Minima Crotalia

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Das Tragen von Ohrringen wird mit verschiedenen Sinnen wahrgenommen. Am offensichtlichsten ist das Sehen. Ohrringe sind Schmuckstücke und sollen daher schön aussehen. Beim Tragen spürt man sie auch. Sie ziehen leicht am Ohr, oft angenehm, manchmal zu viel. Das leichte Schaukeln bei jeder Bewegung, wenn längere Ohrgehänge den Hals oder die Schulter berühren.

Ohrringe kann man aber auch hören. Wie mehrere Ohrgehänge an einander anschlagen. Wie Kettenglieder sich gegeneinander verschieben. Wie Creolen sich am Metall des Ohrtunnels reiben.

Eine vom Ohrschmuck erzeugte Geräuschkulisse ist vor allem mit größeren Schmuckstücken möglich. Kleine Ohrstecker sind leise und regen auch die anderen Sinne nicht so sehr an.

Das Phänomen der geräuschintensiven Ohrringe ist nicht neu. Plinius nannte Ohrringe „Crotalia“. Dieses Wort beschreibt ein Klappern (der lateinische Name der Klapperschlange ist Crotalus). Damals waren Ohrringe mit zwei oder mehreren großen, freischwingenden Perlen en Vogue. Die machten das klappernde Geräusch, das später zum Synonym für Ohrringe wurde.

Plinius schreibt auch, der Schmuck der Lollia Paulina (3. Frau von Caligula) sei 40 Millionen Sesterzen wert gewesen. Das würde 35 Tonnen Silber entsprechen.

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In dieser Schmuckkolumne stelle ich eine Alltagskombination vor. Ich trage einen 10mm double flared Goldtunnel in den ersten Ohrlöchern und den Ohrrand entlang abwechselnd silberne und goldene Kugelstecker.

In den Tragus habe ich kleine halbmondförmige Goldhängerchen eingesetzt. Es ist zwar ein bisschen eine Fitzelei, diese hineinzubekommen, aber mit ein wenig Übung geht das.

Mir gefällt, wie neckisch die kleinen Anhänger über den Tunnel hängen. Wie sie bei jeder Bewegung ganz leise aber sehr schnell klappern. Fast wie Schetterlingsfügelschläge.

Minima Crotalia eben.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Minima Crotalia

  1. Maria schreibt:

    Dank fuer den Beitrag. Was mir allerdings dann noch einfaellt ist der simple Fakt, dass Ohrschmuck zu den wenigen Schmuckarten gehört, bei denen das Sehen fuer die Traegerin selbst nicht moeglich ist (es sei denn mit Hilfsmitteln und sei es nur ein Spiegel).

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