Pensées: The Story of Art

  1. Ich habe das Buch The Story of Art von Ernst Gombrich gelesen.
  2. Eigentlich ist es ein Buch für Teenager und junge Erwachsene, ich empfehle es aber allen, die an Kunst interessiert sind.
  3. Gombrich erklärt die Entwicklung der Kunst, indem er zeigt, welche künstlerischen und technischen Probleme die Künstler jeder Epoche zu lösen hatten.
  4. Lange Zeit war Kunst entweder staatlich (Darstellungen von Herrschern) oder – viel stärker noch – religiös sanktioniert.
  5. Künstler waren über Jahrhunderte Handwerker. Manche von ihnen damals schon anerkannte Meister, aber die Kunstwerke waren Auftragsarbeiten. Sie sahen sich nicht als Künstler im heutigen Sinne.
  6. Fast könnte man den Eindruck bekommen, als hätten Künstler über hunderte Jahre nur selten eine Gelegenheit ausgelassen, Nacktheit darzustellen. Selbst bei religiösen Motiven (stillende Maria, nackter Jesus, nackter Adam, nackte Engel, nackte Märtyrer).
  7. Leider geht Gombrich darauf nicht ein.
  8. Ein riesiger Rückschlag für die Kunst war die Reformation, weil religiöse Bilder in protestantischen Staaten verboten waren. Die Künstler mussten sich andere Sujets suchen oder auswandern.
  9. Die Portraitmalerei begann sich zu einer beliebten Kunstrichtung zu entwickeln.
  10. Ein weiterer Rückschlag war die Erfindung der Photographie, weil die Abbildung alleine nun obsolet wurde.
  11. Obwohl es nie ausschließlich um Abbildung ging.
  12. Gombrich zeigt die Schönheit und die Idiosynkrasien der meisten Kunstwerke, die er beschreibt.
  13. Das Buch hat über 400 Illustrationen.
  14. Meine Kinder schauten sich die Kunstwerke mit Begeisterung an. Sie versuchten auch die Schönheit und die Merkwürdigkeiten zu entdecken.
  15. Als sie Parmigianos Madonna mit dem langen Hals sah, sagte meine Kleinste: „Vielleicht hat das Kind Leukämie.“
  16. Für mich war sehr interessant, welche Details sie bemerkten, welche ich ihnen zeigen konnte und auf welche Gombrich aufmerksam machte.
  17. Die Kinder versuchten die Körperhaltung der in den ägyptischen Malereien dargestellten Personen nachzustellen – und fielen dabei um. Ein Pharao hatte zwei linke Füße. Nicht weil die Ägypter nicht besser malen konnten, sondern weil der Symbolismus ihrer Kunst verlangte, dass jeder Körperteil von seiner besten Seite gezeigt wird.
  18. In Museen habe ich ganz selbstverständlich Bilder für mich in „schön“ und „hässlich“ eingeteilt. An den „Hässlichen“ ging ich vorbei. Im Gombrichs Buch sind viele dieser für meinen Geschmack schaurigen Bilder besprochen.
  19. Gombrich macht klar, dass es bei Kunst nicht um schön und hässlich geht. Er zeigt, welche Pinselführung, welche Komposition, welche Sujets außergewöhnlich waren. Er zeigt, wie es in einem Bild viele Details und viele Facetten zu beobachten gibt. Und wie viel interessanter Kunst wird, wenn sie nicht nur in schön und hässlich eingeteilt wird.
  20. Plötzlich konnte ich mit Werken, die mir bisher überhaupt nichts sagten, etwas anfangen.
  21. Das machte mir bewusst, wie viele Dinge und Themen ich aus purem Vorurteil in Schubladen gesteckt und nie wieder darüber nachgedacht hatte. Ich sollte diese Schubladen wieder öffnen, vielleicht finde ich ja Schätze.
  22. Manche Fachgebiete interessierten mich nicht, weil ich sie nicht verstanden habe. Erst durch die Werke von Menschen, die sich sehr gut auskannten und gleichzeitig so begeistert waren von dem Thema wie Gombrich von der Kunst, erkannte ich überhaupt, was daran interessant sein soll.
  23. In Schulen sollte mehr Wert darauf gelegt werden, Kindern nahezubringen, warum ein Fach, oder ein Themengebiet überhauptinteressant sein könnte.
  24. Gombrichs Begeisterung für Cezanne teile ich allerdings nicht.
  25. Aber ich werde in Zukunft Kunstwerke mit anderen Augen anschauen und versuchen, nicht mehr überheblich oder achtlos daran vorbeizugehen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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8 Antworten zu Pensées: The Story of Art

  1. Ich habe das Buch auch vor einigen Jahren gelesen. Mich hat aber ein bisschen die Gleichsetzung von „Kunst“ mit „Bildender Kunst“ gestört.

    • Karin Koller schreibt:

      Gombrich beschreibt auch einige Bauwerke und Skulpturen. Aber du hast recht, das hat mich auch nicht überzeugt. Er konzentriert sich auch sehr auf Europäische Kunst. Ich finde das Buch vor Allem interessant, weil es zeigt, auf welche verschiedenen Arten man Kunst anschauen kann. Hätte er aber andere Kunstrichtungen (Theater, Literatur, Musik) dazugenommen, wäre es zu ausufernd geworden, finde ich.

  2. Ich halte ja solche Bücher, gegen die man immer 1000 Einwände vorbringen kann, weil sie, um einen Überblick zu bieten, naturgemäß viel auslassen müssen und damit auch werten, für unglaublich wichtig. Nur solche Bücher schaffen Interesse, regen an, sich näher mit dem Thema zu befassen, auch zu widersprechen. Mir erscheint es als großer Schaden, dass solche subjektiven Überblicksdartstellungen in allen Bereichen selten geworden sind, weil viele Fachleute Angst haben, sich dem Vorwurf des Feuilletonismus auszusetzen. Bücher wie dieses sind genau das Missing Link zwischen Fachliteratur und den oft bescheuerten „…. für Dummies“-Büchern.

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