Schmuck und Zivilisation

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Früher bin ich an Schmuckvitrinen in Museen immer schnell vorbeigegangen. Ägyptische, altgriechische oder keltische Schmuckstücke sahen für mich in den Vitrinen irgendwie korrodiert, verbogen, uninteressant aus. Ich kam nicht auf die Idee, sie mir genauer anzusehen. Sonst hätte ich sehen können, wie filigran manche gearbeitet waren und wie massiv und schwer andere gefertigt wurden. Ich hätte mir Gedanken machen können, wie und wo man sie getragen hatte. Wer sich so einen Schmuck leisten konnte. Ob er speziellen Bevölkerungsgruppen vorbehalten war, oder ob jeder ihn tragen konnte, der ihn sich leisten konnte. Ob hauptsächlich Frauen Schmuck trugen oder auch Männer.

Es wäre interessant zu erfahren, wann sich Menschen zu schmücken begannen und warum. In allen Regionen der Welt wurden Schmuckstücke gefunden. Die ältesten sind ca. 100.000 Jahre alt. Trugen Steinzeitmenschen den Schmuck als Amulette, um sich vor bösen Geistern zu schützen? Als Zierde? Wann und warum begannen Menschen Gold und Edelsteine zu gewinnen? Beides musste zunächst eher unscheinbar erschienen sein, bedenkt man, dass Gold und Edelsteine erst durch Schleifen oder polieren ihre volle Schönheit entfalten.

Die Herstellung von Kunst und Schmuck ist eine Fertigkeit, die weit entfernt von der Lebenssicherung ist. Trotzdem scheint sie ein Grundbedürfnis der Menschen zu sein. Egal unter welch schwierigen Bedingungen sie ihr Leben bestreiten mussten. Wahrscheinlich gehören Kunst und Schmuck zum Ursprung der Zivilisation. Ohne sie fehlt uns die Essenz des Humanen.

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Der in dieser Schmuckkolumne vorgestellte Silberschmuck erinnert mich an keltischen Schmuck. Im Ohrläppchen trage ich jeweils einen Ohrhänger und drei kleine Creolen. Der Ohrhänger besteht aus einem silbernen Kreis, der an einer blauen Scheibe hängt. Der Kreis ist auf einer Seite mit Schlangenlinien und kleinen Kugeln, die wie Trauben aussehen. Auch die Creolen haben Schlangenlinien als Verzierung.

Der Schmuck sieht so aus, als hätte man ihn schon vor langer Zeit mit Silberdraht gefertigt. Einfach und durch die Verzierungen liebevoll gemacht. Wenn ich ihn trage, komme ich mir vor, als würde ich eine Tradition weiterführen, die schon hunderttausend Jahre währt.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Schmuck und Zivilisation

  1. Das ist ein schöner Gedanke, den ich mir noch nie gemacht habe. Aber es spricht viel für seine Richtigkeit.

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