oft nicht einmal einen Vorwurf dafür machen kann, aber trotzdem mit den Konsequenzen leben muß.

  3. JimBob schreibt:

    toller song, schöne interpretation

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