Teilberingt

Nicht immer muss man alles zur Verfügung Stehende ausnützen. Manchmal macht es Spaß, auszuwählen, wegzulassen, Bewährtes so zu verändern, dass sich etwas Neues ergibt. Nicht immer funktioniert es. Meistens wird es nicht von Dauer sein. Aber als Abwechslung, als Mittel dafür, die Phantasie arbeiten und die Imagination spielen zu lassen, kann es schon Spaß machen.

Ich denke da an erotische Abenteuer, die durch das Weglassen oder hinauszögern der schnellen Befriedigung eine Sehnsucht erzeugen – für das nächste Mal. Oder an Auslassungen in einer Erzählung, die es dem Leser selbst überlassen, die Geschichte zu Ende zu spinnen.

Oder an Tatsachenberichte, die manchmal ebenso eloquent von den Hintergründen erzählen, die sie verschweigen, wie von jenen, die sie erwähnen. Oder an Gemälde, die den Betrachter ins Zentrum ziehen und man sich unwillkürlich vorstellt, wie es um einen herum aussieht. Oder an eine Pralinenschachtel, bei der schon einige Pralinen gegessen wurden und man niemals wissen wird, ob es nicht doch die besten waren.

Manchmal ärgert das Weggelassene, manchmal findet man es schön und in der Schlichtheit liegt oft ein Reiz, den die Üppigkeit nicht bieten kann.

    

In dieser Schmuckkolumne trage ich in jedem Ohr nur vier dicke Silbercreolen. Drei im Ohrläppchen und eine am oberen Ohrrand. Im Conch trage ich eine Silberperle.

Die Creolen werden immer kleiner, je höher sie positioniert sind. Den Ohrrand umschließt die kleinste Creole sehr eng.

Diese Kombination ist eine Alternative zur großen, festlichen Bestückung, die ich bei Aural Sculpture (https://karinkoller.wordpress.com/2011/06/15/aural-sculpture/ ) vorgestellt habe, die zwar aufregend, aber nicht unbedingt sehr angenehm zu tragen und festlichen Anlässen vorbehalten ist.

Die alltagstaugliche Variante ist eine Reminiszenz an die festliche. Während ich bügle, einkaufen gehe oder beim Elternabend sitze, erinnere ich mich an das letzte Mal, als ich die große Kombination trug und dabei vertreibe ich die sich immer wieder einschleichende Öde des Alltags mit einem kleinen Traum.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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13 Antworten zu Teilberingt

  1. Sehr hübsch für den Alltag. Und, wie du sagst, es erhört die Variationsmöglichkeitenb noch um ein Vielfaches, wenn man nicht immer alle Löcher bestückt und somit auch Schmuckstücke nutzen kann, für die man nicht eine Vollkombination hat. Ich mache das seit kurzer Zeit auch gerne.

  2. Passend wären dazu noch zwei, drei weitere Ringe ganz oben am Ohr, am Ohrbogen. Ich hab´mir den vorgestern piercen lassen und bin sehr begeistert von den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben

  3. Manu schreibt:

    Wo bekommt man so tolle, breite Creolen her?

  4. Beatrice schreibt:

    Sieht wie immer toll aus. Der Schmuck ist der Hammer. Teilberingt könnte ich bei mir nicht machen. Meine Löcher wachsen in kürzester Zeit zu, wenn ich keine Ohrringe drin habe. Ich musste mir die Löcher schon öfter nachstechen.
    Liebe Grüße, Bea.

  5. SandraS schreibt:

    Hast du schon einmal sowas ausprobiert wie Rihanna hier? (recht große Ohrringe in der Ohrmitte)

    http://www.newstatesman.com/lifestyle/2013/02/can-watching-couple-rihanna-videos-really-turn-girl-knicker-dropping-strumpet

    Das wäre vielleicht interessant für eine zukünftige Kolumne.

  6. SandraS schreibt:

    Bin gespannt

  7. Pingback: Teilberingt reloaded | Karin Koller

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