Zart, aber nicht zerbrechlich

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Mit filigranem Schmuck verzierte Ohrläppchen haben etwas ganz Zartes an sich. Eine Zerbrechlichkeit, die sehr erotisch wirken kann.

Gedehnte Ohrlöcher haben diese Zartheit nicht. Sie wirken selbstbewusster, kühner vielleicht sogar. Sie sind ein Statement dafür, dass eine Frau alles Mädchenhafte abgelegt hat. Dennoch haben sie nichts Derbes oder Grobes an sich.

Manchmal habe ich das Gefühl, die Gesellschaft gibt genau vor, wie eine Frau meines Alters auszusehen hat. Nicht nur das, für verschiedene gesellschaftliche Positionen gibt es auch diesbezügliche Erwartungshaltungen. Von der Perlenkette am einen Ende des Spektrums bis zum billigen Leopardenmusterkleid am anderen. Wie man es aus Rosamunde Pilcher Filmen und Frauentausch gewohnt ist, als würde man die Zuseherschaft enttäuschen, wenn man nicht die ödesten Klischees benutzte.

Nicht nur Werbung und Zeitschriften machen diese Bilder omnipräsent, auch in Filmen und Büchern kommen sie vor. Ich denke da besonders an die Reihen und Türme von „Frauenliteratur“ in Buchhandlungen, denen man die Klischees schon am Einband ansieht (trotz Mahnungen „Don’t judge a book by its cover“).

„Die Gesellschaft“ gibt es genausowenig wie „die Märkte“. Und jede Frau kann aussehen wie sie möchte. Irgendwelche reaktionären Spinner wird es immer geben, die ihre Augenbrauen hochziehen müssen. Ich beuge mich jedenfalls nicht der Perlenkettenkonvention und kaufe mir vielleicht ein Leopardenkleid.

Beim Styling sollte man sich einen Satz von Epiktet in Erinnerung rufen: Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen und die Urteile über die Dinge.

Das war vor 2000 Jahren so. Das ist heute nicht so. Es wird Zeit, sich nicht mehr zu beunruhigen, sondern die eigene Eleganz zu finden.

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In dieser Schmuckkolumne stelle ich einen edlen zarten Schmuck in Kombination mit Ohrtunneln vor. Ich trage 8mm Goldtunnel mit Schraubverschluss. Die Charms mit Camelienmotiv der Dall’Avo Gipsy Collection haben eine kleine Öse (zur Verwendung als Ohrring- oder Kettenanhänger). Durch die Öse zog ich einen goldenen Segmentring und diesen befestigte ich im Tunnel. Am Ohrrand entlang trage ich goldene Kugeln.

Der Anhänger wirkt zart und passt dennoch zu den massiven Tunneln. Mir gefällt, wie er an meine Wange baumelt. Mir gefällt auch das Geräusch – Metall auf Metall – das der Ring im Tunnel macht, wenn er hin und herschwingt. Besonders aber gefällt mir, dass die Kombination edel wirkt, ohne damenhaft, und zart, ohne mädchenhaft zu sein. Und dass sie keinem der Klischees von der Frau mittleren Alters entspricht.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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18 Antworten zu Zart, aber nicht zerbrechlich

  1. danielasucht schreibt:

    Habe mir letzte Woche ein Leopardenmustertop gekauft 🙂

  2. fightthepowersthatbe schreibt:

    ich glaube, ich brauch sowas auch, es sind viel zu viele Frauen filigran

  3. Bernadette schreibt:

    Was hat dich auf die Idee gebracht, die Ohrlöcher zu dehnen? Ist doch eher ungewöhnlich, nicht?

  4. Barbara Reiter schreibt:

    Meine Tochter wünscht sich zum
    16. Geburtstag gedehnte Ohrlöcher. Spricht aus deiner Erfahrung etwas dagegen, das zu erlauben?

  5. Rudi Hagen schreibt:

    Ich finde, das sieht toll aus. Leider kann ich meine Frau nicht dazu bringen, sich die Ohren zu dehnen 😦

  6. Barbara Reiter schreibt:

    Darf ich fragen, wie dieser tolle Goldring an der Nase befestigt wird

  7. Martin E. schreibt:

    Hallo Karin,

    von hinten betrachtet sieht das verblüffend anders aus als von vorne, wie ich finde!

    Während der Ohrrand von vorne ja doch eher „dicht an dicht geschmückt“ aussieht, ist es hinter deinen Ohren ja doch noch recht „übersichtlich“ und die Schmetterlingsverschlüsse berühren sich kaum (ok, außer unten im Ohrläppchenbereich). Wie kommt das? Sind die goldenen Kugeln vorne so viel größer als die Verschlüsse hinten?

    Du schriebst, daß Du diesen Gegensatz „filigran“ zu „nicht-filigran“ interessant findest. Ich finde, die goldenen Kugeln sind gar nicht sooo filigran. Hast Du Ohrstecker, die vorne ganz klein sind? Vielleicht nicht Kugeln, sondern kleines Geglitzer? so daß man zwischen ihnen jeweils noch die Haut deines Ohrs sieht?

    Ich fände interessant zu sehen, ob das dann – im Gegensatz zu den Tunnels – noch stärker diesen Akzent setzt.

    Eine Sache ist mir noch aufgefallen: während dein linkes Ohr von hinten recht „geordnet“ aussieht, sieht das rechte etwas – hmm… naja… – danach aus, als wenn der Piercer nicht so sehr darauf geachtet hat, wo der Stich hinten „rauskommt“. Die Verschlüsse sind jedenfalls recht verstreut, kein bißchen „in Linie“ (so wie am linken Ohr). Wie kam es dazu? Du trägst doch eine Kurzhaarfrisur, so daß man das sieht. Ist dem Piercer das nicht klar gewesen?

    Eine Bitte: Könntest Du das Foto von hinten evtl. mal ohne jeden Schmuck hier reinstellen? Mich würde interessieren, wie sehr man die Löcher bei ungeschmücktem Ohr sieht.

    Abschließend noch: sieht sehr, sehr toll aus bei Dir!

    Gruß,
    Martin

  8. Daniel schreibt:

    Karin, gibt es für Dich eine Grenze, ab der Du Gesichtspiercings der schieren Menge wegen als unästhetisch (also einfach „nicht mehr schön“) empfinden würdest, obwohl jedes einzelne für sich schön bzw. reizvoll ist?
    Bei der Sängerin Jennifer Weist (bei Bedarf einfach googeln) fand ich z.B. Ihre 4 oder 5 Lippenpiercings zuerst ziemlich cool, aber als ich ein Interview mit ihr sah und beim Sprechen ständig die Ringe auf und ab hüpften, kam es mir plötzlich ziemlich blöd und auf negative Weise ablenkend vor.

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