Songs: Fabrizio de Andre, Canzone dell amore perduto

„Erinnere dich, die Veilchen erblühten mit unseren Worten „Wir werden nie voneinander lassen, nie, niemals.” Ich würde dir jetzt gerne die gleichen Dinge sagen, aber wie bald, meine Liebe, werden die Rosen auch für uns verwelken. Die Liebe, die die Haare raufen lässt, ist für immer verloren, es bleibt nicht mehr als eine lustlose Liebkosung und ein bisschen Zärtlichkeit. Und wenn du diese in der Sonne eines längst vergangenen Aprils verwelkten Blumen in deiner Hand wiederfinden wirst, dann wirst du ihnen nachtrauern. Aber es wird die Erste sein, die du auf der Straße triffst, die du mit Gold überhäufen wirst für einen nie gegebenen Kuss für eine neue Liebe.“

Wenn man glaubt, eine neue Liebe gefunden zu haben, fängt vieles neu an.

Die Träume, die Aufregung, das Hoffen, die Selbstzweifel. Man fängt einen Blick auf, der so liebevoll und warm ist, so heiter und zart, dass man sich danach sehnt, man wäre Ziel dieses Blickes gewesen. Wissen kann man es noch nicht, man wünscht es sich aber. Dann eine zufällige Berührung, die wie ein Stromstoß durch den Körper fährt und die eine Verwirrung der Gefühle erzeugt. Was würde man geben, wenn das Erhoffte wahr würde.

Die Zeit, in der man mit sich ringt, den Angebeteten anzusprechen, weil man nicht mehr warten kann, angesprochen zu werden. Die ersten Gespräche, bei denen sich herausstellt, dass man die gleichen Bücher gelesen hat, die gleichen Serien mag und ganz früher sein ganzes Taschengeld für ein Konzert derselben Band ausgegeben hat. Die Erkenntnis, dass man in den kulinarischen Vorlieben überhaupt nicht miteinander übereinstimmt und der Vorsatz, den eigenen Horizont zu erweitern, diesbezüglich und bei vielen anderen Dingen.

Die Pause zwischen Kennenlernen und Näherkommen, die sich zermürbend bis ins unendliche zu ziehen scheint, weil man bei jedem Wort spürt, wie man den anderen berühren möchte, es aber noch zu früh ist. Die erste absichtliche Berührung, anfangs wie zufällig inszeniert, später mit mehr Selbstbewusstsein. Die Erleichterung, dass diese Berührung angenommen wurde. Und erwidert. Die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Das Bangen, man habe sich doch nur alles eingebildet.

Der erste Kuss, bei dem man ineinander versinkt. Der Aufruhr der Gefühle, der den Schlaf raubt. Das Kribbeln auf der Haut von den intensiven Berührungen. Der Wunsch, jeden Zentimeter des anderen zu erforschen, mit den Augen, den Händen, den Lippen. Das miteinander Verschmelzen, das Einswerden. Das Überschäumen der Lust. Das Erfüllen der geheimsten Wünsche. Das Verliebtsein bis in die Haarspitzen, wenn man nicht mehr voneinander lassen kann, wenn man sich nicht vorstellen kann, dass dieses Gefühl jemals aufhören könnte.

Nach ein paar Wochen verblasst der Rausch der Gefühle, man beginnt klarer zu sehen. Die vielen Kleinigkeiten, in denen man nicht zueinander passt, werden plötzlich deutlich, manche sogar störend. Unmut schleicht sich ein, weil es nicht mehr reicht, einander zu liebkosen. Es gibt eine Lustlosigkeit, die durch Neues, nie Dagewesenes vertrieben werden möchte, obwohl Liebe und Zärtlichkeit noch vorhanden sind.

In dieser Zeit entscheidet sich, ob die Liebe langsam vergeht, weil sie nicht für mehr als ein paar Wochen oder Monate gereicht hat. Man behält die Erinnerung an die schönste Zeit und trauert ihr mit Wehmut nach.

Dann beginnt die Suche von vorne. Man sieht eine neue Liebe und träumt von diesem ersten Kuss, den man vielleicht nie bekommen wird, und verzehrt sich im Schwärmen.

Oder es entsteht etwas Neues aus der alten Liebe. Etwas, das inniger ist, aber nicht mehr so viel Bestätigung braucht. Etwas, das reifer geworden ist, weil man sich kennengelernt hat, weil man richtig füreinander ist und zusammen alt werden kann. Weil die Liebe auch die Herbstanemonen erträgt.

http://www.youtube.com/watch?v=rYvw2SFuJ5g

Ricordi sbocciavan le viole
con le nostre parole
„Non ci lasceremo mai, mai e poi mai“,

vorrei dirti ora le stesse cose
ma come fan presto, amore, ad appassire le rose
così per noi

l’amore che strappa i capelli è perduto ormai,
non resta che qualche svogliata carezza
e un po‘ di tenerezza.

E quando ti troverai in mano
quei fiori appassiti al sole
di un aprile ormai lontano,
li rimpiangerai

ma sarà la prima che incontri per strada
che tu coprirai d’oro per un bacio mai dato,
per un amore nuovo.

E sarà la prima che incontri per strada
che tu coprirai d’oro per un bacio mai dato,
per un amore nuovo.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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11 Antworten zu Songs: Fabrizio de Andre, Canzone dell amore perduto

  1. Athenaeum schreibt:

    Ja, um Liebe geht es, nicht um Lust. Schön geschrieben.

  2. alicedelrosario schreibt:

    De Andre, Battisti, Dalla: die größten italienischen Musiker und Dichter seit dem 2. Weltkrieg. Inzwischen alle tot. Keine gute Zeit für Italien.

  3. alicedelrosario schreibt:

    Umso wichtiger, an ihr Werk zu erinnern. Danke.

  4. Selina schreibt:

    „Mi basta, mi basta che sia
    più profondo di me“.

    Jemanden besseren hat Genova nicht hervorgebracht, Colombo hin oder her.

  5. Ich bin jetzt leider kein großer Kenner der Cantautori, aber ich fand von De Andre das Album, das seine Entführung verarbeitet hat, mit dem Indianer am Cover (Quello che non ho….), hervorragend. Welche seiner Alben sind denn noch zu empfehlen?

    • alicedelrosario schreibt:

      Crêuza de mä, ein Liederzyklus im genoveser Dialekt, ist ein Meisterwerk. Die Dylan, Cohen und Brassens Interpretationen in „Canzoni“ sind auch groß, und dann natürlich „Rimini“ mit „Andrea“, aus dem Selina zitiert hat.

  6. KarlBa schreibt:

    schön, dass du fabrizio de andre dem vergessen entreisst, schade, dass im deutschen sprachraum, der ganz auf angloamerika fixiert ist, grosse musiker aus europäischen ländern vollkommen ignoriert werden, während jeder zweitklassige texanische pickelbube, der seine gitarre halten kann, als wiedergeburt bob dylans gefeiert wird;

  7. bettinahartm schreibt:

    Schöner Text, der mir, obwohl ich bisher noch nie über die Veilchenblüte hinausgekommen bin, Hoffnung macht, auch bald zumindest den Sommerflieder, wenn schon nicht die Herbstanemonen, zu erreichen.

  8. Sotospeak schreibt:

    wunderbarer text

  9. EG schreibt:

    Tolles Posting, gefällt mir gut, dein Blog

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