Kleinod

Als Kind bekam ich einmal zu Weihnachten ein goldenes Armband mit einem violetten, durchsichtigen Herz geschenkt. Zuerst war ich beinahe ein bisschen enttäuscht, weil der Anhänger sehr unspektakulär wirkte, aber dann erklärte mir meine Mutter, was ein Bettlerarmband ist. Zu jedem Anlass schenkte sie mir einen neuen Anhänger: Ein Pferd, Spielkarten, ein goldener Käfig mit einem Vogel, ein Igel, ein Schwein, ein Bär, ein Briefchen und mein Lieblingsanhänger – eine goldene Leiter, auf der man einen Wetterfrosch hin- und herschieben konnte. Das Armband füllte sich immer mehr und ich freute mich schon lange vor dem Anlass auf den Anhänger und rätselte, was es denn diesmal sein würde.

Als ich zu studieren begann, fühlte ich mich zu erwachsen, das Armband zu tragen und bewahrte es in der Schmuckschatulle in meiner Studentenwohnung auf. Eines Tages wurde dort eingebrochen und obwohl ich immer dachte, ich würde ohnehin beinahe nichts besitzen, wurde ziemlich viel gestohlen. Auch das Armband. Das war eines jener unersetzbaren Besitztümer, deren wahren Wert man erst erkennt, wenn sie verlorengegangen sind. Gerne hätte ich das Armband heute meinen Töchtern geliehen. Immer wenn ich kleine Anhänger sehe, denke ich mit einem winzigen bisschen Wehmut an dieses Armband zurück.

     

In dieser Schmuckkolumne stelle ich vier Kombinationen von kleinen zarten Anhängern für die Ohren mit einem Goldtunnel vor. Am Ohrrand trage ich goldene Kugeln, im Conch einen auffälligen Stecker.

Der erste Ohrschmuck ist ein hängender Stab, an den sich eine Schnecke mit einem Zirkoniastein an der Spitze schmiegt. Die Schnecke ist aus aufgerauten Gold, damit hebt sie sich von dem Stab ab.

Das zweite Ohrgehänge ist kleiner. Ganz knapp unter dem Ohrläppchen baumelt ein beinahe herzförmiger goldener Anhänger mit einer Öffnung in der Mitte und einem Zirkoniastein am unteren Rand.

Für die dritte Kombination habe ich einen tropfenförmigen Goldanhänger verwendet mit einer Spalte in der Mitte, in der ein Zirkoniastein steckt.

Der letzte Schmuck ist der zarteste, ein goldener Halbkreis mit gezackter Seite und einem Zirkoniastein.

Wahrscheinlich werde ich die zarten Anhänger meiner Tochter geben, wenn sie sich Ohrlöcher machen lässt. Aber bis dahin sind sie schöner Alltagsschmuck für mich und zusammen mit dem Goldtunnel gar nicht mädchenhaft.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Schmuckkolumne abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Kleinod

  1. Herbert P. Rosner schreibt:

    Mir gefällt ausnehmen gut, wie Sie sich schmücken. Insbesondere Ihre Ohren sind geradezu kleine Kunstwerke. Leider sieht man diesen Schmuckstil unerklärlicherweise nur sehr selten.

    Mich würde interessieren, ob Sie sich erklären können, weshalb nur wenige Damen Ihrem Beispiel folgen?

    • Karin Koller schreibt:

      Danke. Man sieht sehr oft Frauen mit mehreren Ohrringen in den Ohrläppchen, auch in den unterschiedlichsten Stilen, von Punk bis Perlen. Das ganze Ohr durchzupiercen ist relativ aufwändig und viele finden wohl auch, dass das zuviel des Guten sein könnte.

      • Herbert P. Rosner schreibt:

        Ist das denn so sehr schmerzhaft? Oder weshalb ist es zu aufwändig? (Entschuldigen Sie bitte meine wahrscheinlich dummen Fragen, aber ich habe keine Erfahrungen in diesem Bereich)

      • Karin Koller schreibt:

        Man muss immer wieder zum Piercer. Es ist nicht sehr schmerzhaft. Für mich war es kein großer Aufwand, weil ich es gerne wollte. Ich kann mir aber vorstellen, dass es anderen zu aufwändig vorkommt (manche Frauen wollen gar keine Ohrringe). Ich sehe aber auch immer wieder Frauen mit durchgepiercten Ohren.

    • bettinahartm schreibt:

      Wir sind zu feige, Herbert

  2. Herbert P. Rosner schreibt:

    Und weshalb haben Sie das Ohr am oberen Ohrbogen nicht vollendet, wenn ich fragen darf?

  3. Hannah schreibt:

    Einfach schön. Ich werde das jetzt auch in Angriff nehmen und auf mein Alter pfeifen

    • Stefan schreibt:

      das Alter spielt doch keine rolle! wenn man erst im alter gefallen daran findet,dann sollte man es doch erst recht machen!

  4. Peter schreibt:

    @Hannah: wieso auf das Alter pfeifen? Gibt es für sowas eine Altersobergrenze? oder wie alt bist du dass du dich schon für sowas als zu alt einstufst?
    Ich finde, wenn dir das gefällt dann solltest du es einfach tun. Egal in welchem Alter.

  5. Genevieve schreibt:

    tut das ohrendehnen sehr weh?

  6. Genevieve schreibt:

    gibt es etwas womit man die schmerzen vergleichen kann?

    • Karin Koller schreibt:

      Wenn man nur 2mm dehnt, ist es ein starker, stumpfer Schmerz, der aber nur einen Augenblick andauert, vielleicht wie ein Kopfschmerz, der sofort wieder abklingt. Danach spürst du für einige Stunden ein dumpfes Ziehen am Ohr (das kann auch einen Tag andauern).
      Wie es ist, wenn man beim Piercer gleich auf 8 oder 10mm dehnt, weiß ich nicht. Wahrscheinlich um einiges schmerzhafter.

  7. Genevieve schreibt:

    danke, vielleicht versuche ich

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s