Fragen wird man noch dürfen – Teil 2

Ein Gastbeitrag von Nicole Lee

ILoveAmandaBrown hat die Ansicht vertreten, es wäre unfair, in einer Beziehung den Partner um seine Zustimmung zu etwas zu fragen, von dem man weiß, dass er es eigentlich im Innersten nicht will.

Ich bin anderer Ansicht. Eine Partnerschaft basiert im Normalfall darauf, dass man viele gemeinsame Interessen hat. Aber es kommt wohl nur selten vor, dass alle Interessen beider Partner vollkommen deckungsgleich sind. Deshalb ist es nur natürlich, dass man versucht, die Interessen, Wünsche und Phantasien, die der Partner nicht teilt, alleine, oder mit jemandem Anderen als dem Partner auszuleben.

Ich mag Jazz. Mein Partner nicht. Es gäbe grundsätzlich drei Möglichkeiten, damit umzugehen. Ich könnte auf Jazz verzichten. Ich könnte meinen Partner unter Druck setzen, damit er seine Abneigung überwindet und mit mir Konzerte besucht. Oder ich könnte mit jemandem Anderen ins Konzert gehen.

Nun ist mir auch klar, dass das Ausleben sexueller Phantasien mit vom Partner verschiedenen Personen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mit einem Konzertbesuch vergleichbar ist.

Aber könnte der Grund dafür nicht sein, dass wir Sex viel zu ernst und viel zu persönlich nehmen? Und viel zu stark mit Liebe identifizieren.

Mir bereitet ein gelungenes Konzert Spaß, genauso wie mir ein gelungener Geschlechtsverkehr Spaß bereitet.

Niemand käme auf den Gedanken, ich würde gegenüber meinem Partner lieblos handeln oder meine Beziehung gefährden, wenn ich mit einer Freundin, aber ohne meinen Partner, ins Konzert gehen würde. Weshalb soll es dann plötzlich geradezu offenkundigerweise meine Beziehung gefährden, wenn ich mit der gleichen Freundin Sex habe?

Ich verstehe vollkommen, dass ich mich ins Unrecht setze, die Beziehung gefährde und jenes Vertrauen meines Partners, auf dem jede gute Beziehung basiert, mißbrauche, wenn ich meinen Partner betrüge. Deshalb würde ich auch nie etwas machen, das ihm wichtig sein könnte, oder ihn verletzen könnte, ohne ihn zu fragen.

Aber ich verstehe nicht, weshalb ich ihn nicht fragen soll, ob er damit einverstanden ist, dass ich mit einer Freundin vögle, weil ich weiß, dass es ihm lieber wäre, wenn ich ihn nicht fragen würde. Und weshalb ich, wenn er sein Einverständnis erklärt, nicht danach handeln sollte.

Wir alle werden im Leben andauernd mit Fragen konfrontiert, auf die es keine optimale Antwort gibt. Wir müssen Entscheidungen in die eine oder andere Richtung treffen, obwohl Argumente sowohl für die eine als auch für die andere offenstehende Vorgehensweise sprechen. Wir müssen täglich Kompromisse eingehen, in wichtigen und unwichtigen Dingen, von der Essensauswahl bis zur Auswahl des Fernsehprogrammes und der Auswahl der Stellung beim Sex. Einmal muss der eine mehr nachgeben, einmal der andere. Eine Partnerschaft ist dann gut, wenn sich das langfristig ausgleicht, und nicht immer der Gleiche den Kürzeren zieht. Nicht dann, wenn man kontroversielle Entscheidungen einfach nicht trifft, ja nicht einmal die ihnen zugrundeliegende Fragestellung thematisiert.

Weshalb sollte gerade ich der einzige Mensch sein, der meinen Partner nicht vor schwierige Entscheidungen stellt? Sonst nimmt auch niemand auf seine vermuteten Wünsche Rücksicht

Ich bin der Meinung, man sollte den Partner nicht betrügen.

Aber man sollte dem Partner auch Fragen stellen können und ihm Entscheidungen abverlangen, die ihm unangenehm sind. Ich frage deshalb meinen Partner, ob er damit einverstanden ist, dass ich mit einer von ihm verschiedenen Person schlafe. Und wenn er nicht zustimmt, hintergehe ich ihn auch nicht. Aber es kann sein, dass ich traurig, oder wütend, oder unleidlich werde. Und er muss mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen leben.

