Pensées: Reise an den Rhein

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  1. Über die Feiertage unternahmen wir eine Reise an den Mittelrhein.
  2. Vor der Reise stellten mir Bekannte Fragen wie: Sind die Kinder nicht noch zu klein? Interessieren sie sich für so etwas?
  3. Aber wir ließen uns nicht beirren. Mit der Nibelungen-Nacherzählung von Auguste Lechner und Regenjacken brachen wir auf.
  4. Die Regenjacken brauchten wir tatsächlich. Es regnete, bis der Rhein beinahe überging (zu Hause war das große Hochwasser).
  5. Trotzdem sahen wir viele schöne und interessante Dinge:
  6. Das deutsche Eck in Koblenz, an dem die Mosel in den Rhein fließt. Mit dem riesigen Kaiser-Wilhelm-I. Denkmal, auf das man hinaufsteigen kann.
  7. Die Fahrt mit der Seilbahn über den Rhein, bei der die Kinder beinahe das Gefühl hatten, in den Rhein zu stürzen. Ich fand die Seilbahn auch toll und verstehe die anhaltende Diskussion darüber, ob sich die Seilbahn mit dem Weltkulturerbetitel vereinbaren ließe, nicht.
  8. Die Schiffe auf dem Rhein. Modern mit Containern beladen oder altmodischer aussehend mit Haufen von Sand oder anderem Baumaterial. Ausflugsboote, Linienschiffe, Raddampfer mit Dieselbetrieb, Fähren.
  9. Die Loreley mit ihrem wunderschönen Ausblick. Und den vielen blondgelockten, lasziv dreinblickenden Frauen mit Lipgloss, die sie in Hochglanzprospekten darstellen sollen.
  10. Der Rheinsteig, der über hunderte Kilometer zu durchwandern ist, an dem wir wetterbedingt nur ein kurzes Stück entlangingen.
  11. Die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz mit ihrem Ausblick und den vielen Ausstellungen, von der Geschichte der Festung seit 10000 Jahren (mit Schmuckstücken und Glasgefäßen aus der Römerzeit) über die Geschichte der Gartenarchitektur, bis zum Räuber Hotzenplotz (mit Büchern in allen Sprachen, in die Hotzenplotz übersetzt wurde: Saltodemata auf Spanisch, Pennastorta auf Italienisch, Briquambroque auf Französisch, Hurjahanka auf Finnisch).        IMG_4454 IMG_4645
  12. Die Werbeauslage des Beatlesmuseums in Bad Ems, in der vier PlüschBeatles sich die Seele aus dem Leib singen und von der Kaffeetasse bis zum gelben U-Boot-Bausatz alle möglichen Paraphernalien ausgestellt waren.
  13. Der Wein, oft ein bisschen lieblich für meinen Geschmack. Die Erkenntnis, dass Spätlese hier kein Dessertwein ist.
  14. Die Buchhandlung, in der ich die Reisebeschreibung der Rheinreise aus dem Jahr 1840 von Victor Hugo fand.
  15. Der Vergleich von Hugos Reise und unserer und wieviel sich nicht verändert hatte in 170 Jahren.
  16. Die vielen Sagen und Geschichten, die Gegenden und Schlösser am Rhein geheimnisvoll machen, von Kurfürsten, Ritter, Heilige, Zwerge und Geister.
  17. Der Mäuseturm in Bingen, in den sich, der Legende nach, Bischof Hatto geflohen hatte, weil er seine Untertanen töten ließ und diese ihn dann als Mäuse heimsuchten. Im Mäuseturm fraßen sie ihn auf.
  18. Die Dome von Worms und Speyer in ihrer Pracht und mit den vielen Statuen und Kunstwerken, unter denen ich auch eine interessante Darstellung einer Herrenunterhose aus dem Jahr 1488 fand.
  19. Das Nibelungenmuseum in Worms, bei dem es zwar nur wenige Ausstellungesstücke gibt, dafür aber eine sehr gute Audioführung (auch für Kinder), die nicht nur die historischen Aspekte der Sage beleuchtet, sondern auch ihren Missbrauch im Nationalsozialismus.
  20. Im Nibelungenlied wird von Seide und behaarten Fischhäuten (wahrscheinlich Seehundfellen) erzählt. Ein Dokument dafür, dass die Welt im 5. Jahrhundert (oder zumindest im 13. Jahrhundert, als die Sage aufgeschrieben wurde) von China bis zum Nordmeer vernetzt war.
  21. Sofort würde ich wieder hinfahren.
  22. Vielleicht lese ich sogar das Nibelungenlied. Vorgelesen klingt es beinahe Vorarlbergisch.                                                                          

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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5 Antworten zu Pensées: Reise an den Rhein

  1. ES schreibt:

    schön, du solltest lieber öfter sowas schreiben als dich zum sprachrohr der kampfemanzen zu machen

    • Karin Koller schreibt:

      Ich weiß nicht, was der Begriff „Kampfemanzen“ bedeuten soll und möchte das auch gar nicht wissen. Mir gefällt auch so eine Bevormundung nicht, schon gar nicht, wenn sie als Lob verkleidet ist.

    • Hofnarr schreibt:

      ES@, was für ein anmassender Mensch Du doch bist!!! Heute schon wieder…

  2. Andreas schreibt:

    Also wart ihr praktisch bei mir um die Ecke

    • Hofnarr schreibt:

      …vermutlich tatsächlich auch bei mir um die Ecke, weil auch ich 5 Km vom Rhein entfernt bin, aber auf Schweizer Seite! Die Welt ist klein… aber jedenfalls für alle, um sich daran zu erfreuen…

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