Songs: Brenda Kahn, Mint Juleps & Needles

Jung sein. Herausfinden, was in der Welt interessant und aufregend ist. Den Geschmack formen. Nachdenken. Musik hören, bis der Morgen graut. Klassiker lesen und moderne Literatur selbst in Buchhandlungen entdecken. Endlose Diskussionen mit Gleichaltrigen, die sich für gleich gebildet halten, wie man es selbst tut (beides grundlos), bei denen jedes Wort bedeutungsschwanger scheint und die eigene Meinung immer die unumstößlich richtige ist. Nächtelang trinken und reden und tanzen und man nächsten Morgen joggen gehen, weil man noch unverwüstlich ist. Paketeweise Zigaretten rauchen, weil Krankheit und Tod unvorstellbar weit entfernt sind.

Theaterbesuche, teilweise in Faszination, teilweise ironisch, weil man sich von den Hofratswitwen mit den Abokarten distanzieren will. Museumsbesuche, bei denen man überlegt, mit welchem Kunstgeschmack man im besten Lichte erscheinen würde. Die politischen Meinungen anderer keinesfalls gelten lassen, lieber einen Eklat provozieren, als einen Zentimeter von den eigenen Überzeugungen abzuweichen. Nicht das Große und Ganze, sondern nur den selbst gegrabenen Tunnel der Empfindungen und Erfahrungen sehen. Sich „on top of the world“ vorkommen, weil man frei ist und alles tun und lassen kann, was man möchte. Sorglos auf Reisen gehen, weil es keine Gefahr geben kann.

Sich trotzdem langeweilen dabei. Verunsichert sein. Das eigene Elend unüberwindlich finden. Und gleichzeitig poetisch. Sich darin suhlen. Es gleichzeitig vor anderen verstecken. Sich mit den Menschen einlassen, die ganz anders sind als man selbst, weil man ja keinesfalls so werden möchte wie die eigenen Eltern. Sondern ganz anders, das Gegenteil eigentlich, weil sie alles falsch gemacht haben.

Alles Geradlinige erscheint dann als der direkte Weg in die Spießigkeit. Kunst, Kultur, Politik muss mit einem neuen Blick angesehen werden, einem frischen, mit dem man ganz sicher die Welt verändern, die alten Strukturen aufweichen wird. Aber später.

Zuerst das Vergnügen. Parties, Clubs, Konzerte, Cocktails.

Weil man weiß, dass Bildung alleine noch nicht das wahre Leben ausmacht, ist man magisch zu Menschen hingezogen, die schon Erfahrungen gesammelt haben. Nicht zu den Großeltern, schon gar nicht zu den Eltern. Zu Gleichaltrigen, die schon mehr erlebt haben, die irgendwie seltsam sind und so vermuten lassen, sie hätten schon ungeahnte Abgründe gesehen. Oft erkennt man dabei nicht, dass man nicht dazupasst, dass die anderen keine Vorbilder sein können.

Bei mir war es zumindest so.

Es wird nicht mehr lange dauern, da werden meine Kinder jung sein, ihr Leben selbst beginnen wollen. Werden sie auch nichts unwiderstehlicher finden, als „the people our parents warned us about“ zu werden? Wovor warne ich sie? Davor, angepasst zu sein. Vor der Spießigkeit. Davor, unreflektiert Ideologien zu glauben.

Werden sie bei der jungen ÖVP Mitglied und an Katholikentagen teilnehmen? Oder geht das auch anders? Jede Generation glaubt, das eigene Lebensmodell ist das unter den gegebenen Umständen zielführendste. Jede neue Generation rebelliert dagegen, nur um später, als Erwachsene, zu merken, dass die Älteren nicht ganz unrecht hatten. Ich bin auch schon viel mehr wie meine Mutter geworden, als ich das als Studentin für möglich gehalten habe.

Welche Auflehnungen sich meine Kinder aussuchen werden und worauf sie sich zurückbesinnen werden, wird die Zukunft weisen. Ich warte gespannt.

http://www.youtube.com/watch?v=3l38WkKwsOA

Next to the club where your girlfriend
is dancing on the bar
I left a stain on your glass
you called it a scar.

Speaking in tongues through tar-paved lungs
the boy fell off his chair
too drunk to notice
and too lost to care

You find that your life is a frustrated vision
of Gauguins, Rodins, excellent diction
mint juleps and needles don’t add up to wisdom
you’re cracked, you’ve gone mad, makes me so sad,
I like you better than most of the men
I’ve had.

He took my hand by the Charles,
and said, “art is my only desire”
then spit out his drink
headed back to the barroom choir.

She said madness is triggered by sadness
you slip down the fire escape
the rain on the rooftop is silenced by sirens and violence
You walk like a man though but
your heart has been raped

You find that your life is a frustrated vision
of Gauguins, Rodins, excellent diction
mint juleps and needles don’t add up to wisdom
you’re cracked, you’ve gone mad, makes me so sad,
I like you better than most of the men
I’ve had.

Next to the club where your girlfriend
is dancing on the bar
I left a stain on your glass
you called it a scar.

Half a glass of congnac
and a punch in the mouth
we are the people our parents had
warned us about.

He struck me like a matchstick
Only to prove
there is really nothing at all
I have to lose

You find that your life is a frustrated vision
of Gauguins, Rodins, excellent diction
mint juleps and needles don’t add up to wisdom
you’re cracked, you’ve gone mad, makes me so sad,
I like you better than most of the men
I’ve had.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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