So ist das in der Partnerschaft. So ist das im Leben.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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36 Antworten zu Fragen wird man noch dürfen – Teil 2

  1. kathrinswatschik schreibt:

    Diese allgemeine Wertung, nach der Sex das letzte Tabu ist, unvergleichbar zu allem anderen, teile ich auch nicht. Wenn man in einer Beziehung über alles sprechen kann, dann warum nicht über Sex mit einer anderen Person? Toller Artikel.

  2. ClaudiaBerlin schreibt:

    „ILoveAmandaBrown hat die Ansicht vertreten, es wäre unfair, in einer Beziehung den Partner um seine Zustimmung zu etwas zu fragen, von dem man weiß, dass er es eigentlich im Innersten nicht will.“
    Du lieber Himmel! Das ist dann aber aus meiner Sicht keine echte Partnerschaft zweier Erwachsener, die für sich selbst sprechen, denken und entscheiden können. Nichts schlimmer, als wenn eine immer für den Partner „mitdenkt“ und sich gar nicht erst mit den eigenen Bedürfnissen zeigt. Wo bleibt denn da die Authentizität?

    • Karin Koller schreibt:

      Der Artikel erschien letzte Woche. Er ist differenzierter als du meinst und geht nicht in die Richtung, die du implizierst.

      • ClaudiaBerlin schreibt:

        Könntest du ihn vielleicht mal verlinken, dass ich ihn lesen kann? Auch einen „Teil1“ fand ich unter den letzten Artikeln dieses Blogs nicht.

      • Hofnarr schreibt:

        Warum findest Du den Artikel 1 nicht, Claudia? Er ist doch unter Mai 2012 da nebenan zu finden. Probier’s mal, indem Du dort mal klickst und dann schaust, was raus kommt…

      • ClaudiaBerlin schreibt:

        Danke! In Archivlinks schaue ich nie, denn wer kann denn wissen, in welchem Monat „Teil 1“ erschienen ist? Unter „aktuelle Artilkel“ stand er nicht, also ging ich davon aus, dass er „irgendwann“ mal geschrieben wurde.
        Es gibt halt gewisse Lese- und Blog-Gewohnheiten und Traditionen, nach denen man sich als Leserin automatisch richtet. Darunter die, dass man Artikel, auf die man sich bezieht (eigene UND fremde!) im jeweiligen Posting verlinkt.
        Hat mich echt gewundert, dass du das nicht getan hast – man wünscht sich doch im Allgemeinen, dass Leserinnen auch MEHR lesen.

  3. RogBen schreibt:

    Nee, ich bin auch der Meinung, manche Antwort mutet man dem, den man liebt, einfach nicht zu

  4. Hofnarr schreibt:

    Zusammen über alles sprechen zu können ist das A und O einer guten Partnerschaft, also warum nicht darüber sprechen, wie über anderes?! Ob man dann aber Wünsche, Träume realisieren soll, nur weil der Partner sein Einverständnis gab, steht auf einem anderen Blatt. Es kommt ja auch vor, dass man eigentlich Freude an Jazz hätte, gerne an ein Konzert gehen würde, auch ohne Partner, weil dieser keine Lust hat dazu und dennoch einwilligte, dass man mit jemand anders dorthin gehen könnte, aber schliesslich doch nicht geht, nur einfach, weil’s noch Schöneres mit dem Partner zur gleichen Zeit zu tun gäbe… Der partner käme zwar damit nicht wirklich zu kurz, aber könnte allenfalls das Schönere zu zweit innerhalb der Partnerschaft nicht unternehmen.

    Die vorgängige Diskussion zwischen 2 Partnern aber über dies Thema Jazz-Konzert ja oder nein wäre dennoch inspirierend zwischen 2 Partnern und jedenfals aufschlussreich, selbst wenn die Möglichkeit, mit jemand anderem ins Jazz-Konzert zu gehen nicht wahrgenommen würde. Das gleiche aber wäre es auch, wenn über sexuelle Wünsche jedwelcher Couleur untereinander diskutiert würde zusammen. Will man nämlich für den Partner „mitdenken“, müsste man ohnehin seine Meinung vorgängig kennen und dies kann man nur, wenn man vorher schon darüber diskutierte, sonst ist es nicht ein „Mitdenken“, sondern ihm „seine eigene Meinung Ueberstülpen“, eine tatsächlicher Eingriff in seine Authentizität.

