Evolution meets Religionsunterricht

Es ist Abend, kurz vor dem Schlafengehen. Ich lese Katharina und Lukas eine Geschichte vor. In einem Nebensatz wird die Urzeit erwähnt und dass die Menschen vom Affen abstammen oder – früher noch – von Amphibien.

„Aber die ersten Menschen waren doch Adam und Eva“, sagt Lukas da.

„Nein, von denen wird nur in Bibel erzählt. Die Menschen haben sich langsam entwickelt und wurden nicht einfach so erschaffen“, versuche ich eine halbherzige Erklärung und will weiterlesen.

„Aber dann wäre doch gar nicht wahr, was in der Bibel steht.“

Das ist jetzt schwierig zu beantworten. Soll ich sagen, was ich von den Bibelgeschichten und von Gott halte? Soll ich mit der Geschichte unserer Kultur argumentieren? Mit Folklore? War Diplomatie überhaupt erforderlich? Ich weiß es nicht. Ich möchte jetzt keine ausufernde Glaubensdiskussion und versuche es behutsam, aber bestimmt, so wie uns damals das erklärt wurde, wenn jemand eine Bibelgeschichte hinterfragte: „Das sind Bilder. Geschichten, die lange Entwicklungen kurz beschreiben“ und füge hinzu: „so wie Märchen.“

„Dann sind das alles Märchen?“, fragt Lukas, „Was wir glauben sind Märchen?“

Ich nicke unmerklich und setze zum Weiterlesen an.

„Aber ich glaube schon“, sagt da der Bub, „nicht so wie du. An Jesus.“

Ich seufze tief, stoße einen innerlichen Fluch auf den Religionsunterricht aus und hoffe, diese Phase wird sich bei Lukas auswachsen.

Da sagt Katharina: „Ich glaube das ja nicht so ganz. Aber ich erzähle euch jetzt meine Weltgeschichte.“

Sie steht auf, holt tief Luft und versucht einen bedeutungsschwangeren Ton zu treffen: „Also, zuerst war die Welt. Und dann entstanden die Hieroglyphen.“ Sie macht eine Pause, sieht, dass ihr Bruder sie auslachen will. „Die Hieroglyphen, oder wie diese komischen Viecher eben heißen. Und eines von diesen Hieroglyphen war Gott. Der ist dann gestorben. In Himmel, wo er dann hingekommen ist, hat er die Menschen erschaffen. Die haben sich dann immer weitervermehrt. Bis wir gekommen sind.“

Lukas hat amüsiert zugehört: „Aber Adam und Eva hatten gar keine Kinder.“

„Hatten sie doch.“

Lukas denkt kurz nach: „Ach ja, der eine hat so schöne Sachen gehabt, und der andere nur verfaulte Fliegen. Da hat der eine den anderen mit einem Stein erschlagen.“

Beide nicken bedächtig. Ihnen fällt nicht auf, dass weder zwei Brüder noch ein einzelner Mann die gesamte Weltbevölkerung hervorgebracht haben konnte. Ich bleibe sicherheitshalber still.

Katharina spricht als Erste wieder: „Die haben Äpfel gegessen dort. Und sich verschluckt dabei und dann sind sie verjagt worden.“

Lukas nickt bedeutungsschwer: „Und an den Adamsapfel glaube ich auch.“

Nur falls uns jemand die Gretchenfrage stellen möchte…

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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3 Antworten zu Evolution meets Religionsunterricht

  1. Yuka schreibt:

    Der Religionsunterricht läuft immer noch genau so wie damals bei mir in den 1970ern:
    Adam und Eva, Abraham und Moses, Gott benimmt sich wie das letzte Arschloch aber man muss an ihn glauben und ihn gut finden.
    Es ist eben nicht Information über die Religion und deren Funktion sondern religiöse Indoktrination, nur dass es nicht mehr Nonnen sind sondern von Steuergeld finanzierte Lehrer.
    Die Religion ist Privatsache und hat in der Schule nichts zu suchen – schon gar nicht wenn sie einer rationalen Sicht der Welt widerspricht.

    • Hofnarr schreibt:

      Aber warum tun wir selber als Eltern offenbar in unseren Häusern das selbe mit unseren, eigenen Kindern, indem wir sie ab Geburt taufen lassen und danach ebenfalls mit diesen Geschichten täglich neu behelligen und sie auch in die Sonntagsschule und in die Kirche schicken?! Und warum liefern wir zusammen mit unseren Steuern an den Staat gleichzeitig massiv Gelder an die christlichen Kirchen beider Richtungen (jedenfalls hier in der Schweiz läuft das bei Katholiken und Reformierten so ab, sofern wir nicht offiziell aus der Kirche austreten und dies auch bei der Kirche und beim Steueramt per Einschreiben bekannt machen und dafür verzichten, mit Hilfe eines Pfarrers christlich auf dem Friedhof beerdigt zu werden!!!) Wir selber sind doch wirklich auch hirnrissig!!! Und für was geben sie das viele über Steuer-Einzüge eingesammelte Geld schliesslich aus?! Fragt mal den Bischof „Sowieso“ in Deutschland, der da in den Medien herumgerissen wird, weil er zu viel vorhandene Millionen für seinen Bischofssitz und sein persönliches Wohnhaus zum Fenster heraus warf…

  2. Hofnarr schreibt:

    Ja, und dann wäre dann noch der Nikolaus, der Weihnachtsmann und der Osterhase und die Geschichte mit dem Storch, der die Kindlein bringt… Mann oh Mann, wenn wir Erwachsenen doch nur immer unsere armen Kinder verwirren können mit unseren Geschichten zum Glauben müssen.
    Und wenn man sie dann darauf anspricht, weil alles erfunden ist, schweigen sie strikte mit dem Hinweis: Ist alles geheim!!! Die Wahrheit aber darf nie wirklich aufgelöst werden!!!

    Warum nur machen wir das mit unseren Kindern genau gleich weiter wie unsere Vorfahren durch Jahrhunderte?! Es ist ein Graus!! Wohl damit sie vorbereitet sind, nie vom Baum der Erkenntnis kosten zu dürfen… sonst fällt ja die Schuldfrage dahin!! Und dabei wären gerade diese Früchte die Sinnvollsten, um begreifen zu können, was da tatsächlich ist!!!

    Aber Sie machen es uns ja vor, die Obrigkeiten aller Länder, zB. Barack Obama rund um den Tod von Osama Bin Laden und Angela Merkel und wie sie alle heissen:
    Siehe Homepage des KENFM: „KENFM über die Akte des Osama Bin Laden“, sofern sie denn nicht zwischenzeitlich gelöscht wurde, nur weil einer es wagte, die Wahrheit bekannt zu machen! Versucht’s eben immer wieder. Der Text war wirklich hörenswert!

    Denn erst noch vor einigen Tagen habe ich diese Wahrheit jenes Deutschen über 26 Minuten dort anhören dürfen, aber heute ist sie schon wieder nicht mehr hörbar, einfach so rausgelöscht (wohl von deutschen oder amerikanischen Obrigkeiten angeordnet!) Dabei könnte ich die Wahrheit darüber durchaus mittels Beweisen vollumfänglich ergänzen…

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