Talking with the Taxi-man about the Rolling Stones

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Vor elf Jahren – ich war gerade mit der Ältesten schwanger und trug den letzten Businessanzug, bei dem die Hose noch halbwegs passte, wenn ich den Knopf offenließ –musste ich eine Geschäftsreise nach Chester machen.

Am Flughafen von Manchester stand ein Mann, der ein Schild mit meinem Namen hochhielt. Er war Taxifahrer und sollte mich nach Chester bringen. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde.

Der Mann sah so aus, als käme er bald ins Pensionsalter, oder hätte dieses schon leicht überschritten. Er begann zu erzählen. Zuerst empfand ich es als unangenehm, wie er einfach so von sich erzählte, obwohl ich meinen eigenen Gedanken nachhängen wollte. In dieser Zeit, in der die Schwangerschaft neu und aufregend war und ich mir viele Gedanken über Karriere und Kind, Feminismus und Hausfrausein machen musste, versuchte ich, mich jede freie Minute auf mich selbst und auf mein ungeborenes Kind zu konzentrieren. Etwas anderes erschien mir gar nicht angebracht, schließlich musste ich mich auf meine Mutterschaft vorbereiten.

Aber dann hörte ich doch zu.

Er war erst seit kurzem Taxifahrer und mochte es überhaupt nicht, Angestellter zu sein. Aber ein eigenes One-Man-Taxiunternehmen aufzuziehen, das war ihm zu viel Mühe. Ihm reichte das bescheidene Einkommen, um über die Runden zu kommen. Früher war das ganz anders gewesen. Er besaß seine eigene Firma, über zwanzig Mitarbeiter, ein Haus mit Pool, die Kinder studierten, er lebte gut. Vor kurzem ging seine Firma in Konkurs, weil ein großer Auftraggeber abgesprungen war. Die Zeiten haben sich geändert, sagte er, und wirkte dabei, als wäre das in jedem Leben so. Nun musste er, nachdem er jahrzehntelang sein eigener Boss war, in einem Angestelltenverhältnis arbeiten. Aber er hatte ja gelebt, darauf kam es an. Sagte er.

Er ging mit Mick Taylor in die Schule. Sie gründeten eine Band und blieben noch in Kontakt, als Taylor in anderen Bands spielte. Einmal verbrachte er einen ganzen Tag mit den Rolling Stones. Er erzählte das so, als wäre das etwas ganz normales gewesen für einen jungen Mann in dieser Zeit, aber man hörte ihm an, wie stolz er darauf war, das erlebt zu haben. Er plauderte weiter, von seiner Frau und wie sie alt wurde, von seinen Kindern und wie froh er darüber war, dass sie ihr eigenes Leben hatten, jetzt wo er nicht hätte für sie sorgen können, über den Start ins Leben, den man seinen Kindern geben muss und darüber wie er manchmal davon geträumt hatte, mit den Stones zu spielen.

Seine Erzählung gab mir zu denken, gerade jetzt wo ich mich an einem Punkt in meinem Leben befand, an dem es galt, die richtigen Entscheidungen zu treffen. War sein Leben in gewisser Weise tragisch, weil er am Ende nicht von seinem Geschäft leben konnte? War es ein gutes Leben, weil er Wohlstand für sich und seine Familie geschaffen hatte?

Das war für mich schwer zu beurteilen. Wahrscheinlich machte den Unterschied aus, ob er zufrieden war damit oder nicht.

Aber eines verstand ich nun: So sehr man sein Leben plant, es kann immer anders kommen. Deshalb beschloss ich, mich weniger auf mich selbst zu konzentrieren und mehr Taxifahrern und anderen zuzuhören. Die Ups und Downs im Leben ergeben sich so oft ohne eigenes Zutun, aber für die glamourösen Episoden muss man selbst sorgen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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3 Antworten zu Talking with the Taxi-man about the Rolling Stones

  1. peronaeus schreibt:

    Das war noch Musik. Ich habe die Stones 1973 mit Mick Taylor in Leicester gesehen, ein sehr unterschätzter Mann, und mit Sicherheit der beste Musiker, der je bei den Stones mitspielte. Ich kann mich an ein Solo von ihm bei It´s only Rock´n Roll erinnern, da läuft es mir heute noch kalt über den Rücken.

  2. Gregor schreibt:

    Und Sticky Fingers (Can´t you hear me knocking!!)

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