Songs: Neil Young, Flying on the ground (is wrong)

Immer schon habe ich geträumt. Von der Zukunft. Vom Leben. Von großen Dingen. Und von kleinen.

Als Kind wollte ich Eisprinzessin werden, obwohl ich wusste, ich hatte keinerlei Talent zum Eiskunstlaufen. Es gab aber auch realistischere Träume. Ich wollte einen Mann und Kinder. Meine Mutter, meine Großmutter und meine Urgroßmutter lebten ohne Mann, ihre Töchter ohne Väter. Nicht weil sie das so wollten. Deshalb erschien es mir als große Errungenschaft, eine Familie (vielleicht sogar auch mehr als ein Kind) zu haben. Davon träumte ich.

Später träumte ich davon, ein Studium zu absolvieren und eine tolle Karriere zu machen. Ich wollte zeigen, dass die Tochter der Haushälterin genauso viel schaffen konnte wie die Söhne der Herrschaft. Das klingt jetzt ein bisschen wie eine Geschichte vom sozialen Aufstieg, wie sie zum Beispiel in der Hamburger ZEIT immer wieder beinahe wie eine mythische Sage erzählt wird (und mir ist auch bewusst, dass bis heute noch ein sehr geringer Prozentsatz der Kinder von Arbeiterinnen studiert). Aber bei mir war das nicht so, weil meine Mutter das auch immer wollte.

Immerhin hatte ich ein Ziel vor Augen. Ich studierte einigermaßen zügig. Privilegiert kam ich mir dabei nicht vor. Ich wusste aber, dass meine Mutter einen großen Teil ihrer Ersparnisse dafür opferte (trotz Studienbeihilfe) und war ihr sehr dankbar dafür.

Als ich danach die große Karriere starten wollte, merkte ich, das war gar nicht so einfach. Zuerst versuchte ich es in einem Corporate-Betrieb. Mit amerikanischem Mutterkonzern und strenger Hierarchie. Also mit vielen Aufstiegsmöglichkeiten. Dort gefiel es mir nicht. Dann arbeitete ich im Mutterkonzern eines kleineren Corporate-Betriebs mit noch strengerer Hierarchie und noch mehr Aufstiegsmöglichkeiten. Dort gefiel es mir auch nicht.

Der nächste Betrieb war klein, 120 Mitarbeiter, jeder kannte jeden. Die Hierarchien waren sehr flach, die Aufstiegsmöglichkeiten so gut wie inexistent. Anfangs war ich davon enttäuscht. Wie sollte ich Karriere machen, wenn es nur zwei Stufen über mir gab und eine davon der Firmengründer selbst war? Dann aber merkte ich, wie dumm das war. Ich fühlte mich in der Firma wohl und mochte meine Arbeit. Darauf kam es an. Nicht auf Träume vom Aufstieg in einer Hierarchie, in der man ohnehin nichts zu sagen hat.

Der Traum von der „großen Karriere“ ist in den Hintergrund getreten. Den Traum von Kindern und Familie habe ich verwirklicht. Jetzt träume ich einfach weiter. Davon, ein Buch zu schreiben und es auch verlegen zu können.

Vielleicht sind diese Träume überzogen. Vielleicht aber werden sie wahr. Wenn ich sie nicht verfolge, werde ich es nicht erfahren. Dann würde ich nur dasitzen, mir ausmalen, was hätte sein können und langsam bitter werden. Also schreibe ich einfach. Auch auf die Gefahr hin, am Ende eine gescheiterte Träumerin zu sein. Aber dann habe ich wenigstens unsere Geschichten aufgeschrieben. Die werden auf jeden Fall bleiben. Zumindest in unserer Familie.

Zum Glück unterstützt mich mein Mann bei der Verfolgung meiner Ziele, denn er ist „from my side of town.“

http://www.youtube.com/watch?v=S5Fm9fLBDZ8

Is my world not falling down
I’m in pieces on the ground
And my eyes aren’t open
And I’m standing on my knees
But if crying and holding on
And flying on the ground is wrong
Then I’m sorry to let you down,
But you’re from my side of town
And I’ll miss you.

Turn me up or turn me down
Turn me off or turn me round
I wish I could have
met you in a place
Where we both belong
But if crying and holding on
And flying on the ground is wrong
Then I’m sorry to let you down,
But you’re from my side of town
And I’ll miss you.

Sometimes I feel
like I’m just a helpless child
Sometimes I feel like a king.
But baby, since I have changed
I can’t take nothing home.

City lights at a country fair
Never shine but always glare
If I’m bright enough to see you,
You’re just too dark to care.
But if crying and holding on
And flying on the ground is wrong
Then I’m sorry to let you down,
But you’re from my side of town
And I’ll miss you.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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Eine Antwort zu Songs: Neil Young, Flying on the ground (is wrong)

  1. Karin dein Blog ist toll 🙂
    Daumen hoch für deine Piercing-Beitrag, du motovierst mich mein 3 Baby stechen zu lassen 🙂
    LG
    MissVerhaeltnismaessig

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