Kleiderfarben

Kleiderfarben

Lange Zeit trug ich hauptsächlich Schwarz. Weil ich das cool fand. Weil es schlank macht (was ich damals für wichtig hielt). Weil es existenzialistischen Intellekt widerspiegelte, obwohl ich nicht einmal wusste, ob das tatsächlich ein Begriff war. Es klang gut. Wie etwas, das ich haben wollte.

Später achtete ich nicht besonders auf Kleiderfarben. Ich kaufte mir, was mir gefiel und ich wusste, dass mir Grün nicht stand.

Beim durchstöbern alter Fotos fiel mir auf, dass ich mit 14 oder 15 einen Winter lang praktisch nur grüne Kleidungsstücke getragen habe. Vorher und nachher nie. Ich empfand das als merkwürdig.

Als Katharina krank war, dachte ich zuerst nicht an neue Kleider. Das erschien mir geradezu obszön. Bei den langen Krankenhausaufenthalten (insgesamt 12 Wochen) wurde mir jedoch klar, dass kleine Auszeiten und kleine Freuden, die ich mir gönnen konnte, sehr wichtig waren, damit ich die Angst, die Ungewissheit und einfach das Eingesperrtsein im Krankenzimmer leichter ertragen konnte.

Ich machte jeden Nachmittag, wenn mein Mann zu Besuch war, einen kleinen Ausflug. Da spazierte ich der Dornbirner Ach entlang oder ging in die Stadt. Ich schaute auch in die Geschäfte, zuerst nur in die Auslagen, später ging ich auch hinein. Ich brauchte relativ lange, bis ich nicht mehr ein schlechtes Gewissen hatte, selbst etwas zu wollen, wenn mein Kind krank war.

Ich probierte dies und das an. Bald merkte ich auch, dass mir meiner Blusen und T-Shirts in gedeckten Farben auf die Nerven gingen. Ich kaufte bunte Kleidungsstücke. Sogar in Pink und Rot und mit auffälligen Mustern. Darin fühlte ich mich wohl.

Schwarz konnte ich überhaupt nicht mehr tragen. Der Grund dafür war nicht die Assoziation mit Trauer. Eher stimme mich etwas Buntes gleich fröhlicher.

Während der Krankheit dachte ich nicht darüber nach, warum das so sein könnte. Es war einfach ein Gefühl, ob ich mich wohlfühlte in meinen Kleidern. Als ob meine Bluse oder meine Hose mich aufheitern oder niederdrücken könnte.

Erst lange nachdem Katharina wieder gesund war, konnte ich wieder Schwarz tragen. Auch früher schon gab es Saisonen, in denen ich eine bestimmte Farbe bevorzugte. Völlig unbewusst. Ich merkte es oft erst, als ich nach der Saison einen Stapel Kleidungsstücke in der gleichen Farbe wegräumte.

Es war auch so, dass einschneidende Ereignisse in meinem Leben radikale Farbwechsel mit sich gebracht haben. Nicht nur mir geht es so. Ich kenne Frauen, die vor der Geburt ihrer Kinder lieber erfroren wären, als sich einen pinken Pullover auszuleihen, und die danach hauptsächlich in rosa Rüschenblusen anzutreffen waren.

Es gibt Farben für Stimmungen und Farben, die mich längerfristig begleiten. Diese Saison ist es Dunkelbraun. Ich empfinde die Farbe, die ein Espresso mit einem oder zwei Tropfen Milch hat, als Kleidungsfarbe als angenehm. Warum das so ist und warum ich nach wie vor Grün nicht anziehen würde, weiß ich nicht. Es ist ein Gefühl.

Vielleicht kann die Wissenschaft das einmal neurologisch, genetisch, hormonell erklären. Dann kann ich sagen, ich habe es immer schon geahnt.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Kleiderfarben

  1. SW schreibt:

    geht mir ganz ähnlich. Eine Altersache vielleicht, das plötzliche Interesse an Buntheit?

    • Karin Koller schreibt:

      Ich weiß nicht. Es sieht oft so aus. Aber ich bin wieder zu Schwarz und eben Dunkelbraun zurückgekehrt. Ich habe aber manchmal das Gefühl, ich sei noch zu jung für Rosa.

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