Songs: Neil Diamond: Beautiful Noise

DSCN6989

Ich lebe oft den ganzen Tag vor mich hin, ohne die Geräusche um mich herum wahrzunehmen. Ohne innezuhalten und über Töne, Lärm, Geräusche oder Stille nachzudenken.

Geräusche auszublenden ist ein wichtiger Schutzmechanismus. Wenn man in der Stadt lebt, würde der Straßenlärm sonst permanent stören. Im Sommer am Land könnte ich nicht konzentriert schreiben, weil mich der ständige Rasenmäherlärm wahnsinnig machen würde. Oder im Herbst der Häckslerlärm (der mir, seit ich Fargo gesehen habe, besonders beunruhigende Bilder von verhäckselten Menschen und blutverspritztem Schnee vor dem inneren Auge aufsteigen lässt). Oder im Winter der Lärm der Schleifmaschinen der Heimwerker.

Als Mutter muss ich auch verschiedenste Geräusche ausblenden, um meine geistige Frische nicht zu verlieren. Bravo-Hits zum Beispiel dröhnen bei uns jeden Tag, sobald die Kinder von der Schule nach Hause kommen, in voller Lautstärke durch das Haus. Die Kinder scheinen ohne laute und schlechte Musik nicht zu leben können. Ich höre sie schon kaum noch.

Wenn ich versuche zu schreiben, verschwinden die Geräusche der Kinder auch aus meiner Wahrnehmung. Mein Gehirn ist dann darauf programmiert, alle „normalen“ Kindergeräusche auszufiltern und nur noch bei Katastrophengeräuschen Alarm zu schlagen – oder bei ungewöhnlicher Stille (das Einzige, das nach meiner Erfahrung noch gefährlicher ist als Lärm).

Selten höre ich Geräusche bewusst und empfinde sie auch als angenehm. Wenn ich mir Musik einschalte, ist das natürlich der Fall. Wenn ich einen Kuchen backe und dabei eine meiner Lieblings-CDs einlege. Wenn dann meine Kleinste dazu kommt und wir eine Runde durch die Küche tanzen.

Besonders schön finde ich Musik, die im Radio gespielt wird und von der ich schon vergessen habe, dass sie mir einmal gefiel. Höre ich so ein Musikstück, schwelge ich in alten Erinnerungen und habe stundenlang gute Laune (falls nicht etwas anderes dazwischenkommt).

Auch ganz kleine Geräusche können schöne Gefühle auslösen. Das Moped der Zeitungsausträgerin, weil ich dann weiß, dass ich noch zwei Stunden schlafen kann. Der Regen, der auf das Dach tropft, wenn ich gemütlich im Bett sitze und lese. Das leise Schnarchen der Kleinsten, weil ich dann weiß, dass alles in Ordnung ist. Das Zischen von Fleisch in der Pfanne. Das Plumpsen eines Steins, den mein Sohn in den Teich wirft. Das Rauschen der Wellen am Meer oder an einem See (wie gerne würde ich einmal eine Zeitlang am Wasser leben). Das monotone Rattern des Zuges, das mir unweigerlich die Augen zufallen lässt. Das Zirpen der Grillen in einer heißen Sommernacht. Die Stille im Wald bei starkem Schneefall, die alles zu verhüllen scheint, in der man sich völlig von der Welt abgeschottet vorkommt. Das ferne Donnern an einem schwülen Sommertag, das Gewitter und Regen ankündigt. Das erste laute Gezwitscher der Vögel im Frühling. Wenn zwei Ohrringe leise aneinanderschlagen und ich mich geschmückt und schön fühle. Das Ploppen von Popcorn, wenn wir uns mit den Kindern einen gemütlichen Nachmittag machen. Das Schmatzen eines Kinderküsschens an der Wange.

So viele Geräusche, ich in der Alltagshektik allzu oft überhöre und die mich für einen Augenblick glücklich machen, wenn ich sie doch wahrnehme.

http://www.youtube.com/watch?v=LmEXbTHQwSw

What a beautiful noise
Comin‘ up from the street
Got a beautiful sound
It’s got a beautiful beat
It’s a beautiful noise
Goin‘ on everywhere
Like the clickety-clack
Of a train on a track
It’s got a rhythm to spare

It’s a beautiful noise
And it’s a sound that I love
And it fits me as well
As a hand in a glove
Yes it does, yes it does

What a beautiful noise
Comin‘ up from the park
It’s the song of this kids
And it plays until dark

It’s the song of the cars
On their furious flights
But there’s even romance
In the way that they dance
To the beat of the lights

It’s a beautiful noise
And it’s a sound that I love
And it makes me feel good
Like a hand in a glove
Yes it does, yes it does
What a beautiful noise

It’s a beautiful noise
Made of joy and of strife
Like a symphony played
By the passing parade
It’s the music of life

What a beautiful noise
Comin‘ into my room
And it’s beggin‘ for me
Just to give it a tune

 

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Kunst, Kultur, etc. abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Songs: Neil Diamond: Beautiful Noise

  1. sarahbrauner schreibt:

    Sehr zu empfehlen die Liveversion hier http://en.wikipedia.org/wiki/Hot_August_Night/NYC , wie überhauptdas ganze Album.

    Und natürlich 12 Songs.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s