Mailbox: Ohrringe – Planen, Stechen, Grundausstattung

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Wie plant man die Ohrpiercings? Wie legt man die Anzahl und die Abstände fest?

Ich habe damals nichts geplant. Ein Piercing nach dem anderen hat sich einfach ergeben, bis meine Ohren fast vollständig geschmückt waren. Man sieht ihnen auch an, dass sie nicht perfekt sind.

Wenn man die Piercings richtig planen möchte, empfehle ich: Macht Fotos von euren Ohren. Druckt die Bilder relativ großformatig aus, dann könnt ihr sehr gut mit einem Stift die Positionen einzeichnen. Das gibt ein gutes Gefühl dafür, wie die Ohren später geschmückt aussehen werden (und ihr habt so viele Versuche, wie ihr braucht, um einen wirklich schönen Look zu entwerfen). Ich empfehle, die markierten Bilder in Piercingstudio mitzunehmen.

Welche Grundausstattung empfiehlst du?

Das ist natürlich Geschmackfrage. Ich würde sagen, mit drei Löchern in jedem Ohrläppchen, je einem Piercing am oberen Ohrrand und zwei Conchpiercings kann man sehr schöne Effekte erzielen.

Wie sticht man die Ohrlöcher? Wie fühlt sich das an?

Für das Ohrläppchen gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Beim Juwelier wird das mit einer Ohrlochpistole gemacht. Das kann man sich so ähnlich vorstellen wie eine Heftmaschine. Ohrring und Verschluss werden in die Maschine gesteckt und dann zusammen ins Ohrläppchen gedrückt. Vorteile: Das ist schneller, billiger und etwas weniger schmerzhaft als mit der Nadel zu piercen. Nachteile: Die Angestellten in Juweliergeschäften haben oft weniger Erfahrung als Piercer. Die Methode ist nicht so präzise, weil die Pistole viel unhandlicher ist als die Nadel.
  2. Im Piercingstudio wird eine Kanüle mit einem kleinen Plastischlauch ins Ohrläppchen gestochen. Die Nadel wird nach dem Durchstechen entfernt, sodass der Schlauch im Ohrläppchen steckt. Durch diesen wird der Schmuck eingefädelt. Vorteile: Die Methode ist präziser, hygienischer und besser. Wenn man sich die Ohren durchpiercen lassen will, lernt man so den Piercer schon kennen. Nachteil: Die Methode ist etwas schmerzhafter (weil man einen Schmerz beim Stechen und einen beim Durchfädeln spürt) und teurer.

Alle Knorpelpiercings – Ohrrand, Conch (Ohrmuschel), Tragus (Ohrzäpfchen) – müssen beim Piercer gemacht werden, weil der Knorpel leicht bricht, wenn er mit dem relativ stumpfen Ohrstecker durchstochen wird und dann schlecht heilt.

Piercings im Ohrläppchen sind in etwa mit einer Spritze beim Arzt vergleichbar, würde ich sagen. Am Ohrrand ist das Piercen etwas schmerzhafter (man hört auch ein seltsames Knacken, an das man sich erst gewöhnen muss). Conch- und Traguspiecings gehören zu den ziemlich schmerzhaften Piercings.

Viele Ohrlöcher auf einmal stechen zu lassen fühlt sich so an wie in diesem Artikel beschrieben.

Welche Lochgrößen empfiehlst du?

Ohrlöcher werden meist mit 1.2mm Durchmesser gestochen, Conch mit 1.6. Dehnen der ersten Löcher ist natürlich auch überlegenswert. Hier die Links zu den Mailboxen gedehnte Ohrlöcher 1 (allgemein)  und 2 (Anleitung)

Kann man die Löcher selbst stechen? Wie macht man das?

Mit einer Ohrlochpistole oder Piercingkanülen kann man sich auch selbst (oder gegenseitig) Ohrlöcher stechen. Wichtig ist es, beim Ohrläppchen zu beginnen und hygienisch zu arbeiten. Knorpelpiercings selbst zu machen ist erst mit einiger Piercingerfahrung zu empfehlen (ich habe das nie gemacht).

