Fußballerlebnisse: FC Augsburg vs Borussia Mönchengladbach

IMG_1960

Zum ersten Mal machten wir einen Familienausflug in ein Fußballstadion. Lukas war schon zweimal mit meinem Mann in Stuttgart im Stadion, während ich mit den Mädchen shoppen oder im Museum war. Im Sommer schauten sich Katharina und Lukas in Villach das Spiel Schalke gegen Southampton an. Katharina war von dem Spiel begeistert. Weil sie Schnitzelsemmeln essen durfte, bis ihr schlecht war.

Anna war noch nie in einem Fußballstadion und war sich auch gar nicht sicher, ob sie das jetzt wollte. Diesmal gingen wir alle. Nach Augsburg. Zum Abendspiel am Freitag. Gegen Borussia Mönchengladbach. Mit Übernachtung.

In der Straßenbahn sangen Fans: „FCA, du bist der geilste Verein, schade, dass man dich nicht ficken kann.“

Die Kinder machten große Augen, waren sich nicht sicher, ob sie schockiert darüber sein sollten, dass Erwachsene solche Wörter laut herumbrüllten oder belustigt, sie zu hören.

Am Stadiongelände kauften wir eine Fahne, einen Schal, Wasser für die Kinder und Bier für uns. Wir stiegen die Treppe hinauf zu unseren Plätzen, ganz oben hinter dem Südtor und neben dem Gastfanbereich.

Katharinas Augen leuchteten. Sie schwang die Fahne unermüdlich. Ihr war es egal, dass das Spiel noch nicht begonnen hatte. Die Spieler, die sich am Feld aufwärmten, genügten ihr. Es ging um das Fahnenschwingen nicht um das Spiel.

Vor dem Spiel wurde die Hymne des FCA eingespielt und mitgegrölt: „…mit den wunderbarsten Fans, die nicht ein jeder hat…“ Ich wunderte mich kurz, wer um alles in der Welt sich solche Texte ausdachte.

Das Spiel begann. Das Stadion war beinahe ausverkauft (30.000, verkündete später der Stadionsprecher). Lukas wurde still und konzentriert. Er schaute ganz genau. Katharina schwang die Fahne weiter. Die Augsburgfans verhielten sich eher ruhig. Die Gladbachfans sangen und schrien zum Klang der Trommel. Katharina schaute immer wieder hinüber und versuchte die Gesänge nachzusingen. Mit ihrer Augsburgfahne. Nach zehn Minuten fragte sie: „Ist die erste Halbzeit jetzt aus?“

Vor uns rauchte ein Mann ununterbrochen. Anna gefiel das nicht, sie wollte den Platz wechseln. Katharina wurde langsam müde und setzte sich auf meinen Schoß. Ich bekam nicht so viel vom Spiel mit wie erhofft (aber etwas mehr als befürchtet).

Ein Tor ließ Katharina wieder aufleben, sie schwang ihre Fahne wie wild. Bis sie erschöpft war. Vor der Pause schoss Max Kruse ein Tor für Gladbach. Das belustigte die Kinder. An nächsten Tag mussten wir ein Urmel-Buch kaufen.

In der zweiten Halbzeit regten sich die Augsburgfans über eine Schiedsrichterentscheidung auf. Sie pfiffen. Auch der junge Mann neben mir. Die Kinder hielten sich die Ohren zu.

Sobald das größte Getöse abgeklungen war, versuchte Katharina auch zu pfeifen. Es gelang nicht. Auch nicht nach längerer Übungszeit. Da kam ihr eine Idee: sie steckte sich vier Finger in den Mund und kreischte schrill. Das klang beinahe so wie ein Pfiff. Sie war sehr zufrieden und perfektionierte ihre Technik bis zum Ende des Spiels. Die beiden Tore bekam sie gar nicht mehr so richtig mit.

Nach dem Spiel gingen wir mit tausenden Fans zur Straßenbahnhaltestelle. Der Transport war sehr gut geregelt, auf einer großen Umkehrschleife warteten schon etliche Straßenbahnen. Alle 2 Minuten fuhren sie ab. Wir standen ganz links, von rechts drängten die Leute sich vor. Wir mussten warten. Ein Mann trat Anna auf den Fuß. Sie weinte. Ein anderer Mann begann Streit mit einem, der drängelte. Ich hatte Sorge, es könnte etwas passieren, kam mir vor wie eine Entenmutter, die ihre Küken zusammenhalten musste.

Da sagte jemand: „Lasst jetzt die Kinder einsteigen, die bekommen ja Angst.“ Das fand ich sehr nett. Und tatsächlich ging ein kleiner Gang auf, durch den wir in die Straßenbahn schlüpfen konnten.

Als wir im Hotel ankamen, war es fast Mitternacht. Lukas und mein Mann hatten auf der Fahrt das Spiel analysiert. Ich war erstaunt darüber, wie viel sich der Bub gemerkt hatte.

Ich hatte ein Zimmer mit den Mädchen und wir plauderten noch über das Spiel. Katharina war viel begeisterungsfähiger als Anna, die sich hauptsächlich über den Rauch beklagte. Ich wunderte mich, ob das eine Altersfrage war. Erschöpft schliefen wir ein.

In der Früh, als wir zum Frühstück gingen, kam uns am Hotelparkplatz Alexander Manninger in einem weißen Mercedes entgegen. Mein Sohn erkannte ihn sofort. Manninger grüßte freundlich und fuhr weiter. Warum wir immer Torleuten begegnen, weiß ich allerdings nicht.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Kunst, Kultur, etc. abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Fußballerlebnisse: FC Augsburg vs Borussia Mönchengladbach

  1. tooryeaye schreibt:

    Aufpassen, dass deine Kinder jetzt nicht FCA-Fans werden! Sonst ist lebenslange Erfolglosigkeit, Verzweiflung und Abstieg vorprogrammiert. 🙂

    • Karin Koller schreibt:

      Oh, du meinst, ich habe ihnen irreparablen Schaden zugefügt und kann nur noch durch einen Münchenbesuch Schlimmstes verhindern?

      • tooryeaye schreibt:

        Oder zumindest nach Stuttgart oder Gelsenkirchen. Da haben sie wenigstens eine fighting chance auf eini8ge Glücksmomente langfristig

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s