Skarabäus

Vor zwanzig Jahren unternahm ich mit meinen damaligen Freund eine vierwöchige Reise nach Afrika. Wir hatten einen Flug nach Nairobi gebucht und eine Nacht in einem Hotel. Sonst nichts. Individualreisende wollten wir sein, nicht Herdentouristen, die an der Poolbar Cocktails schlürften und mit klimatisierten Kleinbussen auf Safari gingen.

Der Nachteil an der Spontaneität, auf die wir so stolz waren damals, war, dass wir immer wieder für einige Tage in Nairobi gestrandet waren, bevor wir uns die nächste Aktivität organisieren konnten. Trotzdem machten wir Zeltsafaris am Nakurusee und im Masai Mara Nationalpark, bestiegen den Mount Kenya, badeten im indischen Ozean und machten einen Abstecher nach Tanzania.

Bei der Zeltsafari mussten wir etwa 100 Meter vom Zelt zur Klohütte gehen. Der Leiter unserer Gruppe erzählte uns, wie wir Löwen verscheuchen müssten, die uns möglicherweise in der Nacht am Weg zum Klo begegnen würden.

Auf dem Berg merkte ich, wie dünn die Luft auf 4000 m Höhe ist, wie viel dünner auf 4.800, wie schön das Gefühl war, an diesem Tag die einzige Frau gewesen zu sein, die es auf den Gipfel geschafft hat, und wie ich beim Rückweg ins Tal die sauerstoffreichere Luft spürte, als würde ich eintauchen in ein angenehmes luxuriöses Bad.

Zum indischen Ozean fuhren wir mit der berühmten Uganda-Eisenbahn und dann weiter zur Insel Lamu mit einem klapprigen Linienbus, in den auf halben Weg Soldaten einstiegen, angeblich um die Reisenden vor somalischen Banditen zu schützen. Auf Lamu gab es damals nur zwei Autos – den Müllwagen und den Wagen des Bürgermeisters – dafür aber hunderte Esel, die frei durch die Stadt liefen und Papier fraßen. Mit einem Segelboot fuhren wir aufs Meer – ich seekrank am Boden des Bootes liegend, bis wir die geeignete Stelle am Korallenriff erreichten – und schnorchelten. Obwohl mir durch den Schnorchel immer wieder Wasser in den Mund lief, sah ich doch einige bunte Fische. Zum Mittagessen fingen wir an diesem Tag selbst Fische (ich einen kleinen).

Es war ein schöner Urlaub, aber trotzdem wurde mir immer wieder bewusst, dass ich in einem Land, in dem sozial, ökonomisch und politisch derart viel im Argen liegt, eigentlich keine Vergnügungsreise machen sollte.

   

An einem der Tage, die wir in Nairobi verbrachten, gingen wir ins Nationalmuseum. Es lag in einem Park etwas außerhalb vom Zentrum, wir mussten ziemlich lange gehen, um dorthin zukommen. An die Ausstellung erinnere ich mich nicht mehr genau. Aber im Museum-Shop gab es tolle Bücher und Schmuck, der alten Schmuckstücken nachempfunden war. Ich kaufte mir das ägyptische Ohrgehänge, das ich in dieser Schmuckkolumne vorstelle.

Eine Kugel aus Rosenquarz, zwei dünne Stäbe aus Türkis und ein Türkis-Skarabäus sind mit goldfarbenen Draht über Ösen verbunden, dass sie aussehen wie die Säule eines Tempels, oder so zumindest stelle ich mir das vor. Der Schmuck ist einfach, aber dennoch effektvoll. Um ihn gut zur Geltung zu bringen, trage ich ihn ohne andere Ohrringe im Ohrläppchen und Ohrrand.

Natürlich weiß ich, dass ein ägyptischer Schmuck in Nairobi genauso authentisch und passend ist, wie Sami-Decken in Rom, aber trotzdem erinnern mich die Ohrgehänge an einen schönen und abenteuerlichen Urlaub in Afrika.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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10 Antworten zu Skarabäus

  1. katharinasalinzoni schreibt:

    Schön, auch mal so, die vielen Löcher geben dir einfach wahnsinnig viele Variationsmöglichkeiten, die du toll nutzst

  2. Anja schreibt:

    der schmuck sieht sehr schön aus, ich mache es auch so, dass ich mir auf jeder reise, die ich mache, ein schmuckstück kaufe, um später ein andenken daran zu haben, dabei kommt es, finde ich, gar nicht auf authentizität oder typischkeit für das jeweilige land an, sondern einfach darauf, dass man ein hübsches memento hat;

    ich habe für diesen erinnerungsschmuck auch eine eigene schatulle, und finde es immer wieder schön, mich durch sie durchzuwühlen, mich dabei an die reisen zu erinnern, mir dann was auszuwählen und anzulegen, und die erinnerung praktisch an mir zu spüren (wenn das nicht blöde klingt);

    wieviele Ohrlöcher hast du denn, wenn ich das fragen darf?

    • Karin Koller schreibt:

      Eine schöne Idee.
      Mit Conch und Tragus habe ich 28 Ohrlöcher.

      • Anja schreibt:

        ich habe erst acht, aber vielleicht kann ich ja noch aufholen…..

      • Daniela Brezcko schreibt:

        Weshalb gerade 8? Und wo?

      • Anja schreibt:

        ich war lange zeit überhaupt nur eine zweiohrringträgerin und bin erst in den letzten monaten auf den geschmack gekommen, work in progress, also, ich habe links unten zwei löcher, rechts unten vier, und je eines oben am ohr

      • ClaudiaR schreibt:

        Ich finde, das ist eine sehr schöne Idee, mit den Schmuckandenken. Das werde ich auch machen, zukünftig

  3. fearisamansbestfriend schreibt:

    Mir gefallen deine Ohren auch so, mit nur einem Ohrring, sehr gut, wenn man die anderen Löcher sehen und gerade erahnen kann, was für Potential besteht, was noch alles möglich ist

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