Songs: Iggy Pop, Social Life

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Social Life. Jeden Abend in diversen Sendungen zu bestaunen, übt es offenbar eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf den Fernsehzuschauer aus. Ich gebe zu, auch ich habe lange Zeit wie hypnotisiert zugeschaut: Die immer gleiche Gesellschaft. Werden diese Leute in einem Mannschaftsbus allabendlich von Event zu Event gekarrt, in einer endlosen Vergnügungsreise, bis einer der Teilnehmer aufgrund altersbedingter Erschöpfung ausfällt und durch einen jüngeren ersetzt wird? Macht denen das Spaß? Brauchen sie Drogen, um das zu überstehen? Bekommen sie Geld für ihre Mühen?

Immer stehen sie da mit ihrem festgefrorenen Grinsen und mit ihren Kaltgetränken in der Hand. Die Frauen erzählen gerne von ihren Schönheits-OPs und lachen dabei zu schrill, um zu demonstrieren, wie gut sich ihre Gesichtsmuskeln noch bewegen lassen. Die Männer strahlen gezwungene Lockerheit aus, damit auch noch der Dümmste ihre Wichtigkeit erahnen kann.

Wenn sie nicht den Seitenblicken Interviews geben oder für Fotos für den Societyteil der lokalen Gratiszeitungen posieren, networken sie und meinen, das sei Teil der Arbeit, für die sie bezahlt werden. Überstunden im Dienste der Karriere oder gar zum Wohle der Gesellschaft, wenn sie ein öffentliches Amt bekleiden.

Das Social Life (jenes der Großstädte, das im Fernsehen übertragen wird, genauso wie jenes der Provinz) ist so sehr von Pflicht, Aufopferung und Lebensplanung geprägt, dass niemandem mehr die öde Oberflächlichkeit bewusst ist. Fassade ist alles und man darf bloß nicht die eigenen Unzulänglichkeiten durch unbedachte Bemerkungen durchblicken lassen.

Glücklicherweise muss ich da nicht mitmachen, habe es aber ein bisschen gesehen, als ich noch mit meiner Mutter bei den vornehmen Herrschaften lebte und manche Einladung miterlebte und über manches Event sprechen hörte. Damals schon dachte ich mir, wie sonderbar es eigentlich ist, dass eminente Lokalpfeiler von Gesellschaft, Politik und Kunst in ihrer Freizeit über die gleichen Dinge sprachen wie die Leute am Kirchplatz meines Heimatdorfes. Ein bisschen Politik, aber nicht sachlich, ein bisschen Empörung und viel Klatsch.

Heute ist das nicht anders. Auf einer Vernissage hörte ich einmal einen schweißglänzenden, bierbäuchigen Herrn in feinem Zwirn zu einem anderen Herrn von ähnlicher Statur sagen: „I bin ja nur da, dass i mir an Has vom Catering aufzwickn kann.“

Wo sich die Emporkömmlinge mit den Ungustln treffen, bleibt mir nur die Einsamkeit oder die Flucht. Für viele ist es der Lebensinhalt. „I guess it must be worth something, what that would be I don’t know.”

Ich gehe nur selten aus. Nie zu „Society-Events“. Manchmal ergibt sich ein Treffen mit Menschen, die ich schon sehr lange nicht gesehen habe. Dann befürchte ich diese unangenehmen Gesprächspausen, weil man sich auseinanderentwickelt, sich nichts mehr zu sagen hat. Weil man nicht zu viel von sich preisgeben möchte.

Neulich habe ich einen Studienkollegen nach 15 Jahren zum ersten Mal wiedergetroffen. Es war, als hätten wir uns letzte Woche erst gesehen, obwohl ein halbes Leben dazwischen lag. Das Gegenteil des Social Life eigentlich. Wir haben uns ausgemacht, uns in Zukunft öfter zu treffen. Das werden wir aller Voraussicht wieder nicht tun. In 15 Jahren werden wir vielleicht wieder einen schönen Abend miteinander verbringen.

http://www.youtube.com/watch?v=9nI-jW5fAVI

Nervous you need a drink
tired you need a lift
you feel on the brink
maybe you need new tits

vulnerable as a ship
but you’re not on the sea
can you talk to anyone here?
no, not really

and the crowd stays on your back
and the girls are all so stacked
and the stress it lines your face
and you really need a place

it’s just that social life
it’s got you on the run
that goddamn social life
it’s torture dressed as fun
it’s just that social life
they got you seein’ things
that goddamn social life
and now you’re chasin’ strings
that goddamn social life

god-awful art and clothes
plenty of money, though
you guess it must be worth somethin’
what that would be you don‘ t know
in your imagination
there’s a face of love

someone who will come along
instead of comin’ on

and the forces ebb and flow
and the money goes and goes
and something makes you
want to throw a brick
through the window

it’s just that social life
it’s got you on the run
that goddamn social life
it’s torture dressed as fun
it’s just that social life
they got you chasin’ strings
that goddamn social life
and you are seeing things

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Songs: Iggy Pop, Social Life

  1. dasmanuel schreibt:

    Dieser Song … trifft den Nagel auf den Kopf.

  2. Tanja schreibt:

    Volltreffer, nix ist öder und blöder als dieser Societyquatsch

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