Wie pflegt man die Ohrlöcher?

Nach dem Stechen/Schießen sollte man einige Tage lang die Ohrringe beim Duschen gut reinigen und anschließend desinfizieren.

Danach sollten die Ohrlöcher sauber gehalten werden. Es ist auch wichtig, darauf zu achten, ob Ohrringe sich unangenehm anfühlen oder sich entzünden. Dann sollte man sie wechseln und die Ohrlöcher desinfizieren.

Wie oft muss man die Ohrringe wechseln?

Ich empfehle die Ohrringe spätestens alle 2-3 Wochen zu wechseln, oder wenn sie sich unangenehm anfühlen. Das beugt Entzündungen vor. Natürlich kann man sie auch häufiger wechseln. Frisch gestochene Ohrringe kann man nach 1-2 Wochen wechseln.

Kann man mit Ohrringen Sport machen? Muss man sie abends ablegen?

Ich lege abends nur große Ohrringe ab, die sich verbiegen könnten, oder die mich beim Schlafen stören. Kleine Ohrringe lasse ich drin. Herkömmlichen Sport (Laufen, Schwimmen, Radfahren, etc. als Hobby) kann man mit Ohrringen machen. Große Ohrringe stören da vielleicht. Es gibt Sportarten, bei denen man die Ohrringe ablegen muss (weil die Regeln das erfordern) oder sollte, weil man hängen bleiben könnte.

Wie lange kann man die Löcher leer lassen?

Meine Ohrlöcher kann ich leer lassen, solange ich will. Bei neueren Ohrlöchern kann es passieren, dass sie zuwachsen. Aber nach welcher Zeit sie nicht mehr zuwachsen und wie lange neuere Ohrlöcher leer bleiben können, kann ich nicht sagen.

Wie fühlen sich Ohrringe an? Wie Conchpiercings? Wie Tragus?

Mich hat bis jetzt jeder neu gestochene Ohrring anfangs einige Tage lang irritiert. Danach habe ich mich daran gewöhnt. Kleine Ohrringe spüre ich kaum, weder im Alltag noch beim Schlafen. Wenn ich am Ohrrand kleine Creolen trage, kommt es manchmal vor, dass sie mich nach einigen Tagen stören. Dann wechsle ich auf Stecker. Größere Ohrringe können sich aufregend anfühlen. Ich habe versucht, das Gefühl in der ersten Mailbox zum Thema zu beschreiben.

Meine Conchpiercings brauchten relativ lange, bis sie verheilten. Aber jetzt spüre ich sie nicht mehr. Das Traguspiercing verheilte nach wenigen Tagen.

Braucht man größere Löcher für schwerere Ohrringe?

Sehr schwere Ohrringe können die Ohrlöcher ausdehnen und im Extremfall einreißen. Wenn man gerne schwere Ohrringe trägt, empfiehlt es sich, die Ohrlöcher leicht dehnen zu lassen und die Ohrringe durch Tunnel zu tragen.
Thema der nächsten Mailbox: Kind & Karriere

Fragen und Anregungen (auch für neue Mailboxthemen) bitte an karinkoller@rocketmail.com

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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37 Antworten zu Mailbox: Ohrringe – Planen, Stechen, Grundausstattung

  1. S. Van Lure schreibt:

    Die Ohrlochpistole hätte ich hier besser gleich garnicht erwähnt. Das bringt Leute nur auf dumme Gedanken wenn man die angeblichen Vorteile wie den Preis hervorhebt. Du vergisst bei den Nachteilen das mit der Pistole der Schmuck einfach durch das Fleisch gepresst wird, das Gewebe beschädigt, sich leichter entzünden kann, länger zum Verheilen braucht weil einfach Druck auf dem Gewebe ist, wärend eine Nadel sich den Platz für den Schmuck „ausstanzt“ und die Zellfasern glatt abschneidet, was bessre Heilungschancen und keinen Druck um den Schmuck herum bedeutet.
    Musste ich jetzt einfach mal loswerden weil ich selbst den Unterschied am eigenen Leib erfahren habe und mir jetzt mit dem Wissen nie wieder eine Ohrlochpistole an mich ran lassen würde. Egal ob Juwelier oder Hausarzt.

