Pensées: Vier Dinge, die ich gerne können würde

1.       Ein Instrument spielen.
Also nicht so schlecht und recht, sondern zu meinem Vergnügen. Als Kind nahm ich Gitarrestunden. Ich war nicht nur musikalisch unbegabt dafür, sondern auch motorisch. Jedes Musikstück wurde zur Qual. Nach einigen Monaten, als ich insgeheim gehofft hatte, ich würde jetzt die „coolen“ Songs spielen können, zupfte ich immer noch schwerfällig an irgendwelchen Tänzen herum. Ich war richtig erleichtert, als mein Lehrer nach zwei Jahren sagte, das mit dem Gitarrespielen würde wohl nichts mehr werden bei mir.
Eine Schulfreundin von mir spielte Klavier, seit sie 4 Jahre alt war. Wenn wir Musikunterricht hatten, setzte sie sich in der Pause ans Klavier. Sie spielte einfach drauf los. Aus dem Gedächtnis. Stücke, die sie selbst komponiert hatte, oder Hits, die wir cool fanden, nach dem Gehör. Es mutete so leicht an. Es war so schön, zuzuhören. Das wollte ich auch gerne können. Mir war schon bewusst, wie viel Plackerei auch bei ihr dahinterstecken musste. Mich faszinierte aber, wie sie diese Mühe ablegen konnte.
Etwas, das mir nie gelingen wird.
2.       Gedichte vortragen
Es gibt Menschen, die kennen Gedichte auswendig. Für verschiedene Stimmungen und Anlässe. Und nicht nur das, sie können diese Gedichte auch rezitieren. So, dass ich auch die Schönheit eines Gedichts begreifen kann. Wenn ich für mich ein Gedicht lese, erscheint mir das sehr mühsam. Ich könnte gar nicht erklären, warum das so ist, vielleicht weil durch die Verdichtung die Leseanstrengung für mich größer wird. Oder weil die kurzen Zeilen schwerer zu lesen sind als die seitenfüllenden.
Patrick Leigh Fermor wanderte 1933 als junger Mann von Holland nach Istanbul. Er hatte das Oxford Book of Verse bei sich und rezitierte Gedichte während er wanderte.
Zeit wäre ja genug in meinem Leben, ich könnte beim Bügeln oder Kochen Gedichte lernen und auch versuchen, sie mir schön vorzusagen.
Etwas, für das ich zu träge war, es aber doch noch versuchen sollte.
3.       Makronen backen
Ich liebe dieses schaurig schöne Gebäck, das nur mit greller Lebensmittelfarbe richtig authentisch ist. Ich wollte sie nach dem Rezept aus meinem Ducasse-Backbuch backen, das ich mir damals in Paris gekauft habe. Ich habe das Rezept nicht verstanden, weder die französischen Worte noch, nach langem Suchen im Wörterbuch, deren Zusammenhang. Ich schaute in einem anderen Backbuch nach, da war alles ganz anders und auch irgendwie komisch. Deshalb habe ich nicht versucht, die Makronen zu backen. Vielleicht wäre es zu schaffen, schöne, wohlschmeckende, bunte Makronen zu backen.
Etwas, zu dem ich mich aber nicht aufraffen kann.
4.       Ruhig bleiben
Ich flippe immer gleich aus. Das ist meine große Schwachstelle. Die Kinder wissen das, nutzen es aus, amüsieren sich und lassen mich toben. Ich mache das wie ein pawlowscher Hund, unfehlbar immer gleich. Während ich tobe, merke ich, was da läuft, aber dann ist es zu spät. Und danach schäme ich mich, weil ich wieder auf ihre Tricks hereingefallen bin, obwohl ich es besser wissen müsste. Weil wieder eine große Aufregung entstanden ist, obwohl, wenn ich einfach gelassen geblieben wäre, leise einige Worte gesagt hätte, gar nichts passiert wäre. Ich hätte mich nicht aufgeregt. Wir hätten keinen Streit gehabt. Die Kinder hätten nicht die Genugtuung, mich manipulieren zu können. Das weiß ich alles. Aber ich schaffe es trotzdem meistens nicht, vor dem Aufregen einfach tief durchzuatmen. Und es dann bleiben zu lassen. Aber ich nehme es mir vor.
Etwas, das ich schaffen muss, für mich und meine Kinder.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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