Pensées: Eine Fahrt ins Trentino

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  1. Ich war noch nie im Winter in Italien. Außer ganz kurz in Tarvis oder Udine. Aber das zählt ja nicht, weil ich von dort in der Nähe komme.
  2. Diesmal haben wir das Nikolauswochenende mit den Kindern im Trentino verbracht. Einfach so, weil die Kinder jetzt groß genug sind für so einen Ausflug.
  3. Weitgehend zumindest.
  4. Bei der Hinfahrt schauten wir uns Brixen an. Und den Weihnachtsmarkt dort.
  5. Ich hasse eigentlich Weihnachtsmärkte. Das kitschige Zucker/Plastik-Billigzeug zwischen stinkenden Glühwein- oder Langosständen, umkreist von Besoffenen, des Wiener Rathausmarktes habe ich von meiner Studienzeit in unguter Erinnerung.
  6. Aber hier in Brixen war auf dem Hauptplatz ein netter Markt mit Igeln aus Tannenzapfen, Christbaumkugeln, aromatisierten Orangen zum Aufhängen, handgemachten Schokoladeplatten, Wein und anderen Südtiroler Produkten aufgebaut.
  7. In einer Seitengasse warb eine Pizzeria mit „Pizza gefüllt mit Nutella“ und zeigte damit schön, dass Nutella für ALLES verwendet werden kann. Und dass Südtirol in mancherlei Hinsicht doch sehr italienisch ist.
  8. Nicht weit davon entfernt war ein Löwe auf eine Hauswand gemalt, mit der Aufschrift: „Ich bin ein schröck lich leu“.
  9. Wir fuhren weiter ins Trentino. Die Bewohner des Orts, in dem wir übernachteten, waren wohl große Freunde der Weihnachtsbeleuchtung. Jede Straße war mit anderen Lichterketten geschmückt, der Weihnachtsbaum am Hauptplatz schien Funken zu sprühen und sogar die Kirche wurde mit verschiedenen Weihnachtsmotiven angestrahlt.
  10. Die Nachbarin erzählte uns, dass in dieser Gegend am Nikolaustag nur die Buben Geschenke bekommen. Die Mädchen sind dann am Luziatag eine Woche später dran.    IMG_2377
  11. Am nächten Tag fuhren wir nach Trento.
  12. Der Badesee am Weg schaut im Winter ganz anders aus, als man es gewohnt ist. Obwohl man das wissen müsste. Aber die Erinnerung lässt die Vorstellung eines Winterbadesees gar nicht zu.
  13. Die Innenstadt Trentos war ein einziger Markt. Fast wie der Sommer-Mercato. Es gab billige Fußballtrikots und Lederjacken zu kaufen, Putzmittel und Küchenutensilien und sogar im Ganzen gebratene Schweine.
  14. Es gab kaum Weihnachtliches. So wenig, dass sich Lukas in einem Weihnachts-/Faschingsgeschäft eine Hundemaske kaufte.
  15. In dem Geschäft gab es auch einen Eiswürfelbehälter, der Eiswürfel in Penisform zu erzeugen versprach.
  16. Viele Häuser der Stadt sind sehr aufwändig bemalt. Leider konnte ich wenig von der Kunst erkennen, weil die Marktstände davorstanden.
  17. Wir sahen uns auch das Schloss an.
  18. Castello Bounconsiglio. Guter Rat.
  19. Und die Monsterausstellung, die dort gezeigt wurde.
  20. In der ständigen Ausstellung waren auch bronzezeitliche, ostgotische und ägyptische Ohrringe ausgestellt.
  21. Ein Gang war mit Szenen aus der Bibel und der griechischen Mythologie bemalt. Die Fresken stammten aus der Renaissance. Viele der dargestellten Szenen waren Vergewaltigungsszenen. Ein anderer Gang war mit nackten Buben verziert. Engel wahrscheinlich.
  22. Man bekommt das Gefühl, von Renaissancezeit bis Barock war jeder Vorwand recht, nackte Brüste und nackte Buben darzustellen. In Schlössern und Kirchen.
  23. Im obersten Stock der Ausstellung betraten wir einen balkonartigen Gang. Die Aussicht war wunderschön.
  24. Auch wenn so ein Kurzausflug anstrengend erscheint, genau in einer Zeit in der man eigentlich die Wochenendruhe brauchen würde, ist er schön.
  25. Weil man etwas Neues sieht und erlebt.
  26. Weil man dem Alltag entflieht und sich am Montag leichter wieder in ihm zurechtfindet, als noch am Donnerstag davor.

  

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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