    Direkte, ehrliche und offene Antworten des Partners über jedwelches Thema auch immer sind deshalb stets der blossen Annahme darüber vorzuziehen.

  5. wienerhans schreibt:

    und wenn ich mal mit dem auto alleinfahrend so unberechtigter weise richtig überdrüber (lebensgefährlich!) gas gebe – müsst ich doch auch den partner fragen ?! ich glaube sex wird falsch bewertet – hat aber schon gar nichts mit liebe, treue zu tun – ausser dass es von der gesellschaft oktroyiert wird. natürlich kann sex auch mit liebe funktionieren – aber dass es anders natürlich ist zeigt schon das älteste gewerbe der welt.

    • Hofnarr schreibt:

      Nein, mein lieber wienerhans, Du täuscht Dich!!! Eine Partnerschaft zwischen 2 Lebenspartnern/Ehepartnern hat (oder sollte zumindest!) mit Liebe zu tun, nicht etwa zwingend umgekehrt Sex mit Liebe, da magst Du recht haben!!! Wenn nun aber Sex ein Bestandteil von eben dieser Liebe in der Lebenspartnerschaft/Ehe ist, wie man dies in diesem Artikel und demjenigen, der diesem vorausging, voraussetzt, kann nicht davon geredet werden, Sex hätte nichts mit Liebe zu tun.

      Was nun aber natürlich ist, nämlich zB. der Kontakt zu Prostituierten oder Sex ohne Liebe ganz allgemein, steht jedenfalls auf einem anderen Blatt. Für mich jedenfalls sind solche Formen von Sex gänzlich ohne Liebe keine Option, nie, auch nicht bei meinem Lebenspartner/Ehepartner. Ich bin da sehr strikt in der Auswahl meiner Lebenspartner/Ehepartner, es ist halt so!!! Darum ist Sex ohne Liebe für mich keine Alternative und/oder von mir nicht zu erhalten, nie mehr, von niemandem!!! Wer immer wieder missbraucht wurde in früheren Zeiten, schon als Kind, weiss, dass nur die Kombination Vertrauen, Liebe und Sex glücklich machen kann, nichts anderes!!!

      • wienerhans schreibt:

        dem sex wird eine zu hohe wertigkeit auferlegt – partnerschaft ist für die beziehung, kindererziehung aber nicht für sex zuständig. solches versucht seit jahrtausenden die kirche und andere herbeizureden – es verbirgt sich aber nicht in den köpfen und wird deshalb intuitiv nicht so gehandhabt.
        klar, die erziehung hat schon einiges verbogen – aber der instinkt lässt sich nich töten !

      • Hofnarr schreibt:

        Nein, nein, @wienerhans, so instinktiv funktionieren Menschen nicht (mehr). Wir sind kein Vieh, Männer deshalb keine Zuchtstiere, die jede Kuh nur einmal jährlich zu decken haben, weil sie danach trächtig ist und deshalb eine ganze Herde Kühe um sich herum versammelt braucht, um das Gefühl von grossartiger Potenz zu haben. Funktionierst Du tatsächlich (noch) so instinktiv?!

        Wenn Menschen in Partnerschaften auch andere Werte sehen, auch Liebe, auch Sex, nicht bloss Kindererziehung, hat das nicht immer etwas mit Doktrinierung durch Kirche und anderes zu tun.

        Mir hat man meine Lebenseinstellung darüber jedenfalls nicht über die Kirche eingeredet, da ich zwar auf dem Papier evangelisch-reformiert bin, aber dennoch nebst einstigem nicht wirklich intensivem, 1x wöchentlichen Religions-Unterricht in der Schule vor mehr als 40 Jahren in keiner Kirche aktiv bin und damit nicht mit Leuten über religiöse Werte in Kontakt oder Diskussion komme.

        Die Wichtigkeit von Werten wie Ehrlichkeit, Offenheit, Treue, Liebe, Zuneigung, Verständnis, Rücksichtnahme usw.usw. in Partnerschaften sind aber bei Menschen sehr individuell, weshalb nicht jeder Aktivitäten zu zweit wie Sex mit nur einer geliebten Person oder aber verschiedensten, auch ungeliebten, die gleiche Bedeutung beimisst.

