Pensées: Oper

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  1. Ich bin keine Opernkennerin. Leider.
  2. Vor 25 Jahren liebte ich aber Don Carlos. Jeden Morgen, wenn ich zur Schule fuhr, hörte ich diese Oper.
  3. Bei der Arie Tu che le vanità hätte ich jedes Mal weinen können. Diese Wehmut, dieses Verlangen, diese Verzweiflung. Ich konnte mich als Teenager wiederfinden.
  4. Nur selten besuchte ich die Oper. Cosi fan tutte bei den Salzburger Festspielen. Die Handlung war so hanebüchen wie in der Löwingerbühne (meine Oma zwang mich damals die Löwingerbühne anzuschauen). Aber die Musik war schön.
  5. Als ich Karten für L’Orfeo von Monteverdi geschenkt bekam, fürchtete ich mich sehr. Vor der alten Musik. Weil L‘Orfeo die erste Oper überhaupt sein soll. Aber ich war begeistert. Obwohl die Musik ungewohnt war. Die Stimmung des Opernabends macht viel aus.
  6. In Bregenz sah ich Troubadour und erwartete mir nicht viel davon. Erst während der Oper merkte ich, dass dort einige der ganz großen Verdi-Hits vorkommen. So kann man sich täuschen.
  7. Ich bin nicht musikalisch. Es gelingt mir nur selten, zu definieren, warum ich eine Sängerin gut finden soll und eine andere nicht.
  8. Mein Vater konnte angeblich verschiedene Inszenierungen von diversen Opern auf Schallplatte schon nach wenigen Tönen erkennen. Nicht nur die Sänger, auch das Orchester und den Dirigenten.
  9. Ich kannte ihn nicht. Meinen Vater. Leider. Aber wer weiß?
  10. Bei der Hausarbeit höre ich gerne Ö1. Oft genug schalte ich das Radio bei der nachmittäglichen Opernsendung aus.
  11. Wenn ich nicht in der richtigen Stimmung bin, kommt mir die Musik wie unerträglicher Lärm vor, der sich mir in die Ohren und ins Gehirn bohrt wie das Kreischen von Kreide an einer Tafel.
  12. Es gibt aber auch Momente, in denen ich innehalte, weil ich eine berührende Arie höre, voller Sehnsucht und Zartheit. Dann sagt der Radiosprecher, Caruso sang oder Fischer-Dieskau oder Maria Callas.
  13. Dann begreife ich, warum manche Künstler so bejubelt wurden.
  14. Umgekehrt wurde im Radio die Gewinnerin eines Wettbewerbs vorgestellt. Sie sang Tu che le vanità und ich war so überrascht, wie flach und gefühllos die Arie klang, obwohl die Radiomoderatorin ausdrücklich lobte, wie gut sie gesungen war.
  15. Bei einer besonders schönen Arie wartete ich gespannt, um welche Oper es sich wohl handelte.
  16. Es war eine Wagner-Oper. Ich war erschüttert. Ich bin in dem Glauben aufgewachsen, dass man Wagner nicht mögen darf. Ideologisch vor allem. Aber auch weil es unerträglicher Pomp ist, geschmacklos. Aber diese Arie war sehr schön.
  17. Ich habe mir vorgenommen, Wagner zu entdecken. Gemacht habe ich es noch nicht.
  18. Ich nehme mir viele kulturelle Entdeckungsreisen vor. Wagner, Russells History of Western Philosophy, Decline and Fall of the Roman Empire. Ich möchte auch wissen, was eine elektromagnetische Welle ist.
  19. Meist kommt etwas dazwischen. Es erscheint zu aufwändig, auch nur eines dieser Projekte zu beginnen. Dann ärgere ich mich über mich selbst. Und bleibe ungebildet.
  20. Meine erste Oper war die Zauberflöte. Im Marionettentheater. Damals hat mir das nicht gefallen. Diesmal wird die Zauberflöte in Bregenz gespielt. Wenn es sich ausgeht, werde ich sie mir nächstes Jahr ansehen. Ich bin gespannt, ob ich meine Meinung revidieren kann.
  21. Vielleicht nehme ich meine älteste Tochter mit. Damit sie sich für die Oper begeistern kann.
  22. Oder damit sie in dreißig Jahren erzählen kann, wie schrecklich das damals war, als sie ihre Mutter zum ersten Mal in die Oper geschleppt hat.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Pensées: Oper

  1. meinesichtderwelt schreibt:

    Das Bühnenbild auf der Seebühne ist wie immer schon allein wert, Bregenz zu den Festspielen zu besuchen. Ich hab mir die Zauberflöte für nächstes Jahr auch fest vorgenommen, mal sehen, ob es klappt? Das ist in jedem Fall eine Oper, die in der See-Kulisse eine einmalige Wirkung haben wird. Liebe Grüße von Doris

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