    lg, sarah

    • Karin Koller schreibt:

      Du hast recht, die Ohrlochpistole ist viel problematischer als die Nadel. Es kann selbst im Ohrläppchen zu Komplikationen (vermehrte Entzündungen) kommen und man kann längst nicht so genau stechen. Dennoch haben viele Leute Berührungsängste mit Piercing/Tattoo-Studios (meiner Erfahrung nach völlig unbegründet) und dann ist die Pistole nicht der schlechteste Einstieg. Für den Ohrknorpel habe ich dringend abgeraten, das mit Pistole (selbst oder beim Juwelier) zu machen.

      • S. Van Lure schreibt:

        Da hast du recht, ich dachte nicht das du die Ohrlochpistole harmlos findest, dich fand nur das es sich so verharmlosend gelesen hat. Ich hoffe ich habe nicht zu giftig geklungen.
        Von den Berührungsängsten habe ich noch nichts gemerkt. Piercing/Tattoostudios haben heute nichts mehr vom schmuddeligen Hinterzimmer Flair übrig und ähneln oft schon eher boutiquen (schreibt man das so?;). Und wenn man sich schon etwas machen lassen will muss man ja sowieso „mutig“ sein;)

      • Karin Koller schreibt:

        Nein, gar nicht giftig. Ein sehr berechtigter Einwand.

  2. Schön, die Platten. Darf ich fragen, woher die sind?

  3. danielasucht schreibt:

    Zur Grundausstattung: ich finde, die Tragi gehören auch dazu

  4. claudiaveratti schreibt:

    Ich würde ja die gedehnten Löcher nicht missen wollen, von wegen Grundausstattung

  5. Monika schreibt:

    Ich bin dank deiner Artikel am Weg zur Grundausstattung 🙂

  6. berniebr schreibt:

    Meine Mutter (68) hast du überzeugt. Die will sich jetzt Ohrlöcher stechen lassen 🙂

    • Karin Koller schreibt:

      Ich wusste gar nicht, dass ich diese Altersgruppe besonders anspreche. Aber sehr schön, wenn deine Mutter das macht!

    • Eckie schreibt:

      Hallo Bernie

      Finde es toll, dass sich deine Mutter zu diesem Schritt entschieden hat! Lässt sie sich klassisch je ein Loch pro Ohr stechen oder denkt sie bereits an ein drittes oder gar viertes Loch?

  7. CE schreibt:

    du siehst sehr schön aus, mit dem Schmuck

  8. Lena schreibt:

    hallo karin, deine tollen beiträge haben mich und meine partnerin überzeugt, uns jetzt auch geschmückte ohren zuzulegen, wir haben am we deinen tipp befolgt und unseren plan anhand des ausdruckes festgelegt, und diese woche soll das projekt gestartet werden, wir sind schon sehr gespannt 🙂

  9. Lena schreibt:

    ich werde, weil ich schon ohrlöcher habe, zunächst auf 16mm dehnen, während anna sich die ohren ganz durchstechen lässt; wenn wir diese etappe hinter uns haben, evaluieren wir, wie’s weitergehen soll

  10. jo schreibt:

    hast du dir schon einmal selbst ohrlöcher gestochen?

    • Mike schreibt:

      Hallo Karin! Ich finde deine Artikel toll. Und deine Ohrringe stehen dir wunderbar. wenn ich ein bisschen mutiger wäre und unsere Gesellschaft ein bisschen offener, würde ich es dir gerne nachtun (zumindest teilweise). Danke!

  11. Mike schreibt:

    Der Chef ist immer noch der gleiche :(. Und die Löcher sind längst zugewachsen

  12. boris schreibt:

    Hallo Mike! Bei Frauen findet jeder Ohrringe normal, wahrscheinlich ist das einfach Gewohnheit. Bei Männern ist das anders, denn viele Männer haben einfach keine Ohrringe und damit fällt das eher auf. Männer, die schon seit früher Jugend Ohrringe haben, sehen das naturgemäß auch viel lockerer und machen sich da keine Gedanken. Wer sich erst spät für Ohrlöcher entschlißt, denkt dann aber umso mehr nach.