      • wienerhans schreibt:

        partnerschaft – liebe – sex – klar aber deswegen ist der mensch nicht plötzlich ausserehelich ein neutrum ! sex hat definitiv nichts zwingend mit liebe zu tun – jeder kann sich aber kasteien wie er will – der natürliche drang bleibt bestehen oder kostet geld – für den psychotherapeuten, wenn er sich selbst behindert.
        immersex ist natur – und kann nicht durch zivilisation aberzogen werden – sondern gerade mal bei einigen mit anderen vorteilen (treue, ehe) überdeckt werden – das tier bleibt in uns.
        manche bleiben auch keusch – wie die kath. geistlichen und ähnliche – aber zufällig decken dann skandale die lügen auf ;-(

      • Hofnarr schreibt:

        Nun, nun, @wienerhans, das Tierische in uns ist eigentlich hier nicht das Thema, oder?! Lass gut sein!!! Ich bin nicht Deiner Meinung und viele andere vermutlich auch nicht… Macht nichts!

      • wienerhans schreibt:

        hätt es auch nicht beredt, wenn es nicht du getan hättest – schon vergessen ?!

      • Hofnarr schreibt:

        Ich bin Bäuerin und halte vielerlei landwirtschaftliche Nutztiere in Grossgruppen, weswegen Bilder aus dem Tierreich für mich naheliegend sind. Aber, @wienerhans, ich stelle nie fest in meinen Tiergruppen, dass Tiere, die sich ein Leben lang nie sexuell betätigen (können), irgendein Problem mit sich selber hätten bezüglich ihren sexuellen Trieben. Sie benötigen deswegen auch keinerlei Ersatz zur Abreaktion ihrer sexuellen Triebe, dennoch aber suchen sie untereinander partnerschaftliche Kontakte, die auch mit individuellen Zuneigungen oder Ablehnungen gegenüber einzelnen Individuen zu tun haben… Warum sich also sexuell betätigen oder Ersatz im weitesten Sinne suchen, wenn sich keine sinnvolle Gelegenheit bietet?! Eben gerade dies wäre aber normal in der Natur!!! Menschen wären von der Physiologie her zu allererst einmal keineswegs anders gestrickt

        Dennoch sind manche Menschen m. E. doch wesentlich unnatürlicher bezüglich ihrer Sexualtriebe und dies ist m. E. doch ausserordentlich tragisch, vor allem für deren Opfer, da man hier nicht mehr von gleichwertigen Partnern reden kann… Aber eigentlich gehört dies alles nicht hierher!

        Unter Liebespartnern sollte das miteinander reden können, was auch immer es betrifft, jedenfalls möglich sein, ohne dass daran die Partnerschaft zerbricht.

  6. gedankenfest schreibt:

    Eine solche Frage zu stellen, birgt möglicherweise ein Risiko. Das Risiko, dass der Partner dann weiß, dass man gerne etwas Sexuelles mit einer anderen Person ausprobieren möchte. Viele Menschen, denen man eine solche Frage stellt und eine Entscheidung abverlangt, kommen danach sehr ins Grübeln und fragen sich, was denn in der eigenen Partnerschaft fehle und ob der andere es auch wirklich lässt, wenn man sich gegen den Wunsch des Partners entscheidet. Bei einigen bröckelt möglicherweise ein wenig das Vertrauen, aus Angst, der Partner könnte es nun doch tun, nur eben hinter dem Rücken. Er weiß, dass der andere Partner diese Gedanken hat und das könnte ihn verunsichern.

    Sicherlich darf man alles fragen und je ehrlicher man miteinander umgeht, desto besser ist das. Aber ich glaube, dass nicht jede Beziehung eine solche Frage gut aushält, sondern nur belastbare, stabile Beziehungen, in denen man sich und seinen Partner wirklich kennt.

    • Hofnarr schreibt:

      Da ich im Artikel 1 zu diesem Thema schon Stellung bezogen habe, ob es Sinn macht jedenfalls in Partnerschaften miteinander zu reden (und sogar nicht bloss zu fragen, sondern gemeinsam den Meinungsbildungsprozess zusammen in aller Gemütlichkeit zu tun) hier die Koordinaten dazu:

      https://karinkoller.wordpress.com/2012/05/10/fragen-wird-man-ja-noch-durfen-teil-1/

      Offenbar gibt’s etliche, die den Artikel 1 zu diesem Thema dennoch nicht finden.

