Annas Geburtsschmuck

Altmodisch zu sein finde ich manchmal sehr schön. Mein Mann hat eine alte Tradition fortgeführt und mir anlässlich der Geburt jedes unserer Kinder ein schönes Schmuckstück geschenkt.

Als ich mit Anna schwanger war, erschien alles aufregend und neu. Vor der Geburt fürchtete ich mich nicht besonders, andere hatten das vor mir geschafft.

Nach der Geburt war ich vollkommen überwältigt, solche Schmerzen über einen so langen Zeitraum hatte ich mir nicht vorgestellt. Noch mehr überwältigte mich mein kleines Mädchen, das so schön und perfekt aussah. Stundenlang hätte ich sie beobachten können, wie sie sich vertrauensvoll an mich schmiegte, wie sie gierig an meiner Brust saugte. Wie sie gleich einige Stunden nach ihrer Geburt im Traum zusammenzuckte und ich mir vorzustellen versuchte, wovon sie träumen könnte.

Im Vergleich zu diesen Eindrücken erschien der Schmuck nebensächlich.

Aber später, als ich mich daran gewöhnt hatte, ein Kind zu haben, gewann der Schmuck an Bedeutung. Jedes Mal, wenn ich ihn trage, denke ich an Annas Geburt und an die Zeit, als sie klein war. Das werde ich noch tun, wenn sie schon längst ausgezogen ist und ihr eigenes Leben begonnen haben wird.

Deshalb gefällt mir die Tradition des Schmuckschenkens zur Geburt, weil es eben nicht nur Schmuck ist, sondern für immer eine Bedeutung haben wird.

    

In dieser Schmuckkolumne stelle ich Annas Geburtsschmuck vor. Goldene Ohrringe mit einem eingefassten Smaragd und einem eingefassten Saphir und drei kleinen Diamanten.

Die dazugehörende Kette mit massiv goldenen Kettengliedern hat ein Mittelstück aus Gold mit Smaragd, Saphir und Diamanten. Die Steine sind ähnlich, aber nicht ganz gleich angeordnet wie bei den Ohrringen.

Direkt nach Annas Geburt wusste ich trotz aller Anstrengung, dass ich drei Kinder wollte. In dem Schmuck mit den beiden größeren und den drei kleineren Steinen scheint sich dieser Wunsch zu reflektieren.

Die Schmuckstücke sind auch eine Reminiszenz an meinen Verlobungsring – ein goldenes Band mit eingearbeiteten Smaragd und drei Diamanten – nur eben mit einem Stein mehr.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Schmuckkolumne abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Annas Geburtsschmuck

  1. PF1972 schreibt:

    Schön. Mich würde interessieren, ob es eine Erklärung dafür gibt, dass sich Menschen seit Jahrtausenden die Ohren durchstechen und Ohrschmuck anlegen, Ohrringe sind ja unter den ältesten archäologischen Fundstücken.

    Und, weshalb irgendwann im Laufe der Zeit dann fast nur noch Frauen Ohrschmuck getragen haben.

    • Karin Koller schreibt:

      Das weiß ich leider nicht.

    • bettinahartm schreibt:

      Das sind sehr interessante Fragen, PF1972. Vielleicht gibt es hier jemanden, der sie beantworten kann?

      Mir ist schon öfters aufgefallen, dass berühmte Männer auf Porträts, die in Museen hängen, Ohrringe getragen haben, zumindest bis ins 18. Jahrhundert. König Charles I. von England etwa, oder Shakespeare, diverse römische Kaiser etc.

      • johannamiller47 schreibt:

        Ohne dazu über vertiefte Kenntnisse zu verfügen, schätze ich, dass das damit zusammenhängt, dass sich im 19. Jhdt die „bürgerlichen“ Moralvorstellungen (Biedermeier, Viktorianismus) durchgesetzt haben, einschließlich der bürgerlichen Spießigkeit, der bürgerlichen Angst, aufzufallen, der bürgerlichen Angst, was die anderen über einen denken könnten, den bürgerlichen Vorstellungen von „Männlichkeit“, und auch die Boheme und die Aristokratie, die sich zuvor nichts darum geschissen haben und getan haben und tun konnten, was immer ihnen gefällt, plötzlich diesem einheitlichen Moralkodex unterworfen waren.

      • bettinahartm schreibt:

        Da könntest du recht haben. Die Glorifizierung der Biederlichkeit wird sicher dazu beigetragen haben, dass alles, was glamourös erscheinen könnte, verdrängt wurde. Wobei aber damit nicht erklärbar wäre, wieso nur Männer betroffen waren

      • Karin Koller schreibt:

        Andererseits hatte der Mann von Königin Victoria ein Prince Albert Piercing, aber möglicherweise aus anderen Motiven als moderne Männer.

  2. Genevieve schreibt:

    ein schöner brauch, den du beschreibst

  3. lisimoosmann schreibt:

    War das für dich schon immer klar, dass du nicht nur spießig ein Ohrsteckerchen in jedem Ohr tragen willst?

  4. lisimoosmann schreibt:

    Punkauflehnung?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s