Mailbox: Bücher, Sport, Kunst, Information

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Vielen Dank für die vielen Mails.

Einige Themengebiete – Reiz von Piercings, Ohrdehnen, Piercings bei Männern, Tattoos, Kinder/Babies/Beruf, Feminismus/Politik und Sex – scheinen für viele Blogleser interessant zu sein. Deshalb möchte ich an den nächsten Donnerstagen jeweils eines dieser Themen diskutieren. Ich werde die Fragen beantworten und von meinen Erfahrungen berichten.

Weil verschiedene Meinungen und Berichte interessanter sind als nur jene einer Person, wäre es schön, wenn ihr dann auch eure Erfahrungen, Wünsche, Fragen im Kommentarteil präsentieren könntet. Vielleicht können wir so eine kleine Plattform errichten, für alle an diesen Themen Interessierten (mir sagen immer wieder Leute, es gäbe wenige Foren, bei denen man diese Dinge ernsthaft und seriös besprechen kann).

Ich werde mit dem Thema Piercings beginnen.

Natürlich läuft die Mailbox weiter und ihr könnt weiter Fragen zu allen Themen stellen: karinkoller@rocketmail.com
Fragen, die diese Woche gestellt wurden waren:

Claudia fragt: Welches sind deine drei Lieblingsbücher?

Schwer zu sagen, ich halte es da mit Nick Hornby, der in High Fidelity über die Unmöglichkeit, eine definitive Liste zu erstellen, geschrieben hat. Im Lauf der Jahrzehnte sehr gut gefallen haben mir: Anna Karenina (Leo Tolstoy), The Sportswriter (Richard Ford), Zeno Cosini (Italo Svevo), The Human Stain (Philip Roth), Radetzkymarsch (Joseph Roth), The Wild Palms (William Faulkner), Middlemarch (George Elliot), Verlorene Illusionen (Balzac), Ist das ein Mensch (Primo Levi), Eine Liebe von Swann (Marcel Proust). Die Liste ist keineswegs vollständig. Morgen würde sie anders aussehen.

Yvonne fragt: Welche Bücher haben dich beeinflusst?

Es gibt wahrscheinlich für jedes Jahr meines Lebens ein Buch, das mich geprägt hat. Das sind die Bücher, die mir auf die Schnelle einfallen:

Catcher in the Rye (J. D. Salinger): Mit 15, weil ich mich in der Rebellion, die aber mit einer sehr starken Unsicherheit verbunden war, wiederfinden konnte.

Zuckerman-Trilogie (Philip Roth) und The New York Trilogy (Paul Auster): Mit 18, weil bei beiden Autoren die Sprache unglaublich schön ist (ich hatte das Gefühl, jedes Wort stimmt).

Der Ekel (Sartre): Mit 17 weil die Beschreibung der Baumrinde und der Straßenbahnlehne mich beeindruckt haben.

Portnoys Complaint (Philip Roth): Mit 19, weil das Finden der eigenen Sexualität schwierig ist.

Anna Karenina (Tolstoy): Mit 37, weil ich mich mit der Schilderung der Depression und Selbsttäuschung Annas identifizieren konnte.

Eine Liebe von Swann (Proust): Mit 38, weil es mir die Bedeutung von Erinnerung erklärt hat.

2666 (Roberto Bolano): Mit 39, weil es mir zeigte, dass sich verschiedene Stücke, die scheinbar völlig unabhängig voneinander existieren, sich auf wunderbare Art und Weise zu einem Ganzen zusammensetzen.

Der Mann ohne Eigenschaften (Musil): Mit 40, weil es immer noch auf unheimliche Weise aktuell ist und aufzeigt, was in Österreich immer schiefgelaufen ist und weiter schieflaufen wird.

Tauben fliegen auf (Melinda Nadj Abonji), Engel des Vergessens (Maja Haderlap): Mit 39, 40: Weil die Geschichten der „normalen“ Leute die schönsten sind.