      Meines Erachtens ist reden immer wichtig in guten Lebens-Partnerschaften/Ehen und birgt beim richtigen Einfühlungsvermögen und Vorgehen auch keinerlei Risiko für die Partnerschaft. Wirkliche langjährige Liebes-Partnerschaften sollten mehr aushalten können als ein solches simples Gespräch über sexuelle Wünsche und Gefühle der einzelnen Partner innerhalb der Partnerschaft. Ich redete in allen meinen Lebens-Partnerschaften und der Ehe auch über solche Themen, eben gerade um die Partnerschaft zu vertiefen und war stets erfreut über die vielseitige, positive Wirkung solcher Themen gerade innerhalb der Partnerschaft.

    • yobumrushtheshow1 schreibt:

      Gedankenfest: ganz deiner Meinung, du musst deinen Partner schon sehr gut kennen, damit du mit einer solchen Frage nicht mehr riskierst, als die Beziehung aushält

      • Hofnarr schreibt:

        Warum sollte man denn einen Liebes-Partner nicht bereits sehr gut kennen, mit dem man ins Bett steigt?! Hier ist ja von Lebens-Partnern oder Ehepartnern, die man liebt, die Rede. Vorher hat man ja noch gar keine Lust, mal eben schnell der eigenen Wünsche wegen was anderes mit einem anderen Partner auszuprobieren (siehe Teil 1!), sonst hätte man es wohl schon getan zwischen 2 Zufalls-Bekanntschaften, oder etwa nicht?!

      • gedankenfest schreibt:

        Es gibt genug Partnerschaften, die nicht so stabil sind, wie die Partner es glauben. Es gibt genug Partnerschaften, in denen sich die Partner selbst und den anderen nicht wirklich kennen, auch wenn sie glauben, es zu tun.

        Aber es gibt auch die anderen Partnerschaften, die stabilen, in denen man sich kennt. Wie qualitativ die Partnerschaft am Ende ist, liegt an den beteiligten Personen.

      • Hofnarr schreibt:

        Vermutlich ist es viel eher eine Frage der Wertschätzung der Partnerschaft und des gegenseitigen Vertrauens, ob man offen und ehrlich miteinander umgehen will oder eben nicht.

      • stephito schreibt:

        auch Gedankenfest: ich glaube auch, dass das ein Minenfeld ist, in das solche Fragen führen können, war schon im Teil 1 ausführlich beschrieben. Was Hofnarr hier vertritt, setzt eine Vertrautheit voraus, die ich mir zwar wünschen kann, aber die für mich und vermutlich viele Menschen in Partnerschaften kaum erreichbar ist.
        Deshalb plädiere ich jetzt schon an dieser Stelle für gut organisierten Betrug. Sonst machst du deine/n Partner/in mit der Frage des Einverständnisses wahnsinnig, zerstörst Vertrauen unwiderbringlich, und dann stellst du möglicherweise nach dem erfolgten Seitensprung fest, dass der gar nicht so gut war, wie du gedacht hattest, oder viel besser, als du gedacht hattest. Beides hat schwere Konsequenzen. Außer du beschließt wie Wienerhaus, dass Partnerschaft eh was ganz anderes als mitunter auch sexueller Kontakt ist.

  7. Karin Koller schreibt:

    Ich glaube, bei dieser Frage sind Richtig und Falsch nicht klar definierbar. Man muss aus dem Gefühl entscheiden. Es spielt weniger eine Rolle, wie gefestigt die Partnerschaft ist, sondern mehr, welche Vorstellungen beide Partner von ihrer Beziehung und von Sex mit anderen haben und wie sehr man sich das wünscht. Es gibt Partner, mit denen man das einfach besperchen kann. Es gibt aber auch Partner, bei denen man vorher weiß, wie sehr man sie unter Druck setzen würde.

    Never win and never lose
    Theres nothing much to choose
    Between the right and wrong
    Nothing lost and nothing gained
    Still things arent quite the same
    Between you and me
    John Cale

  8. ClaudiaBerlin schreibt:

    Mittlerweile hab ich Teil 1 mit Interesse gelesen und er verstärkt meine o.a. Meinung: für den Partner „mitdenken“ und ohne ihn, vermeintlich „in seinem Interesse“ entscheiden, ist (für mich!) nicht der richtige Weg, ja definitiv falsch bzw. beziehungsschädlich.
    In Teil 1 schreibt IloveAmandaBrown, sie wünsche sich länger schon, mit einer Frau zu schlafen, weil sie einfach gerne die Erfahrung machen würde, wie das ist. Dann lernt sie sogar eine Frau kennen, mit der es möglich wäre, eine echte erotische Spannung entsteht…
    Aber sie beschließt, ihren Partner gar nicht erst zu fragen, weil er „aus den falschen Gründen“ zustimmen könnte. Und hakt ihren Wunsch ab: „Life goes on“, schreibt sie.