    Ich selber habe mir auch erst mit Mitte 30 Löcher stechen lassen und was in meinem Bekanntenkreis einer der wenigen Männer mit Ohrringen und der einzige, der beidseitig welche trägt. Deshalb hat es mich auch einigen Mut gekostet, in den Juwelierladen zu gehen. Heute – gut 10 Jahre später – habe ich an Creolen richtig Gefallen gefunden und trage mittlerweile links fünf und rechts zwei, meistens so zwei bis drei cm groß, manchmal sogar sechs cm.

    Reaktionen darauf gab es ganz verschiedene. Viele haben mich darauf angesprochen und mir gesagt, dass es mir seht gut steht. Manche Männer haben mich nach meinen Erfahrungen mit dem Stechen der Löcher, Pflege und Schmuck gefragt; offensichtlich wollen immer mehr Männer Ohrschmuck und trauen sich nur nicht so recht. Natürlich gibt es auch verwunderte Blicke, aber das stört mich inzwischen nicht mehr.

    Ich kann jedem Mann, der Ohrringe mag, nur raten, sich welche stechen zu lassen. Ich habe es bis jetzt noch nie bereut und hätte es im nachinein eigentlich schon viel früher tun sollen.

  13. No more heroes any more schreibt:

    ich habe die ängste vieler männer in den kommentaren auf dem blog hier wirklich mit ziemlichem erstaunen gelesen. wir leben doch 2016 und nicht 1956! ich arbeite selbst seit 2003 in einer „stockkonservativen“ branche (anlageberatung) und hatte in den vergangenen 13 jahren nie das geringste Problem, obwohl ich ziemlich gerne und manchmal auch viel schmuck trage und mir immer wieder gerne neue piercings zulege, manche vorübergehend, manche auf dauer.

    • cooltobekind schreibt:

      Welche Piercings trägst du denn? Ich denke nicht, dass Befürchtungen so absurd sind. Leider. Ich hatte da andere Erfahrungen als du und trage deshalb keine sichtbaren Piercings mehr.

      • No more heroes any more schreibt:

        ich trage nicht in allen immer sichtbaren piercings immer schmuck, aber einen nasenring, conchschmuck und ohrtunnel oder plugs praktisch immer. und hatte nie probleme. eher ergab es sich, dass ich komplimente erhielt. was waren denn deine schlimmen erfahrungen?

  14. No more heroes any more schreibt:

    karin, eine frage von mir: wenn du dir deinen traummann wünschen könntest, welche piercings hätte der denn? (und mir ist vollkommen bewusst, dass andere dinge viel wichtiger sind, wenn es um den traumpartner geht, aber mich würde sehr interessieren, wie du das nur darauf bezogen siehst. btw: meine traumfrau hätte alle piercings, die du hast, aber etwa auf 18mm gedehnte ohrlöcher dazu und ein zungenpiercing)

    • Urs schreibt:

      Salut Karin, mich würde auch sehr interessieren, wie du diese Frage beantwortest. Ich finde sehr mutig, extravagant und schön, wie du Schmuck verwendest, um dich auszudrücken. Würdest du bei einem Mann auch Extravaganz schätzen?

      • Karin Koller schreibt:

        @no more heroes any more: sorry, ich habe deine Frage übersehen. Bzw. nicht übersehen, sondern versucht, darüber nachzudenken, bin dann zu keinem Schluss gekommen und habe sie schließlich verdrängt.
        Ich glaube, ich könnte das gar nicht so sagen. Mir würde Extravaganz gefallen. Die müsste sich der Mann selbst ausdenken. Ich glaube, das würde mir gefallen. Wenn er mich mit einer Ungewöhnlichkeit überrascht. Oder diese überraschende Ungewöhnlichkeit eben schon lange hat.
        @Urs: Danke für das Kompliment. Nur das mit dem Mut stimmt nicht. Ich trage den Schmuck, weil er mir gefällt, da ist kein Mut im Spiel.

  15. No more heroes any more schreibt:

    würde mich auch interessieren ob du das too much findest für einen mann

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