De Revolutionibus

Tausende Jahre lang beobachteten Menschen den Himmel und machten sich Gedanken über Sonne, Mond, Sterne und Planeten, die über das Firmament hinwegzuziehen schienen. Die komplexesten mathematischen Konstrukte reichten nicht aus, um die Bahnen der Himmelskörper zu berechnen, weil man selbstverständlich davon ausging, die Erde wäre das unbewegliche Zentrum des Universums. Nur wenige Wissenschaftler (z. B. Aristarch im 3. Jhdt. v. Chr.) kamen vor Kopernikus auf die Idee, die Sonne ins Zentrum ihrer Berechnungen zu stellen. Erst mit diesem neuen Ausgangspunkt wurden die Berechnungen nicht nur viel einfacher, sondern waren auch auf alle Planeten anwendbar. Zu Kopernikus‘ Zeiten verbot die Katholische Kirche jedoch die Annahme, die Sonne und nicht die Erde sei Zentrum der Schöpfung, weil das der Bibel widersprach. Zur geistlichen Obrigkeit wollte man keinesfalls in Opposition gehen, denn die Konsequenzen konnten verheerend sein.

Nicht nur in der Wissenschaft passiert immer wieder ähnliches. Auch in meinem normalen Leben erscheint es mir oft völlig natürlich, dass ich auf dem richtigen Standpunkt stehe. Ich mache mir dann das Leben unnötig kompliziert, weil ich alles um mich herum als falsch betrachte, anstatt alles durch einen Standpunktwechsel in die richtige Perspektive zu setzen.

   

Zu oft meine ich, mich starren Konventionen beugen zu müssen, bei meiner Kleidung oder meinem Schmuck. Dann trage ich Dinge, von denen ich glaube, andere würden sie gutheißen, anstatt mir anzuziehen oder anzulegen, worauf ich gerade Lust habe. Der Witz ist aber, im Gegensatz zu den von der Kirche verfolgten Denkern, passiert mir nichts, wenn ich mache, was ich will. Die Zwänge sind beinahe immer selbstauferlegt und mögliche Konsequenzen nur eingebildet.

Auch besinne ich mich zu selten auf das Einfache und das hole ich heute nach.

In dieser Schmuckkolumne trage ich nur relativ kleine goldene Creolen, den gesamten Ohrrand entlang. Das ist eine schlichte und zarte, aber dennoch elegante Kombination. Die Ringe umkreisen den Ohrrand, hier aber ohne gemeinsames Zentrum. Oder ist das auch nur scheinbar der Fall? Eigentlich kreisen sie ja um mich und wenn ich sie spüre, fällt mir das wieder ein. Weil ich sie für mich trage und um zu gefallen, aber nicht um anderen zu genügen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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6 Antworten zu De Revolutionibus

  1. indreamsiwalkwithyou schreibt:

    Schön, hat es eigentlich einen Grund, dass du oben am Ohr schon so früh aufgehört hast mit Ohrringen?

  2. Rupert schreibt:

    Hübsch

  3. joansanders schreibt:

    So sweet! No tunnels? Any new plans?

  4. 577101 schreibt:

    liebe deine Augen! Wenn sie auf den Umfang der neuen Löcher erscheinen wird es unglaublich schön! ))))))))

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