The Voyage of the Beagle (Darwin): Weil das Buch zeigt, wie ein großer Wissenschaftler denkt, und dass große Wissenschaft nur entstehen kann, wenn man aus verschiedenen Gebieten Lehren für das eigene Fachgebiet zeiht.

Robert fragt: Welche Bücher empfiehlst du für an Naturwissenschaft Interessierte?

Ich muss gestehen, da kenne ich mich nicht sehr gut aus. Eine schöne Vielfalt an wissenschaftlichen (aber auch kulturellen) Themen mit Buchempfehlungen, kleinen Filmen und anderen Gedankenimpulsen ist auf dieser Site zu finden: http://www.brainpickings.org/

Bücher, die ich gelesen habe und die mir sehr gut gefallen haben:

The Voyage of the Beagle (Darwin): Nicht direkt über die Wissenschaft, sondern über die Reise. Man erfährt, wie Darwin zu seinen Thesen gekommen ist, ohne sehr tief in die Biologie zu dringen. Ein Roman zum gleichen Thema (der Reise und dem Leben Darwins) aus der Sicht des Kapitäns der Beagle: This Thing of Darkness von Harry Thompson.

Auf der Suche nach dem Gedächtnis (Eric Kandel): Eine Mischung aus Autobiographie, Erklärung, was einen guten Wissenschaftler ausmacht und Information über die Mechanismen der Neurobiochemie.

The Age of Insight (Eric Kandel): Über die biochemischen Mechanismen der Emotionen beim Betrachten von Kunst und wie historische und neue Wissenschaft ein Kontinuum bilden.

Alex und Katharina fragen: Empfehlungen für Weihnachtsgeschenke?

Bücher: A History of the World in 100 Objects (Neil MacGregor): Der Direktor des Britischen Museums wählt 100 Objekte aus seinem Museum aus und erzählt eine Kulturgeschichte (war auch BBC-Serie). Der Titel ist etwas irreführend und manchmal interpretiert der Autor für meinen Geschmack etwas zu viel in seine Objekte. Das Buch ist aber ein Sammelsurium von Denkanstößen und interessanten Kleinigkeiten aus aller Welt wie: Die erste bekannte Sexdarstellung, wie das Schachspiel früher gespielt wurde, dass Buddha und Alexander der Große Ohrringe getragen haben, wie bahnbrechend die Erfindung von Brot war, was Münzen in einer ansonsten bilderlosen Zeit bedeuteten, usw.

The Slap (Christos Tsiolkas): Ein Mann gibt einem kleinen Buben bei einer Grillparty eine Ohrfeige. Wie reagieren die Eltern, die Gäste, seine Familie? Ein Buch über Beziehungen, Sex, unterschiedliche Wahrnehmungen, soziale Interaktionen, verschiedene Lebensmodelle, Träume, Hoffnungen und Desillusionierungen (und eigentlich nicht über Erziehung).

Landgericht (Ursula Krechel). Ich habe es leider noch nicht gelesen, aber mein Mann war begeistert.

Changing my Mind (Zadie Smith): Essays über Schreiben, Lesen, Kino, Erinnern.

Adultery and other Diversions (Tim Parks): Essays über Fremdgehen, Übersetzen, Wandern, etc.

Alle oben genannten Bücher (und natürlich auch das unten genannte).

Kinderbücher: Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser (Ernst Gombrich): 1935 geschrieben, kurz vor seinem Tod (2001) redigiert. Ich habe es meiner 10-Jährigen vorgelesen und fand es sehr interessant (sie auch).

Große Entdecker. Wagemutige Reisen von der Tiefsee bis ins All (Bietsy/Ross): Schönes Buch über Entdeckungsreisen von den alten Griechen bis zur Apollo 13 mit Aufklappkarten, Darstellungen der Fahrzeuge usw. Etwa ab 10.

