Pensées: Ein Tag in Italien

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  1. In den Osterferien, bei meiner Mutter in Kärnten, beschließen wir, einen Ausflug nach Italien zu machen.
  2. Zuerst fahren wir nach Aquileia. Im Sommer schon sind wir auf dem Weg ans Meer daran vorbeigefahren. Eine kleine, verschlafene Stadt. 3500 Einwohner, also nicht einmal doppelt so groß wie unser Dorf. Einige Steinruinen haben wir an der Straße gesehen und nicht weiter beachtet.
  3. Diesmal aber machen wir Halt.
  4. In Aquileia steht eine tausend Jahre alte Basilika. Das Baptisterium stammt sogar aus dem 5. Jahrhundert.
  5. Aquileia ist eine der ältesten christlichen Stätten. Der Legende nach soll Petrus den Evangelisten Markus dorthin geschickt haben, um Menschen zum Christentum zu bekehren.
  6. Damals war Aquileia bedeutsam. 100.000 Menschen sollen hier gelebt haben. Das kann man sich kaum vorstellen. In Udine leben jetzt so viele. In Triest 200.000.
  7. Den Boden der Basilika bedeckt ein riesiges Mosaik, das etwa aus dem Jahr 300 stammt.
  8. Verschlungene Gebilde sind darauf, die an Liebesknoten erinnern, und verschiedenste Tiere, wie Schafe, Kühe, Ziegen, Gazellen.
  9. Der obere Teil des Mosaiks gehört den Meerestieren. Tintenfische, Seespinnen, Fische aller Art. Und dazwischen ein Boot mit Fischern.
  10. Die sind nackt.
  11. Es kommt mir ziemlich ungewöhnlich vor, in einer Kirche nackte Männer abgebildet zu sehen.
  12. Mir fällt auf, wie ruhig das Mosaik wirkt und wie freundlich. Als hätte es eine friedliche Botschaft für die Betrachterin.
  13. Ganz im Gegensatz zu den barocken Darstellungen in anderen Kirchen, die mit Einschüchterung arbeiten. Im Guten mit der Herrlichkeit der Engel und Heiligen, oder gleich mit dem Terror des Fegefeuers.
  14. Ein Paradigmenwechsel muss stattgefunden haben. Es wäre interessant zu wissen, wann und warum.
  15. Auch die Decke wirkt beruhigend. Ein Holzkonstrukt mit kleinen Bildern, die wie Spielkarten aussehen. Ich kann nicht genau erkennen, was sie darstellen.
  16. Die Krypta ist mit Heiligenbildern bemalt. Auffällig ist, dass bei Darstellungen von Taufen immer Erwachsene in einem großen Becken stehen, manchmal mehrere auf einmal.
  17. An einer Wand sind die Reliquien ausgestellt. Schreine mit Edelsteinen und Perlen verziert, in denen ganze Oberschenkelknochen ausgestellt sind.
  18. Wir klettern die Stiegen auf den Turm hinauf. Patriarch Poppo hat den Turm erbauen lassen.
  19. Die Kinder müssen über den Namen kichern. Ich auch ein bisschen.
  20. Vom Turm aus sieht man das Meer.
  21. Den Rundgang durch die Ruinen machen wir nicht, es ist Mittag geworden und wir wollen die Geduld der Kinder nicht überstrapazieren.
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  23. Wir fahren nach Grado. Es ist schön, über die Brücke durch das Meer zu fahren.
  24. Am Strand setzen wir uns auf eine Bank und essen die mitgebrachten Wurstsemmeln. Dann ziehen wie die Schuhe aus und machen einen Spaziergang.
  25. Im April halten wir die Füße ins Meer.
  26. Nur eineinhalb Stunden von zu Hause entfernt.
  27. Wie warm sich der Sand anfühlt unter den nackten Füßen.
  28. Ich sammle ein paar Muscheln. Eine schwarze Jakobsmuschel ist dabei. Überhaupt sind die Muscheln größer als im Sommer. Wahrscheinlich bleiben sie länger liegen, weil der Strand nicht täglich gesäubert wird, oder die Frühbesucher die schönsten Muscheln wegsammeln.
  29. Am Strand sieht man Menschen in Badekleidung und andere mit Windjacken und Kopfbedeckungen. Man scheint sich nicht darauf einigen zu können, ob noch Winter ist oder bereits Sommer.
  30. Wir fahren weiter nach Gorizia. Es ist Montag und alles hat geschlossen. Die Burg, die Museen, die Geschäfte, die Cafés.
  31. Trotzdem gehen wir zur Burg hinauf und schauen auf die Stadt.
  32. Zurück in der Stadt suchen wir eine Eisdiele.
  33. In der Auslage einer Weinhandlung sind Flaschen aufgestellt, auf deren Etiketten wahlweise barbusige Frauen oder Mussolini dargestellt sind.
  34. Ein Chocolatier hat die ganze Auslage mit riesigen Ostereiern vollgerammelt. Ich denke an das Lied „Osterhas, schenk ein Ei mir wie ein Fass, möchte mich gern darin verstecken und den ganzen Tag dran schlecken.“
  35. Endlich finden wir eine Eisdiele. Wir essen das erste Eis der Saison im Freien.
  36. Dann fahren wir nach Hause. Es war ein schöner Tag. IMG_7756_1 IMG_3765

 

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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