Weihnachtsbastelei

Vor Weihnachten bastle ich mit den Kindern Geschenke für die ganze Familie. Jedes Jahr stelle ich mir das viel romantischer vor, als es tatsächlich ist.

Heuer hat die Kleinste in der Schule eine Glasflasche mit Papier und Kleister beklebt und so eine Vase gebastelt. Ich dachte, das wäre doch eine gute Idee für die Familiengeschenke. Deshalb kaufte ich Kleister, verschiedenfarbiges Seidenpapier, Lack und Pinsel. Im Bastlergeschäft sagte ich noch, was ich vor hatte und bekam einige gute Tipps. Kein Wort davon, dass das vielleicht nicht eine gute Idee sein könnte.

Leere Weinflaschen hatten wir zu Hause, dafür hatten mein Mann und ich selbstlos gesorgt. Als endlich alle Kinder an einem Nachmittag zu Hause waren, ging es los. Ich rührte Tapetenkleister an. Die Kinder rissen Stücke von Seidenpapier ab. Sie begannen zu kleben. Die Älteste mit dem Pinsel, langsam und sorgfältig, wie das ihre Art ist. Der Bub sagte sofort: „Wir haben das schon einmal in der Schule gemacht. Das muss man mit den Händen glattstreichen, sonst wird es nicht schön.“

Die Große schaute angewidert auf den Kleister und arbeitete weiter mit dem Pinsel. Mit Begeisterung begann die Kleine in den Leim zu patschen: „Ja so wird es schön“, sagte sie zufrieden und: „Das färbt aber ab.“

Tatsächlich waren ihre Hände ganz rot.

„Meine sind blau“, rief das der Bub. Zu diesem Zeitpunkt fanden wir das alle noch sehr lustig.

Ich setzte mich an den Tisch und schaute den Kindern beim Basteln zu. Wie konzentriert sie arbeiteten. Wie sie immer wieder ihr Werk prüften und dann entschieden, dass es immer noch gut war. Weihnachtsgeschenke waren etwas ganz anderes als normale Basteleien zur eigenen Ergötzung. Ich spürte förmlich die Feierlichkeit, den Willen, es besonders schön zu machen. Die Kinder waren für eine halbe Stunde ganz in ihre Arbeit vertieft, in sich selbst versunken. Voller Liebe und innerer Ruhe schaute ich ihnen zu und dachte im Stillen bei mir, jetzt sind die Kinder wirklich so groß, dass die Weihnachtsbastelei nicht mehr Stress, sondern Freude ist.

Dann beschloss der Bub, seine Vase sei fertig, und ging ins Bad, um sich die Hände zu waschen.

Die Älteste brauchte noch meine Hilfe, während die Kleine ihre Vase glatt strich, bis Löcher im Papier entstanden. Sie begann ein bisschen zu weinen, worauf ich beschloss, es sei an der Zeit, Schluss zu machen.

Da hörte ich einen gellenden Schrei aus dem Bad: „Das geht nicht weg. Mama, Hilfe!“

Sofort rannte ich ins Bad. Der Bub stand schreiend vor dem Waschbecken. Auf den Fliesen waren blaue Spritzer, auf dem Boden, auf dem Spiegel und auf der Klobrille auch. Die Hände des Buben waren immer noch blau. Er sah aus wie ein Schlumpf. Die Kleine betrat das Bad mit ihren feuerroten Händen und schrie ängstlich: „Geht das jetzt nie wieder weg?“

Ich rannte ins andere Bad und holte Handbürsten. Mit Seife versuchte ich es, mit Spülmittel, mit Zitrone, Nagellackentferner, Creme und Öl. Hintereinander und miteinander (ohne Nagellackentferner). Die Hände blieben blau (das Rot ließ sich leichter entfernen). Der Bub schrie: „Ich gehe morgen sicher nicht in die Schule, wenn ich ausschaue wie ein Trottel.“

Nach zwei Stunden Schrubben waren wir soweit, dass die Handflächen des Buben hellblau waren und die Finger nur noch an den Rändern schlumpfblau. Der Bub hatte sich beruhigt. Dann musste ich noch den Bastelplatz und das Bad putzen.

Zweieinhalb Stunden Arbeit für eine halbe Stunde basteln. Aber das Basteln selbst war kein Stress.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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3 Antworten zu Weihnachtsbastelei

  1. Hofnarr schreibt:

    Lustige Schilderung, Karin.

    Es könnte sein, dass Euch bei dem Blau an den Händen des Buben tatsächlich das selbe Bauernmittelchen genützt hätte wie unseren Kirschenpflückern im Sommer, welche stiellose Brennfrüchte pflücken müssen, die stark saften: Man nehme Kleiderwaschmittel für 90-Grad-Wäsche (es muss Bleichemittel drin haben) und wasche die Hände damit, wie wenn es Seife wäre. Nützt bei farbigen Händen von Kirschenpflückern immer, die ihre Hände später wieder für andere berufliche Zwecke benützen müssen. Müsste auch im Winter klappen…

  2. dorothea schreibt:

    schön beschrieben, so ist das bei der kindererziehung: das Verhältnis zwischen aufwand und ertrag ist of suboptimal, aber am schluss rentiert es sich doch

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