Wie Lukas Charles Darwin aus der Klemme half (Michael Zeidler): Erklärt die Geschichte der Genetik mit einem Buben, der in seinen Träumen bei den verschiedenen Wissenschaftlern arbeitet und mit ihnen spricht. Wenn man sich am Fantasy-Teil nicht stört, auch interessant für Erwachsene, die sich für Genetik interessieren. Ab etwa 12.

Serien: The Good Wife, Entourage, Treme, The Wire, Californication, West Wing, Kommissarin Lund, Parenthood, Modern Family, Yes Minister, Friday Night Lights.

Wein: Donna Fugata: Mille e una Notte (der romantischste aller Weine, wegen des Leoparden und des Namens)

Schmuck: von http://rivetingjewelry.com/ oder http://www.thechaingang.com/ .Eine Möglichkeit ist auch, dem Partner ein Piercing zu schenken, oder ein gemeinsames Piercing machen zu lassen.

Martina fragt: Wie kann man das Laufen substituieren, wenn man nicht in der Kälte und im Dunkeln laufen will?

Durch meine Beinverletzung muss ich das jetzt auch. Ich mache Gymnastikübungen (Rücken, Beine, Bauch, Po) und habe mir ein Gerät gekauft, bei dem man die Armmuskulatur mit Gewichten trainiert. Das ist aber nicht das Gleiche, wie an der frischen Luft zu laufen (ich bin noch nicht glücklich damit). Hometrainer wäre auch eine Möglichkeit. Vor Jahren hatte ich einen und fand schön, beim Fernsehen Sport zu treiben.

Hartmuth fragt: Warum malst du nicht mehr?

Ich bin in letzter Zeit nicht sehr viel dazu gekommen, weil ich mehr geschrieben habe und Sport getrieben habe. Jetzt male ich wieder mehr.

Robert und Marlene fragen: Welche Künstler haben dich inspiriert? Welche sind deine Lieblingskünstler? Welche Künstler sollte jeder kennen?

Ich male nur so zum Spaß, es erschiene mir anmaßend, von Einfluss zu sprechen (als wollte ich mich in die Nähe von Künstlern begeben). Mir gefallen die Landschaftsbilder von Sigrid Nienstedt sehr gut (http://www.sigridnienstedt.de/ ). Ich würde gerne die Ruhe, die sie ausstrahlen, nachahmen können.

Mir gefallen viele Werke von Mark Rothko und Gerhard Richter. In Museen schaue ich mir fast lieber ältere Kunstwerke an. Landschaften von holländischen Künstlern wegen des Lichts. Viele alte Werke weil mich die Kulturgeschichte interessiert (was tragen die Leute, wie sahen die Städte aus, wie war die Einrichtung, wie viel Sex und Crime ist auf sakralen Werken zu sehen, wie wurden andere Kulturen dargestellt, etc.).

Jemand hat einmal gesagt, Kunst kann man erkennen, wenn man sich 1000 Kunstwerke angeschaut hat. Ich habe mir gerade The Story of Art von Ernst Gombrich (http://www.amazon.de/The-Story-Art-Pocket-Edition/dp/0714847038/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1354717500&sr=8-6 ) gekauft. Das soll ein sehr gutes Standardwerk sein, ich bin auch schon gespannt.

Hans fragt: Wie informierst du dich?

Nicht viel, weil ich nicht viel Zeit habe und mir bei Österreichthemen schnell die Lust vergeht. Ich höre bei der Hausarbeit Ö1 (und dort brülle ich 5x am Tag das Radio an) und schaue immer wieder in den Standard. Mehr halte ich zum Thema Österreichische Innenpolitik nicht aus. Mir wird regelmäßig schlecht, wenn ich mir Informationssendungen im Fernsehen ansehe (z. B. wenn zur Wehrplicht/Berufsheer-Debatte Mausi Lugner und Frenkie Schinkels interviewt werden). Talkshows kann ich wegen der Einladungspolitik nicht anschauen. Erschreckend erscheint mir, dass man locker, ohne sich zu informieren, mindestens ebenso stringente Analysen erstellen könnte, wie die meisten Fernsehexperten (von Filzmaier bis Niki Lauda), weil allen egal zu sein scheint, ob ihre Analysen irgendeinen Realitätsbezug haben.