    Ja sicher, aber wie? Je mehr Wünsche und Träume ich zugunsten eines Partners aufgebe bzw. nicht verwirkliche, desto mehr TERMINIERE ich damit die Beziehung. Denn diese Bedürfnisse sind deshalb ja nicht weg! Und immer, wenn ich mich an sie erinnere bzw. sie mir wieder neu in den Sinn kommen, sagt die innere Stimme: Geht nicht, solange du mit DIESEM Partner zusammen bist!
    Nach und nach addieren sich da auf dem Beziehungskonto allerlei Verzichtsleistungen, von denen der Partner u.U. nicht mal etwas weiß. Tritt dann in der Partnerschaft tatsächlich mal eine Unstimmigkeit, ein nicht mehr „stillschweigend“ vermeintlich lösbarer Konflikt auf, wird die ganze Last der vergangenen Verzichte zur Schwere des Konflikts beitragen: Wegen dir hab ich schon auf so viel verzichtet, jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht!

    Man tut einer Beziehung also nichts Gutes, wenn man stillschweigend dem Partner zu Liebe dauerhaft eigene Wünsche negiert.

    • Hofnarr schreibt:

      Da muss ich Dir vollumfänglich beipflichten. Darum reden miteinander, nicht bloss Fragen stellen oder sogar blosse Annahmen zu Entscheidvollziehern werden lassen. Partner sollten gemeinsam wachsen und sich entwickeln können in einer guten Partnerschaft und deswegen auch gemeinsam Meinungsbildungsprozesse zusammen angehen, zu welchem Thema auch immer.

      • ClaudiaBerlin schreibt:

        Vor allem bringt miteinander reden ja evtl. auch die Zerstreuung der beim Partner evtl, vorhandenen Ängste. Schließlich ist es nicht ganz weltfremd, zu denken, dass fast jeder in einer langjährigen Beziehung WEISS, dass man auch mal erotische Gelüste „nach außen“ hat – und dass das ganz unabhängig von der Beziehung so ist. Nur wenn man den Status „Wolke 7“ der ersten Monate als Messlatte nimmt, während der die neue Liebe der/die einzig sexuell Begehrenswerte auf dem Planeten ist, wird man das nicht einsehen (und ist ein Träumer/eine Träumerin).
        VERTRAUEN bedeutet: ich darf mich trauen, mich so zu zeigen, wie ich bin. Für mich ist DAS das Wesentliche in einer Partnerschaft. Nicht sexuelle Exklusivität auf „immer und ewig“ (was real dann ja meist bedeutet: bis zum nächsten Partner..)

  9. Hofnarr schreibt:

    Wie ich in anderen Artikeln in diesem Blog schon erwähnte, können solche detaillierten Gespräche auch in sexueller Hinsicht mit dem Partner schliesslich zu ganz neuen Spielarten zwischen den Partnern führen und die Beziehung, nicht nur , aber auch die sexuelle, schliesslich ungemein bereichern, selbst wenn keiner der Partner schliesslich wirklich im klassischen Sinne „fremdgeht“ und dies Bedürfnis „fremdzugehen“ auch nicht mehr hat, weil er es innerhalb der Beziehung durchaus mittels dem vorhandenen Partner auch abdecken könnte (aber allenfalls vor dem Gespräch mit dem Partner nicht wusste, ob und wie dies denn möglich wäre mir ihm!).

    • stephito schreibt:

      Fast so schön wie ein Schlusssatz, aber ich bezweifle nach wie vor, dass wir einander so gut kennenlernen, dass wir abwägen können, welche Ängste wir möglicherweise bei unserem Gegenüber auslösen.
      Ich erlaube mir jetzt einen zynischen Gedankengang: „Schatzi, ich geh jetzt einmal ein bissl fremd, aber nimmst mich eh wieder zurück, weilst ja so lieb bist, oder?“

      • Hofnarr schreibt:

        Nun, Stephito, Du wärst wohl kein Partner für mich!!! Auch Wienerhans nicht. Kommt vor… Macht gar nichts!!! Es gibt den einen, der mir lieb ist und dem ich lieb bin, auch heute noch, da bin ich durchaus glücklich!!! Aber schon der Vorgänger, der verstarb, führte mit mir intensive Gespräche auch über dies Thema.

