Eine winzige Neigung des Kopfes

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Manche assoziieren einen Nasenring spontan mit Unterjochung. Ich habe das auch gemacht. Wahrscheinlich wegen der Vorstellung, an dem Ring vorgeführt zu werden. Ich sehe relativ selten Frauen mit Septumpiercings. Als ich aber Bilder von Frauen mit Septumpiercing anschaute, fiel mir auf, wie elegant sie aussahen. Sie schienen sich auf eine besondere Art zu tragen.

Vor einem Jahr ließ ich mir ein Septumpiercing stechen. Auf gut Glück. Wenn ich mit dem Ring in der Nase meine alten Assoziationen behielt und mich nicht wohl fühlte, dann könnte ich den Ring immer noch entfernen, sagte ich mir.

Ich fühlte mich aber elegant damit. Nicht unterjocht, sondern ganz im Gegenteil sehr selbstbewusst. Zuerst konnte ich mir nicht erklären, warum das so ist. Aber als ich diesmal den Ring einsetzen ließ fiel es mir auf. Ich spürte den Ring ständig ganz leicht, aber nicht störend. Ich spürte, wie er bei jeder Bewegung des Kopfes leicht seine Position veränderte und hatte das Bedürfnis, ihn ab und zu geradezurichten. Aber nicht mit der Hand. Sondern indem ich den Kopf leicht nach oben bewegte. Ich richtete meinen gesamten Oberkörper dafür auf und neigte den Kopf so, dass ich die Nase etwas höher trug, als ich es sonst tat. Und da spürte ich, wie sich die Kugel des Schmuckes sich langsam auf die Nasenscheidewand senkte. Das war ein schönes Gefühl. Ich verweilte in dieser Position und merkte, dass diese minimale Veränderung der Körperhaltung mir ein Gefühl von Würde vermittelte. Das ist, glaube ich, der Reiz eines Septumpiercings.

In dieser Schmuckkolumne zeige ich eine Kombination von einem Septum- und einem Labretring. Mir gefällt daran, wie der Labretring eine Fortsetzung der Septumkugel zu sein scheint.

Ich trage beide Ringe nicht immer, nur zu besonderen Anlässen, oder wenn mir danach ist. Mit dem Labretring habe ich keine Probleme, den Septumring kann ich nicht alleine einsetzen.

Ich muss dafür ins Piercingstudio. Dort öffnet der Piercer den Ring, weitet die Öffnung mit einer Zange und setzt ihn mir ein (nachdem ich den Retainerstab herausgenommen habe). Dann nimmt er eine andere Zange und quetscht in vorsichtig, vorsichtig wieder zu, bis die Lücke genau groß genug für die Kugel ist, und setzt die Kugel ein. Das ist aufwändig. Ich muss mir frühzeitig überlegen, wann ich den Schmuck tragen will, weil die Öffnungszeiten im Piercingstudio so sind, dass ich nur an einem Nachmittag in der Woche hingehen kann, ohne für Kinderbetreuung sorgen zu müssen.

Aber es ist auch etwas Besonderes. Der Aufwand macht das Tragen des Schmuckes noch ein bisschen würdevoller.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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