Fossile Träume

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Meine Mutter war Haushälterin. Deshalb wohnten wir in vornehmen Gegenden in schönen Häusern, meist mit Pool. Als ich zur Schule kam, lebten wir in Salzburg in einer Villa an einem Hügel. Vom Garten aus sah man auf die Stadt herunter. In der schönste Ecke des Gartens befand sich der Pool (in einer anderen ein Springbrunnen mit Goldfischen).

Um den Pool waren rosa Marmorsteine verlegt. An manchen Stellen waren fossile Schnecken im Stein eingebettet. Ich liebte es, sie im Sommer nach dem Schwimmen nass zu machen, bis sie glänzten. Ich stellte mir dann vor, wie es war, als sie noch lebendig waren, als der Untersberg noch im Meer lag. Obwohl es für mich ziemlich unvorstellbar war, wie ein Berg ein Meer sein konnte, oder wie der Berg dann dort hinaufgekommen ist. Ganz genau wusste ich auch nicht, ob nicht doch das Meer dort oben war damals (es erschien mir einfacher, wenn ein Meer sich zurückzog, als wenn ein Berg sich erhob).

Ich schaute mir die versteinerte Schnecke – oder war es ein Krebs? – an. Das zarte Muster. Die Fäden, die Fühler, Tentakel oder Beine hätten gewesen sein können. Das Innenleben, weil fast alle aufgeschnitten waren.

Wie oft habe ich mir vorgestellt, wie ich in Höhlen am Unterberg suche und dann große Fossilien finde. Wie ich sie als Briefbeschwerer verwenden würde oder als Skulptur. Wie ich mit Kennerblick gleich sehen würde, in welchem unscheinbaren Stein sich die größten Schätze verbargen. Wie ich berühmt werden würde, weil ich eine neue Spezies entdeckte – die Karinschnecke.

Aus den Träumen wurde nichts. Ich habe nicht einmal den Untersberg erklommen, bis ich 16 war. Im Tal im Wald hob ich manchmal Steine auf, um zu schauen, ob ein Fossil darin verborgen war. Sie blieben aber immer die unscheinbaren Steine, die sie schienen.

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In dieser Schmuckkolumne stelle ich einen Silber/Gold-Kombination vor. Am Ohrrand trage ich abwechselnd silberne und goldene Kugeln. Im ersten Ohrloch habe ich silberne double-flared Ohrtunnel (8mm) eingesetzt. Durch diese Tunnel trage ich eine goldene Schnecke. Sie besteht aus einer relativ massiven vergoldeten Spirale und wird von hinten durch den Tunnel geführt. Sie hält einfach so, ohne zusätzliche Befestigung. Wenn ich sie trage, muss ich allerdings aufpassen, dass sie nicht herausrutscht. Dafür reicht ab und zu eine Kontrolle, ob die Spirale weit genug eingefädelt ist.

Beim Tragen gefällt es mir, das Gewicht des Schmuckes zu spüren – im Kontrast zur Leichtigkeit der Spiralform. Und der Kleine Triumpf, doch noch eine eigene Schnecke gefunden zu haben. Auch wenn sie kein Fossil ist.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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8 Antworten zu Fossile Träume

  1. Aline schreibt:

    Das sieht sehr hübsch aus

  2. Schreihals schreibt:

    Wie bekommt man solche Riesenlöcher in die Ohren? Wird das mit einer dicken Nadel gestochen?

  3. AS schreibt:

    Cool, ich hatte schon Angst, du gibst die Schuckkolumne auf

  4. Jochen schreibt:

    Wo gibts denn diese Spiralen?

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