        Ich verweise aber auf meinen Kommentar vom 1. März 2012 um 13.20 im Artikel „Die Erotik des Dehnens“ (siehe: https://karinkoller.wordpress.com/2012/03/01/die-erotik-des-dehnens/ ) und andere, denn es ist mit dem eigenen Partner durchaus sehr viel mehr möglich, wenn man Gespräche über alles mögliche, auch Sexuelles, in Partnerschaften immer wieder einfliessen lässt, um zu wissen, was der andere fühlt und denkt. Solches verbindet sehr! Und lässt einen ungeahntes gemeinsam erforschen… Ich nenne dies die hohe Schule der Liebe!!! Ich bin daher sehr anspruchsvoll geworden, was Liebes-Partnerschaften anbelangt. Weniger ist mir tatsächlich zu wenig!!!

  10. stephito schreibt:

    Lieber Hofnarr,
    egal was du treibst, deine Argumentation über die Wirkung gemeinsamer Gespräche glaube ich dir sofort, eigentlich trauere ich hier ein bisschen uber die allgemeine Sprachlosigkeit, manchmal auch meiner eigenen. Das ist ein weites Feld, denn ich glaube ähnlich, dass glückliche Beziehungen über Gemeinsamkeiten in der Sprache der beiden begründet sind.
    So gesehen bin ich fast ein bisschen beleidigt über deine Abfuhr, halte es aber gerne aus.

    • Hofnarr schreibt:

      Nimm’s nicht so tragisch, Stephito. Vermutlich könnten wir beide uns dennoch in Vielem die Hand reichen, wenn wir uns denn persönlich kennenlernen könnten… Ich liebe Menschen so, wie sie eben sind, ob nun als Freunde, Geschäftspartner, Zufallsbekanntschaften oder zuweilen auch Widersacher und Feinde…

      Jedoch, wie Du hier im Internet auf vielen Blogs und anderswo siehst, beschränken sich viele Menschen in der heutigen Kommunikation (auch innerhalb von Partnerschaften) auf einige wenige Worte, oftmals sogar nur Kürzel davon oder gar Annahmen und Vorurteilen, oftmals sogar nur gerade, um sich gegenseitig böse Worte und Kritik an den Kopf zu werfen und den andern zu entwerten und zu erniedrigen, ohne ihn wirklich zu kennen und können so gar nie in die Tiefe gehen oder dem anderen tatsächlich ohne Vorurteile begegnen (darum auch bin ich selber im Internet derart detailliert in meinen Formulierungen). Wie also sollen da im Alltag wirklich tiefgehende Partnerschaften entstehen können, in denen offene und ehrliche Gespräche auch über Gedanken, Gefühle und intimste Dinge dem anderen durchaus Geliebtesten offenbar werden können?! Mag sein, dass auch mir dies zuweilen geschieht, aber eigentlich suche ich stets das Tiefgründige, Echte im Leben und scheue das Oberflächliche, Dahingeplapperte oder gar absichtlich Verlogene oder Verschwiegene…

  11. stephito schreibt:

    da sprichst du mir jetzt aus der Seele

    • Hofnarr schreibt:

      Danke. Siehste, Stephito… eigentlich sind mir Männer im Allgemeinen wirklich besonders lieb… aber sie sind häufig etwas männlich rauh, wenn nicht gar hart sich selber und auch Gefühlen gegenüber, ob nun den eigenen oder fremden gegenüber und überdecken viel vom wesentlichen Kern in ihnen mit Oberflächlichkeit… aber zufolge meiner lebenslänglich ausgeübten Berufe mit vorwiegend männlichen Arbeitskollegen kenne ich auch Eure Arbeitspause- und Feierabend-Gespräche untereinander, nicht bloss die vorwiegend weiblichen meiner eigenen Spezies… Da gibt’s schon Unterschiede… Dennoch ist’s schön, wenn die Geschlechter untereinander zumindest zuhause im stillen Kämmerlein ins Gespräch kommen und ihre Beziehungen so untereinander vertiefen können.

  12. stephito schreibt:

    schön, wenn es gelingt, denn an Sprachlosigkeit mangelt es mitunter beiden Geschlechtern nicht, leider, die Sprache ist unsere eigene Chance, dafür bin ich auch Karin Koller dankbar.

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