Sonst schaue ich, wenn ich dazukomme, die Daily Show an, oder lese im Guardian.

Ich folge einigen Leuten auf Twitter, die interessante Dinge über Kultur und Themen abseits des Mainstreams verlinken (was mich interessiert, tweete ich weiter, falls mir jemand folgen möchte). Ich würde meine Twitter-Quellen gerne ausbauen, wenn jemand Tipps hat, wäre ich dankbar.

Zur Erinnerung: Meine E-Mail-Adresse für weitere Mailbox-Fragen: karinkoller@rocketmail.com

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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13 Antworten zu Mailbox: Bücher, Sport, Kunst, Information

  1. Robert schreibt:

    Interessant, die Malerin, die du verlinkt hast, vor allem, wie sie durch unnatürliche Farben erstaunliche Effekte erzielt

  2. bettinahartm schreibt:

    Ich fand die beiden Bücher, die ich von Paul Auster gelesen habe, bei aller Kunstfertigkeit des Autors sehr unbefriedigend, leichtgewichtig.

    • Karin Koller schreibt:

      Da gebe ich dir recht. Paul Auster ist für mich sprachlich einer der Besten, ihm ist aber noch nie ein großer Roman gelungen. Mich hat aber die Sprache fasziniert, deshalb habe ich ihn in die Liste aufgenommen.

  3. Heidi Jäger schreibt:

    Ich finde Balzacs Werke gerade in der jetzigen Situation irrsinnig erhellend, der Kapitalismus hat sich in den letzten 150 Jahren in vielen Bereichen kaum verändert. Und wenn man noch berücksichtigt, in welcher Geschwindigkeit er die Bücher geschrieben hat

  4. lisimoosmann schreibt:

    Ist Proust nicht sehr, äh, unaufregend?

    • Karin Koller schreibt:

      Ja. Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber die Passage mit den Madeleines gehört zum Schönsten, das je geschrieben wurde. Ich habe mich durch Proust gequält und mir nachhinein immer wieder Proust zurückgewünscht, wenn ich andere Schriftsteller mit ihm verglich. Es ist schwer zu erklären.

      • lisimoosmann schreibt:

        Das ist mir bei Musil (mit den schönen Passagen) ähnlich ergangen, wobei ich mich dann schon auch fragte, ob Aufwand und Ertrag in sinnvoller Relation stehen.

  5. silbersternchen schreibt:

    Wenn man all diese hervorragenden nordischen TV-Serien sieht, von Killing über Brücke und Nordlicht oder Borgen, fragt man sich schon, weshalb die deutschsprachigen Anstalten mit ihren viel höheren Geldmitteln nie in der Lage sind, irgendetwas von Niveau zu produzieren.

  6. Yvonne schreibt:

    Danke für die Antwort. Es wäre einmal interessant, solche „Lebensbücher“ später wiederzulesen, um zu sehen, wie sich die Wahrnehmung und die Einschätzung geändert hat. Ich habe das einmal mit „On the road“ von Keruoac gemacht, das mir mit 17 sehr wichtig war, und habe mit 30 überhaupt nicht mehr verstanden, wie mich das in seiner ganzen Pathosgeladenheit, Naivität, d5rogengeschwängerten Schwülstigkeit so faszinieren konnte.

    • Karin Koller schreibt:

      Ich glaube auch, dass viele Bücher mir heute nicht mehr viel bedeuten würden, wenn ich sie jetzt zum ersten oder auch zweiten Mal lesen würde, vor allem Catcher in the Rye und Der Ekel. Ich möchte dorthin nicht mehr zurück, bin aber dennoch überzeugt, dass sie ganz wichtig für meine Entwicklung waren.

      • Yvonne schreibt:

        Ich habe den Fänger im Roggen erst letztes Jahr zum ersten Mal gelesen, und fand ihn sehr gut. Zu Sartre kann ich nichts sagen.

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