Osterferien

Ostern, das sollte Urlaub bei Oma werden. Endlich raus aus dem Trott. Uns verwöhnen lassen. Ganz andere Dinge machen als sonst immer. Und es ließ sich recht gut an. Wir fuhren nach Kärnten, machten – wie es die Kinder nennen –  einen Chilltag. Fuhren zum Weinhändler und deckten uns mit Friulano und Ribolla Gialla ein. Machten einen großen Ausflug. Nach Aquileia und Grado und Gorizia. Hielten die Füße ins Meer und sammelten Muscheln.

Als wir zurückkamen, bekam mein Mann Heuschnupfen. Nichts, nicht einmal im Haus zu sitzen, konnte diesen Schnupfen lindern. Weil die Vegetation zu Hause weiter ist, beschlossen wir dem Schnupfen zu entfliehen und heimzufahren. Unterwegs schauten wir uns das Bayern München Museum – die Erlebniswelt – an.

So schön so gut, man kann es sich auch ohne die Fürsorge der Oma gemütlich zu Hause machen. Aber zu Hause bekamen Anna und ich Halsweh und dann Schnupfen. Ich wusch die Wäsche, machte etwas Osterputz und plante einen Kinobesuch mit den Kindern. Mittags war ich erschöpft.

Die Kinder spielten im Keller und ich legte mich hin. Kaum war ich eingeschlafen, flog die Türe zu meinem Zimmer mit einem Knall auf. Katharina schrie: „Du musst sofort kommen, Mama, aus der Waschmaschine spritzt Wasser!“

Schlaftrunken rappelte ich mich auf. Was soll schon groß spritzen bei so einer Waschmaschine? Die paar Tröpfchen kann ich sicher auch nach meinem Schläfchen wegwischen, dachte ich mir, trottete aber trotzdem in den Keller.

Schlagartig wurde ich wach. Hinter der Waschmaschine, die nicht einmal eingeschaltet war, spritzte eine Fontäne Wasser in den Keller. Ich griff zu der Stelle, an der das Wasser hervorquoll, und der Schlauch brach ab. Aus dem Rohr floss das Wasser nun ungehindert heraus. Ich rannte zum Haupthahn (gratulierte mir insgeheim, dass ich wusste, wo der ist) und drehte ihn mit einiger Mühe zu.

Dann ging ich wieder in den Keller. Das Wasser sammelte sich im Keller an. Obwohl der einen kleinen, kanaldeckelartigen Ablauf hat. Aber der wurde offenbar mit den Wassermassen nicht fertig. Ich wollte mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn der Schlauch gebrochen wäre, als wir in Kärnten waren, und nicht einige Minuten sondern einige Tage lang Wasser in den Keller gespritzt wäre.

Ich drehte nun auch den Hahn bei der Waschmaschine ab. Den hatte ich erst jetzt bemerkt. Und den Haupthahn wieder auf. Als kein Wasser mehr floss, stapfte ich mit waschelnassen Socken zurück ins Bett (die Socken zog ich unterwegs aus). Noch eine halbe Stunde Schlaf, bevor ich einen neuen Schlauch kaufen konnte. Schlafen konnte ich aber nicht.

Um zwei Uhr stand ich auf, schraubte den kaputten Schlauch ab, holte mir wieder nasse Socken und fuhr zum Elektrohandel im Nachbarort. Donnerstagnachmittag geschlossen. Stand an der Tür. Ich fuhr wieder nach Hause.

Das Wasser im Keller war beinahe abgelaufen. Die Teppiche hatten sich mit Wasser vollgesogen. Aus einer Ecke rann ein blutrotes Rinnsal. Eine Rolle Seidenpapier war unter den Tisch gefallen, von Wasser durchnässt blutete nun die Farbe aus. Ich nahm die Rolle und warf sie in den Papierkorb. Meine Hand war rot. Ich wusch sie mit Seife. Schrubbte sie mit der Nagelbürste, aber sie blieb rot. Die Taschentücher im Papierkorb färbten sich auch rot.

Ich rollte die Teppiche zusammen und trug sie in den Garten zum Trocknen. Den großen, dicken Teppich konnte ich kaum tragen. Wenn mich jetzt die Nachbarn sehen, dachte ich, mit blutroten Händen, einem Kübel mit blutroten Tüchern und einen eingerollten Teppich schleppend. Was würden die wohl denken? An Mord? An Splattermovies? Ich musste lachen.

Das Lachen verging mir aber, als ich den Keller putzte und die halbersoffenen Puppenkleider und Spielsachen aussortierte und zum Trocknen auslegte. Aber wenigstens wurden dabei meine Hände wieder sauber. Immerhin.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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3 Antworten zu Osterferien

  1. dasmanuel schreibt:

    ‚… Wenn mich jetzt die Nachbarn sehen, dachte ich, mit blutroten Händen, einem Kübel mit blutroten Tüchern und einen eingerollten Teppich schleppend. Was würden die wohl denken? …‘

    Wunderbar. Also … die Vorstellung, nicht die Situation.

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